Lebensdaten
1696 oder 1695 bis 1760
Geburtsort
Krangen (Pommern
Sterbeort
Magdeburg
Beruf/Funktion
preußischer Kriegsminister ; Staatsmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116247592 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Podewils, Heinrich Graf von

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Zitierweise

Podewils, Heinrich Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116247592.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Bogislav (1651–1718), auf Crangen u. a., S d. Adam (1617–97), auf Crangen u. a., brandenburg. Geh. Staatsrat. pomm. Reg.rat u. Kammerpräs., Schloßhptm. v. Hinterpommern, Domdechant v. Kolberg, u. d. Klara v. Zitzewitz-Varzin;
    M N. N: 1) 1721 Charlotte v. Grumbkow ( 1724), 2) Lieberose 1734 Sophia Henritte Freiin v. der Schulenburg ( 1750);
    1 S, 1 T aus 1) Sophie Friederike Albertine (1722–96, 1] Carl Joseph v. Dewitz, 1753, 2] Carl Fürst v. Kupferberg, 1717–90, Dipl., preuß. Großkanzler, s. NDB V), 4 S, 1 T aus 2);
    Urur-E Gottlieb Gf. v. Haeseler (1836–1919), preuß. GFM (s. NDB VII); Verwandte Clemens ( 1922, s. 2), Clemens ( 1978, s. 3).

  • Leben

    P. studierte Jura in Halle bei Thomasius, Ludwig und Boehmer sowie in Leyden bei Noodt und Gravesende. Nach seiner Kavalierstour trat er in den preuß. Staatsdienst ein und|wurde 1720 Geh. Kriegsrat im Generalkommissariat. Friedrich Wilhelm I. berief ihn 1723 als Geh. Finanzrat in das neue General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domänendirektorium. 1720 wurde P. in diplomatischer Mission an den Hof des Kf. Max Emanuel von Bayern und 1724 an den kurköln. Hof in Bonn entsandt. 1728 war er ständiger Gesandter in Kopenhagen, 1729 in Stockholm, seit 1730 als Nachfolger des Ministers v. Knyphausen neben Bernhard Adrian v. Borcke zweiter Chef des Kabinettsministeriums. Beim Regierungsantritt Friedrichs II. 1740 behielt dieser P. in seinen Diensten und teilte ihm sowie Christoph Gf. Schwerin bereits am 28.10.1740 in Rheinsberg seinen Entschluß mit, von Schlesien Besitz zu ergreifen. P. wurde beauftragt, den Überfall auf Schlesien juristisch zu legitimieren.

    Er neigte eher zu einer vorsichtigen Haltung und versuchte, das Temperament Friedrichs zu zügeln. Nach dem Sieg bei Mollwitz favorisierte er eine Vermittlung Englands, mußte dann aber doch nach dem Willen Friedrichs am 4.6.1741 ein Bündnis mit Frankreich abschließen. Nachdem P. wochenlang in Breslau mit dem engl. Vermittler Lord Hyndford verhandelt hatte, stimmte Maria Theresia nach dem preuß. Sieg bei Chotusitz 1742 einem Vergleich mit Friedrich zu. Mangels franz. Unterstützung von der Notwendigkeit eines Friedens überzeugt, ließ ihn Friedrich am 11.6. in Breslau in Präliminarien zu einem Friedensvertrag eintreten, den P. nach wenigen Stunden abschloß und der am 28.7.1742 in Berlin bestätigt wurde. Von den diplomatischen Aktivitäten, die am 5.6.1744 zu einer Offensivallianz zwischen Preußen und Frankreich sowie zur Kriegserklärung Ludwigs XV. an Österreich und England führte, blieb P. ausgeschlossen. Dennoch suchte Friedrich II., der ihn gelegentlich als eine „poule mouillée“ bezeichnete, seinen Rat und beauftragte ihn nach den Erfolgen von Hohenfriedberg und Soor mit Verhandlungen mit Österreich und Sachsen, die am 19.12.1744 zum Frieden von Dresden führten; dieser bildete den Höhepunkt von P.s Karriere. Als ihm Friedrich II. im Sommer 1756 seine Absicht eröffnete, einen Präventivschlag zu führen, da nach seinen Informationen für das folgende Frühjahr mit einem Angriff Österreichs und Rußlands zu rechnen sei, riet P. davon ab. Er befürchtete ein Auseinanderbrechen der Koalition mit Frankreich und Rußland und empfahl weitere Verhandlungen, um Zeit zu gewinnen. Friedrich II. verwarf diesen Vorschlag und stützte sich seit 1756 zunehmend auf den zweiten Kabinettsminister Karl Wilhelm Gf. Finck v. Finckenstein.

    P. war ein glänzender Stilist, präzise und gewissenhaft, der sich um jede Einzelheit kümmerte. Wie kein anderer hat er in der ersten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs II. das diplomatische Rüstzeug bereitgestellt.|

  • Auszeichnungen

    Schwarzer Adlerorden; Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss.

  • Literatur

    ADB 26;
    C. Denina. La Prusse littéraire sous Frédéric II, III, 1791;
    Preuß. Staatsschrr. aus d. Reg.zeit Friedrichs II, I-II. 1877-85;
    Pol. Corr. Friedrichs d. Gr., I ff., 1879 ff.;
    S. Isaacsohn, Gesch. d. preuß. Beamtentums, III, 1884;
    C. Grünhagen, Gesch. d. ersten Schles. Krieges, 2 Bde., 1881.

  • Autor/in

    Hans Wolfram von Hentig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hentig, Hans Wolfram von, "Podewils, Heinrich Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 556 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116247592.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Podewils: Graf Heinrich v. P., geboren am 3. October 1695. Als dieser Staatsmann 1760 starb, wußten die Nekrologe in der zeitgenössischen Presse nur die nackten Thatsachen beizubringen, daß er den Breslauer und den Dresdener Frieden unterzeichnet habe. Heute, wo ein überreiches Material zur Würdigung seiner amtlichen Thätigkeit an die Oeffentlichkeit gelangt ist, wo sein Name fast auf jeder Seite der „Politischen Correspondenz Friedrichs des Großen“ begegnet, kennen wir P. als einen der verdientesten Minister, welche Preußen gehabt hat, und als einen Charakter von seltener Hingebung, Selbstbescheidung, Lauterkeit und Liebenswürdigkeit. Freilich, er zählt nicht zu den schöpferischen Geistern, die dem Zeitalter ihren Stempel aufdrücken und in die Ferne wirken, noch auch nur zu denjenigen Staatsmännern, welche der Politik ihres Staates selbständig die Umgaben stellen, die Ziele weisen; wohl aber hat P. an der Seite eines gewaltigen Genius die Wege zu einem gesteckten Ziele zu finden und zu ebnen verstanden und in bewegtester und entscheidendster Zeit, bald mit größerem, bald mit geringerem Geschick für die diplomatische Inscenirung der politischen Actionen gesorgt; er hat die Schritte seines Souveräns nie gelenkt, aber nicht selten geregelt und im Gleise erhalten, ihr anfänglich so ungestümes Tempo mehr als einmal gemäßigt.

    P. begann seine Beamtenlaufbahn 1720 als Geheimer Kriegsrath im Generalcommissariat, der obersten Steuerbehörde, welcher sein Oheim und Schwiegervater, der vielgeltende General und Minister Friedrich Wilhelm v. Grumbkow vorgesetzt war. Schon 1722 empfahl der König in seinem Vermächtniß für den Kronprinzen P. auf den Fall von Grumbkow's Ableben zum Nachfolger im Vorsitz des Commissariats, „da er ziemliche Connoissance von den Affairen hat und ein verständiger Kerl ist; Ihr müßt ihm Vertrauen erweisen, so wird er gerade durchgehen.“ Als Friedrich Wilhelm I. das Jahr darauf das Generalcommissariat mit dem Generalfinanzdirectorium zu einem General-Ober-Finanz-Krieges- und Domänen-Directorium vereinigte, wurde P., wie die anderen Räthe des Commissariats, als Geh. Finanzrath der neuen Behörde zugewiesen, blieb derselben aber nicht lange erhalten. Nach zweimaliger vorübergehender Thätigkeit als Diplomat, im J. 1720, wo er an den Kurfürsten Max Emanuel von Baiern gesandt wurde, und 1724, wo er an dem erzbischöflichen Hofe zu Bonn unterhandelte, wurde ihm 1728 der ständige Gesandtschaftsposten zu Kopenhagen und 1729 der zu Stockholm übertragen. Das Jahr 1730 brachte seinem Oheim Grumbkow den heißersehnten Sieg über die politischen und persönlichen Gegner in der Umgebung des Königs. In die Katastrophe des Kronprinzen Friedrich verwickelt, der Sympathie für den englischen Hof verdächtig, wurde der Minister v. Cnyphausen seines Amtes entlassen und vom Hofe verwiesen; sein Nachfolger in dem Departement der auswärtigen Angelegenheiten oder Cabinetsministerium wurde P., als zweiter Chef dieser seit Ilgen's Tode (1728) collegialisch organisirten Behörde an der Seite des Generals Adrian Bernhard v. Borcke, welchem der König am 28. October seinen Entschluß mit den Worten mittheilte: „Weil Ich den bisherigen Geh. Finanzrath v. P. von aufgeweckten und munteren Kopfe und zu Affairen capabel befunden, so habe Ich solchen zum würklichen Etatsrath ernennet und will, daß er unter Euch arbeite und Ihr ihn bei publiquen Sachen und Affaires étrangères anziehen|sollet“. Wenn im nächsten Herbst noch ein dritter Minister des Auswärtigen, der bisherige erste Rath des Cabinetsministeriums v. Thulemeier, ernannt wurde, so hat P. den neuen Collegen anfänglich, wie es scheint, mit mißgünstigen Blicken betrachtet. Wie Grumbkow sah P., ohne daß er sich wie sein Oheim den Oesterreichern verkauft hätte, die Hauptaufgabe der preußischen Politik in der Pflege des in den Verträgen von 1726 und 1728 zum Ausdruck gelangten Einvernehmens zwischen seinem Hofe und dem Wiener, und wurde deshalb auch auf der kaiserlichen Gesandtschaft zu den Gutgesinnten gezählt, während Thulemeier dort als doppelzüngig, der alte Borcke aber als allzunachgiebig gegen jede Anwandlung des Königs galt. Als 1734 der schroffe Wechsel in der Haltung des kaiserlichen Hofes gegen Preußen eintrat, wandte sich auch einem Grumbkow die Gnadensonne ab, derselbe hieß in Wien jetzt ein Undankbarer, so sehr er und P. sich bemühten, Alles zwischen den beiden Höfen zum besten zu kehren. Das Mißtrauen, welches Friedrich Wilhelm I. zuletzt gegen Grumbkow ( 1739) zeigte, übertrug sich auf P. nicht; als der König zum Sterben kam, beschied er P. zu sich nach Potsdam, wo derselbe am 28. Mai 1740 Zeuge der denkwürdigen Ansprache wurde, in welcher der König seinem Sohne die politischen Interessen des Staates darlegte und welche P. dann zu Papier gebracht hat.

    Dem Minister Thulemeier war vorausgesagt worden, er würde einst die „politische Triebfeder“ der neuen Regierung sein. Als Th. jetzt bald nach Friedrich Wilhelm I. starb, betrachteten manche seinen Verlust als unersetzlich, „weil er ein sehr geschickter Mann und ein lebendiges Archiv war"; um so mehr überraschte es, daß die Stelle des Verstorbenen unbesetzt blieb, denn nun lag, da Borcke durch Alter und Krankheit dienstunfähig geworden war, die ganze Last der Geschäfte des Ministeriums auf P. In die Gesammtheit der politischen Verhandlungen aber wurde P. keineswegs eingeweiht; die Weisungen, welche die drei von Friedrich II. mit der Notification der Thronbesteigung nach Wien, Hannover und Versailles entsandten Obersten erhielten, blieben dem Minister unbekannt. P. mochte sich zu politischer Bedeutungslosigkeit, zu einer Handlangerthätigkeit verurtheilt glauben, da führte die große Kunde von dem Tode Kaiser Karls VI. die völlige Veränderung seiner bisherigen Stellung herbei. Der Minister wurde des Königs Vertrauter. Am 28. October eröffnete Friedrich zu Rheinsberg ihm und dem Feldmarschall Schwerin seinen Entschluß zur Besitznahme von Schlesien und verlangte Beider Rath für die Mittel und Wege zur Ausführung. Man erörterte die Alternative, von welcher Podewils' große Denkschrift über die Rheinsberger Verhandlung ausgeht: gewaltsame Eroberung im Anschluß an Frankreich, oder friedliche Erwerbung auf dem Wege der Verhandlung und unter der Vermittelung Englands. P. hat noch ein Drittes in Vorschlag gebracht: man warte ab, ob der Kurfürst von Sachsen in Böhmen oder in Schlesien einrückt; geschieht dies, so wird eine Besetzung von Schlesien durch Preußen zur Wahrnehmung des eigenen Interesse gerechtfertigt sein, und dann wird die Verhandlung über eine bereits besetzte Provinz ungleich größere Aussichten haben, als eine gewöhnliche Verhandlung. Ein Vorschlag, welcher, insofern er keine Initiative erheischte, dem innersten Wesen von P. entsprach. Man kann sagen, daß dieser Mangel an Initiative, die Scheu vor durchgreifenden Entschlüssen und vor dem Einlenken in ungewohnte Bahnen jeder Zeit die Rathschläge dieses Staatsmannes gekennzeichnet hat, der in einem in dem letzten Jahrzehnt in Berlin zusammengetretenen geselligen Club den Beinamen „der Fürsichtige“ führte und den ein französischer Diplomat nach fast zwanzigjähriger Bekanntschaft einen „Zitterer von Natur“ genannt hat. Gewiß war es eine günstige Fügung, daß just ein so gearteter Minister König Friedrich in seiner stürmischen Jugendperiode zur Seite stand, um das hellauflodernde Feuer mit|kaltem Strahl zu dämpfen und um mit einer Casuistik, die kein Wenn und kein Aber unberücksichtigt ließ, allzu sanguinischen Voraussetzungen seine Fragezeichen entgegenzuhalten. Nur daß bei einer Politik, die jeden Einsatz scheute, sich nichts gewinnen ließ. Und der junge König wollte viel gewinnen, mußte darum hoch einsetzen. Von Podewils' drittem Wege war nicht weiter die Rede, und jenes Bedenken, daß eine Verhandlung ohne Besitzergreifung wenig Erfolg verspreche, hob Friedrich dadurch, daß er sich für eine bewaffnete Unterhandlung, für die sofortige Besetzung des von ihm beanspruchten Landes entschied. Für die Einleitung und Durchführung des diplomatischen Feldzuges ließ er dem Minister ziemlich weiten Spielraum; er mag jetzt mit seiner „Charlatanerie“, denn so schilt der junge Feldherr wegwerfend das Diplomatenhandwerk, sein Meisterstück ablegen. „Adieu mein lieber Charlatan“, so schreibt er an P. aus dem schlesischen Feldlager (31. December 1740), „seid der geschickteste Charlatan der Welt, und ich Fortunas glücklichstes Schoßkind, und unsere Namen sollen nie in Vergessenheit gerathen.“ Nicht überall hat P. damals eine ganz glückliche Hand gezeigt. Der friedlichen Verständigung nicht durch gereizte Auseinandersetzungen in Wien Schwierigkeiten zu bereiten, geschah es, daß zunächst, in der von P. concipirten Instruction für den Gesandten v. Borcke, lediglich von dem Convenienzstandpunkte aus, im eignen Interesse des Wiener Hofes, die Abtretung von Schlesien gefordert und empfohlen wurde, während die beiden Punkte, welche der König selber scharf betonte, unberührt blieben: Die alten Rechtsansprüche auf große Theile von Schlesien und die Verletzung des Berliner Tractats von 1728 durch Karl VI., welche dem König von Preußen in Sachen der pragmatischen Sanction jetzt völlig freie Hand gab. Indem die unter Podewils' Aufsicht entstandenen und veröffentlichten preußischen Staatsschriften, die auf lange Zeit hinaus die einzige zugängliche Quelle für die Beurtheilung des damaligen Standpunktes Preußens blieben, über das Verhalten des Wiener Hofes gegen Preußen während des vorangegangenen Jahrzehnts schwiegen, konnte es geschehen, daß noch zu unserer Zeit die Meinung ausgesprochen wurde, Friedrich II. habe 1740 von den Vorgängen, die österreichischerseits den Bruch des Vertrages von 1728 involvirten, noch nichts gewußt.

    Nach der Abweisung der preußischen Anträge durch Maria Theresia war es fort und fort P., der den König zu bestimmen suchte, seine Sache auf die Vermittelung Englands zu stellen und sich den Lockungen der Franzosen zu versagen. Auch hatte der Minister die Freude, daß sein Gebieter, der Ende März auf die Nachricht von den gegen ihn gerichteten Allianzverhandlungen der Höfe von Wien, Dresden, London und Petersburg den Anschluß an Frankreich als unerläßlich und unaufschiebbar bezeichnet hatte, nach dem Siege von Mollwitz noch einmal die englische Vermittelung anrief, freilich ohne Podewils' Vertrauen auf dieselbe zu theilen. Der Ausgang der Verhandlung gab der Voraussicht des Königs Recht, und nun mußte P. schweren Herzens das Bündniß mit Frankreich unterzeichnen (5. Juni 1741). Wenn ein Brief des Königs aus den Tagen nach dem Abschluß in einer augenblicklichen Aufwallung einem Zweifel an der Zuverlässigkeit des Ministers Ausdruck gab, der seine Bedenken gegen den nunmehrigen Verbündeten vorher allerdings laut genug erhoben hatte, so durfte P. in einer würdig und bestimmt gehaltenen Antwort (17. Juni) solchen Verdacht weit von sich weisen. P. war in diesem Sommer in Breslau, während ihn in Berlin für die laufenden Geschäfte des Auswärtigen Amtes der inzwischen ernannte zweite Minister Caspar Wilhelm v. Borcke vertrat, von einer ganzen Schaar fremder Gesandter umgeben; schon träumte er von einem europäischen Congreß, der im nächsten Winter in der Hauptstadt Preußens und dann also unter seinem Vorsitz sich versammeln würde, um den allgemeinen Frieden herzustellen. Sehr schnell aber sah sich der König durch die Umstände auf Sonderverhandlungen hingewiesen. In der nicht ungegründeten Befürchtung, daß Frankreich seine vertragsmäßigen Verpflichtungen allzuleicht nehmen werde, ertheilte er dem Minister schon im Juli 1741 den Auftrag, für alle Fälle mit dem Vertreter Englands in Fühlung zu bleiben. Doch vollzog sich das Abkommen von Klein-Schnellendorf (9. October), das jenen so eigenartig verclausulirten Waffenstillstand festsetzte, ohne Podewils' Mitwirkung, ja die ganze Verhandlung blieb für ihn vorerst Geheimniß; ohne Zweifel würde der Minister, um seinen Rath gefragt, den König auf das Bedenkliche dieser Verhandlung hingewiesen haben. Nach dem Wiederbeginn der Feindseligkeiten folgte P. im Februar 1742 dem preußisch-sächsischen Heere nach Olmütz und empfing am 22. März 1742 zu Selowitz aus den Händen des Königs eine Instruction für neue Friedensverhandlungen, welche der nicht mehr hinwegzuleugnende Mißerfolg des mährischen Winterfeldzuges geboten erscheinen ließ. Obgleich nach seiner persönlichen Neigung und seiner politischen Grundanschauung mit seinem Auftrage sehr einverstanden, hielt er es doch für seine Pflicht, diesmal immer von neuem die Gründe, die für das Verharren in dem französischen Systeme sprachen, zur Geltung zu bringen. Wochenlang verhandelte P. zu Breslau mit dem englischen Vermittler, Lord Hyndford; aber erst der Tag von Chotusitz überwand die Abneigung Maria Theresia's gegen den Vergleich mit Preußen, während ihrem Gegner der letzte Zweifel, ob er nach seinem Siege den Kampf fortsetzen solle oder nicht, durch die klägliche Kriegführung der Franzosen abgeschnitten wurde: am 9. Juni sandte er an P. den gemessenen Befehl, den Frieden binnen vierundzwanzig Stunden abzuschließen und P. kam der Weisung am 12. Juni pünktlich nach.

    Für die Politik der mittleren Linie, die der König jetzt einhalten zu können glaubte, war P. eben der geeignete Mann. Verdrießlich überzeugte sich der englische Gesandte, daß er für sein Bestreben, Preußen zu Gunsten Oesterreichs und Englands aus seiner Neutralität herauszuziehen, bei P. keine Unterstützung fand und daß die Guineen, die er sich nach dem Brauche jener Zeit behufs einer Einwirkung auf den Minister aus London schicken ließ, nicht an den Mann zu bringen waren. Gleichwohl war der König noch geneigt, P. „unbegreifliche Vorliebe für diese infamen Engländer“ vorzuwerfen, und ob der Langmuth mit der P. die Herausforderungen der Höfe von Wien und London gegen das Kaiserthum Karls VII. ansah, schalt ihn Friedrich mehr als einmal eine „poule mouillée“ und zürnte: „Sie haben diese schöne Bedachtsamkeit von Ilgen furchtsamen Angedenkens geerbt“. So blieb denn auch P. von der folgenschweren diplomatischen Action des Frühjahres 1744 ausgeschlossen. Er hatte die Befürchtungen für die Sicherheit der schlesischen Erwerbung, die dem König anläßlich des Wormser Vertrages zwischen Oesterreich, England und Sardinien aufstiegen, nicht theilen wollen; der König würdigte seine Argumente einer eingehenden schriftlichen Widerlegung, theilte ihm dieselbe aber erst mit (1. Juli 1744), als das Schutz- und Trutzbündniß mit Frankreich unterzeichnet und als schon das Manifest unter der Feder war, welches die Schilderhebung für Karl VII., den Einmarsch der Preußen in Böhmen, verkündigen sollte.

    Der unglückliche Ausgang des böhmischen Feldzuges von 1744 ließ den Minister an dem Schicksal des Staates fast verzweifeln. Der König zeigte ihm jetzt rückhaltloses Vertrauen und überlegte jeden einzelnen politischen Schritt mit ihm. Man rief die Vermittelung Englands, die Vermittelung Rußlands an. Beide Höfe lehnten ab. Schon war der König in das Feldlager zurückgekehrt (März 1745); seine Briefe an P., das schönste Zeugniß für das persönliche Verhältniß zwischen beiden, setzten in ihrer heroischen Entschlossenheit den Empfänger immer mehr in Schrecken. P. warnte, Alles auf eine Karte zu setzen, die Entscheidung einer Hauptschlacht zu suchen, denn nicht bloß Schlesien, sondern der beste Theil des alten preußischen Besitzes stehe schon auf dem Spiele; von Land und Thron vertrieben, werde der König verwegene Entschlüsse zu spät bereuen. „Ihr denkt als sehr ehrenwerther Mann", antwortete Friedrich (27. April), „und wenn ich Podewils wäre, würde ich eben so denken.“ Er rieth dem getreuen Eckart, ein ebenso guter Philosoph zu werden, als er guter Politiker sei. „Stärkt Euren Muth, mein lieber Podewils, und gebt den andern davon und wenn ein Unglück eintritt, davon ich sicherlich am meisten leiden werde, dann tragt es mit Hochherzigkeit und Muth; das ist alles, was Cato und ich euch sagen können“ (29. April). Schärfere Accente schlugen Friedrichs Briefe an, als P. auch nach dem Tage von Hohenfriedberg immer noch nur schwarz sah: „Es thut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, daß ich keine größere Poule mouillée kenne"; solche Furchtsamkeit sei „gar nicht erlaubt“ (12. August). Der Ungläubigkeit, welche P. im November, nach der Schlacht bei Soor und dem Schluß des böhmisch-schlesischen Feldzuges, der Nachricht von dem Plan der Oesterreicher und Sachsen zu einem Einfall in die Mark entgegensetzte, gilt die beißende Bemerkung in Friedrichs Memoiren: „Er glaubte, daß alle Welt so furchtsam wie er selbst sei, und traute Brühl einen so kühnen Anschlag nicht zu“. Am 19. December traf P. in der Tags zuvor von den Preußen besetzten sächsischen Hauptstadt ein; es war der Glanzpunkt seiner Diplomatenlaufbahn, als die Gesandten der Besiegten von Kesselsdorf bei ihm erschienen, um die Friedensbedingungen zu erfahren. Am ersten Weihnachtstage zu Mittag war der Doppelfriede unterzeichnet.

    In dem nun folgenden Friedensjahrzehnt wurde die Correspondenz, die der König aus seinem Cabinet mit den Gesandtschaften führte und dem Ministerium nur ausnahmsweise zur Kenntniß gab, immer ausgedehnter und regelmäßiger. Doch hat Friedrich sehr häufig vor wichtigen Entscheidungen das Gutachten von P. eingeholt und in verwickelten Fällen gern auch dessen mündlichen Vortrag entgegengenommen; insonderheit für die Fragen der Reichspolitik, für die er weder Interesse noch Verständniß zu haben erklärte, verließ er sich im Wesentlichen auf P. Freilich überwachte er auch für den Theil der Geschäfte, der dem Ministerium zufiel, die Ausführung bis ins Einzelne, und als P. einmal, gegen seine sonstige Behutsamkeit, bei der Abfassung einer Note sich nicht ganz im Rahmen der Anweisung des Königs gehalten hatte, traf ihn die strenge Rüge: „Worte ändern oder einen neuen Sinn hineinbringen, sind sehr verschiedene Dinge, die ich Sie ernstlich auseinanderzuhalten bitte, wenn Sie wollen daß wir Freunde bleiben“ (1. November 1750). Und bereits bei einer früheren Gelegenheit hatte sich der Minister die Zurechtweisung gefallen lassen müssen: „Wenn ich nach Ihrer Ansicht über eine Sache frage, so wird es Ihnen gestattet sein, sie frei zu äußern; aber ohne das werden Sie immer gut thun, das was ich Ihnen befehle, buchstäblich auszuführen“ (5. November 1746). Auf der anderen Seite erfreute ihn der König, der ihm schon 1741 bei der Huldigung von Niederschlesien den Grafentitel verliehen und 1745 das Gehalt beträchtlich erhöht hatte, fort und fort durch Gunstbeweise und durch huldvolle Antheilnahme an seinen persönlichen Geschicken, so 1748 und 1749 während wiederholter Erkrankungen des Ministers und 1750 bei dem Tode seiner zweiten Gemahlin, einer geborenen Gräfin Schulenburg-Lieberose. Im Juli 1754 leistete P. dem Könige auf eine schmeichelhafte Einladung vierzehn Tage lang in Sanssouci Gesellschaft. Das dem „arbeitsamen Freund“, „deß friedeselger Geist der Barke unsres Staats die Bahn und Richtung weist“ gewidmete poetische Sendschreiben aus dem December 1749 (OEuvres 10, 153) zieht eine dem Empfänger sehr vortheilhafte Parallele zwischen ihm und den Brühl und Bestuschew und verheißt ihm einen Platz in der Unsterblichkeit zwischen „den schaffenden Geistern, den Schriftstellern, Königen und Kriegern“. Ein Auszeichnung, auf die P. stolz sein durfte, war es auch, daß ihn Friedrich im April 1746 aufforderte, sich ein Stück aus der in Arbeit befindlichen Histoire de mon temps von dem Verfasser „nach der Gepflogenheit schlechter Schriftsteller“ vorlesen zu lassen: „um Sie zu amüsieren oder vielmehr zu ennuyiren“. Bei der Sammlung und Zurüstung des archivalischen Materials zu Friedrich's historischen Arbeiten hat sich P. sehr verdient gemacht, indem er, unterstützt durch den Legationsrath v. Hertzberg, dem königlichen Schriftsteller umfangreiche Auszüge und Ausarbeitungen lieferte, an welche die Darstellung nachher sich zum Theil eng anschloß. Hier wie überall bewährte sich die große Schreibfertigkeit des Ministers, die staunenswerthe Leichtigkeit seiner Production. Von den Berichten des Ministeriums an den König, von den Erlassen an die Gesandten, den Noten an die fremden Regierungen entwarf er einen sehr beträchtlichen Theil eigenhändig bis in das Detail; für den Theil aber, dessen Bearbeitung er seinen Räthen überließ, pflegte er entweder sehr eingehende, oft ganze Bogen füllende „Ingredienzien“, wie sein Ausdruck ist, zu Papier zu bringen, die dann fast nur noch stilistisch zu überarbeiten waren, oder er gab auf winzigen Zetteln kurze, aber die wesentlichen Gesichtspunkte klar und scharf hervorhebende Anweisungen. In jedem Falle unterwarf er die Concepte seiner Mitarbeiter einer aufmerksamen, mitunter sehr eingehenden Revision. Sein französischer Stil zeigt nicht selten störende Härten, der Mangel straffer Concinnität macht seine langen Perioden oft undurchsichtig, aber andererseits sind seine Darlegungen meist höchst anziehend durch überraschende Wendungen und ihre drastische, häufig sehr gelungene Ausdrucksweise, ja, wo es galt, durch gesunden und leichten Witz, der auf das Sprühfeuer der eigenhändigen Briefe des Königs einzugehen verstand. Von seiner unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit mag es eine Vorstellung geben, daß er in den Decembertagen von 1740, als wahrlich sein Tagewerk kein kleines war, noch Zeit erübrigte, demjenigen seiner Räthe, der die französische Uebertragung der umfangreichen Deduction der preußischen Ansprüche auf Schlesien in Angriff genommen hatte, diese Arbeit zur Hälfte abzunehmen: dem ihm zur Begutachtung vorgelegten Anfange des Manuscriptes fügte er zur großen Ueberraschung des ersten Uebersetzers flugs die Schlußcapitel hinzu. Für die deutschen Ausfertigungen hielt P. bei seinen Untergebenen, den guten Ueberlieferungen der Berliner Staatskanzlei entsprechend, auf Reinheit des Ausdrucks und Bündigkeit des Satzbaues; als einst der König für einen bestimmten Zweck eine diplomatische Note vage und obscur, „in dem wienerischen Reichsstylo“ abgefaßt wünschte, da haben sich die, wie P. rühmt, an einen kurzen, präcisen, nachdrücklichen Stil gewöhnten Beamten des Ministeriums vergeblich abgemüht, bis der Minister selbst die Feder ergriff und nun in einem monströsen Gallimathias (Polit. Corresp. Friedrichs d. Gr. 11, 362) den „österreichischen Stylus“ so täuschend nachzuahmen vermochte, daß der Auftraggeber voll zufrieden war. Als Vorgesetzter war P. auch gegen den geringsten Kanzlisten von gewinnender Urbanität, und der Freimuth, mit dem er bei Gelegenheit sich eines der Kanzleisecretäre gegen einen ungegründeten Verdacht des Königs angenommen hat, wird ihnen Allen in dankbarer Erinnerung geblieben sein. Das rühmten auch solche Mitglieder des diplomatischen Corps, die ihn sonst recht abfällig beurtheilten, ihm nach: daß er Jedermann einen leichten Zutritt bei sich verstatte, niemalen mit Verdrossenheit oder Ungeduld einen Vortrag anhöre, solchen geschwinde und ohnmangelhaft begreise und einnehme, auch treulich befördere und weiter ausrichte. Fügen wir hinzu, daß P. im mündlichen diplomatischen Verkehr ein Meister der Kunst,|mit vielen Worten nichts zu sagen, war und auch durch diese' Eigenschaft seinem Gebieter, der selber der persönlichen Berührung mit den fremden Ministern thunlichst aus dem Wege ging, von unschätzbarem Werthe wurde.

    „Graf P. ist von einer Rechtschaffenheit, die jede Probe verträgt. Er behandelt die Geschäfte schlichtweg und mit Einfachheit. Obgleich er das Vertrauen des Königs von Preußen besitzt, hat er doch wenig Einfluß und wird sogar oft von diesem Fürsten über viele Dinge in täuschender Unkenntniß gelassen. Er ist ganz davon überzeugt, daß das System des Einvernehmens mit dem König von Frankreich das allein dem Ruhm und dem Vortheil seines Königs zuträgliche ist. Er ist außerordentlich furchtsam, wenn es gilt, Sr. Preuß. Maj. Dinge, welche Sie zu ihrem Nachtheil gethan hat, vorzustellen. Durchgreifende Entwürfe erschrecken ihn, und er zittert bei dem bloßen Worte Krieg“. So wurde der preußische Staatsmann, auf Grund der übereinstimmenden Berichte der bisherigen Vertreter Frankreichs in Berlin, dem 1756 dort hin abgehenden Herzog von Nivernois in seiner Instruction geschildert. „Bei dem bloßen Worte Krieg zitternd“, hat P. den entscheidenden Entschluß seines Königs in diesem Jahre 1756, wie so Viele damals in dessen Umgebung, nicht gebilligt. Hören wir seinen eignen Bericht an den ihm seit langen Jahren durch gemeinsame Arbeit, gemeinsame Sorgen und persönliche Freundschaft nahe gerückten königlichen Cabinetssecretär, den Geheimrath Eichel, über die denkwürdige Audienz, die er am 21. Juli in Sanssouci erhielt. Friedrich eröffnete ihm, daß er seinen sicheren Nachrichten zu Folge für das nächste Frühjahr den Angriff der beiden Kaiserhöfe zu gewärtigen habe und deshalb jetzt sofort zur Abwehr schreiten müsse, falls man ihm in Wien auf die dort gestellte Anfrage (denn von der Antwort auf dieselbe machte Friedrich, was noch jüngst ungerechtfertigter Weise in Zweifel gezogen werden wollte, seinen Entschluß abhängig) nicht Bürgschaften für seine Sicherheit gebe. Des Ministers Gegengründe liefen darauf hinaus, den Wiener Hof jetzt angreifen, das heiße Frankreich und Rußland gleichsam an die Mauer drücken, sie zum Bruche zwingen; er meinte, man müsse das „beneficium temporis“, die Frist von zehn Monaten bis zur nächstjährigen „Operationssaison“ benutzen, um durch Verhandlungen die augenblickliche Lage zu bessern. „Allein alles dieses“, so klagt er, „wurde gänzlich verworfen, vor einen Effect von gar zu großer Timidité gehalten, und ich zuletzt ziemlich sèchement mit denen Worten congediiret: Adieu, Monsieur de la timide politique.“ Wir wissen heute, daß Friedrichs Nachrichten über den ihm für 1757 drohenden Ueberfall durchaus zutreffende waren und daß sein kühner Entschluß, dem Angriff der Feinde zuvorzukommen, ihm zur rettenden That wurde.

    Podewils' politische Rolle war jetzt ausgespielt. Alle wichtigeren amtlichen Weisungen, die der König seit Beginn des Krieges nach Berlin ergehen ließ, sind regelmäßig an den zweiten Cabinetsminister, den Grafen Finckenstein, den Nachfolger der Minister C. W. v. Borcke ( 1747) und Axel v. Mardefeld ( 1749) gerichtet. Ohne Frage hat Friedrich demselben ein größeres Maß politischer Spannkraft zugetraut; dazu mag Podewils' Alter, seine zunehmende Kränklichkeit in Betracht gekommen sein. Auch die berühmte geheime Instruction, die der König am 10. Januar 1757 für den Fall seines Todes vollzog, wurde nebst einer Art dictatorischer Vollmacht für den Fall eines feindlichen Angriffs aus die Hauptstadt in Finckenstein's Hände gelegt und den treuen, rücksichtsvollen Eichel beschlich ein peinliches Gefühl, wenn er an die Kränkung dachte, welche im gegebenen Augenblicke die Vorweisung dieser Vollmacht durch den jüngeren Collegen dem alten verdienten P. bereiten würde. Im März 1758 schien ein unerwarteter Schlaganfall den Vierundsechzigjährigen der Sprache berauben zu wollen, die sich aber schnell wieder einfand. „Des Königs Maj.“,|versichert Eichel dem Grafen Finckenstein, „seind gewiß von diesem so ganz ohnvermutheten Zufall recht sehr gerühret gewesen und haben alles Dero Mitleiden darüber bezeuget"; Friedrich sandte dem Genesenden einen Brief, in welchem er ihn bat, ohne Rücksicht auf seine Amtsobliegenheiten seiner Gesundheit zu warten. Die kurze Spanne Zeit, die ihm noch zu leben beschieden war, wurde ihm verdunkelt durch die immer stärkeren Unglücksschläge, die den Staat, dessen Grüße er hatte ausbauen helfen, zermalmen zu müssen schienen. In Magdeburg, wohin der Hof und die Behörden geflüchtet waren, ist P. in den bangen Tagen vor der Liegnitzer Schlacht, da Friedrich selbst an dem Schicksal Preußens verzweifeln wollte, gestorben (29. Juli 1760). Der König, der die Trauernachlicht am 1. August, im Begriff, aus Sachsen abzumarschiren, erhielt, schrieb an Finckenstein: „Ich bedaure sehr den armen Grafen Podewils. Er war ein Ehrenmann und ein guter Staatsbürger; aber inmitten aller der Verluste, die uns treffen, wird man, wie es scheint, unempfindlich gegen Alles.“ Tags darauf beklagte er in einem zweiten Briefe nochmals „den Minister, dessen Hingebung und Eifer für meine Interessen beständig meinem Andenken empfohlen bleiben werden; der Verlust, der mich in der Person eines so würdigen und treuen Dieners trifft, wird mir stets eine traurige Erinnerung sein“.

    • Literatur

      Polit. Correspondenz Friedrichs des Großen. Bd. I ff. — Miscellaneen zur Geschichte Friedrichs d. Gr. (Berlin 1878). —
      Preußische Staatsschriften aus der Regierungszeit Friedrichs d. Gr. Bd. I. II. —
      Neue Genealogischhist. Nachrichten, Theil XII, S. 424. — Journal secret du baron de Seckendorff.
      Isaacsohn, Gesch. des preußischen Beamtenthums, Bd. III. —
      Droysen, Gesch. der preuß. Pol. Theil IV, Abth. 3; Theil V, Abth. 1—4. —
      Ranke, Zwölf Bücher preuß. Gesch. — Grünhagen, Gesch. des ersten schles. Krieges. Dazu handschriftliches Material aus den Archiven zu Berlin und Paris.

  • Autor/in

    Koser.
  • Empfohlene Zitierweise

    Koser, "Podewils, Heinrich Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 344-351 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116247592.html#adbcontent

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