Lebensdaten
1758 bis 1825
Geburtsort
Schierling (Niederbayern)
Beruf/Funktion
Benediktiner ; Physiker ; Naturforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11666634X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich, Joseph (Taufname)
  • Heinrich, Placidus
  • Heinrich, Joseph (Taufname)
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Zitierweise

Heinrich, Placidus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11666634X.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Thomas (1722–1807), Weber, S d. Webers Matthias in Sch. u. d. Maria N. N.;
    M Theresia (1720–86), T d. Webers Kaspar Auer in Sch. u. d. Maria N. N.

  • Leben

    H. war 1785-91 Professor für Physik und Mathematik im Reichsstift Sankt Emmeram zu Regensburg, das sich unter dem Fürstabt F. Forster zu einer geistigen Pflegestätte auch der Naturwissenschaften entwickelt hatte und bei dessen Interesse an Experimentalfächern ein reichhaltiges physikalisches und astronomisches Kabinett besaß. 1792 wurde H. Professor der Naturlehre, physikalischen Versuche, Stern- und Witterungskunde an der Universität Ingolstadt (Nachfolger des zum Abt erwählten Pater Cölestin Steiglehner). Aus Gesundheitsgründen kehrte er 1798 nach Sankt Emmeram zurück und war dort 1800-02 und 1804-12 Direktor des Studienseminars. 1812 wurde das Stift im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Bestrebungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die 1789 zwei preisgekrönte Abhandlungen von H. veröffentlicht und ihn zu ihrem außerordentlichen Mitglied ernannt hatte, ihn als ordentliches Mitglied nach München zu ziehen, lehnte er 1812 ab, wirkte aber an der Überführung der wertvollsten Bestände des Sankt Emmeraner Kabinetts in den Besitz der Akademie und der Sternwarte München mit. Im gleichen Jahre wurde er zum Professor der Physik am königlichen Lyceum in Regensburg bestellt, wo er in Anbetracht seiner Verdienste „den ersten Rang nach dem Rektor“ einnahm und bis 1821 tätig war.

    Bemerkenswert sind H.s meteorologische und astronomische Arbeiten, darunter die erste Preisschrift über die Wirkung der Geschütze auf Gewitterwolken. In den Jahren 1781 bis 1821 hat er Beobachtungen der Sonnenflecken durchgeführt, auf die sich R. Wolf in Zürich bei Einführung der Sonnenflecken-Relativzahlen stützte und deren Anzahl er an Hand dieser Beobachtungen bestimmte. H.s Hauptinteresse galt der Natur des Lichtes und den Phosphoreszenzerscheinungen. Seine zweite preisgekrönte Schrift ist der Verteidigung der Newtonschen Emmissionstheorie gewidmet. Es gilt, „darzutun, daß das Licht eine für sich existierende, wirkliche Substanz sei, welche von der Sonne und andern leuchtenden Körpern ausströmt“. Überzeugend, weil von der Oszillationstheorie her nicht beantwortbar, erscheinen die Entdeckungen der Chemie aus der neuesten Epoche, die den Einfluß des Lichtes auf die Bewegung der Pflanze, auf Farben der Blätter und Früchte und Pflanzenfarbstoffe und auf Luftentbindung gezeigt, und sein Vermögen, „einen chemischen Prozeß hervorzubringen“, bewiesen haben. Danach hat das Licht „die engste Affinität mit der Lebensluft“ und ist imstande, diese „aus gebundenem Zustande frei zu machen“. Diesem bereits in photochemischem Sinne gedeuteten Lebensprozeß der Pflanze werden photochemische Vorgänge der unbelebten Natur (unter anderem Zersetzung der Silbersalze) zur Seite gestellt. Eine Hauptstütze der Emissionstheorie bilden die bereits als langsam ablaufende chemische Prozesse gedeuteten Phosphoreszenzerscheinungen, denen H. ein besonderes Werk widmet, die erste systematische Darstellung dieses Gebietes. Die Phänomene werden nach teilweise noch heute gültigen Gesichtspunkten gekennzeichnet, die Erregungsarten (unter anderem Einfluß von Licht und Temperatur, chemische Vorgänge, Druck, Bruch, Reibung) und die stoffliche Beschaffenheit der Leuchtmassen (anorganische und organische Substanzen der unbelebten Natur, vegetabilische und tierische Substanzen) werden erörtert. – H.s wissenschaftliche Grundeinstellung kommt deutlich in der Einleitung des Werkes zum Ausdruck. Beeinflußt vom Empirismus der französischen Enzyklopädie räumt er trotz aller Vorliebe für die Stofftheorie des Lichtes dem Experiment einen höheren Rang ein als jeglicher Theorie. Wird auch vom Verfasser der Standpunkt der Stofftheorie aufrecht erhalten, meint H., so findet doch auch, wer seinen Ansichten nicht zustimmt, „hier eine Sammlung von Tatsachen und Versuchen, deren Wert immer bleibt. Jeder kann auf diesem festgelegten Grund sein eigenes Gebäude aufführen.“

  • Werke

    Abh. üb. d. Wirkung d. Geschützes auf d. Gewitterwolken …, in: Neue philos. Abhh. d. kf. baier. Ak. d. Wiss. 5, 1789, S. 1-144;
    Über d. Preisfrage: „Kömmt d. Newtonische, od. d. Eulerische System vom Lichte mit d. neuesten Versuchen u. Erfahrungen d. Physik mehr überein?, ebd., S. 145-328;
    Oscillationes mercurii in tubo Torricelliano …, ebd. 6, 1794, S. 71-120;
    Abh. üb. d. mittlere Kraft u. Richtung d. Winde, ebd. 7, 1797, S. 273-308;
    Pyrometr. Versuche üb. d. Ausdehnung d. Eises u. d. Holzkohle, in: Physikal. Abhh. d. kgl. baier. Ak. d. Wiss., 2. Abt., 1806, S. 149-200;
    Von d. Natur u. d. Eigenschaften d. Lichtes …, Petersburg 1800 (v. d. Kaiserl. Russ. Ak. d. Wiss. preisgekrönt);
    Die Phosphorescenz d. Körper nach allen Umständen unters. u. erl. 5 Abhh., 1811-20.

  • Literatur

    ADB XI;
    A. Lindner, Die Schriftsteller u. d. um Wiss. u. Kunst verdienten Mitgl. d. Benediktinerordens im heutigen Kgr. Bayern I. 1880 S. 88-93;
    L. Hartmann, Der Physiker u. Astronom P. P. H. …, in: StMBO 16, 1929, S. 157-82, 316-51 (W, L, Qu);
    G. Huber, P. H., in: Natur u. Kultur 22, 1924/25;
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Armin Hermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hermann, Armin, "Heinrich, Placidus" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 433-434 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11666634X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich: Placidus (eigentlich Joseph) H., geboren den 19. Octbr. 1758 zu Schierling in Niederbayern, trat, nachdem er die humanistischen Studien auf dem bischöflichen Gymnasium in Regensburg absolvirt, 1776 unter Annahme des Namens Placidus in den Orden der Benedictiner im Reichsstift St. Emmeran zu Regensburg, wo er sich in seinen freien Stunden mathematischen und physikalischen Studien mit großem Eifer hingab. Im J. 1785 wurde ihm das philosophische Lehramt in seinem Kloster, 1791 die Professur „der Naturlehre, physikalischen Versuche, Stern- und Witterungskunde“ an der Universität Ingolstadt übertragen, von wo er jedoch 1798 nach St. Emmeran zurückkehrte, um sein früheres Lehramt wieder zu übernehmen, das er nun bis zur Auflösung des Stifts (1802) bekleidete. Von 1800—12 stand er dem Seminar von St. Emmeran als Inspector vor, und übernahm, als das Fürstenthum Regensburg an Baiern kam, nach Ablehnung eines Rufes nach München als ordentliches Mitglied der dortigen Akademie, deren auswärtiges Mitglied er übrigens blieb, die Professur der Experimentalphysik am Lyceum zu Regensburg. Im J. 1821 wurde er zum Capitular der Kathedralkirche ernannt. Er starb am 18. Januar 1825. Physikalische Abhandlungen von ihm finden sich in den Neuen philosophischen Abhandlungen der Münchener Akademie, in Gehlen's und Schweigger's Journal und in Gilberts Annalen der Physik. Sein wissenschaftliches Streben war vorzugsweise darauf gerichtet, die Materialität des Lichtes darzuthun; mehrere seiner Arbeiten über diesen Gegenstand wurden von gelehrten Gesellschaften mit Preisen gekrönt, so von der Münchener Akademie die Abhandlung: „Kommt das Newton'sche oder das Euler'sche System vom Lichte mit den neuesten Versuchen der Physik mehr überein?“ (Neue Abhandl. der Münchener Akademie, Bd. V.); von der Petersburger Akademie (neben einer Schrift von Link) die Abhandlung: „Von der Natur und den Eigenschaften des Lichts“ (Petersb. 1808); von der fürstl. Jablonowsky'schen Gesellschaft der Wissenschaften die Schrift „Brevis et dilucida chemicorum effectuum luminis diversorum expositio“ (Leipzig 1809). Das französische Institut gab seinem Tractat über Phosphorescenz unter den eingelaufenen Concurrenzschriften den zweiten Platz (1809). Sein Hauptwerk „Die Phosphorescenz der Körper“ (5 Abhandlungen, Nürnberg 1811—20) wird durch das darin niedergelegte überaus reichhaltige und zuverlässige Beobachtungsmaterial dauernden Werth behaupten.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog der Deutschen. Meusel, Das gelehrte Teutschland.

  • Autor/in

    Lommel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lommel, "Heinrich, Placidus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 648 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11666634X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA