Lebensdaten
1829 bis 1900
Geburtsort
Mühlheim bei Mörnsheim (Mittelfranken)
Sterbeort
Eichstätt
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Neuscholastiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118880470 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgott, Franz von Paula
  • Morgott, Franz
  • Paula Morgott, Franz von

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Zitierweise

Morgott, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118880470.html [23.03.2017].

CC0

Margott, Franz von Paula

katholischer Theologe, Neuscholastiker, * 12.6.1829 Mühlheim bei Mörnsheim (Mittelfranken), 3.2.1900 Eichstätt.

  • Genealogie

    V Michael (1801–86), Lehrer in Mörnsheim, S d. Leonhard ( 1833), Ludimagister in Mörnsheim, u. d. Theresia Haberle ( 1835), Distriktshebamme; M Ludovika (1809–87), T d. Franz Borgias Hammel ( 1846), Meyerbauer in Finstermühle b. Mühlheim, u. d. Victoria Mittl ( 1838).

  • Leben

    M. wurde als Schüler von dem Pädagogen und Musikhistoriker Raymund Schlecht betreut, der ihm „die Richtung für das spätere Leben“ gab. 1843 in das von Joseph Ernst geleitete Bischöfl. Seminar Eichstätt aufgenommen, erhielt er auch seine philosophische und theologische Ausbildung in dem diesem Seminar eingegliederten Bischöfl. Lyzeum (1848–53). Er blieb nach der Priesterweihe im Mai 1853 im Seminar, wo er seine musische Begabung als Musikpräfekt (bis 1866) entfaltete; am Kgl. Gymnasium übernahm er eine Religionslehrerstelle. 1857 wurde er Professor am Lyzeum, zuerst für Philosophie, 1869 für Dogmatik (welche er schon 1862/63 zusätzlich vorgetragen hatte) als Nachfolger von J. Ernst. Die Theologische Fakultät der Univ. Würzburg promovierte ihn im Dezember 1864. Er behielt die Professur auch als Domkapitular (seit 1872), Defensor matrimonii (seit 1887) und als Domdekan (seit 1896) bis zu seinem Tod bei. Bischof Franz Leopold Frhr. v. Leonrod, der ihm von Jugend an freundschaftlich verbunden war, beriet sich mit ihm auch während des 1. Vatikanischen Konzils in Rom.

    Mehr einer positiven als einer spekulativen Denkart zugewandt, hatte M. als Philosophieprofessor aufmerksam die Debatten um den Ontologismus verfolgt und aktuelle Entwicklungen der Philosophie registriert. Insbesondere die „unermeßliche geistige Revolution“, die durch den Positivismus und seine faktische Rezeption in den empirischen Wissenschaften vonstatten gehe, bestärkte ihn in der Rückwendung zur Metaphysik. Angeregt durch H. E. Plaßmann, aber ohne dessen Engführung beizubehalten, anerkannte er doch als Anliegen der neuscholastischen Bewegung, die unvergänglichen Prinzipien der Alten mit den unzweifelhaften Errungenschaften der Neuzeit zu vermitteln und fortzubilden. Am Eichstätter Lyzeum fand durch seine, A. Stöckls, M. Schneids u. a. wissenschaftliche Tätigkeit die theologie- und philosophiegeschichtliche Forschung der Neuscholastik starke Förderung, zumal ihm als theologischer Ausbildungsstätte im preuß. Kulturkampf überdiözesane Bedeutung zukam. Das von Ernst eingebrachte ekklesiologische Gedankengut führte M. sorgsam, stärker christologisch gewichtend, in eine thomistische Gesamtkonzeption über. Eine breite Kenntnis der theologischen Traditionen bewahrt seine entschiedene Zuwendung zu|Thomas und dem älteren Thomismus vor Vereinseitigungen. In der Gnadenlehre wandte er sich von der molinistischen Auffassung seines Lehrers mehr der thomistischen Interpretation zu, anerkannte aber, daß auch in ihr dunkle Punkte zurückbleiben, und hielt das unfehlbare Wirken der Gnade in und mit dem freien Willen für ein striktes Glaubensgeheimnis. Die Schwierigkeiten, die Thomas mit der (inzwischen definierten) Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens hatte, suchte M. hermeneutisch zu lösen, hielt später aber nur fest, daß Thomas kein prinzipieller Gegner dieses Dogmas sei. Mit reichen literarhistorischen Kenntnissen weckte er Interesse für die Entwicklung des mittelalterlichen Denkens. Unter seinen Schülern ragt Martin Grabmann, der seine Intentionen aufnahm, hervor.|

  • Auszeichnungen

    Ausw. Mitgl. d. Röm. Ak. d. hl. Thomas (1880), d. Phil.-med. Ak. in Rom (1874), Ehrenmitgl. d. Phil.-theol. Ak. d. hl. Thomas zu Neapel (1874).

  • Werke

    Geist u. Natur im Menschen, Die Lehre d. hl. Thomas üb. d. Grundfragen d. Psychol. in ihren Beziehungen z. Kirchenlehre u. z. neueren Wiss., 1860; Die Theorie d. Gefühle im Systeme d. hl. Thomas, 1864; Stud. üb. d. ital. Philos. d. Gegenwart (Artikelserie), in: Katholik 48-54, 1868-74; Die Feier d. sechsten Centenariums d. hl. Thomas in d. kath. Welt (Artikelserie), ebd. 54-57, 1874-77; Mariologie d. hl. Thomas v. Aquin, 1878 (ungar. 1881, franz. 1881, ital. 1881); Der Spender d. hl. Sakramente nach d. Lehre d. hl. Thomas v. Aquin, 1886; Dogmatik (Lithograph. Drucke d. Vorlesungen). – W-Verz.: F. S. Romstöck, Personalstatistik u. Bibliogr. d. bischöfl. Lyceums in Eichstätt, 1894, S. 132-36, 263.

  • Literatur

    M. Grabmann, Dr. F. v. P. M. als Thomist, Ein Btr. z. Theologiegesch. d. 19. Jh., in: Jb. f. Philos. u. spekulative Theol. 15, 1901, S. 46-79; ders., in: LI. aus Franken IV, 1930, S. 295-300; L. Ott, Prof. F. v. P. M. als Lehrer u. Gelehrter, in: 400 J. Collegium Willibaldinum Eichstätt, 1964, S. 233-52 (P); E. Naab, Das eine große Sakrament d. Lebens, 1985, S. 252-67; ders., „Thomismus“ am Eichstätter Lyzeum?, in: Veritati et Vitae, 150 J. Theol. Fak. Eichstätt, 1993, S. 73-103; H. Hurter, Nomenclator literarius theologiae catholicae, 1903-13, V/2, S. 1872 f.; BJ V; LThK; BBKL.

  • Autor

    Erich Naab
  • Empfohlene Zitierweise

    Naab, Erich, "Morgott, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 124 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118880470.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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