Lebensdaten
1880 bis 1914
Geburtsort
Nakel (Provinz Posen)
Sterbeort
bei Dixmuiden
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116650613 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heidrich, Ernst Friedrich Rudolph
  • Heidrich, Ernst
  • Heidrich, Ernst Friedrich Rudolph
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Zitierweise

Heidrich, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116650613.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolph, Gymnasialdir. in N.;
    M Anna Meyer;
    Gertrud Kaulfus;
    3 K.

  • Leben

    H. studierte zunächst an den Universitäten Leipzig und Berlin Geschichte und bestand 1902 die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen. Darnach wandte er sich dem Studium der Kunstgeschichte an der Universität Berlin zu und schloß es mit der Promotion 1905 bei Wölfflin ab. 1909 habilitierte er sich in Berlin für Kunstgeschichte. Ende 1910 wurde er als Extraordinarius an die Universität Basel berufen und 1912 dort zum Ordinarius befördert. Ende Sommersemester 1914 erhielt er einen Ruf an die Universität Straßburg.

    Schon früh sprach sich in H.s wissenschaftlichen Arbeiten ein eigener Charakter aus. Seine Dissertation „Geschichte des Dürerschen Marienbildes“ erschien im gleichen Jahr 1903 (vollständig 1906), in dem Wölfflin seinen glänzend geschriebenen Band über die „Kunst Albrecht Dürers“ veröffentlichte. Bemerkenswert ist, daß H. mit seiner das Schaffen Dürers ebenso wie die kunstgeschichtliche Stilkritik beherrschenden Untersuchung selbständig neben dem Lehrer stand. Insbesondere aber gab H.s Geschichtsstudium seinen wissenschaftlichen Arbeiten ihr Gepräge. Er faßte die Kunst nicht als eine im leeren Raum stehende geistige Äußerung auf, sondern erstrebte, indem er sich gegen eine allzu einseitige Betonung des Formalen wandte, eine breitere Grundlage für die Beurteilung eines Kunstwerks im Rahmen bestimmter geschichtlicher Umstände. Bezeichnend für diese Haltung ist bereits seine Habilitationsschrift über „Dürer und die Reformation“ (1909), in der er die Apostelbilder, die Dürer 1526 dem Nürnberger Rat schenkte, als Bekenntnisbilder interpretierte, die zu verstehen seien aus den religiösen Kämpfen der Zeit. Der Zeit Dürers als einer Epoche des Übergangs vom Mittelalter zur neueren Zeit galten auch die weiteren Arbeiten H.s. Große sprachliche Begabung, verbunden mit feinem Gefühl für künstlerische Werte, befähigten ihn, in den Einleitungen zu einigen Bildbänden die altdeutsche, niederländische und vlämische Malerei darzustellen, wobei er stets die innere Entwicklung der Kunst und das Gesamtleben der Malerei nördlich der Alpen im Auge behielt. Was H. fernerhin in seiner Generation als wissenschaftliche Persönlichkeit von hohem Rang auszeichnete, waren seine Gedanken, die er in erst nach seinem allzu frühen Tode veröffentlichten Baseler Vorträgen zur Geschichte der Kunstgeschichte vortrug, sowohl über die Anfänge der neueren Kunstgeschichtsschreibung in der Renaissance wie über Winckelmann, Karl Schnaase und Jacob Burckhardt. Wölfflin selbst würdigte sie mit folgenden Worten: „Rein sachlich genommen enthalten die Vorträge Erkenntnisse von bleibender Bedeutung, ja es sind Stellen darin, die zum Schönsten gehören, was deutsche Kunsthistoriker geschrieben haben.“

  • Werke

    Weitere W Dürers schriftl. Nachlaß, 1908;
    Die Altdt. Malerei, 1909;
    Alt-Niederländ. Malerei, 1910;
    Vläm. Malerei, 1913;
    Btrr. z. Gesch. u. Methode d. Kunstgesch., 1917.

  • Literatur

    Zur Erinnerung an E. H., 1915 (Privatdr.);
    DBJ I (Tl. 1914, L).

  • Autor/in

    Hans Jantzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jantzen, Hans, "Heidrich, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 254 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116650613.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA