Lebensdaten
1840 bis 1919
Geburtsort
Marienwerder
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116629355 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cohn, Gustav
  • Cohn, G.

Orte

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Zitierweise

Cohn, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116629355.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Viktor, zuletzt in Osterode (Ostpreußen);
    M Nanny Meyer; ledig.

  • Leben

    Die wichtigsten Eindrücke in C.s Berliner Studienjahren waren der preußische Verfassungskonflikt, das Auftreten Lassalles und die Anfänge des Kathedersozialismus. In Leipzig 1866 zum Dr. phil. promoviert, besuchte er während der beiden nächsten Jahre das Statistische Seminar Berlin, habilitierte sich 1869 in Heidelberg und ging als Dozent an das Baltische Polytechnikum in Riga (1871 Professor). Die nationale Einigung Deutschlands, die Gründerzeit und der darauffolgende Krach waren jetzt die bestimmenden Eindrücke für C.. Von einer preußischen Fakultät als Ordinarius vorgeschlagen, wurde er jedoch vom Kultusminister unter dem - nicht zutreffenden - Verdacht des Kathedersozialismus abgelehnt. Er gehörte 1872 zu den Begründern des „Vereins für Sozialpolitik“. Als Frucht einer Studienreise nach England veröffentlichte er seine grundlegenden „Untersuchungen über die englische Eisenbahnpolitik“ (2 Bände, 1874/75). Seit 1875 dozierte C. am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich, bis er 1884 einem Ruf als Ordinarius nach Göttingen folgte, wo er bis 1918 lehrte. - Im Gegensatz zu den englischen Klassikern faßte C. die Nationalökonomie als eine ethische Wissenschaft auf. Die Annahme des Eigennutzes als des ausschließlichen Triebes im wirtschaftlichen Leben und die Ableitung aller Gesetze aus dieser Annahme verwarf C. ebenso wie das Postulat der freien Konkurrenz. Mit Sorgfalt sammelte er alle Äußerungen, die darauf hinzudeuten schienen, daß sich in England eine Abkehr von den Traditionen der klassischen politischen Ökonomie vollziehe. Den Sozialisten gegenüber verwies C. im Sinne der Malthusschen Lehre auf die hohe Geburtentätigkeit, durch welche die Arbeiter sich selbst um die Früchte ihrer Anstrengungen brächten. Schließlich verteidigte er die Notwendigkeit der historischen Betrachtungsweise in Jurisprudenz und Nationalökonomie sowie die Anwendung der induktiven Methode neben der bisher vorherrschenden abstrakten Deduktion.

  • Werke

    Weitere W Üb. d. Bedeutung d. Nat.ökonomie u. ihre Stellung im Kreise d. Wiss., Antrittsvorlesung, 1869;
    Volkswschftl. Aufsätze, 1882;
    System d. Nat.ökonomie, 3 Bde., 1885-98;
    Nat.ökonom. Stud., 1886;
    Univ.fragen u. Erinnerungen, 1918.

  • Literatur

    DBJ II (Tl. 1919 [mit falschem Todesdatum], L);
    in: Hdwb. d. Staatswiss.;
    Enc. Jud. V (L).

  • Portraits

    Phot. (Bilderslg. d. Univ. Göttingen).

  • Autor/in

    Walter Braeuer
  • Empfohlene Zitierweise

    Braeuer, Walter, "Cohn, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 315 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116629355.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA