Lebensdaten
1902 bis 1981
Geburtsort
Fürth (Odenwald)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116610751 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kunkel, Wolfgang

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Zitierweise

Kunkel, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116610751.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1870–1920), Pfarrer in F., dann Gymnasialprof. in Darmstadt, S d. Karl, hess. Soldat, dann Insp. am Landeszuchthaus (aus Bauern- u. Schulmeisterfam.), u. d. Margarethe Diehl;
    M Marie (1874–1945), T d. Oberamtsrichters u. Justizrats Ernst Mickel (aus Bauern-, Pfarrer- u. Handwerkerfam.) u. d. Luise Henriette Cellarius;
    Wiesbaden 1928 Dr. phil. Friedemarie (1899–1980), T d. Lehrers Emil Wagner u. d. Emma Diehl;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    K. studierte in Frankfurt/Main, Gießen und Berlin Rechtswissenschaft und Altertumswissenschaft; als Lehrer sind vor allem der Rechtshistoriker (Romanist) Ernst Levy und der Althistoriker Matthias Gelzer zu nennen. Nach dem 1. Juristischen Staatsexamen und wenigen Monaten Referendardienst begann K. früh die wissenschaftliche Laufbahn: Promotion 1924, Habilitation 1926, jeweils in Freiburg (Breisgau). Hier wurde er 1928 ao. Professor mit den Rechten eines o. Professors; es folgten o. Professuren (im Bereich des röm. und des bürgerlichen Rechts) in Göttingen (1929), Bonn (1936), Heidelberg (1943, Dienstantritt 1946), München 1956. Die Göttinger Jahre waren durch enge Zusammenarbeit mit den Philologen Eduard Fraenkel, Hermann Fränkel und Kurt Latte gekennzeichnet, der Weggang von Göttingen war vor allem durch die schwierige Situation verursacht, in die er sich durch den Einsatz für verfolgte Professoren gebracht hatte. Im Krieg 1939-45 war K. zuerst Unteroffizier, dann Wehrmarhtsrichter. In Heidelberg begann 1946 eine ausgedehnte öffentliche Tätigkeit. Er war Rektor der Universität (1947/48), Stadtrat, Präsident der Akademie der Wissenschaften (1950–52), Klassensekretär der Bayer. Akademie der Wissenschaften, Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er setzte sich sehr für die Belange von Studium und Studenten ein (Mitarbeit bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes und am Arbeitskreis für Fragen der Juristenausbildung) und war als Herausgeber der Zeitschrift der Savignystiftung für Rechtsgeschichte und mehrerer wissenschaftlicher Reihen tätig. Die Jahre nach der Emeritierung (1969) waren vor allem intensiver wissenschaftlicher Arbeit gewidmet.

    Das wissenschaftliche Werk konzentriert sich auf die Rechtsgeschichte. K. war der herausragende Repräsentant derjenigen Forschungsrichtung, die – bei aller Anerkennung der spezifischen juristischen Aspekte und Methoden – die Rechtsgeschichte in die Altertumswissenschaften zu integrieren suchte. Das bedeutete die volle Einbeziehung von Sozialgeschichte, politischer Geschichte, Philologie, Epigraphik, Papyrologie. Methodisch ging es K. vor allem um intensives Arbeiten mit den Quellen. Dabei bewies er Phantasie und Selbstkritik bei der Aufstellung von Thesen und Hypothesen, Unbefangenheit gegenüber vorgefundenen Doktrinen und die Fähigkeit lebendiger und zugleich nüchterner Veranschaulichung der Probleme und Lösungen.

    Sieht man von einigen bürgerlichrechtlichen Beiträgen ab, so beschäftigen sich die wissenschaftlichen Abhandlungen K.s mit dem Röm. Privatrecht, mit der Juristischen Papyrologie, der Neueren Privatrechtsgeschichte, der Sozialgeschichte der röm. Juristen, dem röm. Strafrecht und der röm. Verfassungsgeschichte. K. hat in jungen Jahren das für seine Generation maßgebende Lehrbuch des röm. Rechts geschrieben. In seinen privatrechtlichen Arbeiten hat er Rechtsinstitute neu entdeckt oder vollkommen neu beschrieben. Er hat die sozialgeschichtliche Betrachtungsweise in die Geschichte der röm. Jurisprudenz eingeführt. Im Strafrecht hat er das von Mommsen gezeichnete Modell – vor allem durch stärkere Betonung der Rolle des Privatmanns im Prozeß und der „rechtsstaatlichen“ Funktion des richterlichen Konsiliums – durch ein neues ersetzt. Im Verfassungsrecht liegt eine Reihe von Abhandlungen vor; K.s Geschichte der republikanischen Verfassung Roms ist ein – derzeit (1982) noch unveröffentlichter – monumentaler Torso geblieben. Gegenüber dem juristischen Dogmatismus Mommsens strebte K. nach einer historischen, die Entwicklungen, Brüche, Antagonismen und praktischen Erfordernisse berücksichtigenden Darstellung des römischen Verfassungslebens.

    Bedeutsam war K.s Tätigkeit als wissenschaftlicher Lehrer. Ohne eine Schule im eigentlichen Wortsinne zu bilden, hat er von den frühen Anfängen seiner Laufbahn an Schüler aus dem In- und Ausland um sich gesammelt. Viele von ihnen wurden Inhaber von Lehrstühlen oder vergleichbaren Stellen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Frankfurt, Siena, Oxford, Paris u. La Laguna/Spanien); o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1957); Bayerischer Verdienstorden (1970); korr. Mitgl. d. Ak. in Heidelberg, Göttingen, Rom, London, Athen.

  • Werke

    Bücher: Röm. Privatrecht (auf Grund d. Werkes v. P. Jörs), 1935 (span. Übers.;
    Nachdrucke);
    Qu. z. Neueren Privatrechtsgesch. Dtld.s I, 1, 1036;
    2, 1938;
    Röm. Rechtsgesch., 1948, 71973 (Überss. in mehrere Sprachen);
    Herkunft u. soz. Stellung d. röm. Juristen, 1952, 21967;
    Unterss. z. Entwicklung d. röm. Kriminalverfahrens in vorsullan. Zeit, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-Hist. Kl. NF 56, 1962;
    Kl. Schrr. (Zum röm. Strafverfahren u. z. röm. Vfg.gesch.), 1974. -
    Aufsätze, u. a. (ohne d. in d. „Kl. Schrr.“): Diligentia, in: ZSRG 45, 1925, S. 266-351;
    Verwaltungsakten aus spätptolemä. Zeit, in: Archiv f. Papyrusforschung 8, 1927, S. 169-215;
    Griech. u. Ägypt. Elemente im Eidesrecht d. Ptolemäerzeit, in: ZSRG 51, 1931, S. 229-76;
    Civilis u. naturalis possessio, in: Symbolae Friburgenses in Honorem Ottonis Lenel, 1935, S. 40-79;
    Fides als Schöpfer. Element im röm. Schuldrecht, in: Festschr. P. Koschaker II, 1939, S. 1-15;
    Auctoratus, in: EOS 48, H. 3 (Symb. R. Taubenschlag III), 1957, S. 207-26;
    Der Professor im Dritten Reich, in: Die dt. Universität im Dritten Reich, 1966, S. 105-33;
    Hypothesen z. Gesch. d. röm. Pfandrechts, ZSRG 90, 1973, S. 150-70;
    Epigraphik u. Gesch. d. röm. Privatrechts, in: Akten d. VI. Internat. Kongresses f. Griech. und Lat. Epigraphik München 1972, 1973, S. 193-242. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: München, Bayer. Ak. d. Wiss.

  • Literatur

    H. Coing, ZSRG 98, 1981;
    D. Nörr, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1981, S. 235-53 (P);
    Christian Meier, in: Gnomon (im Druck);
    G. Grifo, in: Studia et Documenta Historiae et Iuris 47, 1981, S. 627-34.

  • Autor/in

    Dieter Nörr
  • Empfohlene Zitierweise

    Nörr, Dieter, "Kunkel, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116610751.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA