Lebensdaten
1876 bis 1933
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin (Freitod)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116681691 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Landsberger, Artur

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Zitierweise

Landsberger, Artur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116681691.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (* 1836), Großkaufm., Mitgründer d. dt. Kreditorenverbands, Senior d. Handelsrichter in B., S d. Manufakturwarenhändlers Ascher in B. u. d. Amalie Israel;
    M Therese Oberwahr-Reichenheim;
    Schw Else ( Louis Ferdinand Ullstein, 1863–1933, Verleger);
    - Clara, T d. Pfarrers Jüngst in Rügenwalde.

  • Leben

    L. besuchte das Friedrich-Werdersche Gymnasium in Berlin, lebte nach der Reifeprüfung (1896) eine Zeitlang in Paris und in Brüssel und studierte in München, Berlin und Greifswald Jura. 1906 wurde er in Greifswald mit einer Arbeit über „Das ‚Vorkaufsrecht' der kriegsführenden Parteien – droit de préemption – im System des modernen See-, Kriegs- und Neutralitätsrechts“ promoviert. Als Beruf gab der Promovent „Verlagsbuchhändler“ an, was zur Aussage seines heftigen Kritikers Victor Goldschmidt paßt, L. sei der „Gründer“ der Zeitschrift „Morgen“ (1907-09), „in der er für schweres Geld erste Leute die Schriftleitung führen ließ“. Diese „Wochenschrift für deutsche Kultur“ weist L. jedoch 1907/08 lediglich als Redakteur aus (einer seiner Nachfolger war Herwarth Walden), während Werner Sombart, auf den sich der Schriftsteller L. später mehrfach beruft, als Begründer zeichnet; Mitherausgeber waren u. a. Richard Strauss, Georg Brandes und Hugo v. Hofmannsthal.

    L. hat es auf dieser Höhe der Literatur nicht lange ausgehalten. Mit seinem ersten Roman „Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte“ (1911) begann er die Karriere eines erfolgreichen Unterhaltungsschriftstellers, dessen Gesellschaftskritik offensichtlich gerade von den Kritisierten goutiert wurde. Er veröffentlichte gelegentlich in dem literarisch eigenwilligen Verlag von Paul Stegemann, vorwiegend im Verlag Georg Müllers; nach dessen Tod räumte ihm der Ullstein-Verlag wöchentlich eine Spalte in der „B. Z. am Mittag“ ein.

    L. hat 1924 seinen ersten Roman selbst als „Kitsch“, als „verstandesmäßig geschickt und wirksam konstruierten Unterhaltungsroman“ abqualifiziert und die Lektüre seiner Romane „Millionäre“ (1913), „Um den Sohn“ (1914) und „Elisabeth. Der Roman einer deutschen Frau“ (1922) empfohlen. Dieser Unterscheidungsversuch wirkt heute wenig erhellend, da allen seinen Büchern etwas Konstruiertes anhaftet: Das Personal der Romane (auch der Boulevardstücke und Filme), einzelne Handlungselemente (wie die häufigen Einbruchsdiebstähle), die geschilderte Sittenverderbtheit des Berliner Westens wie die ihr entgegengehaltenen Sprechblasen ethischer Gesinnung und natürlichen „Taktes“ sind austauschbare Requisiten.

    Dennoch finden sich in seinem Werk Beispiele einer nach 1933 in Deutschland unterdrückten Großstadtliteratur, die noch heute von kulturhistorischem Interesse sind, obwohl sie ästhetisch mitunter wie Trivialisierungen der Werke eines Franz Hessel, eines Walter Serner oder der allerdings später erschienenen Berlin-Bücher Paul Gurks wirken. So wiederholt z. B. der durchaus amüsante Hochstaplerroman „Emil“ (1926) den von Serner verwendeten Topos der Grenzverwischung zwischen dem ehrenwerten Verbrecher und dem kriminellen, den bloßen Schein des Anstands wahrenden Bürger. L.s Zugehörigkeit zur feinen und zur pseudofeinen Gesellschaft des Berliner Tiergartenviertels, seine Kenntnis der neureichen Schieber von Berlin W und seine juristische Vertrautheit mit der Welt des Verbrechens (Die Unterwelt von Berlin, Nach den Aufzeichnungen eines ehemaligen Zuchthäuslers, 1929, Nachw. v. M. Alsberg) lieferten ihm den Stoff für seine satirische Gesellschaftskritik, die sich ethisch auf die Bergpredigt beruft, politisch und sozial jedoch diffus bleibt. Seine Beiträge zur Weltkriegsliteratur, der utopische Roman „Haß“ (1915) und die fingierten engl. Feldpostbriefe „Das erwachte Gewissen“ (1918) sind eher von privatem Chauvinismus als von politischer Einsicht geprägt.

    Zweimal ist L. aus seinem Erzählschema ausgebrochen: In seinem von Hugo Bettauers „Die Stadt ohne Juden“ (1922) angeregten, die Judenverfolgung der NS-Zeit vorwegnehmenden Roman „Berlin ohne Juden“ (1925) und in einer fleißigen Materialsammlung über den Satanismus (Gott Satan oder Das Ende des Christentums, 1924), die L.s Gesellschaftskritik in geradezu absurder Weise auf das Problem des angeblichen Wiederaufkeimens Schwarzer Messen reduziert. Die Satanismus-Studie wirkt heute verkrampft und verblendet; um so hellsichtiger erscheint – sieht man vom glücklichen Ende des Romans ab – die in Details überraschend stimmige Utopie der Judenverfolgung aus der Sicht eines assimilierten Berliner Juden, der bald selbst zum Opfer der wirklichen Verfolgung wurde.

  • Literatur

    V. Goldschmidt, Seiende u. Werdende, 1912, S. 207-17;
    A. Schirokauer, in: Die Literar. Welt, 1927, Nr. 33;
    S. Großmann, Der pünktl. Tod, in: Neues Wiener Tagbl., 1933, Nr. 278;
    P. Marcus, Heimweh nach d. Kurfürstendamm, 1952, S. 145-46;
    H. Ullstein, Spielplatz meines Lebens, 1961, S. 45 f.;
    Brümmer;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1932 (W);
    Enc. Jud. X, 1934 u. X, 1971;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit., II, 2, 1972, S. 393 (L).

  • Autor/in

    Herbert Wiesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiesner, Herbert, "Landsberger, Artur" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 515 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116681691.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA