Lebensdaten
1889 bis 1978
Geburtsort
Wilhelmshöhe bei Kassel
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119331438 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Friedrich
  • Naumann, Friedrich
  • Neumann, F.
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Zitierweise

Neumann, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119331438.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1859–1928), Obergärtner in W., S d. Gärtners Johannes (1825–92) u. d. Margaretha Wettlaufer (1830–1907);
    M Martha (1861–1935), T d. Conrad Göbel (1829–1903), Lehrer u. Kantor, u. d. Elisabeth Schumann (1833–1903);
    1925 Ilse (1903–82, s. L), T d. Richard Graul (1862–1944), Prof., Kunsthist., Dir. d. Kunstgewerbemus. u. d. Gem.-gal. in Leipzig (s. Rhdb.; Kürschner, Gel.-Kal. 1931), u. d. Margarete Tillmanns (* 1875); Gvm d. Ehefrau Hermann Tillmanns (1844–1927), Prof. d. Chirurgie in Leipzig;
    3 S Peter (* 1926), Geschäftsführer d. Saarbrücker Druckerei u. Verlag GmbH (s. L), Dietrich (* 1931), o. Prof. f. Physiologie u. Ökologie, Dir. am Zoolog. Inst. d. Univ. Köln (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1996), Arnulf (* 1939), Lehrer, Konrektor, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1907 am Kasseler Wilhelms-Gymnasium studierte N. in Marburg, München und Göttingen zunächst klassische, dann deutsche Philologie sowie Philosophie. In Göttingen gehörte er zum Kreis begeisterter Studenten der Phänomenologie um Edmund Husserl und Adolf Reinach, studierte bei den klassischen Philologen Friedrich Leo und Max Pohlenz und wurde schließlich 1914 im Fach deutsche Philologie promoviert. Für die von Edward Schröder betreute Dissertation über die „Geschichte des neuhochdeutschen Reimes von Opitz bis Wieland“ (1920, Neudr. 1969) erhielt er 1920 den Wilhelm-Scherer-Preis. Den 1. Weltkrieg erlebte N. als Kriegsfreiwilliger an der Westfront. Nachdem er schon 1913 die Prüfung für das höhere Lehramt abgelegt hatte, unterrichtete er nach Kriegsende in Kassel zwei Jahre im Schuldienst. 1921 habilitierte ihn die Philosophische Fakultät in Göttingen mit einer Schrift über den mittelalterlichen Spruchdichter Freidank. Im selben Jahr erhielt er den Ruf auf eine ao. Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Univ. Leipzig, wo er 1922 als Nachfolger von Eduard Sievers zum o. Professor ernannt wurde. Schließlich folgte N. 1927 einem Ruf nach Göttingen auf den Lehrstuhl für deutsche Philologie seines Lehrers Edward Schröder. 1933 wurde er zum Rektor gewählt; im selben Jahr trat er der NSDAP bei. Das Rektorenamt versah N., bedingt auch durch die Organisation des 200jährigen Universitätsjubiläums 1937, bis 1938. 1935 wurde er zum Ratsherrn der Stadt Göttingen berufen. Aufgrund seines politischen Engagements in der NS-Zeit wurde N. 1945 amtsenthoben und als Hochschullehrer nicht mehr zugelassen. Der 1954 emeritierte N. veröffentlichte bis zu seinem Tod noch zahlreiche germanistische Arbeiten.

    In seinen Forschungen widmete sich N. der Metrik, Sprachgeschichte und Grammatik, vor allem aber der Edition und Interpretation der großen Autoren des deutschen Mittelalters. Zugleich publizierte er Untersuchungen zur neueren deutschen Literatur sowie zur Volkskunde, Wissenschaftsgeschichte und Literaturgeschichte. Während diese Arbeiten vor 1933 und überwiegend nach 1945 entstanden, dominierte in der Zwischenzeit das Genre der öffentlichen Ansprachen, in denen sich N. zu aktuellen hochschulpolitischen und weltanschaulichen Themen äußerte. Dabei wollte er aus der Erforschung deutscher Sprache und Dichtung Leitideen für den Aufbau des nationalsozialistischen Staates gewinnen. Gerade durch sein Ansehen als|Fachgelehrter trug er auch zum Erfolg des Nationalsozialismus bei. Denn N. war einer der letzten, die das Fach deutsche Philologie als Gesamtheit von Sprach- und Literaturwissenschaft der älteren und neueren deutschen Dichtung vertreten haben. Rückblickend empfand er selbst seinen Lebensweg als tragisch.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1943); Brüder-Grimm-Medaille d. Univ. Marburg (1973).

  • Werke

    Weitere W u. a. Scholastik u. mhd. Lit., in: Neue Jbb. f. d. klass. Altertum 25, 1922, S. 388-404;
    Der Altonaer „Joseph“ u. d. junge Goethe, 1925;
    Hohe Minne, in: Zs. f. Dt.kde. 39, 1925, S. 81-91;
    Walther v. d. Vogelweide, 1929;
    Dt. Dichtung u. dt. Wirklichkeit, 1933;
    German. Art, 1933;
    Dt. Sprache u. dt. Leben, 1935;
    Das german. Erbe u. d. dt. Dichtung, 1936;
    Die Aufgaben d. Rektors in d. dt. Univ., 1938;
    Dt. Minnesang, 1954;
    Gesch. d. altdt. Lit., 1966;
    Das Nibelungenlied in seiner Zeit, 1967;
    Kleinere Schrr. z. dt. Philol. d. MA, 1969;
    Stud. z. Gesch. d. dt. Philol., 1971;
    Einf. in Thomasins Verswerk, in: Der Welsche Gast d. Thomasin v. Zerclaere, 1974;
    Zucht u. schöne Sitte, 1977. – Hg.: Neue Forschung, 1929-42;
    Zs. f. Dt. Bildung, 1936-38;
    Hartmann v. Aue, Gregorius, 1958, 41972;
    Kudrun, 1958;
    Hartmann v. Aue, Der arme Heinrich, 1959. – Teilnachlässe: Göttingen, Univ.archiv, Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. (Hss.abt.), Stadtarchiv.

  • Literatur

    Zs. f. Dt. Bildung 15, 1939, S. 97 f.;
    Ilse Neumann-Graul: F. N., Verz. wiss. Schrr. in Auswahl v. J 1914/20 bis z. J. 1963, o. J. (P);
    dies., F. N., Biographisches, zus.gestellt z. 50j. Doktorjubiläum v. 7.9.1964, o. J. (P);
    Ilse u. Peter Neumann, F. N., Bibliographisches. Aphoristisches, zus.gestellt z. 80. Geb.tag v. 2. März 1969, o. J.;
    dies., F. N., Bibliographisches, T. 3, 1969 bis Frühj. 1974, z. 85. Geb.tag am 2.3.1974, o. J.;
    U. Hunger, Germanistik zw. Geistesgesch. u. „völkischer Wiss.“, in: Die Univ. Göttingen unter d. NS, 1987, bes. S. 287 f. (P);
    Das Dt. Führerlex., 1934 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Ulrich Hunger
  • Empfohlene Zitierweise

    Hunger, Ulrich, "Neumann, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 148-149 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119331438.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA