Lebensdaten
1819 bis 1881
Geburtsort
Wormersdorf bei Rheinbach
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116630736 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Floß, Joseph Heinrich
  • Floß, Heinrich Joseph
  • Floß, Heinrich
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Floß, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116630736.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus bäuerl. Fam.;
    V Anton;
    M Maria Gertrud Koll.

  • Leben

    F. wurde 1846 Repetent am theologischen Konvikt in Bonn, 1847 Privatdozent, 1854 außerordentlicher Professor für Historische Theologie und Neues Testament, 1858 ordentlicher Professor der Moraltheologie. Talentvoll und fleißig, war er trotz seiner zahlreichen kirchengeschichtlichen Werke weder ein erfolgreicher Forscher noch ein befähigter Darsteller, auch fehlte es ihm an der nötigen Kritik. Ein bleibendes Verdienst erwarb er sich durch die Einführung der Kölnischen Kirchengeschichte in den Universitätsunterricht. Schon bald wurde er der Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Katholiken an der Universität Bonn (Denkschrift über die Parität an der Universität Bonn, 1862, anonym). Sein Hauptgegner war H. von Sybel. Nach dem Vatikanischen Konzil blieb er als einziger Ordinarius der theologischen Fakultät der Kirche treu und trug in Verbindung mit L. M. Roth, H. Th. Simar und F. Kaulen die ganze Last der Vorlesungen für die katholischen Theologen. Er bewahrte dadurch die katholisch-theologische Fakultät vor der drohenden Schließung. Unermüdlich war er in der Sorge für die katholischen Studenten. Jahrelang war er auch vergebens um die Heimkehr Döllingers zur Kirche bemüht.

  • Literatur

    ADB 48;
    H. Schrörs, J. H. F., in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 117, 1930, S. 1-150 (P);
    H. Jedin, ebd. 155/56, 1954, S. 429-35;
    LThK (W).

  • Autor/in

    Robert Haaß
  • Empfohlene Zitierweise

    Haaß, Robert, "Floß, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 255 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116630736.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Floß: Heinrich Joseph F., katholischer Kirchenhistoriker, geboren am 29. Juli 1819 zu Wormersdorf bei Rheinbach (Regierungsbezirk Köln), am 4. Mai 1881 zu Bonn. Er besuchte das Gymnasium zu Münstereifel, studirte dann Theologie und Geschichte in Bonn, wurde hier am 27. August 1841 Dr. phil. und empfing am 25. Septbr. 1842 die Priesterweihe. Seine erste Anstellung erhielt er hierauf als Kaplan in Bilk bei Düsseldorf, unter dem gelehrten Pfarrer Binterim, von dem er weitere Anregung zu historischen Studien empfing und in dem Entschlusse bestärkt wurde, sich ganz der wissenschaftlichen Thätigkeit zu widmen. Nach einer Studienreise und längerem Aufenthalt in Rom wurde er 1846 Repetent am theologischen Convict in Bonn, wo er sich am 6. Novbr. 1847 zugleich als Privatdocent für Kirchengeschichte und neutestamentliche Exegese an der katholisch-theologischen Facultät habilitirte, nachdem er am 15. März 1847 von der theologischen Facultät in Münster zum Dr. theol. promovirt worden war. Am 14. März 1854 wurde er außerordentlicher Professor der Kirchengeschichte, am 9. October 1858 ordentlicher Professor der Moraltheologie, neben welcher er aber auch die Kirchengeschichte weiter las. In den siebziger Jahren vertrat er während des damaligen Nothstandes auch andere Fächer und leitete die homiletischen und katechetischen Uebungen; so hatte er in diesen Jahren oft bis zu fünf Vorlesungen im Tage zu halten (vgl. Fr. Kaufmann, Leopold Kaufmann, Köln 1903, S. 223).

    Den Anfang der reichen schriftstellerischen Thätigkeit von F. macht die philosophische Dissertation: „De animorum immortalitate“ (Köln 1842). Eine Frucht seiner Studienreise bilden seine Ausgaben der Werke des hl. Makarius des Aegypters und des Johannes Scotus. Zuerst erschien: „Macarii Aegyptii epistolae, homiliarum loci, preces ad fidem Vaticani, Vindobonensium, Berolinensis, aliorum codicum primus edidit H. J. Floss“ (Coloniae, Lonnae, Bruxellis 1850), mit ausführlichen Quaestiones criticae et historicae de Macariorum Aegyptii et Alexandrini vitis. Dann in Migne's Patrologie die Gesammtausgabe der unter dem Namen der beiden Makarius überlieferten Schriften, in welcher auch die Prolegomena der Makarius-Ausgabe von 1850 wieder mit abgedruckt sind: „Sanctorum Patrum Macarii Aegyptii, Macarii Alexandrini,Opera quae supersunt omnia; ad fidem Vaticani, Vindobonensium, Berolinensis, aliorum codicum, partim primus edidit, partim edita recognovit, graece et latine"; Migne, Patrologiae cursus completus, Series graeca, T. 34, col. 1—448 (Paris 1860). Weiter veröffentlichte F. aus einer Berliner Handschrift zwei Bruchstücke, die er, der irrthümlichen Angabe des Berliner Handschriftenkatalogs folgend, dem hl. Makarius dem Aegypter glaubte zuschreiben zu dürfen, als Bonner Universitätsprogramm zum 3. Aug. 1866: „S. Macarii fragmenta duo e codice ms. Berolinensi nunc primum edita et latine reddita“ (Bonnae 1866). Diese Veröffentlichung verwickelte ihn in eine ärgerliche Polemik mit dem Bonner Orientalisten J. Gildemeister, der bemerkte, daß die Bruchstücke einer unter den Werken des hl. Ephräm des Syrers stehenden Schrift angehören und die Gelegenheit aufgriff, sich an dem katholischen Collegen zu reiben, indem er, nicht damit zufrieden, den Irrthum fachlich zu berichtigen, denselben in einer Flugschrift: „Ueber die an der königl. preußischen Universität Bonn entdeckten neuen Fragmente des Macarius“ (Leipzig 1866) in hämischer und gehässiger Weise zur Discreditirung des Collegen auszuschlachten suchte. F. antwortete in der Broschüre: „J. Gildemeister und das Bonner Universitätsprogramm zum 3. August 1866. Eine kritische Würdigung der aus der Berliner Handschrift Nro. 18 veröffentlichten griechischen Fragmente“ (Freiburg i. B. 1867), in welcher er, unter Zurückweisung der unberechtigten, durch den leicht verständlichen Mißgriff nicht motivirten Angriffe, insbesondere das Verhältniß seines Berliner Textes zu dem formell durchgängig stark abweichenden griechischen Text der Ephräm-Ausgaben eingehender behandelt. Gildemeister veröffentlichte darauf nochmals ein „zweites Wort": „Ueber die in Bonn entdeckten neuen Fragmente des Macarius“ (Elberfeld 1867). Als 122. Band von Migne's Patrologiae cursus completus, Series latina, erschien 1853 die Ausgabe des Johannes Scotus: „Joannis Scoti Opera quae supersunt omnia ad fidem Italicorum, Germanicorum, Belgicorurn, Franco-Gallicorum codicum partim primus edidit, partim recognovit H. J. Floss“ (eine neue Titelauflage 1865). Als Ergänzung der Ausgabe ließ F. später drucken: „Ein Festgedicht des Johannes Scotus an Karl den Kahlen. (Nachtrag zu meiner Gesammtausgabe der Werke, bei Migne in der Patrologia latina t. CXXII. Paris. 1853)“ (Bonn ohne Jahr).

    Die sonstige schriftstellerische Thätigkeit von F. bewegt sich größtentheils auf kirchengeschichtlichem Gebiete, und zwar insbesondere auf dem Gebiete der kirchlichen Geschichte und Alterthumskunde der Erzdiöcese Köln. Hierher gehören die Arbeiten: „Kurzer Bericht über eine bisher ungedruckte fränkische Diöcesansynodenordnung aus dem neunten Jahrhunderte“ (Katholische Vierteljahresschrift f. Wissenschaft und Kunst, III. Jahrg. 1849, Heft 1, S. 78—96); „Reihenfolge der Kölner Bischöfe, Erzbischöfe, Weihbischöfe und der päpstlichen Nuntien in Köln“ (zuerst in der 7. Auflage des Handbuches der Erzdiöcese Köln von 1854, in den späteren Ausgaben desselben wiederholt); „Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligthümer“ (Bonn 1855); „Die Papstwahl unter den Ottonen nebst ungedruckten Papst- und Kaiserurkunden des IX. und X. Jahrhunderts, darunter das Privilegium Leo's VIII. für Otto I. Aus einer Trierer Handschrift“ (Freiburg i. B. 1858); „De suspecta Librorum Carolinorum a Joanne Tilio editorum fide“ (Bonner Universitätsprogramm 1860); „Dreikönigenbuch. Die Uebertragung der hh. Dreikönige von Mailand nach Köln“ (Köln 1864); „Kölnische Chronik (1087—1378)“ (Annalen d. histor. Vereins f. den Niederrhein, 15. Heft 1864, S. 178—187); „Münstereifeler Chronik (1270—1450)“ (ebd. S. 188—205); „Das Kloster Rolandswerth bei Bonn“ (Köln 1868; Separat-Abdruck aus den Annalen|des histor. Vereins f. den Niederrhein, 19. Heft 1868, S. 76—219); „Romreise des Abtes Markward von Prüm und Uebertragung der hh. Chrysanthus und Daria nach Münstereifel im Jahre 844“ (Köln 1869; Separat-Abdruck aus den Annalen, 20. Heft 1869). Von 1870 bis zu seinem Tode war F. Vicepräsident des historischen Vereins für den Niederrhein und entfaltete als solcher eine eifrige Thätigkeit für denselben. Von seinen historischen Arbeiten aus diesem letzten Jahrzehnt seines Lebens, die er alle in den „Annalen" veröffentlichte, seien noch genannt: „Die Clematianische Inschrift in St. Ursula zu Köln“ (26./27. Heft 1874, S. 177—196); „Das Kapuziner- und das Kapuzinessenkloster zu Bonn nebst einem Ueberblick über die ehemalige rheinisch-kölnische Kapuzinerprovinz" (27./28. Heft 1876, S. 260—284); „Kapellchen, Servitenkloster vom heiligsten Namen Jesu im Rheinbacher Walde" (28./29. Heft 1876, S. 306—350; 32. Heft 1878, S. 155—174); „Legende von St. Reinold“ (30. Heft 1876, S. 174—203); „Lieder von der h. Ursula“ (33. Heft 1879, S. 175—183); „Johann Kaspar Kratz, geb. zu Golzheim 1698 am 14. September, als Märtyrer gest. in Tongking 1737 am 12. Januar“ (35. Heft 1880, S. 93—133); „Die Kämpfe am Rhein vor tausend Jahren“ (36. Heft 1881, S. 83—109); „Eroberung des Schlosses Poppelsdorf, Sprengung und Erstürmung der Burg Godesberg und Einnahme der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn; November 1583 — Februar 1584“ (36. Heft 1881, S. 110—178); „Actenstücke zur Geschichte des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied aus den Jahren 1543—45. Gesammelt von H. J. Floß, eingeleitet von L. Pastor“ (37. Heft 1882, S. 120—176); „Vier Urkunden über Grundbesitz der Abtei Heisterbach zu Oberkassel“ (37. Heft 1882, S. 177 bis 187); außerdem enthalten die Hefte 28/29 (1876) und 32—35 (1878—80) eine größere Anzahl von kleinen Beiträgen und Miscellen von seiner Hand. Aus dem Nachlaß von F. wurde noch die Schrift veröffentlicht: „Zum Clevisch-Märkischen Kirchenstreit. (Eine Erinnerung aus der früheren Geschichte des Kulturkampfes.) Nebst acht urkundlichen Beilagen“ (Bonn 1883). Zahlreiche kirchenhistorische Artikel von seiner Hand enthalten auch die Kirchen-Lexika von Aschbach und von Wetzer und Welte, letzteres in beiden Auflagen (bei Wetzer und Welte sind u. a. die Artikel Aachen und Köln von ihm verfaßt). Lange Jahre hindurch war F. auch mit Vorarbeiten zur Fortsetzung der Hartzheim'schen Conciliensammlung beschäftigt, konnte aber bei der gesteigerten Arbeitslast in den siebenziger Jahren nichts mehr zum Abschluß bringen. Ein reiches actenmäßiges Material für die Verhältnisse an der Universität Bonn bietet die von F. anonym veröffentlichte „Denkschrift über die Parität an der Universität Bonn mit einem Hinblick auf Breslau und die übrigen preußischen Hochschulen. Ein Beitrag zur Geschichte deutscher Universitäten im 19. Jahrhundert“ (Freiburg i. B. 1862).

    • Literatur

      Chronik der Universität Bonn für das Jahr 1880/81, S. 3. — Lit. Handweiser 1881, S. 408. — Kölnische Volkszeitung 1881, Nr. 123.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Floß, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 609-611 unter Floß, Heinrich Joseph [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116630736.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA