Lebensdaten
1812 bis 1897
Geburtsort
Krems an der Donau
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Chemiker ; Mediziner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116824700 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneider, Franz Cölestin (bis 1885)
  • Schneider, Franz Ritter von
  • Schneider, Franz Cölestin (bis 1885)
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Zitierweise

Schneider, Franz Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116824700.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob S. ( 1857), Schneidermeister, S d. Albert, Schullehrer in Sinsheim (Baden);
    M Anna Maria, T d. Jakob Barth, Tischler in K.;
    Wien 1850 Therese (* 1821), T d. Georg Edler v. Planner ( 1843), Hof- u. Ger.advokat in W., u. d. Therese Leykauf;
    3 S Theodor (* 1851), k. k. Ratssekr. b. Kreisger. in Wiener-Neustadt, Robert (1854–1909), Archäologe, 1883-99 Kustos, 1899-1909 Dir. d. Antikenslgg. d. Kunsthist. Mus. in W., 1898-1907 Vizedir., 1907- 09 Dir. d. Österr. Archäolog. Inst., ao. Prof. f. Klass. Archäol. an d. Univ. Wien, Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss., Berlin (s. L), Richard (* 1862), Maler, 2 T u. a. Anna (* 1852, ⚭ Anton Weichselbaum, 1845–1920, aus Schiltern b. Langenlois, Niederösterr., Dr. med., o. Prof. d. patholog. Anatomie an d. Univ. Wien, Entdecker d. Erregers d. Genickstarre, k. k. Hof- u. Obersanitätsrat, Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss., s. DBJ II, Tl.; Hist. Lex. Wien).

  • Leben

    Nach Absolvierung des Gymnasiums und der Philosophischen Lehranstalt in Krems trat S. 1833 in dasBenediktinerstift Göttweig ein (Klostername: Cölestin), besuchte die dortige theol. Hauslehranstalt, verließ aber 1835 das Kloster noch vor Ablegen der Ordensgelübde. 1836-43 studierte S. Medizin an der Univ. Wien (1842 Dr. med. et Mag. obstet., 1843 Dr. chir.), danach wirkte er als prakt. Arzt in Herzogenburg (Niederösterr.). 1846 kehrte er als Assistent des Chemikers Adolf Pleischl (1787–1867) an die Univ. Wien zurück. 1848 mußte er Wien wegen seines Einsatzes für die Revolution verlassen und wurde im selben Jahr Mitarbeiter von Joseph Redtenbacher (1810–70) an der Univ. Prag (seit 1849 Univ. Wien), der die Chemie in Österreich als selbständiges Fach einrichtete und S. mit der modernen Experimentiertechnik vertraut machte. Vergeblich bemühte S. sich 1849, eine Lehrkanzel an der Medizinisch-Chirurgischen Lehranstalt in Salzburg zu erhalten. 1850 in Wien für spezielle anorganische und organische Chemie habilitiert, wurde S. 1852 Professor der chirurgischen Vorbereitungswissenschaften (Physik, Chemie, Naturgesch.) am Wiener Feldärztlichen Zöglingsinstitut (ehem. Josephsak., seit 1854 Bildungsanstalt f. Feldärzte) und seit 1854 der Chemie. 1870 folgte er Redtenbacher auf dem Lehrstuhl für Allgemeine und Medizinische Chemie an der Univ. Wien. Wegen einer 1871 beim Experimentieren erlittenen Augenverletzung wechselte er 1876 als Sanitätsreferent im Rang eines Ministerialrats in das Ministerium des Innern und war 1879-88 Präsident des Obersten Sanitätsrats.

    S. gilt als letzter Vertreter der „Alten Schule“ des Faches Chemie an der Univ. Wien; er verband medizinisches mit chemischem Denken. Seine von methodischer Exaktheit geprägten chemischen Forschungen zielten durchwegs auf eine Nutzung im medizinischen und pharmazeutischen Bereich sowie in der öffentlichen Gesundheitspflege. Er begründete die forensische Toxikologie in Österreich und erfand neue Verfahren zum Nachweis von Arsen und Quecksilber im Körper. Sein Werk „Die gerichtliche Chemie, für Gerichtsärzte und Juristen“ (1852, niederländ., ital.) wurde international beachtet. In|seinem Hauptwerk „Commentar zur neuen österr. Pharmacopöe“ (2 Bde., 1855) machte S. die 5. Auflage der Pharmacopöe Apothekern, Sanitätsbeamten und Ärzten umfassend verständlich und zeigte ihnen, wie sie Verfälschungen, Verunreinigungen und Verwechslungen erkennen und vermeiden konnten. Er bemühte sich um eine Reform der pharmazeutischen Studien- und Prüfungsordnung. Zu beachten sind auch seine Beiträge zur Entwicklung des Faches Hygiene, deren erste Vertreter an der Universität zu seinen Schülern zählten, sowie zum Ausbau des Sanitätswesens. Er untersuchte Tausende Lebensmittel- und Wasserproben und gehörte 1864-66 als Gemeinderat der Stadt Wien der Expertenkommission an, die den Bau der 1873 eröffneten Ersten Wiener Hochquellenwasserleitung befürwortete. Auch war er erster Inspektor der Militär-Medikamentenregie und in diversen Sanitätsbehörden tätig (Mil.sanitätskomitee, Ständige Medizinalkomm, im Innenmin.). S. bemühte sich um die Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch Desinfektionsmaßnahmen und sprach sich für die Einführung des Impf- und Wiederimpfzwanges aus. 1876 wurde er für alle Sanitätsagenden zuständig und nahm als Vizepräsident (1876) bzw. Präsident (1879) des Obersten Sanitätsrates eine einflußreiche Position ein. Seine umfangreiche Gutachtertätigkeit war wohl der Grund für die geringe Zahl seiner Publikationen; allerdings zog er viele Studenten an. Zu S.s Verdiensten zählt die Berufung Adolf v. Liebens (1836–1914) nach Wien, mit dem das rein chemische Studium etabliert wurde.

  • Auszeichnungen

    HR; lebenslanges Mitgl. d. Herrenhauses (1889); Orden d. eisernen Krone III. Kl. (1868); Komtur d. Franz-Josephs-Ordens (1880).

  • Werke

    Grundzüge d. allg. Chemie, 1851;
    Die gerichtl. Chemie, für Gerichtsarzte u. Juristen, 1852;
    Anfangsgründe d. Chemie, 1853, 31881;
    Commentar z. neuen österr. Pharmacopöe, 2 Bde., 1855, 21869/1874 (mit A. Vogl). 31880/81;
    Über d. chem. u. electrolyt. Verhalten d. Quecksilbers, in: Sbb. d. Ak. d. Wiss. Wien, math.-nat. Kl. 40, 1860;
    Chem. Analyse einiger Mineralquellen Österreichs, ebd. 45/2, 1862;
    Commentar z. 7. Ausg. d. österr. Pharmacopoe, 3 Bde. 1889-92 (Bd. 3, 21890, 31893, mit A. Vogl).

  • Literatur

    ADB 54;
    F. Kratschmer, in: Wiener Med. Wschr. 47, 1897, Sp. 2363-66;
    M. Gruber, in: Wiener klin. Wschr. 10, 1897, S. 1081-83;
    Inauguration Univ. Wien 1898/99, 1898, S. 38-40;
    H. Michl, Gesch. d. Studienfaches Chemie an d. Univ. Wien in d. letzten 100 J., Diss. Wien 1951 (unvollst. W-Verz. u. Titel d. Vorlesungen);
    H. Rauscher, in: Das Waldviertel, NF 6, 1957, S. 79 f.;
    E. Lesky, Die Wiener Med. Schule im 19. Jh., 1965;
    H. Wyklicky, Das Josephinum, 1985 (P);
    H. Engelbrecht, in: Jber. d. Bundesgymn. u. Bundesrealgymn. Krems 1996/97, 1997, S. 49-52 (P);
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien;
    zu Robert:
    Archäologenbildnisse, hg. v. R. Lullies u. W. Schiering, 1988;
    ÖBL;
    100 J. Österr. Archäol. Inst. 1898-1998, 1998, bes. S. 102-04; |

  • Quellen

    Qu Österr. StA, Allg. Verw.archiv; Univ.archiv Wien, Archiv d. Stiftes Göttweig; StadtA Krems: Archiv d. Bundesgymn. Krems.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, 1854 (Österr. Nat.bibl., Wien).

  • Autor/in

    Helmut Engelbrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Engelbrecht, Helmut, "Schneider, Franz Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 290-291 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116824700.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schneider: Franz Cölestin Ritter von Sch., Arzt und Chemiker zu Wien, geboren am 13. September 1813 zu Krems in Niederösterreich, wurde in Wien Dr. med., prakticirte 1843—46 in Herzogenburg, wurde 1846 in Wien Assistent, 1850 Docent der Chemie an der Wiener Universität, 1852 Professor an der Josephs-Akademie, Mitglied des Militär-Sanitäts-Comités und der ständigen Militär-Commission im Ministerium des Innern. 1870 wurde er als ord. Professor an die Wiener Universität berufen, mußte aber dieser Stellung infolge eines Unfalls, der seine Augen betraf, 1876 entsagen, um als Ministerialrath und Sanitätsreferent in das Ministerium des Innern zu treten. Als solcher wirkte er bis 1888, nachdem er zum Präsidenten des|Obersten Sanitätsraths gewählt worden war. Sch. publicirte: „Grundzüge der allgemeinen Chemie, mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des ärztlichen Studiums bearbeitet“ (Wien 1851); „Ueber den Einfluß der Naturwissenschaft, insbesondere der Physik und Chemie auf das Studium der Heilkunde. Inauguralrede“ (ebd. 1852); „Die gerichtliche Chemie, für Gerichtsärzte und Juristen bearbeitet“ (ebd. 1852); „Commentar zur neuen österr. Pharmacopöe, u. s. w.“ (ebd. 1855). Dazu eine Unzahl von chemischen Abhandlungen in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften (seit 1849), chemische Analysen von Mineralquellen; in der Zeitschrift der Gesellschaft der Wiener Aerzte (1850): „Ueber das Chloroform und seine Verwandlung in Blausäure“. Er lebte zuletzt in Krems, ganz seinen wissenschaftlichen Studien und Forschungen hingegeben und starb am 29. November 1897.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lex. hervorr. Aerzte, hrsg. v. Pagel, Berlin u. Wien 1901, S. 1515.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Schneider, Franz Ritter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 135-136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116824700.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA