Lebensdaten
1803 bis 1874
Geburtsort
Dreiborn bei Kall (Eifel)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
katholischer Kirchenhistoriker ; Theologe
Konfession
katholisch,altkatholisch
Normdaten
GND: 116806826 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hilgers, Bernhard Josef

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Zitierweise

Hilgers, Bernhard Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116806826.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfam.;
    V Joh. Peter ( 1824), Bauer in D., S d. Joh. Peter u. d. Margaretha Heupgen; M Anna Carol. ( 1859), T d. Theodor Jos. Berners u. d. Maria Cath. Wolter.

  • Leben

    H. studierte katholische Theologie in Bonn. Obwohl Georg Hermes auch auf ihn einen nachhaltigen Einfluß ausübte, wurde H. kein „Hermesianer“ im Parteisinne. Der Priesterweihe 1827 und einem Kaplansjahr in Münstereifel bei Bonn folgten 1828 fünf Seelsorgejahre an der Irrenanstalt in Siegburg. In innerem Zusammenhang damit entstand seine Dissertation „Über das Verhältnis von Leib und Seele mit Beziehung auf sittliche Freiheit und Zurechnung“ (Münster 1834). 1835 habilitierte sich H. mit dem 1. Teil eines groß gedachten und weitläufig angelegten Werkes: „Kritische Darstellung der Häresien und der orthodoxen Hauptrichtungen in ihrer genetischen Bildung und Entwicklung“ (1837), das bis zum Ende des 2. Jahrhunderts führte und infolge abnehmender körperlicher Kräfte und der H. bedrückenden kirchlichen Spannungen um den Weg der deutschen historischen Schule keine Fortsetzung fand. 1835-43 war er zugleich Pfarrer der Bonner Altstadtpfarrei Sankt Remigius. Er gehörte dem Freundeskreis der Bonner Güntherianer an. Als Kanzelredner und Seelsorger war H. hochgeachtet. 1840 wurde er außerordentlicher Professor, 1841 erschien das einzige größere, neben J. A. Möhlers Symbolik abgeschlossene, wegen der Beschränkung auf die offiziellen Bekenntnisschriften in seiner Klarheit und Kürze nützliche Werk: „Symbolische Theologie oder die Lehrgegensätze des Katholizismus und Protestantismus dargestellt und gewürdigt“. – Verdächtigungen wegen hermesianischer Ansichten verzögerten die Ernennung zum ordentlichen Professor bis 1846. Die lateinische Studie über Gregors II. Verhältnis zu Kaiser Leo, dem Isaurier, zeigt in ihrer vorbildlichen Umsicht und Klarheit, welcher Qualität Arbeiten bei voller Entfaltung von H. zu erwarten gewesen wären. Die 40er Jahre sind der Höhepunkt akademischen Lehrerfolges und öffentlichen Ansehens; 1844-49 arbeitete H., zuletzt als Mitherausgeber, an der theologischen Zeitschrift der Fakultät mit, 1855 wurde er Direktor des wissenschaftlichen Prüfungsamtes. Während des Vatikanischen Konzils stand H. gegenüber dessen Dogmatisierungen entschieden auf seiten der Mehrheit der Bonner Fakultät und teilte deren Schicksal. Seine Vorlesungen nahm er nach deren Sperrung für die Studenten im August 1870 nicht wieder auf. Am 1.4.1871 wurde er suspendiert, am 12.3.1872 exkommuniziert. Bis 1945 wurde im Anschluß an seine Beerdigung die städtische Kapelle auf dem Alten Friedhof nur noch von der alt-katholischen Gemeinde für Trauerämter benutzt. Erst heute|beginnen sich jene ökumenischen Haltungen durchzusetzen, deren Fehlen H.s Lebensweg so schmerzlich beschwerten.|

  • Auszeichnungen

    Rektor 1852/53 u. 1861/62.

  • Werke

    Weitere W einzelne Btrr. in: Kath. Zs. f. Wiss. u. Kunst, 1842, 1844-46, NF 1847-49;
    De Hermetis Trismegisti Poimandro, 1855;
    Homilien, 1874.

  • Literatur

    ADB XII;
    Dt. Merkur 5, 1874, S. 50-52;
    Grabrede Bischof J. H. Reinkens, in: Bonner Ztg. v. 10.2.1874;
    H. Jedin, Die Vertretung d. KG i. d. Kath.-Theolog. Fak. Bonn 1823-1929, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 155/156, 1954;
    P. Wenzel, Der Freundeskreis um Anton Günther u. d. Gründung Beurons, 1965.

  • Portraits

    in: J. Weiß, An d. Wiege d. kath. Studentenverbindungen, 1930.

  • Autor/in

    Werner Küppers
  • Empfohlene Zitierweise

    Küppers, Werner, "Hilgers, Bernhard Josef" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 144 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116806826.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hilgers: Bernhard Joseph H., katholischer Theologe, geboren am 20. Aug. 1803 zu Dreiborn in der Eifel, gestorben am 7. Febr. 1874 zu Bonn. Er machte seine Gymnasialstudien zu Düren, seine Universitätsstudien zu Bonn. Nachdem er im Herbst 1827 in Köln zum Priester geweiht worden, war er ein Jahr als Hülfsgeistlicher zu Münstereifel, fünf Jahre als Seelsorger an der Irrenherlanstalt zu Siegburg thätig. Im J. 1834 erwarb er sich in Münster den theologischen Doctorgrad (seine Promotion war die erste seit der Reorganisation der dortigen Academie). Eine Berufung an das Seminar zu Posen lehnte er ab. Er habilitirte sich im J. 1835 als Privatdocent bei der katholisch-theologischen Facultät zu Bonn, und wurde 1840 zum außerordentlichen, 1846 zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte ernannt. Von 1838 bis 1846 war|er zugleich Pfarrer von St. Remigius. Außer über Kirchengeschichte und die damit zusammenhängenden Fächer las er auch über das Neue Testament, besonders den Hebräerbrief, früher auch über Dogmatik und Katechetik. — Im October 1870 wurde er von dem Erzbischof Melchers von Köln aufgefordert, die vaticanischen Decrete vom 18. Juli anzuerkennen. Da er sich weigerte, wurde ihm zunächst „die Missio canonica zum Lehren entzogen“, und da nun die Zuhörer ausblieben, mußte er seine Vorlesungen einstellen. Er hat dieselben — lediglich seiner zunehmenden Kränklichkeit wegen — auch später nicht, gleich seinen Collegen, die dasselbe Loos getroffen, wieder aufgenommen. Am 1. April 1871 wurde er von dem Erzbischof suspendirt, am 12. März 1872 excommunicirt; die von ihm und seinen Collegen Knoodt, Langen und Reusch unter dem 16. März veröffentlichte Erklärung, s. bei Friedberg, Actenstücke zum vaticanischen Concil, S. 801. H. verfaßte folgende Schriften: „Ueber das Verhältniß zwischen Leib und Seele, mit besonderer Beziehung auf sittliche Freiheit und Zurechnung", 1834. „Kritische Darstellung der Häresen und der orthodoxen Hauptrichtungen in ihrer genetischen Bildung und Entwickelung", 1. Band, 1. Abtheilung, 1837 (nicht fortgesetzt). „Symbolische Theologie oder die Lehrgegensätze des Katholicismus und Protestantismus dargestellt und gewürdigt“, 1841. In der Vorrede sagt er, er habe, im Unterschiede von Möhler, nur die Symbole der betreffenden Confessionen als Quellen benutzt, den Privatschriften der Theologen keine andere Geltung als die des Erläuternden und näher Bestimmenden gewährt; er fügt bei: er sei „sich stets einer leidenschaftslosen Stimmung bewußt gewesen, und er schöpfe eben daher die gute Zuversicht, daß, wenn sich auch in der Schritt seine innige Anhänglichkeit an den Glauben der katholischen Kirche kundgebe, was er allerdings wünsche und hoffe, sich dennoch die anderen Confessionen über den Geist und Ton der Beurtheilung nicht würden zu beschweren haben.“ Eine von dem katholischen Pfarrer J. J. Schumacher zu Köln 1842 veröffentlichte „Theologische Beurtheilung der symbolischen Theologie von Professor H.“ veranlaßte H., in demselben Jahre eine „Beantwortung der von J. J. Schumacher herausgegebenen Beurtheilung etc.“ folgen zu lassen. Von Schumacher erschien dann noch 1842 ein „Sendschreiben an Professor H.“, und der Jahrgang 1843 des Münchener „Archivs für theologische Litteratur“ brachte noch eine ausführliche Kritik (von Dr. Chr. Vosen). — Außerdem hat H. noch zwei academische Programme, „De Gregorii II. in seditione inter Italiae populos adversus Leonem Isaurum excitata negotio“, 1841 und „De Hermetis Trismegisti Poimandro“. 1855, und einige Aufsätze in den in Bonn erscheinenden theologischen Zeitschriften, — „Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie", 1832 ff., „Katholische Zeitschrift", 1844—46, und „Vierteljahrschrift für Wissenschaft und Kunst“ 1847—49 (letztere wurde von ihm redigirt) und „Theologisches Litteraturblatt“ 1866 veröffentlicht. Seine schwache Gesundheit und schmerzliche Erlebnisse, die ihn bei seinem weichen Gemüthe tief verstimmten. — die Verurtheilung des Hermesischen Systems, die damit zusammenhängende Verzögerung seiner Beförderung an der Universität, Kränkungen, die er von geistlichen Oberen und Collegen zu erdulden hatte. — tragen die Schuld daran, daß seine schriftstellerische Thätigkeit nicht ausgebreiteter war. An der Universität genoß er ein sehr großes Ansehen: er wurde zweimal zum Rector, sehr oft zum Mitgliede des Senates gewählt; er war auch von 1843—1872 fast ununterbrochen Mitglied, seit 1855 Director der wissenschaftlichen Prüfungscommission. Diese Aemter verwaltete er mit der größten Gewissenhaftigkeit und mit seltener Gewandtheit. Er war nicht gerade ein hervorragender Gelehrter, aber ein vortrefflicher Docent: seine Darstellung war sehr klar, übersichtlich und anziehend, sein Vortrag elegant und fesselnd. In der Zeit, als er Pfarrer war, war er als Kanzelredner sehr|beliebt; später pflegte er Sonntags in der Kapelle des Johannis-Hospitals kurze Homilien zu halten. Eine Auswahl aus diesen wurde nach seinem Tode 1874 nach der Nachschrift einer Zuhörerin durch den Druck veröffentlicht. Eine anschauliche Schilderung von Hilgers' Persönlichkeit geben die „Erinnerungen an Amalie von Lasaulx. Oberin im Johannis-Hospital in Bonn“, 1878, S. 153 ff. „Ein frommer Christ, ein guter Katholik, ein warmer Preuße, ein guter Geschäftsmann, umsichtig, milde und fest“, so charakterisirt ihn dort Cl. Th. Perthes, und in der Grabrede wird gesagt: „Er war wie der persönliche Friede der Confessionen. Ohne im geringsten seinem katholischen Standpunkte etwas zu vergeben, hatte er den Ruhm erlangt, daß seine Menschenfreundlichkeit und Besonnenheit allen Menschen kund geworden. Es gab eine Zeit, wo in der Stadt Bonn wol kein Mann allgemeiner geachtet war“.

    • Literatur

      Nekrolog im Deutschen Merkur 1874, Nr. 7.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Hilgers, Bernhard Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 412-414 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116806826.html#adbcontent

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