Lebensdaten
1895 bis 1975
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berkeley (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Wirtschaftswissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116908947 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neisser, Hans

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Zitierweise

Neisser, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116908947.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1862–1918, ev.) aus Breslau, Dr. iur., RA, Stadtrat, Justizrat in Breslau, S d. Moritz (s. Gen. 1);
    M Else Silberstein ( 1943, ev);
    Ov Albert (s. 1);
    Schw Hedwig (1897-n. 1978), Dr. med., Bakteriologin, emigrierte nach Großbritannien;
    1923 Dr. rer. pol. Charlotte Schröter (* 1897) aus Breslau;
    1 S Ulrich (* 1928), Prof. d. Psychologie an d. Cornell Univ., 1 T;
    Vt Max (s. 3); Verwandter Walter (s. 2).

  • Leben

    N. wuchs in einem assimilierten jüd., sozial engagierten Elternhaus in Breslau auf. Er studierte 1913-16 in Freiburg, München und Breslau Rechtswissenschaften und Nationalökonomie und war 1917/18 Soldat. In Breslau wurde er 1919 mit einer Arbeit zur Tierhalterhaftung zum Dr. iur. und 1920 mit einer Arbeit über die Bedeutung des Gesetzes sinkender Bodenerträge zum Dr. rer. pol. promoviert. 1921 zum Gerichtsassessor ernannt, schied N. alsbald aus dem Richteramt aus, um sich in Berlin als Wirtschaftswissenschaftler zu qualifizieren. 1922-24 war N. wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sozialisierungskommission, 1925/26 Redakteur des linksliberalen „Magazins der Wirtschaft“, 1926/27 wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Ausschusses zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft“ (Enquête-Ausschuß). 1927 trat er als Dezernent in das Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr an der Univ. Kiel ein. Hier war N. neben Adolf Löwe und Gerhard Colm herausragendes Mitglied einer Gruppe von theoretisch orientierten, statistisch geschulten und wirtschaftspolitisch engagierten Nationalökonomen. Er beteiligte sich an umfangreichen empirischen Erhebungen und begleitete mit kritischen Kommentaren und neuartigen Vorschlägen, welche Gedanken von John Maynard Keynes vorwegnahmen, die deutsche Geld- und Konjunkturpolitik in der Weltwirtschaftskrise. Mit dem Werk „Der Tauschwert des Geldes“ (1928), an dem er seit 1924 gearbeitet hatte und das ihn auch international bekanntmachte, habilitierte sich N. 1928 in Kiel für wirtschaftliche Staatswissenschaften. 1933|wurde er aus rassischen und politischen Gründen aus dem Amt entfernt und verlor die Lehrbefugnis. Im September 1933 emigrierte N., nachdem er das Angebot einer Professur für Geldtheorie an der University of Pennsylvania in Philadelphia erhalten hatte, mit seiner Familie in die USA. Dort war er einer der ersten Professoren, die die von Keynes begründete makroökonomische Theorie lehrten und weiterentwickelten. Nach dem Eintritt der USA in den Krieg war N. 1942/43 in der Behörde für Preisregulierung in Washington tätig. 1943-65 wirkte er als Professor an der New School for Social Research in New York, an der zahlreiche aus Deutschland emigrierte Gelehrte arbeiteten.

    N.s Interessen waren weit gespannt. Herausragendes leistete er in der Geld- und Konjunkturtheorie, insbesondere in Verbindung mit der Theorie der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Er gehörte zu den Pionieren der Ökonometrie. Das mit seinem bedeutendsten Schüler Franco Modigliani (Nobelpreis 1985) verfaßte Werk „National Incomes and International Trade“ (1953) war eines der ersten, welches auf der Basis der Theorie von Keynes den internationalen Zusammenhang der Konjunkturen quantitativ untersuchte. Im Alter wandte sich N. wissenssoziologischen, methodologischen und phänomenologischen Studien zu.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Lehre v. d. Grenzen d. Tierhalterhaftung, 1919;
    Some Internat. Aspects of the Business Cycle, 1936;
    On the Sociology of Knowledge, 1965;
    Selected Papers, with an Introduction by Murray Brown and a Tribute by Adolph Lowe, hg. v. Charlotte Neisser, o. J. (1976 ?, W-Verz.). – Hg. Kapitalbildung u. Steuersystem, 1930 (mit G. Colm).

  • Literatur

    A. Löwe, in: Social Research 42 No. 2, 1975, S. 187-89;
    E. J. Nell, in: The New Palgrave, A Dict. of Economics III, 1987, S. 624;
    C. D. Krohn, Wiss. im Exil, Die Sozial- u. Wirtsch.wissenschaftler i. d. USA u. d. New School for Social Research. 1987;
    ders. u. H. Hagemann, Die Emigration dt.sprachiger Wirtsch.wissenschaftler nach 1933, 1992;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Knut Borchardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Borchardt, Knut, "Neisser, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 53 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116908947.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA