Lebensdaten
1921 – 2012
Geburtsort
Wien
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Filmpublizist ; Kurator ; Festivalleiter ; Filmschaffender ; Drehbuchautor ; Filmwissenschaftler ; Filmkritiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 115545301 | OGND | VIAF: 56781328
Namensvarianten
  • Vogelbaum, Amos (eigentlich)
  • Shelton, Dan (Pseudonym)
  • Vogel, Amos
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Zitierweise

Vogel, Amos, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115545301.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel (1888–1961), aus Skalat (Galizien), Dr. iur., RA in W., ab 1938 in New York, seit d. 1950er J. in Israel, vermutl. Haifa (dort begraben), S d. Abraham, Getreidehändler u. Molkereibes. in Skalat, u. d. Esther Samet;
    M Matel (Mathilde) Weidenfeld (1888–1946), aus Wiznitz (Wyschnytzja, Bukowina), Kinderpäd.;
    Stief-Schw Josefine (Ps. FINI, Fini Rüdiger) (1914–2004, Bill Littlejohn, 1914–2010, Animationsfilmer, Gewerkschafter), Schausp., Kinderbuchillustratorin (s. L), T d. Samuel Vogelbaum u. d. Betti Tennenbaum;
    New York 1945 Marcia Diener (1921–2009), Filmkuratorin;
    2 S Steven (* 1954), Prof. f. Philos. an d. Univ. Denison, Granville, Ohio (lebt in Columbus, OH), Loring (* 1958), Senior Software-Architekt in Sebastopol (Kalifornien, USA).

  • Biographie

    V. wuchs in Wien-Alsergrund auf. Er war Mitglied des zionistischen Jugendbunds Brith Bilu, nahm Zeichenunterricht in der Kunstklasse des Reformpädagogen Franz Čižek (1865–1946) und besuchte ab 1931 das|Wiener Piaristenymnasium. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde V. relegiert; im September desselben Jahres emigrierte er mit seiner Mutter – dem Vater folgend – über Kuba in die USA. Dort überarbeitete V. seine Tagebücher und legte in einer Handvoll Exemplare ein literarisiertes Resümee seiner Jugendjahre in Wien („Zwischen 15 und 17“) auf. 1939 / 40 absolvierte er, da er seine Zukunft in einem Kibbuz in Israel sah, eine Ausbildung zum Landwirt am Habersham College, Atlanta , und besuchte die University of Georgia. 1942 inskribierte er an der New School for Social Research in New York , wo er Vorlesungen in Philosophie bei Leo Strauss (1899–1973) und Felix Kaufmann (1895–1949), Ökonomie u. a. bei Hans Neisser (1895–1975) und Soziologie bei Albert Salomon (1891–1966) belegte. Daneben veröffentlichte er unter Pseudonym erste Essays in der linksgerichteten Zeitschrift „The Militant“. 1944 wurde V. amerik. Staatsbürger, 1949 schloß er als Bachelor in Politik- und Wirtschaftswissenschaft an der New School ab.

    Bereits 1947 hatte V. in New York den Filmclub Cinema 16 gegründet, der, nach Meinung des Kritikers James Agee, die besten – sonst nie im Kino gezeigten – dokumentarischen, pädagogischen, experimentellen und – gelegentlich – zensierten Filme zeigte. Reflexion und Vermittlung waren Ziel der Programmgestaltung. V. lud die Filmschaffenden ein, ihre Werke persönlich vorzustellen, gab Filmkurse an der New York Univ. und organisierte 1953 u. a. das Symposion „Poetry and the Film“, das mit Maya Deren, Arthur Miller, Dylan Thomas, Parker Tyler und Willard Maas prominent besetzt war. Zeitweise zählte Cinema 16, das an wechselnden New Yorker Spielstätten gastierte und bis 1963 existierte, mehr als 7000 Mitglieder. Im selben Jahr initiierte V. gemeinsam mit Richard Roud das New York Film Festival im Lincoln Center. Er übernahm die Leitung der Filmabteilung dieser neu gegründeten Institution und zeichnete bis 1968 als Kodirektor des Festivals verantwortlich, das sich insbesondere um die Präsentation europ. Autorenfilmer (Jean-Luc Godard, Roman Polanski, Werner Herzog u. a. m.) in den USA bemühte.

    Daneben war V., ein scharfer Kritiker der Hegemonie des vermeintlich unpolitischen Mainstreamkinos, unermüdlich als Publizist und Lehrender tätig. 1967 wurde er Konsulent des Verlags Grove Press von Barney Rosset, der Teile des Programms von Cinema 16 übernommen hatte, und betreute fünf Jahre lang die Filmredaktion der „Evergreen Review“. 1971 unterrichtete V. erstmals an der Harvard Summer School und folgte einer Einladung an die Annenberg School of Communications an der Univ. of Pennsylvania, die ihn 1976 mit einer vollwertigen Professur ausstattete (em. 1991). Im Febr. 1974 eröffnete V. nach dreijähriger Planung die Annenberg Cinematheque, die jedoch an ihrem allzu ambitionierten Programm scheiterte und bereits 1978 wieder geschlossen wurde.

    Während dieser Jahre nahm V. zudem als Korrespondent oder später Jurymitglied an internationalen Filmfestivals teil. Er veröffentlichte in einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, wie u. a. „Film Culture“, „The Village Voice“, „Sightlines“, „The Lincoln Center Journal“, „Take One“, „Studies in Visual Communication“, „The New York Times“, „New Politics“, und war ab 1974 für zehn Jahre ständiger Kolumnist der Filmzeitschrift „Film Comment“. Ebenfalls 1974 erschien auch sein theoretisches Hauptwerk „Film as a Subversive Art“: ein reich illustriertes Kompendium des filmischen Undergrounds, in dem V. seine Seherfahrungen im Kino und Erkenntnisse über Film zusammenfaßte. Das Buch kam u. a. in franz., ital., span. und gekürzt auch in einer dt. Ausgabe u. d. T. „Kino wider die Tabus“ heraus (1979, vollst. Neuübers. u. d. T. „Film als subversive Kunst“, 1997).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bücher: How Little Lori Visited Times Square (Ill. v. Maurice Sendak), 1963, 1966, 2001;
    Artikel: Limits of Neo-Realism, in: Film Culture, Jg. 3, Nr. 12, Juni 1957, S. 17–20;
    Thirteen Confusions, in: The New American Cinema, A Critical Anthology, hg. v. G. Battcock, 1967, S. 124–38;
    The Movie Gap, A Cultural Scandal, in: The Village Voice, Jg. 15, Nr. 11, v. 12. 3. 1970, S. 58–60;
    Makavejev, Toward the edge of the real … and over, in: Film Comment, Jg. 9, Nr. 6, Nov./ Dez. 1973, S. 51–54;
    On Seeing a Mirage, in: ebd., Jg. 17, Nr. 1, Jan./ Febr. 1981, S. 76–78;
    „You have to survive even if it kills you“ (Old Jewish Proverb), in: ebd., Jg. 30, Nr. 2, März/ April 1994, S. 31–36;
    JFK, The Question of Propaganda, in: The Antioch Review, Jg. 50, Nr. 3, Sommer 1992, S. 578–85;
    „Dogs and Jews are not permitted to sit here“, in: Aufbruch ins Ungewisse, Bd. 2, hg. v. C. Cargnelli, M. Omasta, 1993, S. 198–200;
    Filme: Weegee’s New York, 1956 (Regie: A. Fellig, Schnitt u. Fertigstellung: A. V.);
    Emigration, N. Y. – Die Gesch. e. Vertreibung, T. 1: Von Europa n. Amerika, T. 2: Europa in Amerika, 1995 (R: E. Humer, dramaturg. Berater u. Mitwirkender: A. V.);
    In the Mirror of Maya Deren, 2001 (R: M. Kudlácek, Mitwirkender: A. V.);
    Filmporträts: A. V., Mosaik im Vertrauen, 2001 (R: E. Humer, Mitwirkender: A. V.);
    Film as a Subversive Art, A. V. and Cinema 16, 2003 (R: P. Cronin, Mitwirkender: A. V.);
    Nachlaß: unveröff. Mss. u. berufl. Korr. in: Rare Book and Manuscript Library Collections d. Columbia Univ., New York;
    Juvenalia u. Privatbibl. in: Amos Vogel Library, Österr. Filmmus., Wien.

  • Literatur

    |Cinema 16, Documents Toward a Hist. of the Film Soc., hg. v. S. MacDonald, 2002 (W, P);
    E. Halter, Das Leben als subversive Kunst, in: Viennale – Vienna Internat. Film Festival 2004, Kat. hg. v. d. Viennale, S. 259–66;
    A. V., Ein New Yorker Cineast aus Wien, hg. v. M. Omasta u. B. Mayr, 2012 (W, P);
    Be Sand, Not Oil, The Life and Work of A. V., hg. v. P. Cronin, 2014 (W, P);
    zu Josefine (Fini) R. Littlejohn: Z. Fuss Phillips, German Children’s and Youth Literature in Exile, 1933–1950, 2001.

  • Autor/in

    Michael Omasta
  • Zitierweise

    Omasta, Michael, "Vogel, Amos" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 14-16 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115545301.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA