Lebensdaten
1868 bis 1957
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Hessisch-Lichtenau
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11709773X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schäfer, Johann Heinrich
  • Schäfer, Heinrich
  • Schäfer, Johann Heinrich
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Zitierweise

Schäfer, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11709773X.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (* 1841), aus Hattingen/Ruhr, Kaufm. in B.;
    M Auguste Eichelkraut (* 1841), aus B.;
    1901 Liesbeth, T d. Ludwig Hermann Ihlbruck u. d. Theresie Koch;
    4 S (2 früh †), 1 T.

  • Leben

    Aufgewachsen in Berlin, studierte S. hier nach dem Abitur am Wilhelms-Gymnasium 1887-92 Klassische Philologie und Ägyptologie u. a. bei Adolf Erman (1854–1937). Dieser gewann ihn nach der Promotion 1892 und dem Militärdienst 1892/93 ganz für die ägypt. Abteilung der Staatlichen Museen in Berlin (1889–93 wiss. Hilfsarbeiter, 1893-1914 Direktorialassistent, Prof., 1909 Kustos u. Titulardir., 1914-35 Dir.). 1898-1937 unternahm S. mehrere Forschungsreisen nach Ägypten, u. a. war er an der Ausgrabung des Sonnenheiligtums bei Abusir und an der Papyrusgrabung in Ihnāsja (Okt. 1898 - März 1899) beteiligt, reiste bis zum zweiten Nilkatarakt (Okt. 1899–April 1901) und wirkte mit an den Expeditionen der Berliner Akademie der Wissenschaften zur Rettung der durch die Nilstauung gefährdeten Reliefs und Inschriften der Tempel von Philae und Unternubien (Juni 1908-April 1909) sowie der Wiener Akademie zur Erforschung der nubischen Sprache (Okt. 1911-April 1912). 1925 fuhr er nach Philae und war letztmals 1937 in Ägypten.

    Seine Tätigkeit gehört in das ‚Goldene Zeitalter' der Ägyptologie, in dem die Grundlagen der Disziplin erarbeitet wurden. S. war daran mit vorbildlichen texteditorischen und archäologischen Studien beteiligt. Zunehmend befaßte er sich mit Arbeiten zur Kunst, v. a. dem Erfassen und Beschreiben der ägypt. Naturwiedergabe, der eine bestimmte Wirklichkeitsauffassung zugrundeliegt. Die von S. so bezeichnete „Gerüstschicht“ meint eine Darstellungsweise der Ägypter, die das Ganze durch Wiedergabe von (wenigen) als konstitutiv erachteten Einzelteilen erfaßt. Diese werden dabei in sich geschlossen nebeneinander (parataktisch) in der Fläche dargestellt. Typisch ist z. B. die Wiedergabe des Menschen in ägypt. (u. verwandten) Flachbildern mit dem Kopf in Seitenansicht/Profil, wobei die Augen in Frontalansicht, der Oberkörper in Frontalansicht, die Beine (in Schrittstellung) in Seitenansicht usw. gezeigt werden. Es geht bei dieser von S. als „vorgriech.“ bezeichneten Wiedergabe nicht darum, die Dinge so darzustellen, wie sie dem perspektivisch geschulten Blick erscheinen, sondern vielmehr darum, diese so zu zeigen, wie man sie sich vorstellte. Mit dieser Beschreibung legte S. den Grund für die Erfassen der spezifische Eigengesetzlichkeit ägypt. und verwandter Kunst und beeinflußte die sog. „Wiener Schule“ der Kunstgeschichte (Ernst Gombrich).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. kunsthist. (Gravenhage) u. wiss. Vereinigungen, u. a. d. Ägypt.-Vorderasiat. Ges.; Ehrenmitgl. d. russ. kunsthist. Inst., Leningrad (1924); d. Ak. d. Wiss. in Göttingen (1921) u. Wien (1943); korr. Mitgl. d. Commissions d'Art et d'Art moderne aux Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique (1928); Mitgl. d. DAI (korr. 1904, o. 1922, Zentraldirektion 1942–45).

  • Werke

    Die äthiop. Königsinschr. d. Berliner Mus., Reg.ber. d. Kg. Nastesen, d. Gegners d. Kambyses, neu hg. u. erklärt, 1901;
    Die altägypt. Prunkgefäße mit aufgesetzten Randverzierungen, Ein Btr. z. Gesch. d. Goldschmiedekunst, in: Unterss. z. Gesch. u. Altertumskunde Aegyptens, hg. v. K. Sethe, IV, 1903, Nachdr. 1964, S. 3-44;
    Die Mysterien d. Osiris in Abydos unter Kg. Sesostris III., Nach d. Denkstein d. Oberschatzmeisters I-cher-nofret im Berliner Mus., ebd., S. 47-87;
    Die Lieder e. ägypt. Bauern, Gesammelt u. übers. v. H. S., 1903, engl. 1904;
    Aegypt. Inschrr. aus d. Kgl. Museen zu Berlin, I: Inschrr. v. d. ältesten Zeit bis z. Hyksoszeit, 1913;
    Von Ägypt. Kunst, bes. d. Zeichenkunst, Eine Einf. in d. Betrachtung ägypt. Kunstwerke, 2 Bde., 1919;
    21922, u. d. T. Von ägypt. Kunst, Eine Grundlage 31930, 41963 hg. u. mit e. Nachwort v. E. Brunner- Traut, 1963, engl. Principles of Egyptian Art, hg. v. E. Brunner-Traut, mit e. Vorwort v. E. H. Gombrich, 1974, 31986;
    Das Bildnis im alten Ägypten, 1921;
    Die Rel. u. Kunst v. El-Amarna, Mit e. Übers. d. Sonnengesangs v. Kurt Sethe, 1923;
    Kunstwerke aus El-Amarna, 2 Bde., 1923, beides zus. neu bearb. u. d. T. Amarna in Kel. u. Kunst, 1931;
    Die Kunst d. Alten Orients (Propyläen Kunstgesch. II), 1925 (mit W. Andrae), darin: Die Kunst Ägyptens, 21929, 31942, span. 1933;
    Die Leistung d. ägypt. Kunst, 1929;
    Das altägypt. Bildnis, 1936.

  • Literatur

    F. W. v. Bissing, in: Berliner philol. Wschr. 40, 1920, S. 292-300, 43, 1923, S. 873-78, 51, 1931, S. 542-49 u. 1440;
    L. Borchardt, in: Zs. f. Ästhetik 16, 1920, S. 124-29;
    H Brunner, in: Archiv f. Orientforsch. 18, 1957, S. 225 f. (P);
    W. Wolf, in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskunde 75, 1939, S. 1-16 (W) u. 82, 1957, S. I-IV;
    H. Junker, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 107, 1957, S. 357-62;
    E. H. Gombrich, Die Gesch. d. Kunst, 161996;
    E. Brunner-Traut, Frühformen d. Erkennens am Bsp. Altägyptens, 1990, 31996;
    Wi. 1935;
    W. R. Dawson, E. P. Uphill, Who was Who in Egyptology, 31995, hg. v. M. L. Bierbrier;
    Dict. of Art;
    BBKL (W, L).

  • Autor/in

    Andreas Wagner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner, Andreas, "Schäfer, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 507-508 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11709773X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA