Lebensdaten
1889 bis 1955
Geburtsort
Frickhofen bei Hadamar (Hessen-Nassau)
Sterbeort
Los Alamos (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117106194 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schardt, Alois Jakob
  • Schardt, Alois
  • Schardt, Alois Jakob

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schardt, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106194.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter Stephan (1853–1918), Landwirt in F.;
    M Elisabeth (1853–1918), T d. Johann Klein (* 1807), Weinhändler in F., u. d. Anna Katharina Hof (* 1812);
    1916 Mary (1896–1951), Schausp. in Berlin, T d. Dr. Karl Friedrich Wilhelm Dietrich, Gutsbes., Schriftst., u. d. Mary Emerson;
    1 S Wolfgang Alois (* 1923), Physiker in L. A., 1 T Anna Margaretha (* 1918).

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Hadamar und studierte 1911-14 Philosophie, Literatur, Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Marburg, München, Würzburg und Berlin. Wegen eines Nervenzusammenbruchs aus dem Kriegsdienst entlassen, wurde er 1917 in Würzburg bei Heinrich Bulle (1867–1945) promoviert (Der menschl. Ponderationstypus, Seine Bedeutung f. d. Kunst, insbes. f. d. ägypt. u. griech. Plastik). Seit 1918 arbeitete er zunächst im Ägyptischen, dann im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin; 1920 wurde er Assistent Ludwig Justis (1876–1957) an der Nationalgalerie und schrieb zahlreiche vorbildliche Bildinterpretationen für die Rubrik „Alte und neue Kunst“ in der „Dt. Allgemeinen Zeitung“ (1921). Seit 1923 leitete er das Bildungsinstitut in Hellerau, wo er ein Reformschulprogramm und eine Galerie moderner Kunst aus Leihgaben der Künstler verwirklichte. 1926 wurde er zum Direktor des Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe in Halle berufen, 1930 zum Honorarprofessor der Univ. Halle ernannt. Von seinen Erwerbungen für das Museum sind v. a. die Werke von Oskar Kokoschka, Franz Marc, Paul Klee, Wassily Kandinsky und El Lissitzky hervorzuheben. S. vermittelte einen Auftrag der Stadt Halle an Lyonel Feininger, aus dem dessen berühmte Halle-Serie hervorging (1929-31). Besonderes Aufsehen erregte seine Museumsgestaltung mit lasierenden Wandanstrichen, deren Tönung auf das einzelne Kunstwerk abgestimmt wurde, und verschiedenen Beleuchtungstechniken. Für S. war die Moderne – vorangekündigt durch die Frühromantik – der Beginn einer neuen geistigen Epoche, die sich im Gegensatz zu dem seit der Renaissance herrschenden statischen Materialismus mit der Dynamik der neuen wissenschaftlichen Weltanschauung auseinandersetzt. Dieses Modell projizierte er besonders auf die dt. Kunst und forderte 1933 in seiner hektographierten Denkschrift „Wesensmerkmale der dt. bildenden Kunst“ u. a. eine „völkische“ Ordnung der Museen, um den nationalen Gefühlscharakter besser erkennen zu können. Seit 1933 Mitglied der NSDAP und des „Kampfbunds für Dt. Kultur“, wurde S. nach Justis Absetzung im Sommer 1933 als kommissarischer Direktor an die Nationalgalerie berufen, um die Neue Abteilung neu zu ordnen. Die Hängung kulminierte im Expressionismus, in der Kunst Marcs und Feiningers, und durfte schließlich nicht eröffnet werden. S. kehrte nach Halle zurück, wo er ebenfalls die moderne Kunst propagierte. Seine Weigerung, in seinem Museum die Moderne auszusondern, führte 1936 zu seiner Pensionierung; seine im selben Jahr erschienene Franz-Marc-Monographie wurde wenig später verboten. Im Nov. 1939 emigrierte S. nach Los Angeles. Dort wurde er Mitte der 40er Jahre Direktor des Art Department der Olive Hill Foundation, lehrte Ästhetik an der Univ. von Süd-Kalifornien und hielt Vortragsreihen an verschiedenen Colleges. S. hat relativ wenig publiziert, war aber ein begabter und gefeierter Redner.

  • Werke

    Btr. z. Frage d. Museumsgestaltung, in: Kreis v. Halle 1, 1930/31, H. 4, S. 122-29;
    Feiningers Bilder d. Stadt Halle, in: Jb. d. Denkmalpflege in d. Provinz Sachsen u. in Anhalt, 1931, S. 48-59;
    Das Hallische Stadtbild, 1932;
    Das Email als künstler. Ausdrucksmittel, in: Kreis d. Städte 2, 1932, H. 5/6, S. 1-16;
    Kunst u. Mus., in: Volk im Werden 2, 1934, S. 330-45;
    Das Initial, 1938;
    Die Kunst d. MA in Dtld., 1941;
    Lyonel Feininger, in: Lyonel Feininger, Marsden Hartley, 1944, S. 14-17;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Getty-Center, Los Angeles: |

  • Quellen

    Qu: Zentralarchiv d. Staatl. Museen Preuß. Kulturbes., Berlin; StadtA Halle; Archiv d. Staatl. Gal. Moritzburg, Halle; Archiv d. Gal. Achim Moeller, New York; Archiv A. Hüneke, Potsdam.

  • Literatur

    R. R. Rive, Lebenserinnerungen e. dt. Oberbgm., 1960;
    A. Hüneke, Das Kunstwerk im Mus., das Mus. als Kunstwerk, in: Im Kampf um d. mod. Kunst, 1985, S. 60-64;
    ders., Ponderation, das schöne Gleichgewicht, in: Bildende Kunst, XXXVIII, 1990, H. 2, S. 52-57;
    ders., Im Takt bleiben od. taktieren? A. J. S., in: H. Junge (Hg.), Avantgarde u. Publikum, 1992, S. 283-90;
    ders., A. S. in Hellerau, in: Dresdner Hh. 15, 1997, H. 51, S. 87-91 (P);
    ders., A. S. u. d. Neuordnung d. Nat.gal. nach völk. Gesichtspunkten 1933, in: „Der Dt. Kunst“, 1998, S. 82-96;
    ders., Das schöpfer. Mus. (im Druck);
    W. Büche, A. Hüneke u. P. Romanus (Hg.), Lyonel Feininger, Die Halle-Bilder, 1991;
    Rhdb. (P);
    Wi. 1935;
    BHdE II;
    Nassau. Biogr.;
    U. Wendland, Biogr. Hdb. dt.sprach. Kunsthistoriker im Exil, 1998;
    Metzler Kunsthist. Lex.

  • Autor/in

    Andreas Hüneke
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüneke, Andreas, "Schardt, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 565-566 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117106194.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA