Lebensdaten
1802 bis 1853
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Padua
Beruf/Funktion
Philosoph ; Pädagoge ; Schulorganisator
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116319410 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Exner, Franz Seraphin
  • Exner, Franz
  • Exner, Franz Seraphin

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Exner, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116319410.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1770–1836), Zollinspektor in Wien, aus schlesischer Fam.;
    M Magd. Saupper (1769–1834);
    Prag 1840 Charlotte Dusensy (1814–59), Kaufm.T;
    5 S, 1 T, u. a. Adolf s. Genealogie (3), Karl s. (4), Sigmund s. (6), Franz s. (2), Maria ( 1925, Anton Rr. v. Frisch, 1917, Chirurg);
    E Felix s. (5), Franz s. (3).

  • Leben

    E. studierte Rechtswissenschaft an der Universität Wien 1821-23, Pavia 1823-25 und schloß 1825 in Wien das Rechtsstudium ab. Er wandte sich dann, durch seinen Lehrer K. Rembold für Philosophie interessiert, ganz diesem Fache zu und erwarb 1827 darin den Doktorgrad. 1827-31 wirkte er an der Universität Wien als Supplent für Philosophie, seit 1828 auch für Erziehungskunde. 1831-48 war er ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Prag. Dazwischen war er 1845-47 als Mitarbeiter an der durch die Studienhofkommission vorbereiteten Reform der Gymnasien und Universität in Wien tätig und seit April 1848 wissenschaftlicher Beirat im Ministerium für öffentlichen Unterricht, von September 1848 an als Ministerialrat. Nach seinem „Entwurf der Grundzüge des öffentlichen Unterrichtswesens in Österreich“ (in: Wiener Zeitung vom 18.-21.7.1848) wurden die Gymnasial- und Universitätsstudien neu organisiert: die 2jährigen „allgemeinen philosophischen Studien“ an der Universität wurden aufgelassen und als oberste Klasse dem bisher 6klassigen Gymnasium angefügt, wodurch die philosophische Fakultät für ihre wissenschaftliche Aufgabe frei gemacht wurde. Zusammen mit H. Bonitz arbeitete E. den „Entwurf der Organisation der Gymnasien und Realschulen in Österreich“ aus. Auf Grund dieser Vorarbeiten erhielten 1849-51 unter dem Minister Leo Graf Thun-Hohenstein die Universitäten nach dem Grundsatz der Lehr- und Lernfreiheit und der Verbindung von Forschung und Lehre ihre Neuorganisation, wobei ein wohlabgewogenes Verhältnis von wissenschaftlichem Selbstbestimmungsrecht der Hochschulen und staatlichem Aufsichtsrecht geschaffen wurde. Als Philosoph folgte E. zuerst der Richtung von L. H. Jacobi in der Form, die ihr durch J. Salat gegeben worden war, fand aber dann seinen Standpunkt ganz in der Philosophie Herbarts. Dies kommt auch in dem von ihm geschaffenen Lehrplan der Gymnasien zum Ausdruck, der seinen Schwerpunkt nicht in einer Gruppe von Lehrfächern allein, sondern „in den wechselseitigen Beziehungen aller Unterrichtsgegenstände aufeinander“ hat. – Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien (1848).

  • Werke

    Weitere W Über Wesen u. Zweck d. Philos., in: Glasers Zs. „Ost u. West“, 1837; Die Stellung d. Studenten in d. Univ., Prag 1837;
    Rezension v. Jägers Empirische Psychol., in: Wiener Jbb. d. Lit. 93, 1841;
    Die Psychol. d. Hegelschen Schule, 1842;
    Über Nominalismus u. Realismus, in: Abhh. d. Kgl. Böhm. Ges. d. Wiss., 1843;
    Über Leibnizen's Universalwiss., ebd. 1845;
    Über d. Lehre v. d. Einheit d. Denkens u. Seins, ebd. 1848; Besprechung v. L. Feuerbach, Grundsätze d. Philos. d. Zukunft, in: Österr. Bl. f. Lit. u. Kunst, 1844.

  • Literatur

    ADB VI;
    Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien, 1853;
    R. Zimmermann, in: Ak. Wschr., Okt. 1853;
    S. Frankfurter, Gf. Leo Thun-Hohenstein, F. E. u. Herm. Bonitz, 1893;
    A. v. Helfert, Aufzeichnungen u. Erinnerungen aus jungen J., 1908, IV, S. 179 ff.;
    K. Uhlirz, Hdb. d. Gesch. Österreichs, 1927-44, II/2, S. 746 ff.;
    E. Winter, in: Sudetendt. Lb. III, 1934, S. 185-88 (P);
    R. Meister, Rektoratsrede Univ. Wien, 1949/50.

  • Portraits

    Denkmal v. K. Kundmann, 1893 (Univ. Wien, Arkadenhof), Abb. in: Ruhmeshalle d. Wiener Univ., 1934, S. 94;
    Lith. v. J. Schindler, 1825, v. J. Kriehuber, 1831 (Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Richard Meister
  • Empfohlene Zitierweise

    Meister, Richard, "Exner, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 698 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116319410.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Exner: Franz E., geb. in Wien am 28. Aug. 1802, in Padua am 19. Juni 1853, hatte in Wien und Pavia studirt und wurde im J. 1830 beauftragt, an Stelle des vom Lehramte enthobenen Rembold an der Wiener Universität philosophische Vorlesungen zu halten, worauf er (1832) zum ordentlichen Professor der Philosophie in Prag ernannt wurde, wo er durch die ihm eigenthümliche dialogische Form der Vorträge sehr anregend und belebend wirkte. Im J. 1844 beauftragt, einen neuen Studienplan auszuarbeiten, wurde er behufs Durchführung desselben (1845) nach Wien als Mitglied der Studiencommission berufen und, nachdem er ein Jahr hindurch abermals in Prag docirt hatte, im J. 1848 zum Ministerialrathe in dem neu geschaffenen Unterrichts-Ministerium ernannt. In dieser Stellung suchte er möglichst auf Hebung des gesammten Unterrichtswesens und auf allgemeinen Fortschritt der Bildung hinzuwirken, indem er von der Nothwendigkeit einer Gemeinsamkeit Oesterreichs mit deutscher Cultur und Wissenschaft innigst durchdrungen war und die bewährten pädagogischen Einrichtungen Deutschlands den besonderen Verhältnissen seines Vaterlandes anzupassen bemüht war. Nachdem er so die Schulen Ungarns reorganisirt hatte, begab er sich zu gleichem Zwecke in die Lombardei, woselbst jedoch, nachdem er schon seit 1850 zu kränkeln begonnen hatte, der Tod seinem fruchtbaren Wirken ein Ende setzte. In seiner philosophischen Auffassung hatte er sich anfangs an die durch Jacobi, Meiller und Salat vertretene Richtung angeschlossen, wendete sich aber dann völlig zum System Herbart's, sowie es auch vielfach seinem Einflusse zuzuschreiben ist, daß der Herbartianismus an den österreichischen Universitäten Verbreitung fand. Außer kleineren Schriften, welche in den Abhandlungen der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften erschienen ("Ueber Nominalismus und Realismus", 1843, „Ueber Leibnitzens Universal-Wissenschaft", 1845, „Ueber die Lehre von der Einheit des Denkens und Seins“, 1848) ist besonders seine polemische Schrift „Die Psychologie der Hegelschen Schule“ (2 Hefte 1841 f.) von Werth und Bedeutung, da durch dieselbe mittelst sachgemäßer Kritik dem Hegelianismus ein empfindlicher Stoß versetzt wurde.

    • Literatur

      Const. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. IV. S. 115 f.

  • Autor/in

    Prantl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Prantl, Carl von, "Exner, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 447 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116319410.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA