Lebensdaten
1867 bis 1952
Geburtsort
Siegburg bei Bonn
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116322608 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Radermacher, Martin Ludwig
  • Radermacher, Ludwig
  • Radermacher, Martin Ludwig
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Zitierweise

Radermacher, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116322608.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter, Lehrer am Lehrerseminar in S., S d. Ludwig;
    M Katharina Mohr;
    Greifswald 1904 Louise|Ottilie (1885–1962, ev.), T d. Otto Karl Seeck (1850–1921), 1881-85 ao., 1885-1908 o. Prof. d. Alten Gesch. in Greifswald, seit 1908 in Münster, Geh. Reg.rat (s. DBJ III, Tl.; HZ 124, S. 556; Dt.balt. biogr. Lex.; W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch. wiss., 21987; L), u. d. Auguste Jessen;
    3 T.

  • Leben

    R. besuchte das Progymnasium in Siegburg (1877–84) und das Apostelgymnasium in Köln (1884–86) und entschied sich nach einem anfänglichen Studium der Medizin für die klassische Philologie und Germanistik in Bonn (Diss.: Observationes in Euripidem miscellae, Promotion 1891, Staatsexamen 1892). Seine Lehrer waren Franz Bücheler und Hermann Usener; daneben bekannte sich R. auch zu dem Einfluß, den der Germanist Wilhelm Wilmanns und die Schriften Erwin Rohdes auf ihn ausgeübt haben. Entscheidend für seinen Weg war, daß Usener R. noch als Student zur Mitherausgabe der kleinen Schriften des Dionysios von Halikarnass aufforderte. Zunächst unterrichtete R. drei Jahre am Gymnasium in Prüm, kehrte 1895 als Assistent zurück an die Univ. Bonn, wo er sich 1897 habilitierte. Einen Ruf an die Univ. Czernowitz lehnte er ab, stattdessen ging er 1903 als Extraordinarius nach Greifswald und wechselte 1906 in gleicher Stellung an die neu ausgebaute Univ. Münster. 1909 folgte er einem Ruf als Ordinarius an die Univ. Wien (Nachfolge E. Szanto, Th. Gomperz). Hier wirkte R. neben Hans Friedrich v. Armin, Edmund Hauler und Heinrich Schenkl, dann Karl Mras und Johannes Mewaldt bis 1937, die beiden letzten Semester als Honorarprofessor, da ihn die Regierung des österr. Ständestaates Ende Sept. 1936 in den dauernden Ruhestand versetzt hatte.

    R. begann als Textkritiker und konzentrierte sich dabei oft auf mit der Geschichte der antiken Rhetorik zusammenhängende Fragen. Hierzu schuf er mit seinen Ausgaben der rhetorischen Schriften des Dionysios von Halikarnass, des Demetrios von Phaleron und des Quintilian die Grundlagen, welche er schließlich durch die Fragmentsammlung der voraristotel. Artium Scriptores ergänzte. Darüber hinaus erklärte er mit Gewandtheit in der Beibringung schützender Parallelen für bezweifelte Spracherscheinungen und in der Darlegung der traditionellen Voraussetzungen klassische poetische Texte, v. a. Sophokles und Aristophanes, und lieferte mit seiner profunden Kenntnis der verschiedenen Stilebenen des Griechischen bis heute wichtige Beiträge zur griech. Volkssprache (Neutestamentl. Grammatik, 1911; Koine, 1947). Bleibende Bedeutung besitzen R.s parallele Betrachtung von antikem Mythos und christl. Legende und die dabei stets präsente Verbindung zur Volkskunde (Die Erzählungen der Odyssee, 1915; Quellen z. Faustsage, Mythos u. Sage b. d. Griechen, 1938, 21943). Diese Arbeiten waren ein wichtiger Schritt für die Analyse der Motive und Kunstformen von Sage und Legende.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Wiener Ak. d. Wiss. (1914 korr., 1915 wirkl., 1918-1929 Sekr., 1929-33 Gen.sekr.); Dr. of Laws h. c. (Glasgow 1932), Dr. phil. h. c. (Athen 1937).

  • Werke

    Weitere W Dionysii Halicarnasei […] opuscula, edd. H. Usener et L. R., 2 Bde., 1899-1929;
    Demetri Phalerei de elocutione libellus, 1901;
    Das griech. Buch Henoch, 1901;
    Quintilianus, Institutionis oratoriae libri XII, 2 Bde., 1907-35;
    Sophokles, erkl. v. Schneidewin u. Nauck: Aias, Ödipus auf Kolonos, Trachinierinnen, Philoktetes, erneuert v. R., 1909-14;
    Aristophanes „Frösche“, 1921, 21954;
    Griech. Qu. z. Faustsage: Der Zauberer Cyprianus, Die Erz. des Helladius, Theophilus, 1927;
    Der homer. Hermeshymnus, 1931;
    Das Jenseits im Mythos der Hellenen, Unterss. über antiken Jenseitsglauben, 1903;
    Neutestamentl. Grammatik, Das Griechisch d. NT im Zus. hang mit d. Volkssprache dargest., 1911, 21925;
    Hippolytos u. Thekla, Studien z. Gesch. v. Legende u. Kultus, 1916;
    Btrr. z. Volkskunde aus d. Gebiet d. Antike, 1918;
    Zur Gesch. d. griech. Komödie, 1924;
    Otto Seeck, in: Bursian-BJ 46 (210), 1926, S. 50-60;
    Weinen u. Lachen, Stud. über antikes Lebensgefühl, 1947, Nachdr. 1969;
    Artium Scriptores, Reste d. voraristotel. Rhetorik, 1951.

  • Literatur

    Bibliogr. L. R., 1937, red. v. L. Bieler (mit Verz. d. Vorlesungen u. Übungen, P);
    A. Debrunner, in: Neutestamentl. Grammatik, 21925, S. 129-52;
    A. Lesky, in: FF 13, 1937, S. 359-61;
    ders., in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 102, 1952, S. 290-323 (mit Erg. zu Bieters Bibliogr., P), erneut in: ders., Ges. Schrr., 1966, S. 672-88;
    ders., Aus d. Nachlaß L. R.s, in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss. 1955, S. 15-23;
    W. Kraus, in: Gnomon 25, 1953, S. 205-07, erneut in: ders., Aus Allem Eines, hg. v. H. Petersmann, 1984, S. 443-46;
    BBKL.

  • Autor/in

    Hans Schwabl
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwabl, Hans, "Radermacher, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 92-93 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116322608.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA