Köster, Arthur

Lebensdaten
1890 – 1965
Geburtsort
Pausa (heute Pausa-Mühltroff, Vogtland)
Sterbeort
Hankensbüttel bei Wolfsburg
Beruf/Funktion
Architekturfotograf ; Fotograf
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 11630104X | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Köster, Arthur Oskar
  • Köster, Arthur
  • Köster, Arthur Oskar
  • Kösther, Arthur
  • Kösther, Arthur Oskar

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Zitierweise

Köster, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11630104X.html#indexcontent [05.10.2026].

CC0

  • Köster, Arthur Oskar

    1890 – 1965

    Architekturfotograf

    Arthur Köster zählt zu den einflussreichsten Architekturfotografen der Weimarer Republik. Von Berlin aus arbeitete er im Auftrag bedeutender Architekten der Moderne und Vertreter des „Neuen Bauens“ wie Walter Gropius (1883–1969), Otto Haesler (1880–1962), Erich Mendelsohn (1887–1953), Otto Salvisberg (1882–1940), Thilo Schoder (1888–1979) und Bruno Taut (1880–1938). Kösters Architekturansichten prägen bis heute die Vorstellung und das Verständnis moderner Architektur.

    Lebensdaten

    Geboren am 5. Dezember 1890 in Pausa (heute Pausa-Mühltroff, Vogtland)
    Gestorben am 18. September 1965 in Hankensbüttel bei Wolfsburg
    Grabstätte in Bad Salzuflen bei Herford (bis 1970 in Berlin-Lichterfelde)
    Konfession evangelisch-lutherisch
  • 5. Dezember 1890 - Pausa (heute Pausa-Mühltroff, Vogtland)

    März 1915 - 1918 - Frankreich, zwischen Reims (Département Marne), Compiègne (Département Oise) und Saint-Quentin (Département Aisne)

    Kriegsdienst; seit August 1917 Ausbildung zum Fotografen; Kriegs- und Divisionsfotograf

    Armierungs-Bataillon 87; seit Juli 1917 Fernsprechabteilung 103

    Juli 1919 - Herbst 1926 - Berlin

    Abschluss der Ausbildung zum Fotografen (28.9.1920 Gesellenprüfung); seit ca. Ende 1920 Leiter der Fotoabteilung

    Ernst Wasmuth Verlag

    20.11.1926 - 1959 - Berlin-Lichterfelde

    Gründer; Inhaber

    Werkstatt für Architektur- und Industrie-Photographie (seit ca. 1928 Fotowerkstatt für Architektur)

    1.5.1931 - Berlin

    Meisterprüfung Fotografenhandwerk

    18. September 1965 - Hankensbüttel bei Wolfsburg

    Gesicherte Informationen zur schulischen Laufbahn Kösters liegen nicht vor, wahrscheinlich besuchte er eine Volksschule in der Nähe von Pausa (heute Pausa-Mühltroff, Vogtland). Seit März 1915 leistete er in Frankreich Kriegsdienst in einem Armierungs-Bataillon, seit Juli 1917 in der Fernmeldeeinheit der 103. Infanterie-Division, wo er eine Ausbildung zum Fotografen begann. In dieser Zeit machte Köster Bekanntschaft mit dem Leiter des Berliner Ernst Wasmuth Verlags, Günther Wasmuth (1888–1974), der ihm nach Ende des Ersten Weltkriegs ermöglichte, seine Ausbildung in dessen Verlag abzuschließen. Gegen Ende 1920 übernahm Köster die Leitung der verlagseigenen Bildstelle, die fotografische Reproduktionsvorlagen für die Buch- und Zeitschriftenpublikationen mit thematischem Schwerpunkt auf Kunst und Architektur herstellte, u. a. für die Architekturzeitschrift „Wasmuths Monatshefte für Baukunst“.

    Im November 1926 gründete Köster ein Atelier in Berlin-Lichterfelde, das seit etwa 1928 den Namen „Fotowerkstatt für Architektur“ trug. Seine Auftraggeber rekrutierte er aus den im Wasmuth Verlag geknüpften Beziehungen; nahezu alle namhaften Architekten der Moderne und des „Neuen Bauens“ zählten in den folgenden Jahren zu seinen Kunden, darunter Egon Eiermann (1904–1970), Walter Gropius (1883–1969), Otto Haesler (1880–1962), die Brüder Hans (1890–1954) und Wassili Luckhardt (1889–1972), Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940), Hans Scharoun (1893–1972), Thilo Schoder (1888–1979) sowie Bruno Taut (1880–1938) und Max Taut (1884–1967). Besonders hervorzuheben ist Kösters Zusammenarbeit mit Erich Mendelsohn (1887–1953) seit 1923, die über ein Jahrzehnt andauerte und beispielhaft für die inhaltliche und formale Durchdringung von architektonischer Idee und baulicher Realisierung sowie deren fotografischer Rezeption in der Moderne steht.

    In seinen technisch brillant ausgearbeiteten Architekturfotografien setzte Köster Konzepte der Bildgestaltung des „Neuen Sehens“ und der Fotografie der Neuen Sachlichkeit ein. In seinen weit über reine Baudokumentation hinausgehenden Bildern erreichte er eine dichte Visualisierung der jeweiligen architektonischen Idee, des Baukonzepts sowie der praktischen Bauausführung. Kösters Fotografien wurden in Fachbüchern und -zeitschriften – u. a. in der Buchreihe „Neue Werkkunst“ und in der Zeitschrift „Bauwelt“ – abgedruckt, als Postkarten verlegt und als Großabzüge in Architekturausstellungen, etwa in der Section Allemande auf der Jahresausstellung der Société des artistes décorateurs 1930 in Paris, präsentiert. Bis heute prägen seine Architekturansichten die Vorstellung und das Verständnis der Architektur der Weimarer Republik.

    Während viele seiner Auftraggeber seit 1933 nur eingeschränkt aktiv sein konnten oder emigrierten, setzte Köster im „Dritten Reich“ seine Arbeit als Architekturfotograf unter den kulturpolitischen und ideologischen Vorgaben der Nationalsozialisten fort; Mitgliedschaften in der NSDAP und der Reichskulturkammer lassen sich nicht nachweisen. Köster reduzierte seit 1933 seinen experimentell-interpretatorischen Bildstil und beschränkte sich auf Architekturdokumentationen mit konventionellen Gesamtansichten sowie auf Modellfotografie. Vor allem durch seine Verbindung mit dem Architekten Ernst Sagebiel (1892–1970) erhielt er prestigeträchtige Aufträge, u. a. im Zusammenhang mit dem Neubau des Flughafens Berlin-Tempelhof und dem Bau des Reichsluftfahrtministeriums. Weiteres Bildmaterial, das im NS-Staat zu Propagandazwecken eingesetzt wurde, lieferte Köster im Zusammenhang mit dem Bau der Reichsautobahnen.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Köster Aufträge durch frühere Kunden wie Luckhardt und Scharoun. Zudem fotografierte er Großprojekte der Berliner Nachkriegsstadtplanung, u. a. die Bauten der Internationalen Bauausstellung 1957. Seine Fotografien waren technisch weiterhin in bester Qualität ausgearbeitet, die Bildsprache blieb aber auf ein zurückhaltendes, dokumentierendes Formenvokabular beschränkt; an die ästhetische Wirkmächtigkeit und Modernität seiner Architekturfotografien vor 1933 reichen die Aufnahmen nach 1945 nicht heran.

    1959 übergab Köster den Betrieb an seinen von ihm ausgebildeten Bruder Walter Köster (1904–1988). Nach dessen Rückzug aus dem Berufsleben 1969 wurde das schon in der frühen Nachkriegszeit stark beschädigte Archiv des Betriebs aufgelöst und z. T. an frühere Kunden vermittelt; Bildkonvolute haben sich u. a. in den Nachlässen von Mendelsohn und Scharoun erhalten, während ein Großteil des Archivs heute als verschollen gilt. Die stilbildende Wirkung von Kösters Fotografien der Architektur der Moderne lässt sich auch postum nachweisen, etwa in den Fotografien von Klaus Kinold (1939–2021), Julius Shulman (1910–2009) und Margherita Spiluttini (1947–2023).

    Nachlass:

    Familienbesitz.

    Weitere Archivmaterialien:

    Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Baukunstarchiv. (Sammlung Arthur Köster)

    Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin. (Dokumentensammlung Arthur und Walter Köster)

    Deutsches Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. (Splitternachlass, weiterführende Informationen)

    Monografien:

    Simone Förster, Masse braucht Licht. Arthur Kösters Fotografien der Bauten von Erich Mendelsohn. Ein Beitrag zur Geschichte der Architekturfotografie der 1920er Jahre, 2008.

    Michael Stöneberg, Arthur Köster. Architekturfotografie 1926–1933. Das Bild vom „Neuen Bauen“, 2009. (P)

    Aufsätze und Artikel:

    Michael Stöneberg, Das Bild vom Neuen Bauen in Berlin. Arbeiten des Berliner Architekturfotografen Arthur Köster (1926–33), in: Daidalos. Magazin für Architektur, Kunst & Kultur 66 (1997), S. 92–99.

    Simone Förster, Theorie – Entwurf – Fotografie. Erich Mendelsohns Einsteinturm in den Fotografien von Arthur Köster, in: Thesis. Wissenschaftliche Zeitschrift der Bauhaus-Universität Weimar 49 (2003), H. 4, S. 166–173.

    Simone Förster, Der Architekt und sein Fotograf. Erich Mendelsohn und Arthur Köster, in: Regina Stephan (Hg.), Erich Mendelsohn. Wesen, Werk, Wirkung, 2006, S. 70–79.

    Simone Förster, Arthur Kösters Fotografien des Marie-von Boschan-Aschrott-Altersheims in Kassel von Otto Haesler, in: Ludger Derenthal/Christine Kühn (Hg.), Ein neuer Blick. Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin, 2010, S. 61–63.

    N. N., Art. „Arthur Köster“, in: Eva-Maria Barkhofen (Hg.), Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste, 2016, S. 524 f.

    Fotografien, 1930er Jahre, Abbildung in: Michael Stöneberg, Arthur Köster. Architekturfotografie 1926–1933. Das Bild vom „Neuen Bauen“, 2009, Frontispiz u. S. 42.

  • Autor/in

    →Simone Förster (München)

  • Zitierweise

    Förster, Simone, „Köster, Arthur“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11630104X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA