Lebensdaten
1805 bis 1837
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Sanskritist ; Orientalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116621249 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosen, Friedrich

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Zitierweise

Rosen, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116621249.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Ballhorn-R. (bis 1817 Ballhorn, 1774–1855), Dr. iur., 1803-17 Doz. an d. Univ. Göttingen, lipp. Hofrat 1814, 1817-55 Vicedir. d. Justizkanzlei in Detmold, Dir. d. Kriminalger. u. d. Hofger., 1846 Kanzler (s. L), S d. Ludwig Wilhelm Ballhorn (1730–77), 1759 Dir. d. Lyceums in H., 1774 Oberpfarrer u. Sup. in Neustadt/Rübenberge;
    M Charlotte (1781–1818), T d. Oberzahlcommissärs Johann Christian Eisendecher;
    Stief-M seit 1820 Sophie Rudorff (1787–1859);
    Ur-Gvv Achaz Ballhorn (1698–1766), Pfarrer in Quickborn u. Uetersen;
    B Gisbert (1808–76), lipp. Hofger.assessor, 1856 Nachfolger d. Vaters als Dir. d. Kriminalger. u. 1858 d. Hofger., 1862 Geh. JR;
    Halb-B Georg (s. 2);
    Halb-Schw Sophie (1822–1901. Karl Klingemann, 1798–1862, hann. Legationsrat in L., s. L), Lehrerin an d. Töchterschule in Detmold;– N. N.;
    N Friedrich (s. 3).

  • Leben

    R. wurde zunächst durch seinen Vater und Heinrich August Günther v. a. in modernen Sprachen und in klassischer Philologie ausgebildet. 1817 zog die Familie nach Detmold, wo R. das Gymnasium besuchte und eine dauerhafte Freundschaft mit Christian Dietrich Grabbe schloß. 1822 immatrikulierte er sich für Theologie an der Univ. Leipzig. Aus der Beschäftigung mit der hebr. Sprache und der Geschichte Palästinas entstanden seine ersten oriental. Studien. Bei einem halbjährigen Aufenthalt in Detmold 1824 fand R. in der väterlichen Bibliothek Sanskrit-Texte und wandte sich seither ganz dem Studium des Sanskrit zu. Seit 1824 studierte er in Berlin bei Franz Bopp vergleichende Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sanskrit. Außerdem beeinflußten ihn G. W. F. Hegel, Karl Ritter und F. Schleiermacher. R. pflegte lebenslang Freundschaft mit Wilhelm v. Humboldt, dem er 1827 sein Sanskrit-Wurzelwörterbuch widmete, sowie mit Felix Mendelssohn Bartholdy und Karl Klingemann.

    1826 erfolgte R.s Promotion bei Bopp aufgrund einer Dissertation „Corporis radicum sanscritarum prolusio“, welche rasch die|Aufmerksamkeit führender Gelehrter (August Wilhelm Schlegel, Eugène Burnouf) auf sich zog. Zur Arbeit an den reichen Sanskrit-Beständen der Nationalbibliothek übersiedelte R. im März 1828 nach Paris, ehe er aufgrund seiner philologisch-kritischen Methode und seiner umfassenden Sprachkenntnisse (Griech., Latein, Hebr., Arab., Pers., Syr., Sanskrit) im Mai desselben Jahres an der University of London die neu eingerichtete Professur für moderne oriental. Sprachen antrat (Nachfolger wurde 1852 Theodor Goldstücker [1821-72]). 1831 vertrat er zusätzlich seinen Kollegen und Freund Ludwig v. Mühlenfels (1793–1861) als Professor für Dt. Sprache und Literatur und erhielt 1834 den Lehrstuhl für Sanskrit. Einen von A. W. Schlegel beförderten Ruf nach Oxford 1832 nahm R. aus konfessionellen Gründen nicht an.

    Auf Anraten des Orientalisten Henry Thomas Colebrooke befaßte sich R. seit 1829 mit der Edition und Übersetzung der „Algebra of Mohammed ben Musa“ (1831), dem ältesten arab. Werk über Mathematik, das den Ursprung der Algebra in Indien belegt. Dabei begann er auch, die Vedas (= „Wissen“) zu studieren. 1830 veröffentlichte er zunächst sieben Hymnen als „Rig-Vedae specimen“ (Rigveda = „Das Wissen von den Versen“). Der 1. Band des „Rigveda-Sanhita“, dessen Manuskript R. trotz seines instabilen Gesundheitszustands noch fertigstellen konnte, erschien postum (1838, 21968). 1837 starb R. überraschend an einem Abszeß.

    Das auf seiner Dissertation aufbauende Wurzelwörterbuch „Radices sanscritae“ (1827) wurde für die Lehre und Forschung des Sanskrit bis in die Mitte des 19. Jh. zu einem Standardwerk. R.s Hauptwerk bilden die „Rigveda-Sanhita“ (Ms. 1830–37), von denen der „Oriental Translation Fund“ nur den Originaltext, die lat. Übersetzung und einen Teil der Anmerkungen veröffentlichte. Eine Ausgabe der weiteren Vorarbeiten mit einer Einführung über das Leben der Hindus und einem Verbindex kam nicht mehr zustande. Mit seinem „Rigveda-Sanhita“ lieferte R. die erste textkritische Rekonstruktion der altindischen Hymnen und erschloß als erster mit philologisch-kritischer Methode und umfassender Kenntnis der in London zugänglichen Quellen die Ursprünge der indischen Literatur. Er führte die Methoden der vergleichenden Sprachwissenschaft in die brit. Forschung und Lehre ein und nahm außerdem eine wichtige Vermittlerfunktion im wissenschaftlichen Austausch zwischen England (z. B. Colebrooke, Edward Pusey) und dem Kontinent (W. v. Humboldt, Bohlen, Bopp, Burnouf, Heinrich Ewald, W. Schlegel, Christian Lassen) wahr.|

  • Auszeichnungen

    Honorary German Secretary d. Royal Asiatic Soc. (1829); korr. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1834); Mitgl. d. Asiatic Soc. of Bengal u. d. Russ. Ak. d. Wiss., St. Petersburg; Medaille d. Oriental Translation Fund (1829).

  • Werke

    Weitere W Cat. codicum manuscriptorum orientalium qui in Museo Britannico asservantur, pars prima, codices syriacos et carshunicos amplectens, 1838;
    Catalogue of the Sanskrit manuscripts, collected by the late Sir Robert Chambers, chief justice of Bengal, With a brief memoir by Lady Chambers, 1838;
    zahlr. Art. f. d. Penny Cyclopaedia u. d. Library of entertaining knowledge;
    |

  • Quellen

    Qu Eutiner Landesbibl. (Autogr. III.12); Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. Göttingen (Cod. MS. Ewald 47); Univ. College London [UCL] Archives (College Corr. AM 35); British Mus. Archives, London (Trustees Minutes).

  • Literatur

    ADB 29;
    Rigveda-Sanhita, Liber Primus, Sanskritè et Latinè, 1838, S. V-VIII;
    Ch. Lassen, Die neusten Bereicherungen d. Indischen Lit., in: Zs. f. d. Kunde d. Morgenlandes 3, 1840, S. 467-689;
    K. Klingemann, Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann in London, 1909, S. 8-27 (P);
    Menschen vom lipp. Boden, hg. v. M. Staercke 1936, S. 214-21 (auch zu Georg);
    DNB 49, 1897;
    V. Stache-Rosen, German Indologists, 21990 bearb. v. A. Stache-Weiske (P);
    Oxford DNB;
    zur Fam.:
    K. Klingemann u. Georg Rosen, Die Fam. Ballhorn-R., Ein Btr. zu dt. Sippen- u. Bürgerkde., 1917, bes. S. 72 f.;
    Welch tolle Zeiten erleben wir! Die Briefe d. lipp. Kanzlers Friedrich Ernst Ballhorn-R. an seinen Sohn Georg in Konstantinopel 1847-1851, bearb. v. A. Stache-Weiske, 1999.

  • Portraits

    Büste v. R. Westmacott, 1837 (?) (London. Kensal Green Cemetary, seit 1839 British Mus.), Abb. in: Klingemann (s. L), Stache-Rosen (s. L), N. Harte u. J. North, The world of UCL 1828-1990, 21991, S. 41.

  • Autor/in

    Gregor Pelger
  • Empfohlene Zitierweise

    Pelger, Gregor, "Rosen, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116621249.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rosen: Friedrich August R., Orientalist und besonders Sanskritgelehrter, geboren in Hannover am 2. September 1805, in London am 12. September 1837, Bruder des Orientalisten Georg N., empfing den ersten Unterricht von seinem Vater, dem als juristischer Schriftsteller bekannten Friedrich Ballhorn R. (damals Justizkanzleidirector in Detmold, am 15. Oct. 1855), besuchte das Gymnasium in Göttingen und seit 1822 die Universität in Leipzig, auf welcher er zuerst theologische und auf seines Vaters Wunsch auch juristische Vorlesungen hörte, bald aber ganz dem Studium der orientalischen (semitischen) Sprachen sich zuwendete. Als er zu Ostern 1824 auf ein halbes Jahr nach Hause kam, fielen ihm zuerst einige der damals sehr seltenen Sanskritbücher in die Hände, die sein vielseitigen Interessen zugewendeter Vater sich verschafft hatte. Die mit seinem Vater gemeinschaftlich getriebenen Studien erweckten bei ihm ein so lebhaftes Interesse, daß er sich den Sanskritstudien ganz zu widmen beschloß und zum Winter 1824 nach Berlin, dem Sitze der Sanskritgelehrsamkeit ging, um Bopp's Unterricht zu genießen. Als erste Frucht seiner Studien erschien 1826 seine Promotionsschrift „Corporis radicum sanscritarum prolusio.“ Berol. 1826. 8°. 54 S.; (Rec. E. Burnouf: Journ. asiat. IX, 374—78, v. Bohlen: Hall. Allg. Lit.-Ztg. 1826, II, 793—98), welche der Vorläufer war der im nächsten Jahre herausgegebenen „Radices sanscritae.“ Berol. 1827. 8°. XX, 381 S. (Rec. P. v. Bohlen: Jahrbücher f. wiss. Kritik 1828 Jan., Sp. 65—85). Dieses Wilhelm von Humboldt gewidmete Werk, welches auf der Grundlage der von den indischen Grammatikern gemachten Wurzelsammlungen beruhend die Verbalwurzeln der Sanskritsprache alphabetisch geordnet und erläutert durch Beispiele aus der bis dahin bekannten Sanskritlitteratur enthält, wurde eine wichtige Vorarbeit für das Sanskritwörterbuch und hat seiner Zeit, namentlich bis zum Erscheinen von Westergaard's „Radices linguae sanscritae“ (1841) sowohl die Sanskritstudien als auch die indogermanische Sprachvergleichung wesentlich gefördert. Inzwischen war R., nachdem eine Aussicht, bei der preußischen Gesandtschaft in Constantinopel angestellt zu weiden, wieder geschwunden war. 1827 nach Paris gegangen, um unter Silvestre de Sacy seine orientalischen Studien fortzusetzen. Kaum in Paris angelangt, erhielt er im Alter von 22 Jahren eine Berufung als Professor der orientalischen Sprachen an die neu gegründete Universität in London. Die Vorlesungen, die er dort zu halten hatte, waren meist von praktischer Bestimmung, er lehrte Persisch, Arabisch, seit 1829 auch Hindustanisch, den jungen Leuten, die nach Indien gehen wollten. Mehr befriedigte ihn ein Sanskritcursus und am meisten die Beschäftigung mit den reichen Schätzen von Sanskrithandschriften, die er in London vorfand und die ihn den Plan fassen ließen, das älteste und wichtigste Litteraturdenkmal der Inder, den Rigveda herauszugeben. Seine erste Publication auf englischem Boden war indessen eine arabische, die Algebra des Mohammed ben Musa, die er 1831 auf Colebrooke's Anrathen in arabischem Text und englischer Uebersetzung herausgab: „The algebra of Mohammed ben Musa. Edited and translated.“ London, printed for the Oriental Translation Fund 1831. gr. 8°. XVI, 208, 123 S. (Rec. Sohncke: Jahrbücher f. wiss. Kritik 1833, Mai, Sp. 711—18). Dieses unter dem Khalifen Al Mamun verfaßte Werk enthält zwar nicht, wie man früher annahm, die eigentliche Erfindung der Algebra, ist aber das älteste arabische Werk über diesen Gegenstand und insofern auch für die Geschichte der Mathematik von wesentlicher Bedeutung, als es den Nachweis liefert, daß die Araber die Algebra den Indern entlehnt haben. Eine Ausgabe des biographischen Lexikons des Ibn Khallikan, die von R. begonnen wurde, blieb wegen seines Todes unvollendet und erschien nicht im Druck, ebenso ein Werk über das indische Recht.

    Die geringe Befriedigung, die R. in seiner Stellung als Professor an der Londoner Universität (später University College) fand, und gekränktes Ehrgefühl bewogen ihn sein Amt niederzulegen. Zum Ersatz des verlorenen Gehaltes, welches ihm ein sorgenloses Leben gestattet hatte, war er genöthigt, gewinnbringende litterarische Arbeiten zu übernehmen und Privatunterricht namentlich im Deutschen zu geben. So bearbeitete er die auf den Orient bezüglichen Artikel in der „Penny Cyclopaedia“, revidirte die beiden Bände „The Hindoos“, welche in der Library of entertaining knowledge erschienen und in welchen das Kapitel über die indische Litteratur ganz von ihm geschrieben ist. Einen großen Aufwand von Zeit und Mühe kostete ihm die Durchsicht des „Dictionary bengálí and sanskrit explained in english“ von Sir Graves C. Haughton, London 1833. 4° (XXVI, 2851 S., s. pref. p. VII) und die Mitarbeiterschaft an dem Katalog der syrischen Handschriften des Britischen Museums, welcher erst nach seinem Tode erschien: „Catalogus codicum manuscriptorum orientalium qui in Museo Britannico asservantur. Pars I. codices syriacos et carshunicos amplectens.“ London 1838 fol. (genannt ist Rosen's Name weder auf dem Titel, noch unter der von ihm geschriebenen Vorrede, aber in Forshall's „Address to the reader"). R. hat ebenfalls, ohne sich dabei zu nennen, die gesammelten kleineren Schriften des berühmten Colebrooke ( 1837) herausgegeben, eine Arbeit, die ihm von Colebrooke selbst anvertraut worden war: H. T. Colebrooke, „Miscellaneous essays.“ Vol. 1. 2. London 1837, vgl. New edition, vol. I (1873), pref. p. V. Von R. ist auch der Verkaufskatalog der von Sir Robert Chambers in Indien gesammelten und jetzt in der Königlichen Bibliothek zu Berlin befindlichen Sanskrithandschriften, welcher erst nach Rosen's Tode im Druck erschien: „Catalogue of the sanskrit manuscripts, collected during his residence in India by the late Sir Robert Chambers ... With a briet memoir, by Lady Chambers.“ London 1838. fol. (darin ein Facsimile eines Briefes von R. an Lady Chambers).

    Neben allen diesen Arbeiten, zu denen noch eine nicht unbedeutende durch seine unermüdliche Gefälligkeit gegen auswärtige Gelehrte verursachte Arbeitslast hinzukam, rückte doch auch das Werk seines Lebens, das ihm am meisten am Herzen lag, die Ausgabe des Rigveda langsam vor. Schon 1830 waren sieben ausgewählte Hymnen erschienen: „Rig-Vedae specimen.“ Londini 1830. 4°. 27 S. (Rec. F. Bopp: Jahrb. f. wiss. Kritik 1830 Dec., Sp. 948—56, H. Ewald: Gött. gel. Anz. 1831, S. 1241—48). 1836 war er endlich so weit gekommen, daß der Druck des ersten Buches beginnen konnte, als seine Gesundheit, die immer nur zart gewesen war, und die durch die übergroßen Anstrengungen der letzten Jahre und wohl auch durch die nagende Empfindung, die Hauptarbeit seines Lebens, die Herausgabe des Rigveda immer weiter hinausgeschoben zu sehen, untergraben wurde, zusammenbrach. Er mußte jede Beschäftigung ausgeben, wollte zu seiner Familie nach Deutschland zurückkehren, starb aber zuvor im Alter von 32 Jahren nach kurzer Krankheit. Der frühe Tod des hochbegabten Gelehrten erregte allgemeine Theilnahme. Seine Freunde ließen auf sein Grab auf dem Kirchhofe zu Kenfall Green in der Nähe von London ein Denkmal setzen und eine Marmorbüste von ihm anfertigen, welche seinem Vater übersendet wurde. Das, was R. von der Rigveda-Ausgabe vollendet hatte, nämlich Text und Uebersetzung des ersten ashtaka und Anmerkungen bis zum 31. Hymnus, erschien erst nach seinem Tode: Rigveda-Sanhita, liber primus, sanskrite et latine. London, printed for the Oriental Translation Fund 1838. gr. 4°. VIII, 263, LXIX S. (Rec. Chr. Lassen: Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenlandes III, 467—89, A. Kuhn: Jahrb. f. wiss. Kritik 1844, Jan., Sp. 91—102. 105—36). Auch in seiner unvollendeten Gestalt bezeichnet das Werk, für welches R. die umfassendsten Vorstudien der übrigen vedischen Schriften, der indischen Commentatoren und Grammatiker gemacht hatte, einen bleibenden Fortschritt der indischen Philologie, und wenn auch das, was R. leisten wollte, inzwischen durch Andere (namentlich durch Max Müller's Ausgabe des Rigveda) ersetzt worden ist, so gebührt doch R. der Ruhm, die Bahn gebrochen zu haben. R. Roth urtheilt darüber: „Hatte endlich Colebrooke in das Dunkel (des Veda) Licht gebracht, so war ihm dennoch die Bedeutung dieser Bücher zum Theile entgangen, und Fr. Rosen, welcher sie erkannte und der Mann war, die Entdeckung fruchtbar zu machen, sollte es nur vergönnt sein, sich ein schönes Denkmal zu setzen, einen Anfang zu machen, welcher uns den Fortgang um so schwerer vermissen läßt, je mehr dieser durch wachsende Erfahrung sicherlich eine vollkommene Gestalt gewonnen hätte.“ In Rosen's Nachlaß fanden sich in beinahe druckfertigem Zustande die Fortsetzung der Anmerkungen zu dem gedruckten Text und ein index verborum. Beides wurde von Rosen's Vater Lassen anvertraut, welcher darüber schrieb, er betrachte die baldigste Veröffentlichung als eine Pflicht gegen den unvergeßlichen Freund (Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenlandes Bd. 3, S. 488 f.). Dennoch ist nichts davon veröffentlicht worden.

    An R. wird von denen, die ihn persönlich kannten, die Reinheit und Aufrichtigkeit seines Charakters hervorgehoben. Sein Freund Bohlen nennt ihn eine reine Seele und seinen treuen, unvergeßlichen Rosen (s. P. v. Bohlen, Autobiographie. 1841, S. 61. 75. 77), und E. Jacquet schreibt über ihn in einem Briefe an Lassen vom 25. November 1837: La littérature sanscrite et orientale en général perd une de ses lumières les plus brillantes, et tous ceux qui ont eu l'avantage de le connaître personnellement le regrettent comme un homme honorable, non moins distingué par ses qualités morales que par sonérudition, en un mot comme a sensible man (s. F. Nève, Mémoire sur la vie d'Eug. Jacquet, p. 22, not. 1, in den Mémoires couronnés et mémoires des savants étrangers, publiés par l'acad. roy. de Belgique, t. 27. 1855—56).

    • Literatur

      Vgl. ferner Conversations-Lexikon der Gegenwart. In 4 Bänden. Leipzig (Brockhaus). Bd. 4, Abth. 1 (1840), S. 637—39 (das Ausführlichste über Rosen's Leben). —
      Penny Cyclopaedia, vol. 20 (1841), p. 168—69.
      B. S. H. (d. i. Barthélemy St.-Hilaire) in der Biographie universelle, Bd. 36 (1863). —
      Annual Report of the University College, London, for 1837—38.
      Journal of the Royal Asiatic Society. Vol. 5 (1839), Proceed. p. VII.
      Poley's preface zu Rigveda-Sanhita, liber I ed. Rosen (1838), p. VI—VIII. —
      Einige Briefe Rosen's enthält P. v. Bohlen, Autobiographie. 2. Aufl. (1842), S. 127. 138. 140. 150. — Eine wissenschaftliche Würdigung Rosen's findet sich in den oben erwähnten Recensionen der Rigveda-Ausgabe von Lassen und A. Kuhn.

  • Autor/in

    J. Klatt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Klatt, Johannes, "Rosen, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 192-195 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116621249.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA