Lebensdaten
1818 bis 1891
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
katholischer Dogmatiker ; Generalvikar von Mainz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11915806X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich, Johann Baptist Vincenz
  • Heinrich, Johann Baptist
  • Heinrich, Johann Baptist Vincenz
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Heinrich, Johann Baptist, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11915806X.html [05.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Baptist (1775–1838), Bgm. v. M., S d. Metzgermeisters Joh. Melchior in M. u. d. Anna Maria Rickert aus Geisenheim;
    M Antonie (1782–1853), T d. Joh. Vinzenz Kaden (* 1745), Hofrat d. Bischofs v. Worms, u. d. Anna Juliana Regina Straus.

  • Leben

    Nach juristischem Studium in Gießen seit 1834 (Promotion 1837) wurde H. daselbst 1840 Privatdozent. 1842-44 studierte er in Tübingen, Freiburg im Breisgau und im Priesterseminar zu Mainz Theologie (Priesterweihe 1845). In Mainz war er zunächst als Domkaplan, seit 1846 als Religionslehrer tätig. 1848 fungierte er als Schriftführer auf der Würzburger Bischofskonferenz. Nach Wiedereröffnung der philosophisch-theologischen Fakultät im Mainzer Priesterseminar 1851 durch Ketteler wirkte er hier als Professor der Dogmatik, dazu seit 1855 als Domkapitular, seit 1867 als Domdekan und seit 1869 als Generalvikar. Seinen Vorlesungen legte er die Summa theologiae des Thomas von Aquin zugrunde und vollzog somit fast ein Menschenalter vor der Enzyklika „Aeterni Patris“ (1879) Leos XIII. für die Theologie den bewußten Anschluß an die „philosophia perennis“ und den Thomismus. Zugleich betonte er die Notwendigkeit eines Fortschritts in der Philosophie auch für die Theologie. Er postulierte allen wissenschaftlichen Hypothesen der Scholastik gegenüber die Freiheit des Forschens und des Urteils, zumal die Scholastik unter sehr wandlungsfähigen Voraussetzungen entstanden sei. Er lehnte dabei jede bloß schulmäßige Repristination der Scholastik ab. Das gab seinem Streben, die nur allzulange unterbrochenen Traditionen der großen alten theologischen Wissenschaft wieder aufzunehmen, die aufgeschlossene und weite Dynamik. 1850-90 war er mit Chr. Moufang Redakteur des Mainzer „Katholik“. Als einflußreichster Berater Kettelers hat er 1848 dessen berühmt gewordene soziale Adventspredigten im Mainzer Dom veranlaßt und zu seiner Bischofswahl (1850) wesentlich beigetragen. Als Mitbegründer und Förderer der Görresgesellschaft (1874/75) hielt er bei deren Gründung in Koblenz 1876 die Grundsatz-Rede. Als Haupt des Mainzer Dreigestirns H., Haffner und Moufang hat er das damalige geistig-religiöse Leben des katholischen Deutschlands entscheidend mitgeformt. Der Neuscholastiker von exakter Klarheit und Verständlichkeit wurde zum Wegbereiter einer wirklichen Verkündigungstheologie und durch sein grundsätzlich-modernes Vorwort zu dem von ihm in deutscher Übersetzung geförderten Werke Guérangers „Das Kirchenjahr“ (Paris 1841/66, deutsch 1875) zum Vorläufer der auflebenden Liturgischen Bewegung. L. von Pastor, der mit H. ausführlich und in fruchtbarer Anregung sein großes Werk „Die Geschichte der Päpste“ besprach, sah in H. das „Ideal eines Mannes und Priesters“ und pries ihn als „geborenen Redner“.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Univ. Würzburg 1882).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die kirchl. Reform, 1849 (gegen J. B. Hirscher);
    Beweise f. d. Wahrheit d. Christentums u. d. Kirche, 1863, 21885;
    Christus, 1864 (gegen D. F. Strauß u. G. Rénan);
    Dogmat. Theol., Bd. 1-6, 1873-91, 21881-1900, Bd. 7-10 fortges. v. K. Gutberiet, 1896-1901 (P in VII);
    Lehrbuch d. kath. Dogmatik, hrsg. v. P. Huppert, 1898-1900;
    Btrr. in: Katholik.

  • Literatur

    ADB 50;
    H. Brück, in: Katholik, 1891, I, S. 289 ff. wiederholt im Vorwort zu Bd. 7 d. „Dogmat. Theol.“;
    L. v. Pastor, Der Mainzer Domdekan Dr. J. B. H., 1925 (P);
    ders., Tagebücher - Briefe - Erinnerungen, hrsg. v. W. Wühr, 1950: L. Lenhart. Das Mainzer Priesterseminar|als Brücke v. d. alten z. neuen Mainzer Univ., 1947, S. 20 ff.;
    ders., in: Archiv f. mittelrhein. KG 5, 1953, S. 325-59.

  • Portraits

    2 Ölgem. (Mainz, Priesterseminar, u. ebd., Dom-Mus.).

  • Autor/in

    Ludwig Lenhart
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenhart, Ludwig, "Heinrich, Johann Baptist" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 432 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11915806X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich: Johann Baptist Vincenz H., katholischer Theologe, geboren am 15. April 1816 zu Mainz, daselbst am 9. Februar 1891. Er absolvirte die Gymnasialstudien in Mainz, studirte dann in Gießen von 1834—37 Jurisprudenz, wurde am 27. December 1837 Doctor beider Rechte und begann die juristische Laufbahn als Accessist und Untersecretär am Obergericht in Mainz. 1840 habilitirte er sich als Privatdocent an der juristischen Facultät in Gießen, hielt als solcher Vorlesungen über Rechtsphilosophie, Kirchenrecht, französisches Civilrecht, deutschen Civilprozeß u. a. und wurde ein beliebter Lehrer. 1842 legte er aber diese Stellung nieder, nachdem der Wunsch in ihm lebendig geworden war, in den geistlichen Stand zu treten, studirte in Tübingen und ein Semester in Freiburg Theologie, trat im Frühjahr 1844 in das bischöfliche Seminar zu Mainz ein und empfing daselbst am 15. Februar 1845 die Priesterweihe. Kurz darauf wurde er Domcaplan, 1850 Dompräbendat, 1851 Professor der Dogmatik an der wiedereröffneten philosophisch-theologischen Lehranstalt, 1855 Domcapitular und bischöflicher geistlicher Rath, am 30. Januar 1867 Domdecan und am 16. November 1869 auch Generalvicar. Neben diesen Würden behielt er seine Lehrthätigkeit bei und nahm dieselbe, als das in der Culturkampfzeit 1877 geschlossene Seminar 1887 unter Bischof Haffner wieder eröffnet wurde, wieder auf. Am 1. August 1882 promovirte ihn die theologische Facultät von Würzburg zum Doctor der Theologie honoris causa. Am 16. April 1886 wurde er päpstlicher Hausprälat. Während der langen Zeit seiner Wirksamkeit in Mainz unter den drei Bischöfen Kaiser, v. Ketteler und Haffner nahm H. hervorragenden Antheil an den Bestrebungen, welche die Wiederbelebung des religiösen Geistes in der Stadt und Diöcese zum Zweck hatten. Im J. 1848 hatte er thätigen Antheil an der Gründung des Piusvereins. —|Heinrich's Hauptwerk ist die „Dogmatische Theologie“, die er von 1873 bis zu seinem Tode bis zum 7. Bande fortführte, aber unvollendet hinterließ; sie wurde von Constantin Gutberlet fortgeführt, der den 7. Band vollendete (Mainz 1896) und den 8. bis 10. (Schluß-)Band folgen ließ (Mainz 1897, 1901; Münster i. W. 1902/4). Als Hauptvorzug des Werkes, das in seinen Untersuchungen hauptsächlich der Führung des hl. Thomas von Aquin folgt, wird die „Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung, die lichtvolle Erörterung schwieriger Materien und die aller Phrasen baare, schöne und fließende Sprache“ hervorgehoben (Brück). Die sechs ersten Bände erschienen auch in 2. Auflage, 1881—1900. Noch kurz vor seinem Tode dachte H. daran, ein kürzeres dogmatisches Compendium auf Grund seiner Vorlesungen zu bearbeiten; der Plan wurde von Philipp Huppert ausgeführt: „Lehrbuch der katholischen Dogmatik. Von J. B. Heinrich. Bearbeitet und herausgegeben von Ph. Huppert“ (1. u. 2. Halbband, Mainz 1898—1900). Von Heinrich's übrigen Schriften sind zu nennen: „Die kirchliche Reform. Eine Beleuchtung der Hirscher'schen Schrift: 'Die kirchlichen Zustände der Gegenwart'“ (Mainz 1850); „Die Reaction des sogenannten Fortschritts gegen die Freiheit der Kirche und des religiösen Lebens. Mit besonderer Rücksicht auf die kirchlichen Zustände Mitteldeutschlands und die neuesten Vorgänge im Großherzogthum Hessen“ (Mainz 1863); „Die Beweise für die Wahrheit des Christenthums und der Kirche“ (Mainz 1863; neue Auflage 1885); „Christus. Ein Nachweis seiner geschichtlichen Existenz und göttlichen Persönlichkeit, zugleich eine Kritik des Rationalismus, des Straußischen Mythicismus und des Lebens Jesu von Renan“ (Mainz 1864); „Die Klöster in der Geschichte“ (Frankfurt a. M. 1866); „Die Klöster und ihre Gegner in der Gegenwart“ (Frankfurt a. M. 1866); „Joseph von Görres“ (Frankfurt a. M. 1867); „Das erste dogmatische Decret des Vaticanischen Concils, übersetzt und erklärt“ (Münster 1870); „Clemens Brentano“ (Köln 1878). Von 1850—1890 redigirte H. zusammen mit Moufang den „Katholik“, der zahlreiche Artikel von ihm enthält. Für die 2. Auflage des Kirchen-Lexikons von Wetzer und Welte verfaßte er neben kleineren Artikeln den umfangreichen Artikel: „Christus“ (Bd. III, 241—293).

    • Literatur

      H. Brück, Dr. J. B. Heinrich; Katholik 1891, I, 289—307; 403—425. Auch im 7. Bd. der Dogmat. Theologie, S. III—XXXV; dortselbst auch Porträt. — Freih. G. v. Hertling, Zur Erinnerung an J. B. Heinrich; Jahresbericht der Görres-Gesellschaft für 1891, S. 5—15.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Heinrich, Johann Baptist" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 151-152 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11915806X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA