Lebensdaten
1762 bis 1826
Geburtsort
Ansbach
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bankier ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117100617 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schaezler, Johann Lorenz (bis 1821)
  • Schaezler, Johann Lorenz Freiherr von
  • Schaezler, Johann Lorenz (bis 1821)
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Zitierweise

Schaezler, Johann Lorenz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117100617.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Eine Abstammung d. Fam. v. e. bürgerl, gewordenen Linie d. seit d. 14. Jh. in d. Passauer Gegend nachweisbaren Rittergeschlechts d. Frhr. Schaezl zu Hörmannsberg, Thyrnau u. Watzmannsdorf ist nicht gesichert;
    V Wilhelm Friedrich (1723–86), mgfl. Hof-, Stadt- u. Landchirurg in Ansbach, S d. Lorenz (1677–1755), Wachsbleicher, Konditor, seit 1736 Bgm. in Ansbach, u. d. Maria Elisabeth Schaudig;
    M Laurentia Friederike (1727–85), T d. Nikolaus Johann Loesch, Kantor an d. mgfl. Fürstenschule zu Heilsbronn (Gymn. Ansbach);
    Nördlingen 1793 Maria Anna (Marianna) (1768–1838), T d. Benedikt Adam Frhr. v. Liebert (1731–1810, Reichsadel 1763, Frhr. 1770), auf Liebenhofen, Bankier in Augsburg, belieferte d. ksl. Münze in Günzburg, 1769-76 mit d. Handelshäusern Köpf u. Carli an d. ksl. Silberhandelsges. in A. beteiligt, bayer. Finanzrat 1808 (s. Augsburger Stadtlex.);
    3 S Ferdinand (s. 2), Wilhelm Heinrich (1797–1887, 1] Elisabeth Freiin v. Süßkind, 1810–31, 2] Wilhelmine Louise v. Steffen, 1813–96), auf Scherneck, Gutsbes., Ludwig Karl (1800–61, Auguste v. Löweneck, 1801–42), Bankier in Augsburg;
    5 T Friederike ( N. N. Frhr. v. Schnurbein), Anna (Nanette) (1801–71, 1] 1819 1822 Louis Frhr. v. Wohnlich, 1790–1852, aus Pforzheim, S d. Daniel Frhr. v. Wohnlich, 1753–1839, auf Tagmersheim, Bankier in Augsburg, 2] Otto Rr. Stransky v. Stranka u. Greiffenfels, 1778–1845, Dr. med., Reg.med.rat in Augsburg), Elisabeth (Elise) (* 1798, Marcus Jakob Frhr. v. Schnurbein, 1793–1819, auf Meitingen usw., s. Augsburger Stadtlex.), Laura (1810–34, Albert v. Froelich, 1804–75, Bankier in Augsburg, S d. Christoph v. Froelich, 1765–1832, bayer. Adel 1821, aus Zweibrücken, beteiligt an d. Kattunfabrik seines Schwieger-V Carl Wohnlich, s. Gen. 2, s. Augsburger Stadtlex.), Emilia Katharina Auguste ( N. N. Bortoum, in Lyon);
    E Constantin Frhr. v. Schäzler (s. 3), Alfred (1834–1922), auf Scherneck, Gutsbes., Adele (* 1834, Ludwig Frhr. v. Pölnitz), Egon Karl (1836–82, Sophie Freiin v. u. z. d. Tann, 1845–1929), bayer. Rittmeister, Edmund Karl (1844–1907), Clementine (1835–1922, Hermann Frhr. v. Gaisberg-Schöckingen, 1824–1905), Bertha (1840–1926, Rudolph Frhr. v. d. Tann, 1820–90, bayer. Gen.lt., Ehrenbürger v. Ingolstadt).

  • Leben

    S. besuchte das Ansbacher Gymnasium und begann 1777 eine Kaufmannslehre in einer Schnittwareneinzelhandlung in Frankfurt/M. Anschließend trat er dort 1781 in das Bankhaus „B. Metzler seel. Sohn & Co.“ ein, bevor er 1785 zu einer Tuchfabrik in Aachen wechselte, wo er nebenbei auf eigene Rechnung eine kleine Stickereifabrik betrieb. 1789 beteiligte er sich an einem Bergwerksunternehmen in Trarbach/Mosel, wobei er fast sein gesamtes Vermögen verlor. Durch Vermittlung seines Augsburger Vetters Johann Georg Schaezler fand S. 1791 eine Anstellung als Handlungsgehilfe im Wechselhaus des Augsburger Bankiers Benedikt Adam Frhr. v. Liebert auf Liebenhofen, dessen Tochter er 1793 heiratete. 1795 in die Unternehmensleitung aufgenommen, begann er 1797 einen ertragreichen Handel mit ital. Seidenwaren. 1799 schied er aus der Firma des Schwiegervaters aus und gründete 1800 am Börsenplatz Augsburg ein eigenes Bankhaus „J. L. Schaezler“, das durch außerordentliche Gewinne im Wechsel- und Geldhandel – insbesondere nach Wien, Oberitalien und Lyon – eine glänzende Entwicklung nahm.

    Dank des geschäftlichen Erfolgs erlangte S. rasch großes Ansehen. 1801 wurde er zum Assessor des Augsburger Handelsstandes, 1812 zum vorsitzenden ev. Stubenmeister dieser Korporation gewählt. 1805 war er führendes Mitglied einer reichsstädtischen Deputation, die mit Napoleon verhandelte. Nach der Eingliederung Augsburgs in das Kgr. Bayern 1806 wurde er zu einem der wichtigsten Finanziers der bayer. Krone. Bis 1809 gewährte er im Verbund mit dem Augsburger Bankhaus „Carli & Comp.“ Kredite von über 2 Mio. fl.; drei Jahre später beteiligte er sich mit 300 000 fl. an der Gründung einer Diskontokasse zur Stabilisierung des bayer. Staatskredits. 1810 erbte S. das Bankhaus seines Schwiegervaters. In der Folge stieg er durch den Handel mit bayer. und österr. Staatspapieren sowie Importgeschäfte mit Kolonialwaren zu einem der reichsten Augsburger Bürger auf. Sein Vermögen wurde 1820 auf 2,15 Mio. fl. geschätzt. Den Höhepunkt des sozialen Aufstiegs bildeten 1821 der Erwerb des von seinem Schwiegervater 1765-70 nach Plänen von Albert v. Lespilliez erbauten repräsentativen Stadtpalais (Schaezlerpalais, von S.s Urenkel Wolfgang 1958 der Stadt Augsburg geschenkt) und die Erhebung in den Freiherrnstand. 1822 folgte der Kauf von Schloß Thyrnau sowie der Hofmarken Sulzemoos und Scherneck. 1818 wählte die Augsburger Bürgerschaft S. zum Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten. Als Befürworter der konstitutionellen Monarchie nach dem Vorbild Englands vertrat er die Stadt 1819 als Abgeordneter in der Zweiten Kammer der bayer. Ständeversammlung. Mit umfangreichen Stiftungen und Spenden unterstützte S. karitative Einrichtungen seiner Heimatstadt; seit 1814 unterhielt er u. a. eine Armenschule, 1822 stiftete er 25 000 fl. für das ev. Waisenhaus. Im selben Jahr initiierte S. die Gründung der Augsburger Stadtsparkasse.|

  • Auszeichnungen

    bayer. Finanzrat (1807); Schaezlerstr. in Augsburg.

  • Literatur

    Lebensbeschreibung d. Titl. Herrn J. L. Frhrn. v. S. … Zur dankbaren Erinnerung gedr. v. e. ehem. Zögling d. v. S.schen Armen-Kinder-Inst., 1831;
    K. Frhr. v. Leoprechting, Die ausgestorbenen Freiherren v. Schätzl im Hochstift Passau u. d. heutigen Freiherren v. S. im Kgr. Bayern, in: Verhh. d. hist. Ver. f. Niederbayern 7, 1860, S. 129-58;
    W. Zorn, Handels- u. Ind.gesch. Bayer-Schwabens 1648-1870, 1961, bes. S. 120 ff., 128-32, 218, 244 f., 254 ff., 262 f., 267 (P);
    ders., J. L. u. Ferdinand Benedikt v. S., in: Lb. Bayer. Schwaben III, 1954, S. 369-87 (P);
    W. Müller, J. L. v. S. – Unternehmer, Bankier u. LTabg., in: Unternehmer – Arbeitnehmer, Lb. aus d. Frühzeit d. Industrialisierung in Bayern, 1985, S. 107-15 (P);
    NND IV, 1826, S. 151-62;
    Gen. Hdb. d. in Bayern immatrikulierten Adels I, 1950, S. 614-17, IX, 1967, S. 233-39, 14, 1982, S. 314-20, 18, 1990, S. 314-20, 22, 1998, S. 302-08;
    Augsburger Stadtlex. (P); |

  • Quellen

    Qu StadtA Augsburg; StadtA Ansbach; Nachlaß mit Autobiogr. (bis 1804, Ed. in: Lebensbeschreibung, 1831, u. in: Zorn, Handels- u. Ind.gesch., S. 310-42) u. Firmenunterlagen in Privatbes. auf Schloß Scherneck.

  • Portraits

    Ölgem. v. P. F. Deurer, 1816 (Städt. Kunstslgg., Augsburg), Abb. in: Zorn, Handels- u. Ind.gesch. (s. L), nach S. 200. u. B. R. Kommer, Das Schaezler-Palais in Augsburg, 2003, S. 27;
    Ölgem., um 1810 (Städt. Kunstslgg., Augsburg), Abb, in: Müller, J. L. v. S. (s. L), S. 114;
    Ölgem. v. A. Adam, 1828 (Stadtmus. München).

  • Autor/in

    Richard Winkler
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkler, Richard, "Schaezler, Johann Lorenz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 531-532 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117100617.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA