Lebensdaten
1812 bis 1870
Geburtsort
Weinbach (Amt Weilburg, Nassau)
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Protagonist der Arbeiterbewegung
Konfession
-
Normdaten
GND: 138062315 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schapper, Karl Hermann Christian Friedrich
  • Schapper, Karl
  • Schapper, Karl Hermann Christian Friedrich

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Zitierweise

Schapper, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138062315.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Conrad Christian (1779–1845), ev. Pfarrer in W., S d. Friedrich Christoph (1735–85), ev. Pfarrer in Rettert (beide s. Nassau. Biogr.), u. d. Susanne Katharina Christiana Seipel (1754–1825);
    M Charlotte Cesar ( 1814), aus Heckholzhausen;
    Ur-Gvv Philipp Reinhard (1698–1770), ev. Pfarrer in Arnoldshain, seit 1751 in Rettert (s. Nassau. Biogr.);
    Ov Friedrich Christian (1776–1840), ev. Pfarrer in Niederkleen, zuletzt in Allendorf b. Weilburg;
    - 1) Susanna Peckover (um 1813–49), aus Charlton (Northamptonshire), 2) Klara Hoppe ( 1902);
    4 K aus 1);
    Vt Karl (1815–98), ev. Pfarrer u. Sup. in Groß-Rosenburg b. Calbe/Saale, zuletzt in Wernigerode, Dr. theol. h. c. (s. Nassau. Biogr.).

  • Leben

    S. besuchte die Elementarschule in Weinbach, 1828-31 das nassau. Landesgymnasium in Weilburg und seit 1831 die Univ. Gießen. Er studierte Forstwissenschaft, wurde aber wegen seiner Mitgliedschaft bei der Gießener Burschenschaft 1832 nicht zum Abschlußexamen zugelassen. Nach Teilnahme an demokratischen Kundgebungen und an der Vorbereitung des „Frankfurter Wachensturms“ für drei Monate verhaftet, floh er 1834 in die Schweiz, wo er erneut sechs Monate inhaftiert wurde wegen seiner Beteiligung an Guiseppe Mazzinis bewaffnetem Einfall in Savoyen. Anschließend lebte er als Förster in Bern, wurde aber wegen politischer Tätigkeit als Mitglied des „Jungen Deutschland“ und Mitbegründer der Berner Handwerkervereinigung im Okt. 1834 aus dem Kt. Bern ausgewiesen. Im März 1836 mußte er die Schweiz endgültig verlassen. Bis 1839 in Paris lebend, gehörte er seit Ende 1836 dem dortigen Klub des „Jungen Deutschland“ und dem „Bund der Geächteten“ an, begründete den „Bund der Gerechten“ mit und war 1839 in den Aufstandsversuch der geheimen „Société des Saisons“ verwickelt. Nach sechsmonatiger Haft und Ausweisung aus Frankreich lebte er bis 1848 in London, wo er u. a. als Sprachlehrer arbeitete. 1840 gründete S. mit Joseph Moll und Heinrich Bauer den „Londoner dt. Arbeiterbildungsverein“, der bis 1918 unter verschiedenen Namen existierte. In der Leitung des Vereins hielt er Verbindung mit den dt. Arbeitervereinen in Frankreich, Deutschland,|der Schweiz und den USA und lernte 1843 Friedrich Engels, 1845 Karl Marx kennen. S. war im Sept. 1845 Mitgründer der internationalen Vereinigung der „Fraternal Democrats“. In Paris Anhänger des franz. utopischen Sozialismus, näherte er sich Ende der 1830er Jahre arbeiterkommunistischen Ideen, mäßigte sich unter dem Einfluß von Cadet, Owen und der Chartisten und wandte sich schließlich den Ideen von Marx und Engels zu. 1846 übernahm er die Leitung des Kommunistischen Korrespondenzkomitees in London sowie der nach London verlegten Zentralbehörde des „Bundes der Gerechten“. Er war Mitbegründer des „Bundes der Kommunisten“, redigierte die erste Nummer der „Kommunistischen Zeitschrift“ und organisierte 1848 Korrektur und Druck des „Manifestes der Kommunistischen Partei“. Im April d. J. in Köln Mitarbeiter der „Neuen Rhein. Zeitung“, übernahm er mit Moll die Leitung des „Kölner Arbeitervereins“, war in verschiedenen Organisationen und auf Kongressen der Rheinprovinz tätig und zählte zu den Mitgliedern der „Kölner Bürgerwehr“. Im Rahmen der Septemberunruhen verhaftet und des Komplotts zum Umsturz angeklagt, wurde er im Nov. 1848 jedoch wieder entlassen. 1849 schied er aus dem „Kölner Arbeiterverein“ aus, ging nach Nassau, schloß sich den Wiesbadener Demokraten an, wurde nach der Teilnahme an einem vom „Verein zur Wahrung der Volksrechte“ organisierten Kongreß erneut acht Monate inhaftiert und im folgenden Hochverratsprozeß freigesprochen. Er gründete in Wiesbaden einen Arbeiterbildungsverein, bevor er, wie zuvor aus Köln, 1850 auch aus Wiesbaden ausgewiesen wurde. Den Rest seines Lebens verbrachte S. beinahe mittellos in London. Bei der Spaltung der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten sprach er sich gegen Marx aus und bildete mit August Willich einen „Sonderbund“, versöhnte sich aber 1856 wieder mit Marx. Auf dessen Aufforderung arbeitete S. wieder im Londoner Arbeiterbildungsverein mit, wurde 1865 in den Generalrat der I. Internationalen gewählt und nahm an der Londoner Konferenz im Sept. 1865 teil. S. starb an Lungentuberkulose.

  • Werke

    Die Gütergemeinschaft, 1838.

  • Literatur

    K. Bittel (Hg.), Der Kommunistenprozeß zu Köln 1852 im Spiegel d. zeitgenöss. Presse, 1955;
    ders., in: Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
    W. Kowalski, Vorgesch. u. Entstehung d. Bundes d. Gerechten, 1962;
    G. Becker, Karl Marx u. Friedrich Engels in Köln 1848 bis 1849, Zur Gesch. d. Kölner Arbeiterver., 1963;
    ders., in K. Obermann, (Hg.): Männer d. Rev. v. 1848, I, 1970, 21988, S. 123-47;
    ders., in: Biogr. Lex. z. dt. Gesch., 1970, S. 598 f.;
    ders., in: K. Pätzold u. a. (Hg.), Biogr. Lex. z. dt. Gesch. v. d. Anfängen bis 1945, 1991, S. 439-41;
    W. Schieder, Anfänge d. dt. Arbeiterbewegung, Die Auslandsver. im J.zehnt nach d. Julirev. v. 1830, 1963;
    Der Bund d. Kommunisten, Dok. u. Mat., I-III, 1970-84;
    E. Schraepler, Handwerkerbünde u. Arbeiterver, 1830–1853, Die pol. Tätigkeit dt. Sozialisten v. Wilhelm Weitling b. Karl Marx, 1972;
    A. M. Kuhnigk, K. S., 1980;
    J. Grandjonc, H. Pelger, „Gütergemeinschaft“ (Juni bis Dez. 1838), Materialien v. C. S. f. d. Grundsätze d. Bundes d. Gerechten, in: Stud. z. Gesch. 15, 1989, S. 65-115;
    M. Hundt, Gesch. d. Bundes d. Kommunisten 1836-1852, 1993;
    J. Rokitjanski, in: Demokratische Wege, S. 544 f.;
    G. Becker, in: Reinalter II/1: Dtld. (1815–1848/49) (im Druck);
    Nassau. Biogr.;
    Lex. sozialist. Lit., 1994;
    Biogr. Lex. Burschenschaft (P).

  • Autor/in

    Barbara Gant
  • Empfohlene Zitierweise

    Gant, Barbara, "Schapper, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 564-565 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138062315.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA