Lebensdaten
1872 bis 1962
Geburtsort
Hänchen (Kreis Cottbus)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116260912 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pohlenz, Max

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Zitierweise

Pohlenz, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116260912.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1829–79), aus Bautzen, Gutsbes.;
    M Maria Melde (1848–1910), aus Cottbus;
    Cottbus 1911 Elisabeth Vogel (* 1885);
    2 T u. a. Hildegard (* 1913), Oberstudienrätin.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1890 am humanistischen Gymnasium in Cottbus studierte P. in Erlangen, Berlin und Göttingen Klassische Philologie u. a. bei Friedrich Leo und Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff. 1895 legte er in Göttingen die Staatsprüfung ab und absolvierte am Friedrichsgymnasium und am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin sein Probejahr für das Lehramt. In Berlin wurde P. 1898 mit der Dissertation „De Posidonii libris πεϱί παθῶν“(auch in: Neue Jbb. f. Klass. Philol., Suppl. 24, 1898, S. 537-633) promoviert. Danach war er acht Jahre als Gymnasiallehrer an der Hohenzollernschule in Berlin-Schöneberg tätig. Zum Sommersemester 1906 erfolgte ohne Habilitation die direkte Berufung als Extraordinarius nach Göttingen zur Entlastung der Lehrstuhlinhaber Leo und Eduard Schwartz. 1909 wurde P. persönlicher und 1916 planmäßiger Ordinarius als Nachfolger Paul Wendlands. Im Zusammenhang mit der 1937 von den Reichsministern Hanns Kerrl und Bernhard Rust oktroyierten Ehrenpromotion für Gino Battista Funaioli, die P. mißbilligte, wurde er von allen amtlichen Verpflichtungen entbunden und am 20.10.1937 mit Lehrverbot belegt. Mit dem Wintersemester 1944/45 übte P. als Emeritus seine Lehrtätigkeit in Göttingen bis 1952 aus.

    P. sah seine Aufgabe in einer auf Quellenanalyse beruhenden Erforschung der antiken, besonders der griech. Geistesgeschichte. Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Werks waren 1) die philologische Erforschung philosophischer Texte, u. a. Platons (Aus Platons Werdezeit, 1913), Ciceros (Tusculanae disputationes, Ed. maior, 1918, Nachdr. 1965, 1976, 1982 u. 1995; Ed. minor, 1918) und der Stoiker (Grundfragen d. stoischen Philosophie, 1940, engl. 1987; Die Stoa, 2 Bde., 1948/49, I, 71992, II, 61990), 2) die Mitarbeit bei der Herausgabe der „Moralia“ des Plutarch innerhalb der Bibliotheca Teubneriana (Vol. I, III, V, fasc. 1; VI, fasc. 2 u. 3), einem Gemeinschaftsunternehmen, dessen Vollendung ganz wesentlich P.s Verdienst war, 3) Forschungen zu griech. Staatstheorien und Polisverfassungen (Staatsgedanke u. Staatslehre d. Griechen, 1923) und 4) Untersuchungen zum antiken Drama (Die griech. Tragödie, 2 Bde., 1930, 21954). Mehrfach äußerte sich P., für den die akademische Lehre im Vordergrund stand, zu Fragen der humanistischen Erziehung, besonders zur staatsbürgerlichen Komponente (Staatsbürgerl. Erziehung im griech. Unterricht, [1926]). Der konservativ-liberale P. war gegenüber dem Nationalsozialismus skeptisch, erhoffte sich aber nach der „Machtergreifung“ zunächst eine Stärkung der humanistischen Bildungsidee (Das humanist. Gymnasium u. d. neue Reich, in: Hannoverscher Kurier v. 3.5.1933).|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Rom 1955); o. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. zu Göttingen (1916); korr. Mitgl. d. Ac. Virgiliana, Mantua (1940), d. Ac. degli Arcadi, Rom (1942), d. Ac. Nazionale Lincei, Rom (1953), d. Istituto Lombardo di Scienze e Lettere, Mailand, u. d. Istituto Nazionale del Dramma antico, Syrakus; Gr. BVK (1955).

  • Werke

    u. a. Kl. Schrr., 2 Bde., hg. v. H. Dörrie, 1965 (W-Verz.);
    Vom Zorne Gottes, 1909;
    Ciceronis Tusculanarum disputationum libri I-II, mit Benutzung v. O. Heines Ausg., V, 1912, Nachdr. 1957;
    Antikes Führertum, Ciceros de officiis u. d. Lebensideal d. Panaitios, 1934;
    Herodot, d. erste Gesch.schreiber d. Abendlandes, 1937, Nachdr. 1961, 1973;
    Hippokrates u. d. Begründung d. wiss. Med., 1938;
    Die Begründung d. abendländ. Sprachlehre durch d. Stoa, 1939;
    Der hellen. Mensch, 1946;
    Gestalten aus Hellas, 1950;
    Griech. Freiheit, Wesen u. Werden e. Lebensideals, 1955, engl. 1966. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Niedersächs. Staats- u. Univ.-Bibl., Göttingen.

  • Literatur

    K. Deichgräner, in: FF 18, 1942, S. 223 f.;
    J. Mau, ebd. 31, 1957, S. 221 f.;
    G. Pasquali, in: Paideia 7, 1952, S. 193-99, erneut in: ders., Scritti filologici 2, 1986, S. 774-85;
    Göttinger Tagebl. v. 6./7.1.1962;
    Göttinger Presse v. 6./7.1.1962;
    Hannoversche Allgemeine v. 6./7.1.1962;
    R. Stark, in: Saarbrücker Ztg. v. Jan. 1962;
    Georg-August-Univ. zu Göttingen, 22.3.1962;
    K. Person, in: Mitt. d. Dt. Altphilologenverbandes, Landesverband Niedersachsen 12, Nr. 2, Juni 1962, S. 3 f.;
    H. Dörrie, in: Gnomon 34, 1962, S. 634-36;
    Burschenschaftl. Bll. 72, H. 7, Juli 1962;
    W. H. Friedrich, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. zu Göttingen, 1962, S. 59-64;
    C. Wegeler, „… wir sagen ab der internat. Gelehrtenrep.“, 1996, bes. S. 84-88, 137-40;
    Die Univ. Göttingen unter d. NS, hg. v. Heinrich Becker u. a., 21998.

  • Portraits

    Niedersächs. Staats- u. Univ.-Bibl. Göttingen (Slg. Voit).

  • Autor/in

    Wolfhart Unte
  • Empfohlene Zitierweise

    Unte, Wolfhart, "Pohlenz, Max" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 588-589 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116260912.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA