Lebensdaten
1868 bis 1925
Geburtsort
Kaiserslautern
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Indogermanist ; Etruskologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116728752 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herbig, Gustav

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Zitierweise

Herbig, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116728752.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Heinrich (1839–92), Kaufm., S d. Wagners u. Gutsbes. Joh. Heinrich in K. u. d. Kath. Philippine Heil;
    M Johanna (1847–92), T d. Joh. Gelbert (1806–81), Brauer, Bgm. v. K. 1864–69, bayer. Landtagsabg., u. d. Magdalena Raquet;
    1897 Emilie, T d. Valentin Schwarzenbach (1830–90), Prof. d. Chemie in Bern (s. Pogg. II, III), u. d. Christine Mohr; Schwägerin Ida ( Franz Boll, 1924, Altphilol., s. NDB II);
    S Reinhard (s. 2).

  • Leben

    H. wurde 1888 in das Maximilianeum in München aufgenommen und studierte an der Universität klassische Philologie und Indogermanistik (1892 Lehramtsprüfung), 1892/93 in Leipzig Indogermanistik bei K. Brugmann, E. Sievers und A. Leskien. 1893 trat er in München in den bayerisch Bibliotheksdienst ein und war Praktikant, Assistent, Sekretär und 1899-1913 Bibliothekar an der Hof- und Staatsbibliothek. 1895 wurde er auf Grund der Dissertation „Aktionsart und Zeitstufe, Beiträge zur Funktionslehre des indogermanisch Verbums“ (in: Idg. Forschung 6, 1896, S. 157-269) zum Dr. phil. promoviert, 1910 habilitierte er sich in München für indogermangermanisch Sprachwissenschaft und Etruskologie. 1913 wurde H. als ordentlich Professor nach Rostock berufen (1919/20 Rektor), 1921 nach Breslau und 1922 nach München.

    H.s wissenschaftliche Leistung liegt auf dem Gebiet der italischen Sprachen, ganz besonders auf dem der Etruskologie. Entscheidend wurde 1899 die Begegnung in München mit C. Pauli (1839–1901), einem der ersten Vertreter der wissenschaftlichen Etruskologie, der zunächst als wichtigste Aufgabe eine kritische Ausgabe aller etrusk. Sprachdenkmäler ansah, ein „Corpus inscriptionum Etruscarum“ (CIE), dessen 1. Band er, ermuntert durch Th. Mommsen, gemeinsam mit O. A. Danielsson, unterstützt durch die Akademien von Berlin und Leipzig, noch selbst fertigstellen konnte. Die Drucklegung 1902 besorgte aber O. A. Danielsson unterstützt von H., der bereits zu Paulis Lebzeiten die Ausgabe der Instrumentuminschriften übernommen hatte. Beide nahmen sich dieses Corpus' gemeinsam mit B. Nogara weiterhin an. H.s große Leistung war die mustergültige Ausgabe der faliskischen Inschriften (1910) und der Agramer Mumienbinde (1919) im CIE. Er hat der Etruskologie mit diesen Editionen und den mit ihnen verbundenen Untersuchungen den Weg der Vereinigung von Sprach- und Sachforschung gewiesen, indem er die Bedeutung der etrusk. Archäologie auch für die Entzifferung der Sprache ins rechte Licht rückte. Der Sprache selbst versuchte er sowohl mit der Methode einer analytischen Morphologie als auch durch weitere Klärung der italischetrusk. Sprachbeziehungen näherzukommen, indem er das „etrusk. Latein“ (in: Idg. Forschung 37, 1917, S. 163-87) zu sichern versuchte. Mit den „kleinasiatisch-ägypt. Namensgleichungen“ (in: SB d. Bayerische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse 1914/II) erbrachte H. den überzeugenden Beweis für die östliche Heimat der Etrusker von der sprachlichen Seite her, ja er konnte auch Beziehungen zum Lydischen feststellen (1925). Von den neuen Arbeitsgebieten der Indogermanistik zog ihn besonders das Hethitische an.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1922).

  • Werke

    Weitere W u. a. Idg. Sprachwiss. u. Etruskol., in: Idg. Forschung 26, 1909, S. 360-81;
    Altitalische Verbalformen, ebd. 32, 1913, S. 71-87;
    Falisca, in: Glotta 2, 1909, S. 83-110, 181-200;
    Neue etrusk. Funde aus Grotte S. Stefano u. Montagna, ebd. 4, 1913, S. 165-87, 5, 1914, S. 253;
    Epigraphik u. Sprachwiss., in: Neue Jbb. f. d. klass. Altertum, hrsg. v. J. Ilberg, 1. Abt. 25, 1910, S. 571-79;
    Die etrusk. Leinwandrolle d. Agramer Nat.-Mus., in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl. 25/4, 1911;
    Die Geheimsprache d. disciplina Etrusca, in: SB d. Bayer Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1923/1;
    Der lyd. Teil d. lydisch-aramä. Bilinguis d. Grabstele v. Sardes (Auszug), ebd. 1925, S. 6;
    Zur Vorgesch. d. röm. pontifices, in: Zs. f. vgl. Sprachforschung 47, 1916, S. 211-32;
    Eine oskische Altarinschr. in Lukanien, in: Philologus 73, 1916, S. 449-61;
    Satre-Saturnus, ebd. 74, 1918, S. 446-59;
    Wege u. Ziele d. hethit. Sprachforschung, in: Idg. Jb. 8, 1922, S. 1-20. - Autobiogr. in: Geistiges u. künstler. München, 1913, S. 162-65 (W).

  • Literatur

    E. Berneker, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1925, S. 18-20;
    G. Deeters, in: Zs. d. dt. Morgenland. Ges. NF 5, 1926, S. 189-200 (W);
    O. A. Danielsson, in: Gnomon 2, 1926, S. 622-24;
    E. Fiesel, in: Idg. Jb. 11, 1927, S. 573-86;
    M. Leumann, in: Bursian-Jberr. 219, 1928, Nekr., S. 1-14 (W). - Zu C. Pauli: G. H., in: Bursian-Jberr. 132, 1906, Nekr., S. 54-75.

  • Autor/in

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Herbig, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 583 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116728752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA