Lebensdaten
1764 bis 1842
Geburtsort
Wiesensteig bei Geislingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Historiker ; bayerischer Verwaltungsbeamter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117042749 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lipowsky, Felix Josef

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Zitierweise

Lipowsky, Felix Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117042749.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Thaddäus (1738–67), bayer. Hofkammerrat, Justiz- u. Kameralbeamter in W. (bayer. Exklave in Württemberg), Komponist, S d. Wenzel Ferdinand (1686–1777), Administrator d. Herrschaft St. Martin im Innviertel, u. d. Anna Maria Kaeser;
    M Maria Anna Nepomucena, T d. Nicklas Sebastian v. Ulrich, Pfleger zu Abensberg, u. d. Ursula Hartter v. Harttenstain;
    Ov Anton (1723–80), Sekr. d. Geistl. Rats in M., Historiker, Mitgründer d. Ak. d. Wiss. (s. ADB 18);
    - München 1792 Franziska (1770–1839), T d. Schauspielers Anton Crux in Metz u. d. Franziska Antonia;
    S Wilhelm Eduard (1794–1637), Rechtsrat in M.;
    E Friedrich Rr. v. L. (1824-1900), Reg.präs. v. Niederbayern 1871-95 (s. Schärl).

  • Leben

    L. studierte seit 1785 Rechtswissenschaft in Ingolstadt und erwarb 1787 das Lizentiat beider Rechte mit der Abhandlung „Beweise, daß Bayerns Regenten agilolfing'schen Stammes nicht abhängig vom k. fränk. Hofe in Regierungsangelegenheiten gewesen“. 1788 wurde er zum Lehrer für deutsche und bayer. Geschichte sowie Kriegswissenschaft und Polizeiwesen an der zu dieser Zeit aus der marianischen Landesakademie neugebildeten Militärakademie ernannt. Als Hofkriegsratsassessor mit Sitz und Stimme wurde ihm seit 1791 die Mitaufsicht über die 1790 in München gegründete Veterinärschule übertragen. Während des 1. Koalitionskrieges war er wiederholt mit diplomatischen Missionen betraut. Seit 1796 wurde L. bei der in diesem Jahr errichteten Kriegsdeputation unter der Leitung des Grafen Rumford als Oberpolizeikommissär verwandt. Nach Aufhebung des Hofkriegsrats 1799 an die neuerrichtete Generallandesdirektion versetzt, beschäftigte er sich dort u. a. mit Staatsrecht, Heraldik, Zivil- und Kriminalrecht, Forst-, Maut-, Polizei- und Kameralgegenständen sowie Bausachen. Auf seinen Antrag hin entstand schließlich eine eigene Baukommission. Als Mitglied der Säkularisationskommission war L. bemüht, Kunstschätze und Handschriften der 1803 aufgehobenen Klöster Schäftlarn und Neustift für den Staat zu retten. Auf seine Vermittlung hin wurden der Akademie der Wissenschaften in München, zu deren frequentierenden Mitgliedern er zählte, alle in den aufgehobenen Klöstern vorgefundenen physikalischen Instrumente, Naturalienkabinette, Münzsammlungen und dergleichen überlassen. Als Stadtkommandant von München organisierte er während der napoleonischen Kriege 1805 einen Polizeikordon, aus welchem 1812 die Gendarmerie hervorging, und seit 1806 ein Bürgermilitär zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung im Lande während der Abwesenheit der Linientruppen. Bei Auflösung der Generallandesdirektion und Errichtung der Generalkommissariate 1808 wurde L. Kreisrat beim Generalkommissariat für den Isarkreis, blieb aber entgegen seinen Erwartungen bei der Neuverteilung der Ministerien nach dem Sturz Montgelas' 1817 unberücksichtigt. 1819-37 verwaltete er das landständische Archiv. Neben der Ausübung seiner Ämter entfaltete L. eine reiche publizistische Tätigkeit sowohl als Mitarbeiter beim „Bayer. Landboten“ und an der „Aurora“ als auch als Verfasser von über 40 Werken aus allen Bereichen der bayer. Geschichte. Seine „Matrikel der Wappen der Städte und Märkte des Kgr. Bayern“ verwahrt das Bayer. Hauptstaatsarchiv. Der 1794 als militärisches Ehrenzeichen gestiftete spätere Max-Joseph-Orden sowie der 1808 gegründete Zivilverdienstorden der Bayer. Krone gehen auf seine Anregung zurück. Seine kommentierte „Sammlung Bayer. National-Costume“ (mit 49 unsignierten Lithographien), die in 12 Folgen bei Hermann und Barth in München erschien, wurde 1971 von P. E. Rattelmüller neu herausgegeben.

  • Werke

    u. a. Baier. Künstler-Lex., 1810;
    Baier. Musik-Lex., 1811;
    Urgesch. d. Stadt München, 1814;
    Gesch. d. Jesuiten in Baiern, 1816;
    Baierns Kirchen- u. Sittenpolizey unter s. Herzogen u. Churfürsten, 1821;
    Gesch. d. Schulen in Baiern, 1825;
    Leben u. Thaten d. Maximilian Joseph III., 1833.

  • Literatur

    ADB 18;
    A v. Schaden, Gel. München im J. 1834, 1834 (W-Verz);
    J. Gerstner, in: Oberbayer. Archiv 12, 1851, S. 84 ff. (mit Auszügen aus d. Autobiogr.), eigene Archivstudien.

  • Portraits

    Lith. v. J. P. Rummler n. Gem. v. J. Hauber, 1814 (München, Staatl. Graph. Slgg.);
    Stich v. Meisenbach, Abb. in: Bayerland 7, 1896, S. 607.

  • Autor/in

    Lieselotte Klemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Klemmer, Liselotte, "Lipowsky, Felix Josef" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 646 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117042749.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lipowsky: Felix Josef L., Neffe des vorgenannten Anton Johann L., Sohn des turbaierischen Kameralbeamten Thaddäus L., geb. zu Wiesensteig am 25. Januar 1764, zu München am 21. März 1844. Nach Vollendung seiner Studien legte L. 1787 vor dem Hofrath in München eine Prüfung in rechtswissenschaftlichen Fächern ab und bearbeitete eine Proberelation, auf Grund|deren er schon 1788 zum Auditeur und zugleich zum Lehrer für deutsche Geschichte. Kriegskunde und Militärreglement an der neuerrichteten Kriegsakademie ernannt wurde. 1791 wurde er als Assessor in den Hofkriegsrath berufen und gewann die Gunst und das Vertrauen des damals so überaus einflußreichen Chefs des geheimen Kriegsbureau, des zum Grafen von Rumford erhobenen Amerikaners Benjamin Thompson. Wiederholt wurde er während des ersten Coalitionskriegs mit diplomatischen Missionen betraut, u. A. 1792 an den französischen Commandanten von Landau, Kellermann, vertraulich abgeordnet, um diesem die Erklärung zu überbringen, daß Kurfürst Karl Theodor als Reichsvicar „freundnachbarliches“ Einverständniß mit der Republik Frankreich zu beobachten gedenke. Als 1796 die Truppen Condé's vor München standen, fand L. Gelegenheit, als Parlamentär der bedrängten Stadt gute Dienste zu leisten. 1796 wurde er zum Hofkriegsrath befördert und zugleich als Polizeiobercommissär verwendet. Während nach dem Regierungsantritt Max Josephs IV. 1799 die meisten Beamten, welche seither einflußreiche Stellungen innegehabt hatten, entfernt wurden, behauptete sich L. auch in der Gunst des Ministers Montgelas und wurde zum Landesdirectionsrath befördert. Während der napoleonischen Feldzüge bekleidete er das Amt eines Stadtcommandanten von München; der Gunst, die ihm General Richepanse zuwandte, war es zu danken, daß die im bürgerlichen Zeughaus verwahrten Waffen nicht von den Franzosen mitgeschleppt wurden. 1806 organisirte L. das „Bürgermilitär", dem in Abwesenheit der Linientruppen die Aufrechthaltung der Sicherheit im Lande übertragen war. Nach Aushebung der baierischen Klöster 1803 war er als Mitglied der Säcularisationscommission eifrig bemüht, dem herrschenden Wandalismus zu steuern, und es gelang ihm wenigstens, die Kunstschätze und die Handschriften einiger Klöster in erwünschter Vollständigkeit für den Staat zu retten. 1808 wurde er als Kreisrath beim Generalcommissariat angestellt, blieb aber bei Bildung der neuen Ministerien nach Montgelas' Sturz unberücksichtigt, sodaß er in einer Eingabe an den König an den Gellert'schen Vers erinnerte: „Philax, der so manche Nacht Haus und Hof getreu bewacht, Philax wurde endlich alt" etc. 1819 übertrugen ihm die Landstände, um ihm Muße zu litterarischen Arbeiten zu schaffen, den Posten eines ständischen Archivars. Er entfaltete denn nun auch eine staunenswerthe Thätigkeit auf allen Gebieten vaterländischer Geschichte; seine Schriften, die aber freilich nicht selten das Gepräge der Flüchtigkeit an sich tragen, bilden eine stattliche Bibliothek. Hier sei nur erinnert an das „Baierische Künstlerlexikon“ (1810), „Baierische Musiklexikon“ (1811), „Urgeschichte der Stadt München“ (1814), „Geschichte der Jesuiten in Baiern“ (1816), in Schwaben (1820), in Tirol (1822), an die Monographien über die baierischen und pfälzischen Fürsten Christoph (1818), Max Emanuel (1820), Friedrich V. (1824), Karl Ludwig (1824), Karl Theodor (1828). Karl VII. (1830). Ferdinand Maria (1831), Max Joseph III. (1833) u. a.

    • Literatur

      Schaden. Gelehrtes München im Jahr 1834, S. 51. — Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 1842. S. 1068. —
      Handschriftliche Autobiographie im Besitz des Histor. Vereins von Oberbaiern (Auszüge im Oberbaier. Archiv, 12. Bd., S. 84). — Personalacten im Kreisarchiv zu München.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Lipowsky, Felix Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 730-731 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117042749.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA