Lebensdaten
1905 bis 1986
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116939966 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Homolka, Grete (verheiratete)
  • Mosheim, Grete
  • Homolka, Grete (verheiratete)
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Zitierweise

Mosheim, Grete, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116939966.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Markus, Dr. med., Sanitätsrat in B.;
    M Clara N. N. (1875–1970);
    1) ( 1933), Oscar (1898–1978) aus Wien, Schausp. (s. Kosch, Theater-Lex.; BHdE II), S d. Heinrich Homolka u. d. Anna Handl, 2) 1937 ( 1946/47) Howard Gould (1871–1959), Industrieller, 3) 1951 Herbert Cooper, Journalist.

  • Leben

    M.s Begabung zeigte sich schon früh, weshalb ihr der Vater schon während der Schulzeit eine Schauspielausbildung ermöglichte. Begeisterte sie sich zunächst für das Ballett, so entschied sie sich doch bald, spätestens nach einer Begegnung mit Max Reinhardt, für das Theater und besuchte die Schauspielschule des Deutschen Theaters. An dieser Bühne debütierte sie als Siebzehnjährige und blieb hier 1922-31 engagiert. Sie spielte neben anderen Rollen die Bonny in Waters/Hopkins „Artisten“ (1928) und die Fanny Norman in Hamsuns „Vom Teufel geholt“ (1929, Regie jeweils Reinhardt). Danach sah das Berliner Publikum sie als Eliza Doolittle in der Komödie „Pygmalion“ von G. B. Shaw (1932, Metropol-Theater) und als Gretchen neben Werner Krauss in Goethes „Faust“ (1932, Deutsches Künstlertheater). 1933 verließ M. Deutschland, da sie als „Halbjüdin“ diffamiert, Verfolgung fürchten mußte. Zunächst spielte sie in Klagenfurt, emigrierte 1934 nach Großbritannien, ließ sich in London nieder und spielte mit großem Erfolg in Alice Campbells, „Two Share a Dwelling“. 1938 übersiedelte M. mit ihrem zweiten Mann in die USA und zog sich völlig von der Bühne zurück.

    Umso überraschender war ihr Comeback 1952, nach Scheidung und erneuter Heirat. Boleslaw Barlog holte sie nach Berlin. Im Schloßparktheater feierte sie einen Triumph in J. v. Drutens Komödie „Ich bin eine Kamera“. Von nun an arbeitete sie wieder regelmäßig, trat in Berlin und New York auf und spezialisierte sich auf die fragilen Frauenrollen des modernen Theaters. Vor allem ihre Mary Cavan Tyrone in Eugene O'Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ wurde zu einem Welterfolg; sie spielte diese Rolle in London, New York und Berlin (1956, Freie Volksbühne Berlin). Weitere wichtige Rollen waren: Claire Zachanassian in F. Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ (1962, Frankfurt/Main), Winnie in Becketts „Glückliche Tage“ (1951, Köln), Hannah in T. Williams „Die Nacht des Leguan“ (1962, Köln), Tante Abby in J. Kesselrings Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ (1969, Münchner Kammerspiele, mit Th. Giehse als Tante Marthe), die Witwe in Albees „Alles vorbei“ (1972, ebenda). Im selben Jahr gab M. ihr Regiedebut, inszenierte nicht ohne Erfolg im Berliner Renaissance-Theater F. Marcus' Komödie „Notizen über eine Liebesgeschichte“. 1977, nach fünfjähriger Pause, stand sie dann wieder als Schauspielerin auf der Bühne und gab der Titelrolle in H. Langes „Frau von Kauenhofen“ Präsenz, demonstrierte noch einmal Grazie, Charme und klirrende Kälte. Es war ihr letzter Auftritt.

    Indessen war Deutschland M. nach dem Krieg keineswegs wieder zur Heimat geworden Ihr Tod in New York bedeutete für das deutschsprachige Schauspiel gleichwohl den Abschied von einem Schauspielertypus. M. war (vergleichbar Elisabeth Bergner) die Vertreterin eines „kulturellen Großbürgertums“ (J. Kaiser). In ihrem Spiel, das sie in Gestus und Ton zu einem Mosheim-Stil vervollkommnete, mischte sich jüd. Selbstbewußtsein mit einer berückenden, sehr kindlichen Naivität und einer durchaus erdverbundenen, aber doch immer ironisch gebrochenen Realitätsnahe. Dabei kam es in den letzten Auftritten gewiß zu Manierismen; allein M. bewies immer, daß sie mit großer Ernsthaftigkeit daran arbeitete, Literatur mit allen verfügbaren Mitteln, mit analytischem Verstand, mit Worten, Mimik und Gestik lebendig zu machen.|

  • Auszeichnungen

    Theaterpreis d. Verbandes Dt. Kritiker (1963), Bundesfilmpreis, Filmband in Gold (1971); Gr. Bundesverdienstkreuz (1974).

  • Literatur

    Kosch, Theater-Lex.;
    Ch. Trilse, K. Hammer, R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    A. Kerr, Mit Schleuder u. Harfe, Theaterkritiken aus drei J.zehnten, hrsg. v. H. Fetting, 1982, S. 426, 489;
    H. Rischbieter (Hrsg.), Theater-Lex., 1983 (P);
    J. Kaiser, in: SZ v. 31.12.1986;
    Dt. Bühnen-Jb., 1988, S. 630 f. (P);
    BHdE II;
    CineGraph.

  • Autor/in

    C. Bernd Sucher
  • Empfohlene Zitierweise

    Sucher, C. Bernd, "Mosheim, Grete" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 209-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116939966.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA