Lebensdaten
1836 bis 1900
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Bassenheim bei Koblenz
Beruf/Funktion
Kolonialpolitiker ; Jurist ; Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116626933 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kusserow, Heinrich von

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Zitierweise

Kusserow, Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116626933.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand v. K. (preuß. Adel 1844, 1792-1855), preuß. Gen.-Lt., Mil.topograph (s. ADB 51; Priesdorff VI, S. 309-11, P), S d. August Cusserow, Kammersekr. u. Kalkulator b. d. kurmärk. Kriegs- u. Domänenkammer, u. d. Luise Wilhelmine Wandel;
    M Eveline (1805–86), T d. Salomon Oppenheim (1772–1828), preuß. Oberhofagent, Begr. d. Bankhauses Sal. Oppenheim in Köln, u. d. Therese Stein;
    Schw Ottilie ( Adolf v. Hansemann, 1903, Bankier, s. NDB VII), Therese ( 1] Louis Ravené, 1823–79, GKR, Großkaufm. u. Großindustrieller in Berlin, 2] 1873 Gustav Simon, Kaufm. u. Schweizer Konsul in Königsberg); Verwandte Philipp Wandel (1824–82), Geh. Admiralitätsrat u. Vortragender Rat d. Admiralität, Franz v. Wandel (1858–1921), preuß. Gen. d. Inf. u. stellv. Kriegsmin.;
    - 1) Köln 1869 Antonie (1846–87), T d. Ernst Springer (1806–49), Bankier u. Kaufm. in Offenbach, Wien u. Frankfurt/M., u. d. Sophie Beyfus, 2) Schwerin/Meckl. 1890 Fanny (1859–1904), Wwe d. Großkaufm. Adolf Bartning ( 1887) in Schwerin, T d. Kaufm. Theodor Lemmen-Meyer in San Francisco u. d. Marianita Baiderrain;
    1 S, 5 T aus 1), 1 S aus 2);
    E Karl Friedrich Gf. Eckbrecht v. Dürckheim-Montmartin (* 1896), Prof. d. Philos. u. vgl. Rel.wiss., Gustav Simon (1878–1962), Landrat v. Heiligenbeil, 1926-35 Verwaltungsgerichtsdir. in Königsberg (s. Altpr. Biogr.).

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Bonn (1854–57) war K. als Attaché bzw. Legationssekretär an den preuß. Gesandtschaften bzw. Botschaften im Haag (1860–62), in Turin (1863–64), Paris (1864–65), Washington (1865–68) und London (1870–71) tätig. 1861 ließ er anonym eine Broschüre mit dem Titel „Ein positiver Vorschlag zur friedlichen Lösung der deutschen Frage“ erscheinen, deren Inhalt durch manche Züge der später von Bismarck verfolgten Außenpolitik gekennzeichnet ist. Anläßlich des Frankfurter Fürstentages (Aug. 1863) übersandte er unter Umgehung des Dienstweges ein Promemoria mit dem Titel „Vorschlag zur Errichtung einer deutschen Bundeszentralgewalt nebst gleichzeitiger Einführung eines deutschen Bundesparlaments“ an Bismarck nach Baden-Baden und erhielt ein weitgehend zustimmendes Antwortschreiben. 1871 ließ sich K. als Abgeordneter für den Wahlkreis Elberfeld-Barmen in den Reichstag wählen, wo er sich bis 1873 der Liberalen Reichspartei anschloß. Neben seinen parlamentarischen Pflichten beschäftigte er sich damals mit den Problemen des Seerechts im Krieg. Das Ergebnis seiner Studien erschien unter dem Titel „Les devoirs ďun gouvernement neutre“ (in: Revue de droit internat., 1874). Nachdem sein Reichstagsmandat erloschen war, kehrte K. 1874 in das Auswärtige Amt (AA) zurück und war bei der II., der Handelspolitischen Abteilung besonders mit überseeischen Angelegenheiten beschäftigt (Wirklicher Legationsrat und Vortragender Rat 1874, Charakter eines Geh. Legationsrates 1879). Er war als Bundeskommissar im Reichstag namentlich für überseeische Fragen zuständig. Als Schwager A. v. Hansemanns wirkte K. als Kontaktmann kolonialpolitisch orientierter Finanz- und Geschäftskreise sowie später der organisierten Kolonialbewegung und trat im Rahmen seiner Tätigkeit im AA für eine aktive deutsche Kolonialpolitik ein. 1885 wechselte er von den von ihm bearbeiteten Kolonialangelegenheiten (mit Einschluß der Angelegenheiten betr. die Entsendung deutscher Kriegsschiffe zum Schutz deutscher Interessen im Ausland) zur Politischen Abteilung über. Der Einfluß, den|er auf Bismarcks Entschluß, 1884-85 deutsche Kolonien in Afrika zu erwerben, ausgeübt hat, ist umstritten. Bekannt ist sein Anteil an den Vorbereitungen für die Durchführung der Berliner Kongokonferenz (1884/85). Doch vermag die durch Überlegung zur politischen Gesamtsituation bestimmte Entscheidung des Reichskanzlers zum Erwerb der „Schutzgebiete“ kaum allein auf das Wirken K.s und der von ihm repräsentierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräfte zurückgeführt zu werden. Nicht zuletzt veranlaßte der schon recht bald nach der überseeischen Besitznahme mißliebig gewordene koloniale Übereifer K.s den Reichskanzler dazu, K. zum Gesandten bei den meckl. Höfen und den Hansestädten mit Sitz in Hamburg zu ernennen. Im März 1890 bei der Reichstagswahl als Kandidat der „Kartellparteien“ im Kreis Moers-Rees unterlegen, wurde er auf eigenen Antrag von seinem Posten abberufen und in den einstweiligen Ruhestand versetzt (Wirkl. Geh. Rat). Als Repräsentant der deutschen Kolonialbewegung, Mitglied des „Ostmarkenvereins“, Befürworter der Flottenpolitik, Vertreter kolonialwirtschaftlich orientierter Interessen und Verfechter eines konservativ ausgerichteten Nationalliberalismus erscheint K. typisch für jenen in der „Ära Bismarck“ sich andeutenden und im Wilhelmin. Reich vollzogenen Übergang Preußen-Deutschlands von der kontinentalen Groß- zur Weltmacht.

  • Werke

    Weiteres W Fürst Bismarck u. d. Kolonialpol., in: Dt. Kolonialztg. 15, 1898, S. 295-301.

  • Literatur

    H. v. Poschinger, Bismarck-Portefeuille V, 1900, S. 71-101;
    ders., Fürst Bismarck u. s. Hamburger Freunde, 1903, S. 239-42;
    ders., Aus d. Denkwürdigkeiten v. H. v. K., in: Dt. Revue 33, 1908, I, S. 63-72, 186-97, 267-74;
    H. Goldschmidt, Mitarbeiter Bismarcks im außenpol. Kampf, in: Preuß. Jbb. 235, 1934, S. 29-48, 126-56.

  • Autor/in

    Klaus Hildebrand
  • Empfohlene Zitierweise

    Hildebrand, Klaus, "Kusserow, Heinrich von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 343 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116626933.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA