Lebensdaten
1790 bis 1869
Geburtsort
Nieder-Politz bei Böhmisch-Leipa
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Schulreformer ; katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129531200 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krombholz, Anton

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Zitierweise

Krombholz, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129531200.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Bauer.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Trivialschule in Sandau und des Gymnasiums in Leitmeritz studierte K. 1809-12 Philosophie in Prag. Er begeisterte sich für Bernard Bolzano und dessen pragmatische Religionsauffassung, in deren Mittelpunkt die werktätige Nächstenliebe steht. 1812 trat er in das Priesterseminar zu Leitmeritz ein, empfing 1815 die Priesterweihe und wurde 1816 Professor für Neues Testament am Priesterseminar. 1820 wurde er auf Betreiben der Wiener Regierung zusammen mit Mich. Fesl, der sich als Studienpräfekt energisch für Bolzanos Ideen eingesetzt hatte, und zwei weiteren Professoren aus dem Lehramt entfernt. 1821 übernahm er die Pfarrei von Böhm.-Leipa, dessen Einwohner infolge von Epidemien, Brandkatastrophen und Kriegseinwirkungen weitgehend verarmt waren. K., der in der Armut eine tödliche Gefahr für Religion und Sittlichkeit erblickte, gründete 1824 ein Armeninstitut, später ein Armenpfründnerhaus und eine Kleinkinderbewahranstalt. Er baute die durch einen Brand zerstörte Volksschule auf, für die er als Ortsschulaufseher zu sorgen hatte. Für arbeitende Kinder schuf er Abendschulen, deren Besuch 1824 obligatorisch wurde. 1829 wurde die vierte Hauptschulklasse eröffnet. Durch Erweiterung des Lehrplans um „reale“ Fächer verwirklichte K. 1838 den ersten Fortbildungsunterricht („Zeichenschule“) für Lehrlinge in der Donaumonarchie; zwei Monate später ordnete die Landesbehörde diese Schulart für alle größeren Städte Böhmens an. 1845 führte er als erster in Böhmen den obligaten Turnunterricht ein. 1848 wurde die Gründung einer Realschule bewilligt. 1827 wurde K. Vizedirektor, 1848 Direktor des Gymnasiums. Als solcher vermehrte er die Pflichtfächer um die tschech. und franz. Sprache, um Ästhetik und Turnen. 1828 eröffnete er eine Musikschule. 1831 wurde K. Bezirksdekan und Schuldistriktaufseher für das Leipaer Dekanat, dessen Schulen inzwischen zu den besten des Landes zählten. Sie wiesen 1849 mit 98 % die meisten Schulbesuchenden Böhmens auf. 1843 reichte K. einen Entwurf für eine Lehrerbildungsanstalt ein, der 1850 in Leitmeritz realisiert wurde. 1848 begrüßte er die Revolution als Anbruch einer neuen Zeit. Er übernahm den Vorsitz des von ihm mitbegründeten Ortsverbands des Deutschen (Konstitutionellen) Vereins, der sich zur deutschen Nationalbewegung bekannte.

    Im Febr. 1850 wurde K. Sektionsrat unter Minister Leo Gf. Thun in Wien, um an der Schulreform Franz Exners mitzuarbeiten. Sein Referat umfaßte bald alle Volksschulen der Donaumonarchie (mit Ausnahme der Verwaltungsgebiete Krakau und Lemberg). K. sicherte die Lehrerbesoldung, indem er die Schaffung von Gemeindeschulfonds anordnete. Die Pfarrschulen wurden generell als Hauptschulen eingerichtet. Besonderes Augenmerk widmete er der Lehrerausbildung. Gemäß dem Konkordat von 1855 wurden Lehrerbildungsanstalten als Diözesaneinrichtungen an den Bischofssitzen geschaffen. 1851 gründete K. den „Österr. Schulboten“, den er bis 1860 redigierte. 1856 gab er Anweisungen zur Errichtung von Schulbibliotheken. Der Verbreitung „gemeinnütziger Kenntnisse“ in Gartenbau, Obstbaumpflege, Bienen- und Seidenraupenzucht sollten Schulgärten dienen. Schulfächern, die später Handel und Gewerbe nützten, sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Indem er die vierte Hauptschulklasse zur (unselbständigen) Unterrealschule machte, schuf K. die Grundform der späteren Bürgerschule. Die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt, die Beschäftigung von Kindern vor dem 9. Lebensjahr in Fabriken wurde verboten. Die Volksschulinspektoren, mit umfassenden Vollmachten ausgestattet, mußten dem Ministerium jährlich Bericht erstatten. – Ein Augenleiden 1857 führte zu K.s allmählicher Erblindung und zwang ihn, 1859 in den Ruhestand zu treten.

    Diesem „bedeutendsten und erfolgreichsten geistlichen Schulmann Böhmens, ja der Donaumonarchie, im 19. Jh.“ (Huber) waren die Einheit von Schule und Kirche sowie Deutsch als Unterrichtssprache selbstverständliche Voraussetzungen der Schulpolitik. Ehrgeizig und willensstark, von immenser Arbeitskraft und ausgeprägtem Realitätssinn, bereitete K. dem Reformwerk von 1869, dem österr. Reichsvolksschulgesetz, die Wege. – K. erwarb sich Verdienste um die Vereinfachung der Rezeptur. Lange vor Prießnitz war er bereits ein Anhänger der Wasserbehandlung bei Lähmungen und anderen Krankheiten. Als Geschäftsführer leitete er 1837, gemeinsam mit Kaspar Gf. Sternberg, die Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Prag. Bedeutend ist sein großes Werk über Pilze, dem neben ausgezeichneten botanischen Beobachtungen auch Tierversuche über die Giftigkeit der Schwämme zugrundelagen.

  • Auszeichnungen

    1854 Ritterkreuz d. Eisernen Krone; 1859 Hofrat.

  • Literatur

    ADB 17;
    E. Winter, in: Sudetendt. Lb. III, 1934, S. 174-77;
    A. Grundl, A. K. 1790-1869, Ein dt. Priester u. Schulorganisator aus Böhmen, 1937 (L, Qu.);
    ders., Die Fabrikabendschule d. „Streicherkinder“ zu Böhm.-Leipa, in: Festschr. Wilh. Wostry, 1937, S. 567-83;
    Th. Keil (Hrsg.), Die dt. Schule in d. Sudetenländern, 1967;
    K. A. Huber, in: Lb. z. Gesch. d. böhm. Länder IV, 1981, S. 119-35 (P);
    ÖBL;
    Biogr. Lex. z. Gesch. d. böhm. Länder II, 1981 (W, L).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Krombholz, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 76 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129531200.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krombholz: Anton K., katholischer Geistlicher, geb. am 25. October 1790 zu Niederpolitz bei Böhmisch-Leipa, am 26. Februar 1869 zu Wien. Nachdem er zu Leipa als der Sohn armer Eltern unter vielen Entbehrungen das Gymnasium absolvirt hatte, hörte er 1809—1811 in Prag philosophische Vorlesungen und schloß sich dort an Bolzano an. Im November 1812 trat er in das bischöfliche Seminar zu Leitmeritz und wurde dort, sobald er seine Studien vollendet und die Priesterweihe empfangen, 1816 Professor des Bibelstudiums des Neuen Bundes, aber schon 1830 in die Untersuchung gegen Bolzano und gegen seinen Freund und Collegen Fesl verwickelt und abgesetzt. 1821 wurde er Pfarrer in Leipa und bemühte sich dort namentlich für Hebung des Schulwesens. 1832 wurde er zugleich Bezirksdechant, 1833 Schulinspector. Im December 1848 wurde er von dem Unterrichtsminister Graf Stadion zu den Berathungen über die Organisation des Volksschulwesens nach Wien berufen, am 21. Februar 1850 unter Graf Leo Thun zum Sectionsrath im Cultus- und Unterrichtsministerium ernannt. Wegen Erblindung wurde er 1858 quiescirt. K. ist für die Hebung des Schulwesens sehr thätig gewesen. Geschrieben hat er nur einige kleine Gelegenheitsschriften, u. A. „Ueber Albrecht v. Waldstein, den Stifter des Leipaer Gymnasiums“, 1835. Eine Zeit lang gab er den „Oesterreichischen Schulboten, Wochenblatt für die vaterländische Volksschule“ heraus.

    • Literatur

      Th. Wiedemann, Anton Krombholz. Eine biographische Skizze, in der Oesterr. Vierteljahrsschr. f. kath. Theol., 1870. 71.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Krombholz, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 184 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129531200.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA