Lebensdaten
1789 bis 1866
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchdrucker ; Buchhändler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11701771X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauerländer, Johann David

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Zitierweise

Sauerländer, Johann David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11701771X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Heinrich Remigius (s. 1);
    1819 Magdalena Nortz (1797–1865);
    3 S Johann Jakob (1820–92), Heinrich Remigius (1821–96), Johann David (1824–96, Coelesine, T d. Heinrich Zschokke, 1771–1848, Schriftst., Päd., Pol., s. ADB 45; Killy, u. d. Nanny Nüsperli), Verleger;
    7 T;
    E Robert David (1866–1961), Verleger.

  • Leben

    Als jüngster Sohn folgte S. seinem Bruder Heinrich Remigius nach Basel zu Buchhändler Flick und schließlich 1803 nach Aarau, das in der ersten Hälfte des 19. Jh. als Zentrum liberalen Gedankengutes mit europaweiter Ausstrahlung galt, nicht zuletzt dank Heinrich Remigius Sauerländers Verlag und dessen Hauptautor Heinrich Zschokke. Nach dem Tod der Mutter kehrte S. von Heidelberg, wo er seit 1815 bei dem Verlag „Mohr & Zimmer“ tätig war, nach Frankfurt zurück und übernahm 1816 (bis 1818 mit seinem Bruder Philipp Friedrich) die väterliche Buchdruckerei. Nach dem Aarauer Vorbild gliederte er 1818 der Druckerei einen Verlag und eine Sortimentsbuchhandlung an. Der „Johann David Sauerländer's Verlag“ produzierte zunächst billige Taschenbuchausgaben, oft als erstmalige dt. Übersetzungen bekannter fremdsprachiger Autoren. Daneben erschienen Fachbücher zu Theologie, Jurisprudenz, Staatswissenschaft, Medizin, Philosophie, Forstwissenschaft sowie Kunstdrucke. Seit 1832 erschienen die „Allgemeine Forst- und Jagdzeitung“, die Zeitschrift des „Jungen Deutschland“ „Phönix, Frühlingszeitung für Deutschland“, herausgegeben von Eduard Duller mit einem Literaturblatt von Karl Gutzkow (1811–78) sowie seit 1841 die Vierteljahreszeitschrift „Rhein. Museum für Philologie“ mit einer ersten wissenschaftlichen Arbeit von Friedrich Nietzsche, während im „Phönix“ die Erstfassung von Georg Büchners „Dantons Tod“ erschien. Besonders erfolgreich waren die Werkausgabe von Victor Hugo (1835) sowie die Bücher von Friedrich Rückert (1788–1866). Höhepunkt seiner politischen Editionen waren 1848/49 die „Stenographischen Berichte über die Verhandlungen der dt. konstituierenden Nationalversammlung in Frankfurt am Main“ (10 Bde., 1848–50). Nach dem Scheitern der Revolution verlegte der überzeugte Liberale vornehmlich Belletristik, darunter 1852 die Gesamtausgabe seines Jugendfreundes Clemens Brentano (1778–1842).

    1855 gab S. die Sortimentsbuchhandlung auf, 1867 verkaufte er die Druckerei an die Fa. „Mahlau & Waldschmidt“. 1864 übernahm sein Sohn Heinrich Remigius die Leitung des Verlags, während S. sich nur noch um die Druckerei kümmerte, die er 1867 verkaufte. 1896 ging der Verlag an S.s Enkel Robert David über, der den Verlag 1937 an seienen Mitarbeiter Albrecht Gruber verkaufte, von dessen Nachkommen er heute noch als wissenschaftlicher Buch- und Zeitschriftenverlag (v. a. Volks- u. Betriebswirtschaft, Forstwiss.) geführt wird.

  • Literatur

    ADB 53;
    J. D. Sauerländer's Verlag, Rückblick auf 150 J., 1966 (P);
    Hundertfünfzig J. Haus Sauerländer in Aarau, 1957;
    G. Ubenauf, in: Der Monat in Wirtsch. u. Finanz (SBV), Sept. 1996, S. 42-45; Frankfurter Biogr. (P);.|

  • Quellen

    Qu Firmenarchiv J. D. Sauerländer's Verlag, Frankfurt/M.; StA Aargau (Abt. Privatarchive, Archiv Haus Sauerländer).

  • Autor/in

    Dominik Sauerländer
  • Empfohlene Zitierweise

    Sauerländer, Dominik, "Sauerländer, Johann David" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 461-462 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11701771X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sauerländer: Johann David S., Hauptvertreter des Buchhändlergeschlechts der Sauerländer, dessen Ursprung sich bis Mitte des vorigen Jahrhunderts (1748) zurück verfolgen läßt, zu welcher Zeit in Erfurt ein gewisser Elias Sauerländer als Buchdrucker und Verleger ansässig war und sich durch Herausgabe einer Anzahl illustrirter Bibeln und verschiedener religiöser Schriften bekannt machte. Durch einen Sohn des genannten Elias Sauerländer, Johann Christian, welcher durch Heirath in den Besitz einer bereits seit 1613 bestehenden Buchdruckerei in Frankfurt gelangte, wurde das Geschlecht der Sauerländer dorthin verpflanzt. Die Zugehörigkeit zum Buchhandel wurde durch dessen Enkel eingeleitet, von denen einer, Heinrich Remigius, sich nach der Schweiz wandte, sich dort, und zwar zuerst in Basel, durch Ankauf der Flick'schen Buchhandlung selbständig machte, später aber, nach Verlegung der helvetischen Regierung (1808) nach Aarau, sich in letzterer Stadt dauernd niederließ. Das Aarauer Geschäft, zuerst sehr bescheidenen Umfanges, hob sich rasch und erlangte bald eine gewisse Berühmtheit, herbeigeführt besonders durch eine Anzahl geistig hervorragender Männer, von denen wir nur den napoleonischen General Rapp, sowie H. Zschokke nennen wollen. Das Aarauer Geschäft, das sich dauernd vergrößerte, zählt gegenwärtig noch zu den angesehensten Buchhandlungsfirmen der Schweiz. Johann David S., ein jüngerer Bruder des Obengenannten, widmete sich gleichfalls dem Buchhandel, erlernte diesen bei seinem Bruder in Aarau, hielt sich dann, 1815, zu seiner Weiterausbildung bei Mohr und Zimmer in Heidelberg auf, und kehrte 1816 nach Frankfurt zurück, um die väterliche Druckerei zu übernehmen. Alsbald nach Uebernahme der Druckerei verband der intelligente und tüchtig gebildete junge Geschäftsmann mit derselben ein Verlags- und Sortimentsgeschäft, das sich überraschend schnell Ansehen und Ruf erwarb. Als Verleger pflegte S. vorzugsweise die wissenschaftliche und belletristische Litteratur, sowie später auch die Volksschriften-Litteratur (Spinnstube, W. O. v. Horn's Dorfgeschichten). Auf belletristischem Gebiete war S. der Erste in Deutschland, welcher die Romane und Erzählungen der englischen Autoren W. Scott, Cooper, W. Irving u. A. in guten Uebersetzungen dem deutschen Publicum zugänglich machte, ein Bestreben, das ebenso erfolgreich wie anerkennenswerth war. Den Höhepunkt als Verleger erreichte die Firma in den 30er Jahren, zu einer Zeit, wo Duller, Gutzkow, Grabbe als Führer der Jungdeutschen das litterarische Gebiet beherrschten. Das Sauerländer'sche Geschäft war zu jener Zeit ein Sammelpunkt hervorragender Geister, und S. selbst bedeutend an Geist und Bildung, stand mit im Vordergrund aller dieser Bestrebungen, welche ihren Ausdruck in der von ihm verlegten belletristisch-litterarischartistischen Zeitschrift „Phoenix“ fanden. Ebenso war es S., welchem die Einführung der später so berühmt gewordenen Autoren wie Brentano, Rückert vergönnt war. Des Letzteren Dichtungen sind, bis auf einzelne, sämmtlich im Sauerländer'schen Verlag erschienen. Der beim Ausbruch der französischen Revolution, 1789, geborene S. erlebte die 48er Jahre noch im rüstigsten Alter, und in dieser Bewegung erblickte er die Vorboten einer neuen Zeit, die alsbald nach seinem Tode, der am 26. September 1866 erfolgte, in ungeahnter Größe begann. Johann David S. war ein ehrlicher biederer Charakter, der sich der größten Achtung und Liebe seiner Zeitgenossen erfreute und als Buchhändler der guten alten Schule dieses Berufs angehörte.

    Bereits im J. 1864 hatte er sich vom Geschäft zurückgezogen, nachdem die Leitung desselben sein Sohn Heinrich Remigius übernommen hatte. Gegenwärtig ist Robert S. Inhaber des Geschäftes.

  • Autor/in

    Karl Friedrich Pfau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfau, Karl Friedrich, "Sauerländer, Johann David" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 717-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11701771X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA