Lebensdaten
1827 bis 1905
Sterbeort
Eichstätt
Beruf/Funktion
Bischof von Eichstätt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116941960 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leonrod, Franz Leopold Freiherr von
  • Franciscus Leopoldus, Episcopus Eystettensis
  • Franz Leopold, Bischof von Eichstätt
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Zitierweise

Leonrod, Franz Leopold Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941960.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1774–1859), Präs. d. Appellationsgerichts v. Mittelfranken in A., seit 1839 in E. (s. ADB 18; Schärl), S d. Carl, auf Haberkorn, u. d. Maria Freiin v. Reuß;
    M Rosina (1786–1862), T d. Stephan Frhr. v. Stengel (1750–1825), 1803 Vizepräs., 1808-10 Gen.kommissär d. Mainkreises in Bamberg (s. Schärl), u. d. Marianne Blesen aus Mannheim;
    N Wilhelm (1865–1943), bayer. Obersthofmeister u. Oberstallmeister;
    Groß-N Ludwig (* 1906, hingerichtet 1944), Major, Widerstandskämpfer.

  • Leben

    Nach Absolvierung des Humanistischen Gymnasiums in Eichstätt (als Zögling des 1838 gegründeten „tridentinischen“ Knabenseminars St. Willibald) bezog L. 1846 das Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom, mußte jedoch seine dortigen philosophisch-theologischen Studien infolge der röm. Revolutionswirren bereits 1848 abbrechen. Er führte sie (mit dem Schwerpunkt Kirchenrecht) in Eichstätt fort und empfing im Juni 1851 die Priesterweihe. Es folgten Jahre der Seelsorge: als Hilfspriester in Eutenhofen/Oberpfalz (1851–53), als 3. Domkaplan in Eichstätt (1853/54), als Kaplan in Reichenhall im Erzbistum München und Freising (1854–56), als Domvikar und Domprediger in Eichstätt (1856–58), schließlich als Stadtpfarrer von St. Zeno in Reichenhall (1859–67). Hier nahm er die Restaurierung der barock ausgestatteten romanischen Stiftskirche im neugotischen Geschmack der Zeit in Angriff.

    1867 wurde L., der sich eben um Aufnahme in das Münchener Metropolitankapitel beworben hatte, auf Grund königl. Nomination auf den Eichstätter Bischofsstuhl erhoben (Weihe und Inthronisation am 19.3.1867). Die ersten Jahre seines Wirkens standen ganz im Zeichen des I. Vatikanischen Konzils (1869/70). Als überzeugter „Infallibilist“ gehörte er auf dem Konzil von Anfang an zu den entschiedenen Vorkämpfern für eine lehramtliche Umschreibung der päpstl. Unfehlbarkeit und harrte auch, im Gegensatz zu den meisten deutschen Bischöfen, die das Konzil vorzeitig verließen, bis zur entscheidenden Schlußabstimmung (18.7.1870) in Rom aus. Schon am 28. Juli ließ er die Konzilsdekrete in seinem Bistum publizieren. Wie der Regensburger Bischof Ignatius v. Senestrey, der die Publikation bereits am 23. Juli vollzogen hatte, kam er damit der Ministerialentschließung vom 9.8.1870 zuvor, die die Beobachtung des königl. Plazet erneut einschärfte. – In den angespannten Jahren zwischen 1870 und 1890, in denen Bayern allerdings ein offener Kulturkampf erspart blieb, gelang es ihm viermal (1871, 1873, 1875, 1881), die nur sehr unregelmäßig tagende bayer. Bischofskonferenz nach Eichstätt zu ziehen. Bei der Behandlung der damals anstehenden Probleme (Seminarfrage, Simultanschulfrage, Mischehenfrage, Ausweitung des Jesuitengesetzes auf die Redemptoristen, Altkatholikenfrage, usw.) erwies er sich als ihr spiritus rector, wiederholt konzipierte er auch die gemeinsamen Hirtenworte. Dagegen erzielte er mit seinen, auch von Rom beargwöhnten, Bemühungen um das Zustandekommen einer gesamtdeutschen Bischofskonferenz keinen greifbaren Erfolg. Seinerseits fand er sich bereit, auch außerhalb seines nicht sehr ausgedehnten Bistums, zumal in Gebieten, die vom Kulturkampf bedrängt waren, Pontifikalfunktionen zu übernehmen. Die Sorge um eine streng kirchliche Erziehung des Priesternachwuchses schließlich bewog ihn, seine nach röm. Vorstellungen strukturierte diözesane Priesterbildungsstätte, das Collegium Willibaldinum, Studenten aus gefährdeten Bistümern zu öffnen. Über 1 000 Theologiestudenten aus nichtbayer. Diözesen, darunter auch Schweizer, fanden in Eichstätt Aufnahme, über 500 von diesen empfingen aus L.s Händen die Heiligen Weihen. – Der vielfältige überdiözesane Einsatz hinderte L. jedoch nicht an der Erfüllung der Hirtenpflichten in seinem eigenen Bistum. So visitierte er während seiner 38jährigen Regierungszeit viermal persönlich sämtliche Pfarreien: er förderte die Volksmission und gab für sein Bistum einen Kleinen und einen Mittleren Katechismus (1882/83) heraus, die in der Folge von drei weiteren bayer. Bistümern übernommen wurden Endlich initiierte er auch die grundlegende Restaurierung des Eichstätter Doms (1881–92) im Sinne einer weitgehenden Purifizierung. So wurde der von Fürstbischof Johann Anton v. Freyberg 1749 gestiftete Rokoko-Hochaltar entfernt und nach Deggendorf verkauft. L. war Vertreter einer Bischofsgeneration, die in Bayern endgültig die Ära Saileriana ablöste. In seiner Geisteshaltung betont „petrinisch-römisch-katholisch“ (nach einem Wort J. M. Sailers), von streng hierarchischem Bewußtsein, „prinzipienfest“ und kämpferisch, wenn es nach seiner Überzeugung den kirchlichen, d. h. „vatikanischen“ Standpunkt gegenüber der staatlichen Autorität zu verteidigen galt, blieb er aber im letzten dennoch stets maßvoll und auf Ausgleich bedacht|.

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Würzburg).

  • Werke

    Die Hirtenschreiben … mit einer einleitenden Lebensskizze v. F. Morgott, 1892;
    Pastoralbl. d. Bistums Eichstätt 1897-1908.

  • Literatur

    Die Restauration d. Eichstätter Doms, in: Hist.-Pol. Bll. 94, 1884, II, S. 726-37;
    J. Hollweck, Das bischöfl. Seminar in Eichstätt, 1888;
    F. Romstöck, Personalstatistik u. Bibliogr. d. Lyceums in Eichstätt, 1894;
    J. Schlecht, Eichstätts Kunst, 1901;
    G. Triller, in: Pastoralbl. d. Bistums Eichstätt 52, 1905, S. 113-20;
    K. Vogt, in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 277-92 (Verz. einiger anonym ersch. Schrr.);
    A. Halser, Bischof Karl Joseph v. Riccabona u. seine Zeit (1761–1839), 1928, S. 55-57;
    E. Abele, St. Zeno/Reichenhall, 1936;
    400 J. Collegium Willibaldinum Eichstätt, 1964;
    W. Brandmüller, Die Publ. d. 1. Vatikan. Konzils in Bayern, Aus d. Anfängen d. bayer. Kulturkampfes, in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 31, 1968,|S. 197-258, 575-634;
    A. Bauch, in: Fränk. Lb. III, 1969, S. 273-311 (P);
    K. Schatz, Kirchenbild u. päpstl. Unfehlbarkeit b. d. dt.sprach. Minoritätsbischöfen auf d. I. Vatikanum, 1975;
    I. v. Senestrey, Wie es z. Definition d. päpstl. Unfehlbarkeit kam, Tagebuch v. 1. Vatikan. Konzil, hrsg. röthers an Bischof F. L. Frh. v. L. von Eich- u. kommentiert v. K. Schatz, 1977;
    H.-M. Körner, Staat u. Kirche in Bayern 1886-1918, 1977;
    E. Gatz (Hrsg.), Akten d. Fuldaer Bischofskonferenz II, 1888–99, 1979;
    E. J. Greipl, Ein dt. Kurienkardinal im 19. Jh., Briefe J. Hergenstätt aus d. J. 1879-1890, in: Qu. u. F. aus ital. Archiven u. Bibliotheken 63, 1983;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    LThK.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Leonrod, Franz Leopold Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 254-256 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941960.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA