Lebensdaten
1886 bis 1943
Geburtsort
Briesen (Westpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Theaterwissenschaftler ; Publizist
Konfession
-
Normdaten
GND: 116974079 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Bruno Thomas (bis 1910)
  • Satori-Neumann, Bruno
  • Neumann, Bruno Thomas (bis 1910)
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Zitierweise

Satori-Neumann, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116974079.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Leopold N. ( 1911), Ger.sekr., seit 1887 in Elbing, S d. Bruno (1816–86), Opernsänger (Bariton), seit 1851 Magistratsbeamter in Elbing (s. Altpreull. Biogr. II; IV);
    M Helene. T d. Thomas French (1819–92), Landschafts- u. Handelsgärtner in Graudenz (Grudziadz), 1842 aus England eingewandert;
    Ur-Gvv Ernst Christlieb N. ( 1862), Kaufm. u. Reeder in Elbing; Ur-Gr-Tante-v Johanne Neumann geb. Hippe (Ps. Johanne Satori) (1786–1863. Philipp Samuel Neumann, 1836. aus Danzig, Kaufm. u. Stadtverordneter in Elbing), Schriftst., Begründerin u. Leiterin e. Schule f. Höhere Töchter (s. ADB 31; Altpreuß. Biogr. II; W);
    vermutl. Berlin 1914 Erna (1885–1943, ev.), Pianistin. Komp., Sängerin (s. Dt. Musiker-Lex., hg. v. E. H. Müller, 1929), T d. Ludwig Mendelssohn (1858–1921), Komp., Pianist, Musikschriftst., u. d. Minna Dorn;
    2 S (1 früh †) Ludwig Renatus (1926–43), 1 T Barbara Helene Goldsmith (* 1915), Violoncellistin, seit 1946 in New York; Gr-Ov d. Ehefrau Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–47), Komp. (s. NDB 17); Schwager Felix Robert Mendelssohn (1896–1951), Violoncellist, Kapellmeister, Komp. in Berlin-Charlottenburg, Leiter d. Orchesterschule d. Stern'schen Konservatoriums in Berlin, emigrierte 1936 in d. USA, Prof. f. Violoncello u. kammermusikal. Instrumentation an d. Univ. New York, 1941 Mitgl. d. Baltimore Symphony Orchestra (s. Dt. Musiker-Lex., hg. v. E. H. Müller, 1929; BHdE II).

  • Leben

    Vom Vater nach dem Abitur am Realgymnasium Elbing 1907 zum Landvermesser bestimmt, brach S. das 1908 in Berlin begonnene Studium der Geodäsie 1910 ab, um bei dem ihm bald freundschaftlich verbundenen Max Herrmann (1865–1942) Germanistik zu studieren. Einen Akt der Verselbständigung stellte auch die zu diesem Zeitpunkt amtlich beurkundete Ergänzung seines Familiennamens um das Pseudonym der Urgroßtante Johanne N. dar. Aus Neigung und zur Finanzierung des Lebensunterhalts wurde er 1910 und 1913 als Dramaturg, Bibliothekar und Schauspieler an verschiedenen Berliner Bühnen tätig. 1919 wurde er mit einer Dissertation über „Die Frühzeit des Weimarischen Hoftheaters unter Goethes Leitung (1791–1798)“ bei Gustav Ehrismann in Greifswald promoviert. Infolge der Inflation 1922 in gekürztem Umfang publiziert, zeichnete sie sich durch profundes Quellenstudium aus; dies wie auch die detailreiche, eine ungewöhnliche Vielzahl von Aspekten berücksichtigende Aufarbeitung ihres Gegenstandes machten sie zu einem methodisch neuartigen Standardwerk der Goethe-Forschung. Gleichzeitig in nahezu allen wichtigen theaterwissenschaftlichen Gesellschaften und Zeitschriften aktiv, wurde S. zum bestimmenden Organisator der sich allmählich auch institutionalisierenden Berliner Theaterwissenschaft. So gründete er 1919 an der Univ. Berlin eine Akademische Vereinigung für Theaterwissenschaft, aus der 1923 das Theaterwissenschaftliche Institut hervorging. Als Geschäftsführer betätigte er sich in der 1920 gegründeten Gesellschaft der Freunde und Förderer des theaterwissenschaftlichen Instituts an der Univ. Berlin, von 1930 bis zur 1933 durch das NS-Regime verfügten Auflösung auch als geschäftsführender Vorsitzender in der Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände. Mit den „Theaterwissenschaftlichen Berichten“ (1-4, 1921-22) und den „Theaterwissenschaftlichen Blättern“ (1-6, 1925; bis H. 2 mit W. Norbert) war S. der erste Herausgeber fachbezogener Periodika. Von seinen umfassenden Forschungen zur Theatergeschichte seiner Heimat Elbing ließ sich zu Lebzeiten nur der erste Band realisieren (Dreihundert Jahre berufsständ. Theater in Elbing, 1605–1846, 1936), Band 2 konnte postum erscheinen (1846-88, hg. v. H. Kownatzki, 1962), Band 3 blieb unveröffentlicht.

    1920 hatte S. die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen abgelegt und wirkte seither|in Berlin parallel zur Theaterwissenschaft als Studienrat. 1933 schied er aus Solidarität mit Herrmann, der als Jude in den Ruhestand versetzt wurde, aus dem Theaterwissenschaftlichen Institut aus; 1937 wurde er selbst, Sozialdemokrat, Freimaurer und Ehemann einer Frau jüd. Herkunft, aus dem Schuldienst entfernt, sein Tätigkeitsfeld damit auf die freie Forschung eingeschränkt. Im Frühjahr 1942 verhaftet und 1943 in ein Lager bei Lublin (Majdanek?) eingewiesen, konnte S., dank glücklicher Umstände, im Herbst 1943 zu seiner Familie zurückkehren, mit der er jedoch bald darauf bei einem Bombenangriff ums Leben kam.

  • Werke

    Weitere W u. a. Aufss. u. Theaterkritiken; Red.: Die Scene, Bll. f. Bühnenkunst 1932/33;
    Elbing im Biedermeier u. Vormärz. Elbing 1933;
    Die theatergeschichtl. u. dramaturg. Schrr. aus d. Berliner theaterwiss. Schule Max Herrmanns (1898–1933), Eine Bibliogr., Berlin 1935 (Privatdr.);
    Die Schrr. aus d. Berliner lit.wiss. Schule Max Herrmanns (1895–1936), Eine Bibliogr., Berlin 1936 (Privatdr.): Johanne Satori-Neumann, Ein Elbinger Frauenleben aus d. ersten Hälfte d. neunzehnten Jh., in: Elbinger Jb. 15, Elbing 1938, S. 227-54; W-Verz. (unvollst.)
    v. H. Kownatzki, in: Dreihundert J. berufsständ. Theater in Elbing, II, 1962, S. 573-75;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: gilt großenteils als verloren (Kownatzki), das Material z. Weimarer Theatergesch., das im Goethe-Schiller-Archiv Weimar deponiert war, als verschwunden; ein Teil d. dort eingelagerten Dokumente wurde 1946 an d. Tochter zurückerstattet. Ungeklärt ist. ob im v. d. brit. Militärreg. an Polen übergebenen StadtA Elbing Dokumente verblieben sind. Materialen d. Elbinger Theatergesch. (auch zu Bd. 3) befanden sich nach Kriegsende beim Verlag Julius Beltz, Langensalza.

  • Literatur

    A. Kutscher, Grundriß d. Theaterwiss., 21949;
    ders., Der Theaterprof., 1960, S. 151 f.: H. Kownatzki, Bio- u. bibliogr. Nachwort, in: Dreihundert J. berufsständ. Theater in Elbing, II, 1962, S. 565-75;
    H. A. Frenzel, Der unvollendete Satori-Neumann, Bleibt Bd. 31 (1922) Torso? Hypothesen, Erkundungen, in: Kl. Schrr. d. Ges. f. Theatergesch. 28, 1976, S. 52-59;
    Ges. f. Theatergesch. e. V. (Hg.), Max Herrmann u. d. Anfänge d. dt.sprachigen Theaterwiss., 1992;
    S. Corssen, Max Herrmann u. d. Anfänge d. Theaterwiss., 1998, passim;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41;
    Altpreuß. Biogr. II.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Satori-Neumann, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 443-444 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116974079.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA