Lebensdaten
1766 bis 1839
Geburtsort
Schemnitz (Ungarn)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Botaniker ; Professor für Botanik in Wien ; Regierungsrat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117050199 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jacquin, Joseph (bis 1774)
  • Jacquin, Joseph Franz von (1774-1806)
  • Jacquin, Joseph Franz Freiherr von
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Jacquin, Joseph Franz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117050199.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus Joseph (s. 2);
    Maria Barbara ( 1844), T d. Franz Wilhelm Frhr. v. Natorp, Großhändler u. Inh. d. Feldapotheke in W. (s. Wurzbach 20);
    1 T Isabella ( Karl Rr. v. Schreibers, 1775–1852, Dir. d. kaiserl. Naturalienkab.).

  • Leben

    Nach beendetem Medizinstudium in Wien reiste J. 1787 auf Staatskosten in österr. Bergbaugebiete und unternahm 1788-91 eine wissenschaftl. Informationsreise nach Deutschland und Holland, dann weiter nach London, wo er bei Sir Joseph Banks wohnte, Paris (Bekanntschaft u. a. mit Jussieu, Lavoisier) und schließlich in die Schweiz und nach Italien. 1791 war J. bei den Chemievorlesungen seines Vaters als Gehilfe tätig, 1793 wurde er adjungierter Professor im gleichen Fach (emeritiert 1837) und übernahm 1797 nach dem Rücktritt seines Vaters auch die Botanik. 1802 erhielt er das Doktorat der Medizin, 1814 den Titel Regierungsrat; 1832 war er Präsident der 10. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Wien. J.s Lebensweg wurde weitgehend durch seinen Vater bestimmt und geebnet, der ihn schon als Kind auf seine Exkursionen mitnahm, ihm in Nicolaus Molitor einen vorzüglichen Erzieher gab, seine Studienreisen erwirkte und ihn auch als seinen Nachfolger an der Universität und in der Leitung des botanischen Gartens heranzog. Seine erste wissenschaftliche Arbeit verfaßte er als 11jähriger, indem er das von ihm beobachtete Lebendgebären bei einer Eidechse beschrieb. Ein weiteres Zeichen seiner zoologischen Interessen ist die Beschreibung von Vögeln, die sein Vater mitgebracht hatte. Es folgten, neben einer Vollendung des Werkes seines Vaters über die Stapelien (Stapelarium in hortis Vindobonensibus cultarum descriptiones, 1806-19) 2 eigene botanische, deskriptive Werke (Eclogae …), die ihn als einen befähigten Vertreter dieser Disziplin in der Zeit ihrer Hochblüte ausweisen, aber unvollendet blieben. Mit seinem Vater und anderen war er auch an der Herausgabe einer neuen österr. Pharmakopöe beteiligt (Pharmacopoae austriaca provincialis emendata, 1794). Auch die Tradition wissenschaftlicher und künstlerischer Geselligkeit setzte er in seinem Heim fort. Sein Lehrbuch der Chemie, in großen Teilen eine Umarbeitung von seines Vaters Lehrbuch, brachte neuere Anschauungen im Sinne der antiphlogistischen Lehre zur Geltung und fand weite Verbreitung. In späteren Jahren betätigte er sich hauptsächlich auf dem praktischen Gebiet. In der 1808 gegründeten Wiener Landwirtschaftsgesellschaft war er von Beginn an als Ausschußmitglied (seit 1837 Vizepräsident) und als reger Vortragender tätig, und stand damit, da keine naturwissenschaftliche Vereinigung existierte, an zentraler Stelle des wissenschaftlichen Lebens in Wien. Auf seinem Gute in (Wien-)Schwechat führte er Anbauversuche zur Einführung neuer Kulturpflanzen durch und studierte die Weinbereitung. Daneben befaßte er sich mit Niederschlagsmessungen, Hagelableitern und arbeitete eine Methode zur Bestimmung der Vergrößerung von Mikroskopen und Fernrohren aus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Btrr. z. Gesch. d. Vögel, 1784;
    Lehrb. d. allg. u. med. Chemie, 2 T., 1793, 41810-22 (zu Ende geführt v. B. Scholz) (lat. 1793. engl. 1799, holländ. 1812);
    Eclogae plantarum rariorum vel minus cognitarum, 2 Bde., 1811-44;
    Eclogae graminum rariorum aut minus cognitarum, 5 Fasz., 1813-44;
    Über d. Ginkgo, 1819, Neudr. 1968;
    Der Univ.-Garten in Wien, 1825 (unvoll.);
    Die artes. Brunnen in u. um Wien, 1831 (mit P. Partsch);
    vgl. CSP III. -
    An d. Werk Grundzüge d. allg. u. med. Chemie nach d. Angaben d. Freiherrn J. v. J., hrsg. v. I. Gruber, 1836, war J. nicht beteiligt.

  • Literatur

    ADB 13;
    L. Fitzinger, in: Verhh. d. k.k. Landwirthsch.-Ges. in Wien IX, 1, 1840, S. 133-43 (Verz. d. darin v. J. veröff. Arbb.);
    J. d. Jüngeren Studienreise 1788–90, hrsg. v. E. M. Kronfeld (n. Aufzeichnungen J.s), in: Beihh. z. Botan. Zbl. 32, Abt. 2, 1921, S. 132-76;
    J. Rendle, Letters of F. J. v. J. (1788-90), in: Journal of Botany 61, 1923, S. 287-90;
    K. Ganzinger, Die österr. Provinzial-Pharmakopöe (1774–94) u. ihre Bearbeiter, in: Zur Gesch. d. Pharmazie (Beil. z. Dt. Apotheker-Ztg.) 14, 1962, S. 17-24 (P);
    - s. a. L. z. 2).

  • Portraits

    Gipsbüste (früher in Fam.bes., jetzt Wien, Botan. Abt. d. Naturhist. Mus.);
    Punktierstich v. Mathieu, 1802, n. Wachsbossierung v. L. Pesch (Wien, Nat.bibl.);
    Lith. v. F. Lieder, 1825 v. J. Kriehuber, 1830, u. v. (J.?) Fischer (ebd.).

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Jacquin, Joseph Franz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 257 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117050199.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jacquin: Joseph Franz Freiherr v. J., Botaniker, geb. den 7. Febr. 1766 zu Schemnitz, den 9. December 1839 zu Wien. Er war der Sohn Nikolaus Freiherrn v. Jacquin's (s. u.), erhielt den ersten Unterricht im elterlichen Hause, studirte an der Wiener Universität Medicin, und wurde 1788 zum Doctor promovirt. Im Auftrage Kaiser Josephs II. unternahm er in den J. 1788—91 eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, Frankreich und England. Nach Wien zurückgekehrt, wurde J. 1791 der Adjunct, 1797 der Nachfolger seines Vaters in der Professur für Botanik und Chemie an der Wiener Universität. Diese Stellung bekleidete er bis zum J. 1838 und verlebte das letzte Lebensjahr im Ruhestande. Obwol schriftstellerisch nicht sehr thätig, galt J. doch seinerzeit als Hauptrepräsentant der Naturforscher Oesterreichs und sein Haus war der Sammelplatz der Gelehrten Wiens. Seine Hauptwerke sind: „Ecloge plantarum rariorum“ und „Ecloge graminum"; beide wurden erst nach seinem Tode von Fenzl vollendet.

    • Literatur

      Fitzinger, Nekrolog in der Wiener Zeitung, 1840, Nr. 53. — Gräffer und Czikann, Oesterr. Nationalencyklopädie, III. S. 4. —
      Neilreich, Gesch. d. Botan. in Niederösterr. in Verh. d. zoolog.-botan. Verein., V. (1855) S. 31. — Wurzbach, Lexikon, X. S. 23.

  • Autor/in

    Reichardt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichardt, v, "Jacquin, Joseph Franz Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 631 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117050199.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA