Lebensdaten
1735 bis 1798
Geburtsort
Kemberg bei Wittenberg
Sterbeort
Kemberg bei Wittenberg
Beruf/Funktion
Philologin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11903428X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Ernestine Christine (geborene)
  • Reiske, Ernestine
  • Reiske, Ernestine Christine
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Zitierweise

Reiske, Ernestine Christine, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11903428X.html [28.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    V August (1679–1749), Propst u. Sup. in K. (s. Jöcher-Adelung; NDB 18*), S d. Matthias Müller (1639–1709), Pfarrer in Meuro;
    M Eleonore Christine v. Nitzsch (1697–1780); 9 ältere Geschw u. a. August (1711–89), Pfarrer in Marzahna (s. Jöcher-Adelung; NDB 18*), Gottlieb (1721–93), Propst u. Sup. in K.;
    1764 Johann Jacob Reiske (s. 1); kinderlos; 1777-89 Lebensgefährte Moritz v. Egidy (1756–1820), auf Naunhof u. Kreynitz, Dr. iur., braunschweig. Landdrost;
    Gr-N Karl Müller (1775–1847), Dr. phil., preuß. Agent, GHR (s. NDB 18).

  • Leben

    R. wurde von ihrem Bruder Gottlieb u. a. in dt. Sprache und Geographie unterrichtet. Nach dessen Heirat 1755 trug sie zum Lebensunterhalt für sich und ihre Mutter bei. Die Ehe, welche sie fast 30jährig mit dem Rektor der Nikolaischule einging, bewährte sich als Arbeitsgemeinschaft: R. erfüllte sich den Wunsch nach gelehrter Bildung, lernte Latein und Griechisch und unterstützte ihren Mann bei allen seinen Editionen. Nach seinem Tod 1774 hoffte sie vergeblich auf eine Heirat mit Lessing, den sie seit 1771 kannte und der als erster ihre eigene Arbeit, die Abschrift eines Äsop-Codex, 1773 in einem Wolfenbütteler bibliothekarischen Bericht gerühmt hatte. Die Korrespondenz zwischen beiden ist verschollen, doch R.s Briefe an Arnold Ebert artikulieren ihre Lebenskrise bis zu Lessings Heiratsjahr 1776. R. vollendete im Eigenverlag in Leipzig die monumentale Ausgabe der „Oratores Graeci“ (1770-75), publizierte nachgelassene Arbeiten ihres Mannes (Coniecturae in Iobum et Proverbia|Salomonis, 1779; Dionis Chrysostomi Orationes, 2 Bde, 1784; Libanii Sophistae Orationes et Declamationes, 1784, 4 Bde., 1791–97), edierte 1775 eine Rede des Libanius und 1783 mit Ergänzungen die Autobiographie ihres Mannes. Sie übersetzte aus dem Griechischen (Hellas, 1778; Zur Moral, 1782, 21791), verteidigte 1786 ihren Mann gegen Kritik des Theologen J. D. Michaelis und verfaßte 1785 als einzige Frau vier Beiträge für Moritz' „Magazin zur Erfahrungsseelenkunde“.

    Durch ihr Verhandlungsgeschick beim Verkauf von Büchern erwarb R. ein beträchtliches Vermögen und pachtete 1781 im Interesse des befreundeten Moritz v. Egidy ein hzgl. Klostergut in Bornum bei Braunschweig. Neben ihrer gelehrten und kaufmännischen Tätigkeit widmete sie sich hier erfolgreich der Landwirtschaft. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit Egidy endete nach dessen Heirat 1789. Ihre letzten Jahre verbrachte R. hochgeachtet in ihrer Geburtsstadt.

    Ihre philologische Arbeit bestand im Kollationieren und Lektorieren, später in der Einrichtung der nachgelassenen Schriften ihres Mannes für Editionen, welche sie mit Vorreden versah. Sie führte einen ausgedehnten Briefwechsel mit Gelehrten wie Christian August Clodius, Johann Joachim Eschenburg, Johann Gottfried Gurlitt, Gottlieb Christoph Harles, Christoph Gottlieb Murr, Friedrich Nicolai, Johann Gottlob Schneider, Christian Martin Wieland und Daniel Wyttenbach. R. dokumentierte sowohl theoretisch, z. B. in der Vorrede zu „Hellas“, als auch praktisch in ihren Berufen als Editorin, Übersetzerin, Kauffrau und Landwirtin das Selbstbewußtsein einer gelehrten Frau zu einer Zeit, als dieses Frauenbild der frühen Aufklärung durch das der Klassik und Romantik zurückgedrängt wurde.

  • Werke

    Briefe v. Frau R., hg. v. R. Foerster, 1897, 1917;
    A. Bennholdt-Thomsen u. A. Guzzoni (Hg.), E. Ch. R., Ausgew. Briefe, 1992.

  • Literatur

    ADB 28;
    Heinrich Schneider, Lessing u. d. Ehepaar R., in: ders., Lessing, Zwölf biogr. Studien, 1950, S. 110-65 u. 282-85;
    A. Bennholdt-Thomsen u. A. Guzzoni, Gelehrsamkeit u. Leidenschaft, Das Leben d. E. Ch. R. 1735-1798, 1992 (P);
    Mitteldt. Lb. IV.

  • Portraits

    Kupf. v. J. D. Philipp, geb. Sysang, in: Oratores Graeci, 1. Bd., S. I;
    Schattenrisse, u. a. v. J. Hegi, um 1784, Abb. in: Gallerie edler Dt. Frauenzimmern, hg. v. A. F. Geisler d. J., 2. Bd., 1785, u. v. J. C. Müller (Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl., Hannover).

  • Autor/in

    Anke Bennholdt-Thomsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Bennholdt-Thomsen, Anke, "Reiske, Ernestine Christine" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 392-393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11903428X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA