Lebensdaten
1744 bis 1774
Geburtsort
Tübingen
Sterbeort
Achmetkent (Kaukasus)
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Naturforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116685158 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gmelin, Samuel Gottlieb
  • Gmelin, Samuel
  • Gmelin, Samuel Gottlieb
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gmelin, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116685158.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Conrad (1707–59), Dr. med., Arzt u. Apotheker in T. (s. ADB IX), S d. Joh. Gg. d. Ä. (s. Gen. 2);
    M Veronika (1713–97), T d. Gg. Frdr. Erhardt, Apotheker in Urach, u. d. Veronika Christine Schmidlin;
    Ov Joh. Gg. (s. 2);
    B Chrstn. Gottlob (1749–1809), Apotheker in T.;
    Sarepta 1772 Anna (1744–1828, 2] 1776 Cornelius Peter Possiet de Roussier, 1790, russ. Oberstlt.), T d. Jacob de Chappuzeau, russ. Flottenkapitän, u. d. Anna Maria Neubauer; kinderlos (?);
    N Leopold (s. 3).

  • Leben

    Medizinische und naturwissenschaftliche Studien in Tübingen schloß G. 1763 mit der Erwerbung des medizinischen Doktorates ab. Anschließend begab er sich zu weiterem Studium nach Leiden, wo er P. S. Pallas kennenlernte, bei dem er 1765 in Den Haag wohnte. Kurze Zeit übte er dann eine medizinische Praxis in Briel aus. Auf Fahrten nach der seeländischen Küste sammelte er Tange, die zusammen mit ihm von Pallas überlassenen Sammlungen die Grundlage für seine „Historia fucorum“ (Petersburg 1768) abgaben. Bei einem Aufenthalt in Paris machte G. sich die systematischen Anschauungen M. Adansons zu eigen und stand daher der Linnéschen Schule stets mit Reserve gegenüber. Nach Tübingen heimgekehrt, wurde G. 1767 als Mitglied der russischen Akademie nach Sankt Petersburg berufen. Eine in kaiserlichem Auftrag 1768 begonnene Forschungsreise führte ihn über die Waldaihöhen, Moskau und Tula nach Woronesch (Überwinterung) und weiter über Tscherkask und Zarizyn (das spätere Stalingrad) nach Astrachan. Von hier unternahm er 1770-72 seine 1. Persien-Reise: Derbent – Baku – Sallian – Enzeli (Pahlevi) – Rescht – Gilan – Sari. Während eines längeren Aufenthalts in der Herrnhuter-Gemeinde Sarepta machte er im Herbst 1772 einen Abstecher in das Steppengebiet zwischen Wolga und Don. 1773 begab er sich von Astrachan aus auf seine 2. Persien-Reise, die ihn über die Kaspi-See nach Enzeli, Baku und Derbent führte. Vom dortigen Chan gezwungen, den Ort zu verlassen, versuchte er Kisljar zu erreichen, wurde aber am 5.2.1774 von einem Chaitaken-Chan gefangengenommen und starb an der Ruhr, noch bevor zu seiner Rettung eingeleitete Verhandlungen zu einem Resultat geführt hatten. – G.s Reiseaufzeichnungen, deren Niederschrift er noch in der Gefangenschaft weiterführte, erschließen ein bis dahin fast unerforschtes Gebiet und bringen Angaben zu den verschiedensten Wissensgebieten wie Flora, Fauna (darunter Neubeschreibungen einiger Vögel), Geographie, Volkskunde, Geschichte, Wirtschaft. Ihr Wert wird freilich durch eine gewisse Flüchtigkeit gemindert, die nicht nur dem Mangel an ausreichenden bibliographischen Hilfsmitteln bei ihrer Abfassung entspringt. Zudem fehlt meist auch der Hinweis, was selbst beobachtet und was nach Berichten anderer niedergeschrieben wurde. – Eine Berufung als Professor der Botanik nach Tübingen 1768 nahm G. zwar an, wollte jedoch vor Antritt der Stelle seine Reise vollenden.

  • Werke

    Weitere W u. a. Reise durch Rußland z. Unters. d. drey Natur-Reiche, 4 Bde., St. Petersburg 1770-84 (IV v. P. S. Pallas hrsg. u. mit e. Biogr. G.s eingel.; W
    );
    Hrsg.: Joh. Gg. Gmelin, Flora Sibirica, Bd. 3 u. 4, Petersburg 1768 f.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. G. Bobrov, O nekot. zabytych rastenijach iz putešestvija Gmelina-mladšego v 1768-73 gg. [Über einige vergessene Pflanzen aus der Reise G.s 1768-73], in: Botaničeskij Žurnal 43, Moskau 1958, S. 1541-49;
    E. Schüz, in: Lb. aus Schwaben u. Franken VII, 1960, S. 182-89 (W, L);
    Pogg. I;
    G. A. Pritzel, Thesaurus literaturae botanicae, 1872;
    BLÄ.

  • Portraits

    Kinderbild, Abb. in: E. Lehmann, Schwäb. Apotheker u. Apothekergeschlechter in ihrer Beziehung z. Botanik, 1951;
    2 Gem. (früher in Fam.-bes., Phot. im Gmelinschen Fam.archiv in Tübingen).

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Gmelin, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 481 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116685158.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gmelin: Samuel Gottlieb G., Professor der Naturgeschichte zu St. Petersburg, geboren zu Tübingen am 4. Juli 1744, Neffe Johann Georg Gmelin's, des sibirischen Reisenden. Nach seinen Studienjahren und nach der Erlangung der medicinischen Doctorwürde (1763) machte er Reisen durch Frankreich und Holland und erhielt sodann (1767) einen Ruf als Professor der Naturgeschichte an der kaiserlichen Akademie zu St. Petersburg. Im Juni 1768 trat er von dort aus seine Forschungsreise nach dem südlichen Rußland und dem nördlichen Persien an, die ihm das Leben kostete. Es war eine der auf Befehl der Kaiserin Katharina II. unternommenen Expeditionen, zu deren Aussendung der im J. 1769 erwartete Venusdurchgang vor der Sonne die Anregung gegeben hatte, deren Programm aber zum Theil sich auf andere Gebiete wissenschaftlicher Forschung und Fragen von praktischer Bedeutung ausdehnte. G. war von vier Studenten (ein Apotheker, ein Zeichner, ein Jäger und ein Ausstopfer) begleitet. Ueber Nowgorod, das Waldai-Gebirge, Moskau und Tula reiste er nach Woronesch, wo er den Winter zubrachte, und von wo aus er im J. 1769 das Dongebiet, besonders das westliche, bereiste. Im September fuhr er auf der Wolga nach Astrachan, wo er den Winter zubrachte, untersuchte 1770 und 1771 die persischen Provinzen an der südlichen und südwestlichen Seite des kaspischen Meeres, 1772 das Gebiet der Wolga und 1773 die gefährliche östliche Seite des kaspischen Meeres, wozu ihm eine kleine militärische Bedeckung beigegeben wurde. Im Mai 1774 erfolgte die Zurückberufung aller akademischen Expeditionen nach St. Petersburg. G. war bei der Heimkehr weniger glücklich und weniger vorsichtig, als sein Oheim Johann Georg gewesen war. Von dem Hafenorte Enseli aus, auf dem westlichen Ufer des kaspischen Meeres, wollte er seinen Rückweg zu Lande, dem Ufer entlang nordwärts, über Baku, Kuba, Derbent nach der russischen Grenzfestung Kisljar machen. Schon war er Kisljar bis auf wenige Tagereisen nahe gekommen, als er von dem Chan der Chaitaken, Usmei, gefangen genommen|wurde, der ihn nur unter gewissen, mehrfach geänderten Bedingungen wieder frei geben wollte (eine Zeit lang bestand diese Forderung in einem Lösegeld von 30000 Rubeln). Alle Bemühungen um Gmelin's Befreiung waren vergeblich. Schon wollte Katharina II. bewaffnete Gewalt aufbieten, um ihn der Gefangenschaft zu entreißen. Pugatschew's Aufstand brachte die Ausführung ins Stocken und in Vergessenheit. Nach sechsmonatlicher Gefangenschaft erlag G. der Ruhr, die ihm Verdruß, Klima und schlechte Verpflegung zugezogen hatten, zu Achmetkent im Kaukasus am 16./27. Juli 1774. Die Ergebnisse seiner Forschungen in den von ihm bereisten Ländern, die sich nicht auf das Gebiet der Naturwissenschaften beschränken, sondern auch auf Sitten und Gebräuche, Geschichte und Einrichtungen, Krankheiten etc. beziehen, sind in den vier Bänden seiner „Reise durch Rußland“ (St. Petersburg 1771—86) niedergelegt, deren letzter durch Pallas besorgt ist und auch eine Biographie aus Pallas' Feder enthält. Der russische Akademiker v. Dorn hat es im J. 1861 unternommen, den bis dahin unbekannt gebliebenen Ort, wo sein ehemaliger College bestattet worden war, aufzusuchen; bei dem niederkaitakischen Dorfe Kajakent, etwa 50 Werst von Derbent, glaubt er ihn gefunden zu haben. In stiller Feier ehrte er das Andenken des im Dienste der Wissenschaft ums Leben gekommenen Forschers. Mit eigener Hand pflanzte er ein Kreuz auf den von Kaitaken auf seine Anordnung aufgeworfenen Grabhügel und bekränzte dasselbe mit einem, von ihm aus Feldblumen und Wermuth gewundenen Kranze. „Stolz sieht jetzt das auf einem Hügel stehende Kreuz zu den gegenüber höher stehenden muselmanischen Grabsteinen hinauf, und wenn ein christlicher Reisender fragt, welcher Glaubensgenosse da so einsam und allein ruhe, so wird die Antwort sein: ein Märtyrer der Wissenschaft, der Akademiker G.“ — Von Herzog Karl von Würtemberg war G., für den Fall seiner Rückkehr, 1768 zum Professor der Botanik zu Tübingen, 1772 auch zum Professor der Chemie ernannt worden.

    • Literatur

      Bacmeister, Russische Bibliothek, Bd. I—III. — Stammbaum d. Fam. G. S. LVI ff.

  • Autor/in

    M. Gmelin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gmelin, Moriz, "Gmelin, Samuel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 273-274 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116685158.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA