Lebensdaten
nach 1315 bis 1392
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Graf von Württemberg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116321997 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eberhard II. von Württemberg
  • Eberhard der Greiner
  • Eberhard der Zänker
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Zitierweise

Eberhard II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116321997.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Ulrich III. v. Württemberg ( 1344);
    M Sophie ( 1334), T des Gf. Theobald v. Pfirt;
    B Ulrich IV. ( 1366), folgt 1344;
    1340 Elisabeth (1329–1402), T des Gf. Heinr. XII. v. Henneberg-Schleusingen ( 1389);
    1 S, 1 T, Ulrich ( 1388), Sophie ( 1369, Hzg. Joh. I. v. Lothringen, 1390);
    E Eberhard der Milde ( 1417, s. NDB IV).

  • Leben

    In Wesen und Begabung seinem Großvater, Eberhard dem Erlauchten, sehr ähnlich, hat E. dessen Werk fortgesetzt, den Bestand seines Territoriums im Kampf gegen die Städte gesichert. Gemeinsam mit seinem unbedeutenden Bruder Ulrich unterstützte er die Politik des Kaisers und verpflichtete sich Karl IV. durch energische Bekämpfung von dessen Gegner Günther von Schwarzburg. In dem unermüdlichen Bestreben, sein Gebiet zu erweitern und abzurunden – er veräußerte die reiche Mitgift seiner Gemahlin, um nähergelegene Gebiete zu erwerben und vermählte seine Tochter Sophie mit dem an seinem Hof erzogenen Herzog Johann von Lothringen, während dessen Minderjährigkeit er die Regierung führte und auf dessen Besitzungen eine Erbeinung Anwartschaft brachte –, stieß er mit den Reichsstädten zusammen, die über seinen Mißbrauch der Landvogtei Schwaben Klage führten. Sie bestimmten den Kaiser zum Krieg gegen ihn, dem aber ein rascher Friede folgte (1360). In der Folge erlangte E. die Befreiung von fremden Gerichten und verhinderte in kluger Politik die von seinem Bruder beabsichtigte Teilung des Landes. – Als er 1367 von den Grafen von Eberstein und Wunnenstein in Wildbad überfallen wurde, erwirkte er den Reichskrieg gegen die Landfriedensbrecher und Pfalzgraf Ruprecht, seinen schlimmsten Feind. Während der Feldzug ergebnislos verlief, erfocht er 1372 bei Altheim einen Sieg über die Städte. 1376, als sie sich zu einem neuen Bund zusammenschlossen, den der Kaiser bekämpfte, beteiligte sich E. am Krieg, wobei sein Sohn Ulrich bei Reutlingen eine empfindliche Niederlage erlitt. – In dem Konflikt zwischen den Städten und dem in Ritterbünden zusammengeschlossenen Adel suchte E. zunächst zu vermitteln und rief 1382 eine Einung der schwäbischen Rittergesellschaften und Städte mit Erzherzog Leopold ins Leben, der er selber beitrat. Im großen Städtekrieg führte er einen entscheidenden Schlag gegen die schwäbischen Städte, von dem sie sich nicht mehr erholten; am 24.8.1388 vernichtete er bei Döffingen ihr Heer, verlor aber dabei seinen Sohn. 1389 kam es zum Ausgleich und Frieden. – E.s 48jährige Regierung kannte kaum eine friedliche Periode; nicht die Folge seiner unbezähmbaren Kriegslust – mögen ihn auch die Zeitgenossen den Zänker genannt haben –, sondern bedingt durch die Notwendigkeit des Sichbehauptens in einer wirren, von Krieg und Fehden erfüllten Zeit. Wiederholt versuchte er, seine Streitfragen auf friedlichem Wege zu regeln: die Ereignisse waren stärker als er. Als Staatsmann und Kriegsheld gehört er zu den eindrucksvollsten Gestalten der frühen württembergischen Geschichte, noch heute durch Uhlands Balladen lebendig.

  • Literatur

    s. Eberhard d. J.

  • Portraits

    Standbild im Chor d. Stiftskirche Stuttgart.

  • Autor/in

    Robert Uhland
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhland, Robert, "Eberhard II." in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 233 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116321997.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eberhard, der Rauschebart, auch Greiner, d. h. Zänker, zubenannt, Graf von Würtemberg, 15. März 1392, Sohn des den 11. Juli 1344 verstorbenen Grafen Ulrich III. und Enkel Eberhards des Erlauchten von Würtemberg, während seiner 48jährigen Regierung in einer wilden kampfvollen Periode als emsiger, politisch berechnender Mehrer seines Hausbesitzes und dabei fehdelustiger Haudegen ein echtes Abbild seines Großvaters, zugleich aber auch ein „ausgezeichnetes Beispiel der Fürsten mittlerer Lage in jener Zeit“. Nachdem er zunächst mit seinem wol jüngeren Bruder, Graf Ulrich IV., die Regierung der Grafschaft und zugleich die Landvogtei in Niederschwaben gemeinschaftlich übernommen hatte, erwarb er sich im J. 1349 um Kaiser Karl IV. bei der Bekämpfung seines Gegenkönigs Günther von Schwarzburg durch seine Tapferkeit bei Ellfeld im Rheingau bedeutendes Verdienst. Allein wie ihr Großvater benutzten auch diese Grafen ihr Landvogteiamt, um den Städten, über die sie die Landeshoheit erstrebten, möglichst viele Rechte abzugewinnen, und so hetzten besonders diese gegen sie beim Kaiser, der ihnen auch noch wegen einiger anderer Punkte gram war und im Spätsommer 1360, hauptsächlich unterstützt von den Städten, sie mit drei Heeren bekriegte; es kam jedoch zu keinem hitzigern Kampfe und der Friede fiel für die Grafen, welchen insbesondere einige Zeit die Landvogtei abgenommen wurde, leidlich aus. Den 3. Dec. 1361 errichteten die Gebrüder, nachdem der zugreifende E., um sich den Gesammtbesitz des Landes zu sichern, sogar zu Thätlichkeiten geschritten war, auf dem Nürnberger Reichstage das erste Hausgesetz über die Untheilbarkeit und Unveräußerlichkeit des Landes, bald darauf überließ jedoch Ulrich seinem Bruder die Alleinregierung, welche E. auch nach Ulrichs am 24. Juli 1366 erfolgten Tode vollends weiterführte. Von seinen nachfolgenden verschiedenen Fehden ist die erste berühmtere die ebersteinische: von den Grafen Wilhelm und Wolf v. Eberstein, mit denen es nachbarliche Reibungen gab, in Verbindung mit Wolf v. Stein zu Wunnenstein und einigen Gliedern der Gesellschaft Martinsvögel wurden der Graf und sein Sohn Ulrich im Frühjahr 1367 plötzlich zu Wildbad überfallen, jedoch durch einen Bauern noch so zeitig gewarnt, daß sie bei Nacht auf Burg Zavelstein flüchten konnten; mit einem Rachezug im Sommer d. J. richtete übrigens|E., diesmal sogar von den schwäbischen Reichsstädten unterstützt, nicht viel aus und, obgleich sich der Kaiser des Grafen annahm, dauerte die Feindschaft noch lange fort. Seine bedeutendsten Kämpfe verbunden mit wilden Verheerungszügen hatte übrigens E. mit den Städtebündnissen zu bestehen. So im J. 1372: die Städte, ihm schon lange gram, griffen zu den Waffen, da ihm die Gefangennahme des Landfriedenshauptmanns Grafen Ulrich v. Helfenstein zur Last gelegt wurde, allein den 7. April d. J. siegte E. über sie in einer blutigen Schlacht bei Altheim (nördlich von Ulm), sodann (während des großen Städtekriegs von 1376—1378) im J. 1377: als sich sein Sohn Ulrich den Reutlingern: bei der Rückkehr von einem Raubzuge ins würtembergische Gebiet vor ihrer Stadt in den Weg stellte, brachten sie demselben den 21. Mai d. J. eine schwere Niederlage bei, in welcher viele Edle fielen und Graf Ulrich verwundet wurde, eine Niederlage, welche noch weiter die Folge hatte, daß die Städte einige Zeit das Uebergewicht bekamen und E., welcher erzürnt zwischen sich und seinem Sohne das Tischtuch zerschnitt (eine Strafe für Vergehen von Edelleuten), die Landvogtei Niederschwaben verlor. Nachdem der Kaiser im August 1378 zu Nürnberg für 10 Jahre wenigstens Ruhe unter den Parteien geschaffen, wandten sich die Städte im J. 1388 wieder gegen E., allein er erfocht am 23. August d. J. bei Döffingen einen vollständigen, übrigens mit dem Tod seines Sohnes Ulrich erkauften Sieg über sie und brach so die Macht des Städtebundes in Schwaben für immer. — Graf E. war schon vor seinem Regierungsantritt vermählt mit Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, deren reiches Erbe er bald zu Geld machte, um sich in Schwaben durch Ankäufe zu bereichern. Seine einzige Tochter Sophie vermählte er im J. 1361 mit Herzog Johann von Lothringen, für welchen er sofort nach der Verlobung im J. 1353 die vormundschaftliche Regierung führte, seinen einzigen Sohn Ulrich im J. 1362 mit Elisabeth, Tochter Kaiser Ludwigs des Baiern und Wittwe des Herrn von Verona Cangrande II. della Scala.

    • Literatur

      Vgl. Sattler a. a. O. S. 143 ff. — v. Stälin a. a. O. S. 227 ff.

  • Autor/in

    P. Stälin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stälin, P., "Eberhard II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 555-556 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116321997.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA