Lebensdaten
1811 bis 1892
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Diplomat ; Reiseschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117045225 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hübner, Alexander (bis 1854)
  • Hübner, Alexander Freiherr von (1854-1888)
  • Hasenbredl, Alexander (eigentlich)
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Zitierweise

Hübner, Alexander Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117045225.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Unehel.;
    V Joseph Rohrweck, Glashändler, oder Clemens Fürst v. Metternich ( 1859), Staatskanzler;
    M Elisabeth Hafenbredl (später Hübner, 1788–1862) aus Glaserfam. in Heraletz/Böhmen;
    Schw Betty ( Karl Rösner, 1804–69, Architekt in Wien, s. Wurzbach 26; ThB);
    - Wien 1834 Maria (1810–44), T d. Josef v. Pilat (1782–1865), Regierungsrat, Sekr. Metternichs, Leiter d. Pressewesens im Min. d. Äußeren, Redakteur d. offiziösen „Österr. Beobachters“ (s. ADB 53), u. d. Elisabeth v. Mengershausen;
    2 S, 3 T, u. a. Alexander (1839–1906), k. u. k. FML, veröff. „Neun J. d. Erinnerung e. österr. Botschafters“ (2 Bde., 1904).

  • Leben

    Die Bildungsgrundlage ebenso wie die wesentliche Prägung seines Charakters empfing H. in dem Erziehungsinstitut Klinkowström in Wien, das vom Geist der katholischen Romantik erfüllt war und zumeist von jungen, für die diplomatische Laufbahn bestimmten Adligen besucht wurde. Das Erlebnis einer Deutschland- und Italienreise, die H. nach Beendigung seiner Studien zusammen mit Friedrich Overbeck im Herbst 1831 unternahm, ließ ihn einen festen Standort in der Kunstbetrachtung gewinnen. 1833 trat er in den Dienst der österreichischen Staatskanzlei. 1834 zum Offizial ernannt, erhielt er gleichzeitig die Genehmigung zur rechtlichen Führung des Namens „Hübner“ – beides durch persönliche Verwendung Metternichs, der auch in der Folge ein besonderes Wohlwollen seinem Schützling gegenüber an den Tag legte. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, nach dem H. ein illegitimer Sohn des Staatskanzlers gewesen sein soll, erhielt von daher seine Nahrung.

    Im Sommer 1835 ging H. als diplomatischer Kurier Metternichs nach Paris und London. 1837 und 1846 weilte er abermals in Paris, um dort seine Kenntnisse zu mehren und seinen Gesichtskreis zu erweitern. Andere diplomatische Verwendungen folgten: 1838 in Mailand (Krönung Ferdinands), 1841-44 in Lissabon, bis Ende Februar 1848 in Leipzig als Generalkonsul, dann wieder in Mailand. H. geriet hier in den Strudel der revolutionären Ereignisse und kehrte Ende Juli nach Wien zurück. Nachdem er eine Zeitlang als Helfer Schwarzenbergs tätig gewesen war – er hat unter anderem, und andere in dessen Geist 1848 die Proklamation an die Bevölkerung und das Heer formuliert –, vertrat er seit März 1849, seit 1855 als Botschafter, die österreichischen Belange in Paris, dem wichtigsten diplomatischen Posten der Monarchie. Trotz seiner Bemühungen, vor allem während des Krimkrieges, zu Frankreich gute Beziehungen – am 2.12.1854 wurde ein Bündnis mit Frankreich geschlossen – herzustellen und dadurch die Gefahr diplomatischer oder militärischer Verwicklungen in Italien zu bannen, konnte er den Ausbruch des Krieges 1859 nicht verhindern. H. erkannte zu spät die Entschlossenheit Napoleons, die Lösung der italienischen Frage in französischem Interesse, auch auf die Gefahr eines Krieges hin, durchzusetzen (Neujahrsansprache des Kaisers 1859).

    Am 21.8.1860 wurde H. zum Polizeiminister des Kabinetts Rechberg ernannt, demissionierte jedoch infolge persönlicher und sachlicher Differenzen schon am 21. Oktober. Nach einer Periode ausgedehnter privater Reisen (Neapel, England, Frankreich, Griechenland) wurde H., als 1865 die österreichische Innenpolitik in das Fahrwasser der Konservativen geriet, Missionschef am päpstlichen Hof in Rom (bis 1867). Als überzeugter Anhänger des Legitimitätsprinzips schätzte er die italienische Einheitsbewegung falsch ein. Er war auch nicht in der Lage, die Wünsche des Kaisers nach Abschluß eines neuen Konkordats durchzusetzen. Fortan huldigte er seiner Reiselust, die ihn unter anderem, nach Amerika und in den fernen Osten führte, trat aber auch politisch aktiv im Herrenhaus hervor, dessen Mitglied er seit 1879 war.

    H. war ein Kind des Vormärzes. Zeit seines Lebens bestimmte der Konservativismus sein Denken und seine Taten. Infolgedessen verurteilte der an sich vorurteilsfreie Mann den österreichisch-ungarischen Dualismus, und es blieb ihm, unbeschadet seines deutschen Fühlens, die Idee des Nationalstaates fern und fremd. Er hat eine Reihe politischer und historischer Schriften hinterlassen, die von seinem nimmermüden Bemühen um eine Erneuerung Großösterreichs zeugen. In seinen Reisebüchern wird der feinsinnige, universell gebildete Kunstkenner offenbar|

  • Auszeichnungen

    GR (1853), Orden d. Eisernen Krone 1. Klasse, Großkreuz d. Leopoldordens.

  • Werke

    u. a. Sixt-Quint, d'après des correspondances diplomatiques inédites …3 Bde., 1870, dt. 1871, poln. 1879;
    Promenade autour du monde en 1871, 2 Bde., 1873, dt. 1874, tschech. 1880;
    A travers l'Empire Britannique, 2 Bde., 1886, dt. 1886;
    L'Incendie du paquebot „la France“, 1887;
    Une année de ma vie 1848-49, 1891, dt. 1891;
    Neuf ans de souvenirs d'un ambassadeur d'Autriche à Paris sous le second Empire 1851–59, 2 Bde., 1904, dt. 1904;
    La monarchia austriaca dopo Villafranca, 1959;
    Tagebuch, 1826-92, 40 Bde. (Hs., Univ. Padua).

  • Literatur

    ADB 50;
    F. Engel-Janosi, Der Frhr. v. H., 1933 (P);
    H. v. Srbik, Dt. Einheit, 2 Bde., 21936;
    A. Hudal, Die österr. Vatikanbotschaft, 1952 (P);
    ders., Österreich u. d. Vatikan I, 1958 (P);
    A. C. Breycha-Vauthier, Une correspondance diplomatique et confidentielle d'il y a 100 ans, in: Storia e letteratura 73, 1958;
    ders., Metternich à H., lettres à un disciple, 1959;
    Wurzbach IX;
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Lith. v. E. Kaiser 1859;
    v. J. Kriehuber 1859;
    v. A. Dauthage 1879;
    v. A. Lemoine;
    Stahlst, v. A. Weger;
    Phot. u. a. v. Mayer-Pierson u. d'Alessandri (alles Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Walter G. Wieser
  • Empfohlene Zitierweise

    Wieser, Walter G., "Hübner, Alexander Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 718 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117045225.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hübner: Joseph Alexander Graf von H., österreichischer Diplomat und Reisender, wurde am 26. November 1811 zu Wien als Sohn einer bürgerlichen Familie namens Hafenbredl geboren. Nachdem er in seiner Vaterstadt und in Mailand vorgebildet worden war, studirte er an der Wiener Universität die Rechtswissenschaft, hielt sich darauf längere Zeit in Italien auf, wo er die allgemeine Unsicherheit der öffentlichen Zustände gründlich kennen lernte, und trat 1833 als Hülfsarbeiter in die Staatskanzlei des Fürsten Metternich ein. Hier schloß er sich namentlich an den Regierungsrath Joseph Anton von Pilat, den Redacteur des officiösen „Oesterreichischen Beobachters“ an, dessen conservativ-clericale Gesinnung er theilte und mit dessen jüngster Tochter er sich 1834 vermählte. Da er rasche Auffassungsgabe mit ungewöhnlicher Anpassungsfähigkeit und mit einem hervorragenden Geschick, sich schnell in verwickelte politische Angelegenheiten einzuarbeiten verband, wurde er bereits 1835 in einer außerordentlichen Mission nach Paris geschickt und zwei Jahre später als Gesandtschaftsattache dahin versetzt. Im folgenden Jahre kehrte er nach Wien zurück und wurde von Metternich zur Bearbeitung von Angelegenheiten der äußeren Politik, sowie zur Erledigung diplomatischer Geschäfte in Italien verwendet. Unter anderem wohnte er 1838 der Krönung des Kaisers Ferdinand zum Könige der Lombardei und Veneziens in Mailand bei. 1841 ging er als erster Gesandtschaftssecretär nach Lissabon. 1844 wurde ihm das|Generalconsulat für Sachsen in Leipzig und zugleich die Vertretung der österreichischen Monarchie an den Höfen von Anhalt, Schwarzburg und Reuß mit dem Titel eines Legationsrathes übertragen. Zwei Jahre später beauftragte ihn Metternich mit der Ueberwachung jener Umtriebe gegen die russische Herrschaft in Polen, welche von dem Freistaate Krakau ausgingen. In dieser Angelegenheit wurde er noch in demselben Jahre nach Paris gesandt, um die französischen Machthaber von der Nothwendigkeit einer Einverleibung der kleinen Republik in die österreichische Monarchie zu überzeugen. Als im Anfang des Jahres 1848 der Ausbruch revolutionärer Bewegungen in Italien erwartet wurde, rief ihn Metternich zunächst zur persönlichen Information nach Wien zurück und schickte ihn dann nach Mailand. Er sollte sich hier als Mann von Menschenkenntniß und Geschäftsgewandtheit möglichst genau mit den Stimmungen und Wünschen der Bevölkerung vertraut machen und darüber nicht nur an den Wiener Hof, sondern auch an den Vicekönig Erzherzog Rainer und den Feldmarschall Grafen Radetzky berichten. Als im März der Aufstand gegen die österreichische Herrschaft in Mailand ausbrach, vermochte sich H. nicht rechtzeitig zu entfernen. Er wurde von den Aufrührern gefangen und als Geisel internirt. Erst nach 106 Tagen erhielt er durch Auswechslung seine Freiheit wieder und kehrte nach einem kurzen Erholungsaufenthalte in der Schweiz nach Wien zurück. Ende August sollte er als österreichischer Geschäftsträger nach Brasilien gesandt werden. Da jedoch auch in Wien die revolutionäre Bewegung rasch um sich griff, reiste er nicht ab, sondern wurde vom Fürsten Felix Schwarzenberg, der im October den energischen Widerstand der Regierung gegen die radicalen Strömungen zu organisiren begann und dessen volles Vertrauen er genoß, zur Erledigung wichtiger Aufträge im Inlande verwendet. Er begab sich nach Schönbrunn und geleitete von hier aus die kaiserliche Familie nach Olmütz. An der Bildung des Ministeriums Schwarzenberg-Stadion nahm er wesentlichen Antheil, ebenso an der Ausarbeitung der wichtigen Staatsacten, Bekanntmachungen und Aufrufe, welche sich auf die Abdankung des Kaisers Ferdinand, auf die Thronbesteigung seines Neffen Franz Joseph und die Anfänge einer inneren Neugestaltung des Kaiserstaates bezogen, sowie an der Feststellung der octroyirten Verfassung vom 4. März 1849. Ueberhaupt gehörte er zu den Personen, welche am tiefsten in die inneren Verhältnisse Oesterreichs während der Revolutionsperiode von 1848—1849 eingeweiht waren. Noch im März des letzteren Jahres wurde er von dem jungen Kaiser in außerordentlicher Mission nach Paris geschickt und einige Monate später zum Gesandten und bevollmächtigten Minister daselbst ernannt. Diesen wichtigen und schwierigen diplomatischen Posten bekleidete er durch volle neun Jahre, während welcher er sich mit den politischen Zielen Napoleon's und seiner Staatsmänner, mit den Intrigen seines Hofes, mit den Bestrebungen der legitimistischen und radicalen Opposition und mit den Wünschen und Stimmungen des französischen Volkes genau vertraut zu machen suchte. Er bemühte sich, ein gutes Verhältniß zwischen Oesterreich und Frankreich aufrecht zu erhalten und gewann namentlich während des Krimkrieges einen entscheidenden Einfluß auf die Politik seiner Regierung. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er im Mai 1854 in den Freiherrenstand erhoben und 1857 zum Botschafter ernannt. An den Berathungen und Beschlüssen des Pariser Friedenscongresses nahm er regen Antheil, und er bemühte sich längere Zeit mit Erfolg, den Ansprüchen Cavour's und der italienischen Nationalpartei energischen Widerstand entgegen zu setzen. Dabei übersah er aber die Absichten, welche Napoleon im geheimen in Italien verfolgte, und so wurde er durch die eine scharfe Spitze gegen Oesterreich enthaltende Neujahrsrede des Kaisers von 1859 aufs|unangenehmste überrascht. Doch war er mit aller Besonnenheit darauf bedacht, in dieser schwierigen Lage der Würde seines Staates nichts zu vergeben. Als der Krieg ausbrach, verließ er Paris und kehrte nach Wien zurück, doch ging er kurz darauf in außerordentlicher Mission nach Neapel und wirkte dann vorübergehend als österreichischer Gesandter am päpstlichen Hofe. Bald nach Beendigung des Feldzugs gegen Italien wurde er im Ministerium Rechberg-Goluchowski am 21. August 1859 zum Polizeiminister ernannt, doch trat er bereits am 22. October desselben Jahres von diesem Posten, der seine Neigungen wenig befriedigte, wieder zurück, obwohl er namentlich durch eine verhältnißmäßig liberale Handhabung der Censur auch in der Presse mancherlei Anerkennung gefunden hatte. Seitdem befand er sich mehrere Jahre hindurch auf Reisen durch die meisten Länder Europas, wo er überall, unterstützt durch reichliche Geldmittel und persönliche Verbindungen mit den maßgebenden Kreisen, als Grandseigneur auftrat. Noch einmal kehrte er in das politische Leben zurück, als ihm im September 1865 der Botschafterposten in Rom übertragen wurde. Doch bereits im November 1867 legte er dieses Amt wieder nieder und schied endgültig aus dem Staatsdienste aus, um ungestört seinen Neigungen leben zu können. Zunächst benutzte er seine Muße zur Abfassung einer umfangreichen Biographie des Papstes Sixtus V., der von 1585—90 regierte („Sixte-Quint, d'après des correspondances diplomatiques inédites“. Paris 1870, 3 Bände. 2. Ausgabe 1883; „Sixtus der Fünfte. Deutsche Ausgabe, vom Verfasser autorisirt“. Leipzig 1871, 2 Bände; „Life and Times of Sixtus V., trad. by H. E. H. Jerningham“. London 1872; „Sisto V dietro la scorta delle corrispondenze diplomaticne ined. Versione di Filippo Gattari“. Roma 1887). Das Quellenmaterial hatte er sich aus den Archiven des Vaticans, von Simancas, Venedig, Paris, Wien und Florenz verschafft. Das Werk, dessen Auffassung sich im wesentlichen derjenigen Ranke's anschließt, zeigt seinen Verfasser als einen kühlen, leidenschaftslosen, streng logisch urtheilenden Diplomaten, der sich für seinen Helden weder selbst erwärmt, noch andre zu erwärmen vermag. Seine katholische Weltanschauung tritt überall zu Tage, jedoch werden auch die religiösen Gegner mit anerkennenswerther Objectivität geschildert. Nach der Vollendung dieses Buches beschloß H., zu seiner Erholung eine Reise um die Welt anzutreten. Im Mai 1871 fuhr er über den Atlantischen Ocean, durchquerte die Vereinigten Staaten und den Großen Ocean, besuchte die Küsten Japans und Chinas und kehrte dann durch den Indischen Ocean und das Mittelmeer nach Hause zurück. Ueberall besuchte er fast nur die großen Städte und Regierungssitze und knüpfte Beziehungen zu den maßgebenden officiellen Persönlichkeiten an. Während der Reise führte er über seine Erlebnisse und Eindrücke ein Tagebuch, das er ein Jahr nach seiner Heimkehr durch den Druck veröffentlichte ("Promenade autour du monde“. Paris 1873, 2 Bände. 5. Auflage 1877; „Passeggiata intorno al mondo. Traduzione di Mich. Lessona.“ Torino 1873. Milano 1877; „Ein Spaziergang um die Welt. Deutsche Ausgabe, vom Verfasser autorisirt.“ Leipzig 1874, 2 Bände. 7. Auflage 1891, auch in einer illustrirten und einer Volksausgabe erschienen; „Ramble round the World, trad. by Lady Herbert.“ London 1874). Das Werk bietet in geographischer Hinsicht nichts neues. Doch enthält es anmuthige Landschaftsschilderungen und eine Reihe werthvoller und anregender politischer Bemerkungen. Auch fesselt es den Leser durch seinen eleganten Stil. In den nächsten Jahren verlebte H. die Sommermonate meist in Frankreich oder England, die Winter in Italien oder in Wien. 1879 wurde er vom Kaiser zum lebenslänglichen Mitglieds des österreichischen Herrenhauses ernannt. Hier schloß er sich der conservativ-clericalen Partei an, trat mehrfach als Redner|hervor und wurde regelmäßig in die cisleithanische Delegation gewählt. Als er das 70. Lebensjahr überschritten hatte, konnte er dem seit Jahrzehnten gehegten Drange nicht länger widerstehen, das Wunderland Indien mit eigenen Augen zu schauen. Nachdem er 1882 durch einen kurzen Aufenthalt in Brasilien die Widerstandsfähigkeit seiner Natur gegen die Einflüsse des Tropenklimas erprobt hatte, reiste er im Juni 1883, ausgerüstet mit Empfehlungen an die leitenden Männer aller britischen Colonien, nach der Capstadt, durchstreifte flüchtig die südafrikanischen Besitzungen Englands, besuchte dann Neuseeland, Victoria, New-South-Wales und Queensland, verweilte kurze Zeit in Batavia, Singapur und Ceylon, durchquerte zweimal Vorderindien bis zur Nordwestgrenze, fuhr darauf über den Indischen und Stillen Ocean nach S. Francisco und kehrte schließlich durch den nördlichen Theil der Vereinigte Staaten und durch Canada im September 1884 nach Europa zurück. Auch diesmal veröffentlichte er bald nach der Heimkehr ein glänzend geschriebenes, mit einer Fülle feiner Beobachtungen und geistreicher Bemerkungen ausgestattetes Reisetagebuch, das namentlich in England viel beachtet wurde („Through the British Empire.“ London 1886, 2 Bände; „A travers l'Empire Britannique.“ Paris 1886, 2 Bände. 2. Auflage 1890; „Durch das Britische Reich.“ Leipzig 1886, 2 Bände. 2. Aufl. 1891). Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte H. mit der Redaction seiner Tagebücher, die er während seiner diplomatischen Wirksamkeit geführt hatte. 1888 wurde er in den österreichischen Grafenstand erhoben. Kurz vor seinem Tode gab er eine Schilderung seiner Erlebnisse im Revolutionsjahre 1848—49 heraus („Une année de ma vie.“ Paris 1891; „Ein Jahr meines Lebens.“ Leipzig 1891; „Milano il 48. Traduzione di Alfredo Comandini.“ Milano 1898). Am 30. Juli 1892 starb er zu Wien, fast 81 Jahre alt. Aus seinem Nachlaß veröffentlichte sein Sohn Alexander Karl Joseph ein wichtiges Memoirenwerk: „Neun Jahre der Erinnerungen eines österreichischen Botschafters in Paris unter dem zweiten Kaiserreich 1851—59“ (Berlin 1904, 2 Bände), das nicht nur das Getriebe der großen Politik jener Zeit, sondern auch die Personen und Verhältnisse am Hofe Napoleon's, sowie in der alten legitimistischen und in der neuen bonapartistischen Gesellschaft anziehend und anschaulich schildert.

    • Literatur

      Wurzbach, Biographisches Lexicon des Kaiserthums Oesterreich IX, 1863, S. 391—97. — Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik XII, 1890, S. 41—43 (mit Bildniß).

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantzsch, Viktor, "Hübner, Alexander Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 498-501 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117045225.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA