Lebensdaten
1850 bis 1924
Geburtsort
Samter
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist ; Pianist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117110450 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scharwenka, Theophil Franz Xaver

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Zitierweise

Scharwenka, Xaver, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117110450.html [19.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    B Philipp (s. 1);
    Zenaide, aus Slobadkoj (Rußland), Schülerin v. S., T d. N. N. Gousseff u. d. Sophie Gfn. v. Nymander (1825–1905), aus finn. Soldatenfam., zuletzt in B.;
    1 S, 4 T.

  • Leben

    Philipp und Xaver erhielten zunächst Musikunterricht durch die Mutter und den Kantor in Samter. Nachdem die Brüder den Schulbesuch am Posener Gymnasium beendet hatten, zog die Familie 1865 nach Berlin. Beide wurden an die Akademie der Tonkunst Theodor Kullaks (1818–82) aufgenommen, wo neben dem Gründer auch die renommierten Lehrer Heinrich Dorn und Richard Wüerst für die Ausbildung zuständig waren.

    Nach drei Jahren erhielt Philipp am Institut eine Stelle als Theorielehrer. Neben den pädagogischen Pflichten konzentrierte er sich zunehmend auf die Komposition eigener Werke, die er seit 1874 auch der Öffentlichkeit präsentierte. Im folgenden Jahr wechselte er an das neugegründete Konservatorium seines Bruders, um dort Musiktheorie und Komposition zu unterrichten. 1901 wurde er o. Mitglied der kgl. Akademie der Künste und 1911 in deren Senat berufen. 1902 wurde er zum Professor ernannt. Als Pädagoge genoß er zeitlebens höchstes Ansehen. Zu seinen Schülern gehörten u. a. die Dirigenten Oskar Fried (1871–1941) und Otto Klemperer (1885–1973). Unter Philipps Werken verdienen besonders die „Dramatische Phantasie für Orchester“ op. 108 (Preis d. Allg. Dt. Musikvereins) sowie die formvollendete und ausdrucksstarke Kammermusik neuerlich Beachtung.

    Xaver, der zunächst v. a. bei Kullak studierte, blieb anschließend bis 1874 wie sein Bruder als Lehrer an der Akademie. Schon 1867 feierte er als Pianist große Erfolge. Es war dies der Auftakt einer langjährigen Konzerttätigkeit, die ihn solistisch und mit Kammermusikpartnern durch Europa führte. 1881 gründete er sein eigenes Konservatorium, welches sich dank der Mitarbeit bedeutender Lehrer (neben d. Brüdern S. u. a. W. Berger, H. Grünfeld u. O. Leßmann) rasch etablierte. 1885 wurde er zum Professor ernannt. Der Schwerpunkt lag in der Anfangsphase im Bereich der Klavierausbildung. 1891 folgte die Eröffnung einer New Yorker Sektion des S.-Konservatoriums, deren Geschäfte Xaver selbst sieben Jahre leitete. 1893 fusionierte die Institution mit dem Klindworth-Konservatorium; fünf Jahre später kehrte Xaver nach Berlin zurück. 1914 gründete er hier nochmals eine eigene Klavierschule. Seit 1900 war er o. Mitglied der kgl. Akademie der Künste, in deren Senat er ein Jahr später berufen wurde. 1903 gründete er den Musikpädagogischen Verband, dessen Ziel die Sicherung des Lehrniveaus an Konservatorien durch die Einsetzung von Prüfungskommissionen war, und wurde selbst 1. Vorsitzender. Während des 1. Weltkriegs sicherte der Verband die Existenz einer Künstlerküche und betreute notleidende Künstler.

    Neben den pianistischen sowie den pädagogischen und organisatorischen Qualitäten trat Xaver zunehmend als Komponist hervor. Neben dem „Poln. Tanz“ op. 3/1, millionenfach verkauft, war es v. a. das erste von vier Klavierkonzerten, das seinen kompositorischen Ruhm zu Lebzeiten begründete. Gegen Ende seines Lebens verfaßte er die Autobiographie „Klänge aus meinem Leben“ (1922, P).

    Das Werk der Brüder S. ist dank des wiedererwachten Interesses an der Spätromantik neuerlich entdeckt worden und auf Tonträgern präsent. In Lübeck pflegt die 1988 gegründete S.-Gesellschaft das musikalische Erbe und verwahrt Teilnachlässe.

  • Werke

    zu Philipp (op. 6-123, Vera. in MGC): Scènes de danse op. 6;
    Phantasiestücke op. 11;
    Polonaise pathétique op. 12;
    Humoreske u. Mazurka op. 13;
    4 Moments musicaux op. 46;
    Capriccio op. 47;
    Intermezzi (4hd.) op. 48;
    Improvisationen op. 49;
    Scherzo op. 50;
    Lyrische Episoden op. 82;
    5 Klavierstücke op. 83;
    Symphonie op. 96;
    Klaviertrio op. 100;
    Dramat. Phantasie op. 108;
    Violinsonaten op. 110 u. 114;
    Cellosonate op. 116;
    Klavierquintett op. 118;
    Lieder, Chorwerke; – zu Xaver
    (op. 1-90, Verz. in Schneider-Dominco): Klaviermusik f. 2 u. 4 Hde., u. a. Poln. Tänze op. 3, Sonate op. 6, 36, 52;
    Var. op. 48, 57, 83;
    Konz. op. 32, 56, 80, 82; – Kammermusik:
    Klavier-Trio op. 1, 45;
    Klavier-Quartett op. 37;
    Violin-Sonate op. 2;
    Violoncello-Sonate op. 46;
    Symphonie op. 60. Meisterschule d. Klavierspiels, 4 Bde.;
    Btrr. z. Fingerbildung op. 77, 3 H.;
    Stud. im Oktavenspiel op. 78. Mataswintha, Oper (1894 Berlin); – Schrr:
    Methodik d. Klavierspiels, 1908, 21916.

  • Literatur

    H. Leichtentritt, Das Konservatorium Klindworth-Scharwenka, 1931 (P);
    “W. Altmann, in: Allg. Musikztg. 68, 1941, S. 57 ff.; – zu Philipp:
    H. Kretzschmar, Führer I, 1, 3, 1898, S. 353 ff.;
    A. Kleffel, in: Klavierlehrer 30, 1907, S. 133 ff.;
    E. Segnitz, in: Musikal. Wbl. 31, 1909, S. 286 f.;
    H. Wetzel, in: Allg. Musikztg. 39, 1912, S. 1235 ff.;
    ders., in: Die Musik X, H. 4, 1910, S. 27 ff.;
    ders., in: Kunstwart 27, 1914, S. 376 ff.;
    Neue Musikztg. 38, 1917, S. 68 f.;
    DBJ II, Tl.; – zu Xaver:
    H. Engel, Das Instrumentalkonzert, 1932;
    K. Kipke, in Musikal. Wbl. 12, 1881, S. 324 ff.;
    E. Tetzel, in: Neue Zs. f. Musik 78, 1911, S. 205 ff.;
    A. Diesterweg, in: Allg. Musikztg. 51, 1924, S. 939 f.;
    H. Leichtentritt, in: Die Musik 17, 1924, S. 334 ff.;
    R. Cole, in: Monthly Musical Record 55, 1925, S. 1653 ff.;
    W. Hirschberg,|in: Berliner Musikjb., 1926;
    Th. Johnson, in: Musical Opinion 62, 1939, S. 945 ff.;
    M. Schneider-Dominco, X. S., Werkverz. (ScharWV), 2003 (P);
    MGG (P);
    Riemann;
    New Grove;
    New Grove.

  • Portraits

    zu Philipp u. Xaver: zwei Ölgem., anonym (Berlin, Privatbes.); weitere P
    (Lübeck, Scharwenka-Ges.); – zu Xaver:
    Ölgem. v. A. v. Werner, 1905 (Privatbes.).

  • Autor

    Matthias Wiegandt
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiegandt, Matthias, "Scharwenka, Xaver" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 585-586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117110450.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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