Lebensdaten
1877 bis 1962
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129233196 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mras, Karl
  • Mras, Carol
  • Mras, Carolus
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Zitierweise

Mras, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129233196.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1842–1903) aus Poppitz (Mähren), städt. Oberlehrer in W.;
    M Emilia Jaich (1842–1921) aus W., deren Vorfahren Hofgürtler in W. waren;
    1902 Adelheid Judex (1875–1961) aus Neunmühlen (Österreich), zu deren Vorfahren u. a. Siegfried Gotthelf Koch (eigtl. Eckardt) (1754–1831), Hofschausp. (s. NDB XII; W) zählt; – kinderlos.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung studierte M. 1896-1901 an der Wiener Universität klassische Philologie, daneben auch Archäologie sowie Sanskrit und Vergleichende Sprachwissenschaft. In seinem Hauptfach waren Friedrich Marx, Karl Schenkl, Edmund Hauler und Hans v. Arnim seine Lehrer. 1901 promovierte er zum Dr. phil., 1902 legte er die Lehramtsprüfung für Mittelschulen in Latein und Griechisch ab. Als Gymnasiallehrer war er 1902-06 in Znaim, 1906-21 in Wien tätig. 1904/05 konnte er mit Hilfe eines Stipendiums der Kommission für den Betrieb archäologischer und philologischer Studien im Ausland die antiken Stätten Italiens, Griechenlands und Kleinasiens besuchen und nutzte den Italien-Aufenthalt auch zur Kollation von Handschriften der Kirchenväter und des Lukian. Zusätzlich beschäftigte er sich intensiv mit den romanischen Sprachen und mit dem Spät- und Vulgärlatein. 1912 habilitierte sich M. für klassische Philologie an der Wiener Universität und wirkte dort seit dem Wintersemester 1912/13 als Privatdozent, seit 1920 als ao. Prof. Zum Sommersemester 1921 wurde er als Extraordinarius an die Univ. Graz berufen. 1925-34 unternahm er mehrere Bibliotheksreisen nach Italien, Frankreich und Spanien, 1928 besuchte er Algier und Tunis. 1933 folgte er dem Ruf auf einen ordentlichen Lehrstuhl seines Faches in Wien. 1938 wurde er wegen seiner offen bekundeten Abneigung gegen den Nationalsozialismus in den Ruhestand versetzt. 1945 nahm er seine Tätigkeit an der Wiener Universität wieder auf und wirkte dort bis zur Emeritierung 1952/53. Seit 1947 war M. Hauptherausgeber der Wiener Studien.

    M. war ein Gelehrter, der die klassische Philologie in ihrer ganzen Breite beherrschte. Historische, kultur- und religionsgeschichtliche Problemstellungen waren ihm ebenso vertraut wie Sprachwissenschaft, Grammatik und Metrik. In der Nachfolge seiner Lehrer Marx und Hauler standen für M. jedoch Textkritik und Editionstätigkeit im Vordergrund. Den Arbeitsschwerpunkt bildete dabei die|griech. und latein. Literatur nachklassischen Epoche.

    M.s Hauptleistung war die Herausgabe der Praeparatio Evangelica des Eusebius in dem von der Deutschen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Corpus „Die griech. Schriftsteller der ersten Jahrhunderte“ (1954-56). M. sichtete dafür das umfangreiche, auf seinen Bibliotheksreisen zusammengetragene Handschriftenmaterial. Für das „Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum“ übernahm er noch in hohem Alter die Fertigstellung des von Vincenzo Ussani bearbeiteten Bandes der Historiae des Hegesippus (CSEL 66/2, 1960). Durch Hinzufügen der grundlegenden Praefatio und ausführlicher Indices führte er den Band der lange erwarteten Veröffentlichung zu. Seit der Herausgabe von „Der Traum oder Lucians Lebensgang und Ikaromenipp“ (1904) galt M.s Interesse kontinuierlich auch dem Satiriker Lukian. Die Habilitationsschrift befaßte sich mit der „Überlieferung Lucians“ (SB d. Wiener Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 167/7, 1911). Weitere Publikationen in dieser Richtung sind die „Dialogi meretricii“ (1930) und die zweisprachige Ausgabe von Lukians Hauptschriften in der Tusculum-Bücherei (1954). M.s bedeutendster Beitrag zur Latinistik war die Untersuchung zum Kommentar des Macrobius zu Ciceros Somnium Scipionis (SB d. Preuß. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 1933, H. 6, S. 232-86).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1946 korr., 1947 wirkl.); korr. Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss. (1956).

  • Werke

    Weitere W u. a. Eine neuentdeckte Sibyllen-Theosophie, in: Wiener Stud. 28, 1906, S. 43-83;
    Platos Phaedrus u. d. Rhetorik, ebd. 36, 1914, S. 295-319, 37, 1915, S. 88-117;
    Die Personennamen in Lucians Hetärengesprächen, ebd. 38, 1916, S. 308-42;
    Sprachl. u. textkrit. Bemerkungen z. spätlat. Übers. d. Hippokrat. Schrift v. d. Siebenzahl, ebd. 41, 1919, S. 61-74, 181-92;
    Assibilierung u. Palatalisierung im späteren Latein, ebd., 63, 1948, S. 86-102;
    Lukian u. d. neue Komödie, in: Wiener Eranos 1909, S. 77-88;
    Varros menippeische Satiren u. d. Philos., in: Neue Jbb. f. d. klass. Altertum 33, 1914, S. 390-420;
    Apollodoros v. Karystos als Neuerer, in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 85, 1948, S. 184-203;
    Apuleius' Florida im Rahmen ähnlicher Lit., ebd., 86, 1949, 205-23;
    Das Stammbuch d. Hofschausp. S. G. Eckardt, gen.Koch (1754–1831), ebd. 96, 1959, S. 115-26;
    Vergils Culex, in: Das Altertum 7, 1961, S. 207-13.

  • Literatur

    W. Kraus, in: Anz. f. d. Altertumswiss. 5, 1952, S. 66;
    FS f. K. M., Wiener Stud. 70, 1957 (W-Verz.);
    R. Meister, K. M. z. 85. Geb.tag, in: FF 36, 1962, S. 189 f.;
    ders., in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 112, 1962, S. 356-67 (W-Verz., P);
    E. Sachers, Prof. Dr. K. M. †, in: Zs. f. Altertumswiss. 15, 1962, S. 127;
    O. Eißfeldt. in: Jb. d. Dt. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1963, S. 210 f.;
    R. Hanslik, in: Gnomon 35, 1963, S. 107-10;
    Wi. 1922-35;
    Teichl;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1925–66.

  • Autor/in

    Wolfhart Unte
  • Empfohlene Zitierweise

    Unte, Wolfhart, "Mras, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 247 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129233196.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA