Lebensdaten
1847 bis 1922
Geburtsort
Teplitz-Schönau (Böhmen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
photographischer Verfahrenstechniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116092726 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Perutz, Otto

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Zitierweise

Perutz, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116092726.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1824–99), Bergwerksbes., Inh. d. Fa. Beer, Perutz & Söhne, Abg. d. Böhm. LT;
    M N. N.

  • Leben

    P. studierte Chemie an der TH Dresden, wobei sein Interesse auf den starken Aufschwung der Photographie gelenkt wurde, u. a. durch das erste deutschsprachige Lehrbuch der Photographie des Wiener Physikers Anton Martin. Für das „Phototypische Institut“ des Dresdner Photographen Hermann Krone (1827–1916), der noch mit Daguerrotypien arbeitete, fertigte P. 1871 Bromsilber-Gelatine-Trockenplatten. In Zürich diplomierte er mit einem photochemischen Thema. In der Absicht, weiter auf diesem Gebiet tätig zu sein, kam P. 1875 nach München, mußte jedoch 1877 eine Stellung bei der Bayer AG für Chemie und agrarchemische Produkte annehmen. Sein Vorhaben, sich mit der Herstellung von Photomaterial selbständig zu machen, verwirklichte er 1880 durch den Kauf der „Chemischen und pharmaceutischen Produktenhandlung Dr. F. Schnitzer u. Co.“ in München, die auch Photoartikel (wie Glasplatten, Collodium und Kaliumjodid) führte. Mit der Fabrikation eigener Photoplatten gehörte P. zu den Begründern des Handels mit Photomaterial, wodurch die Entwicklung der Amateurphotographie erst möglich wurde. Einen ersten Erfolg konnte er 1882 mit der orthochromatischen Eosin-Platte zur Sensibilisierung von Gelatine-Emulsionen des Münchener Trockenplatten-Fabrikanten Johann Baptist Obernetter (1840–87) erzielen, deren fabrikmäßige Herstellung ihm 1887 gelang. Diese Platte wurde 70 Jahre geliefert und konnte neben Blau auch Grün und Gelb tonrichtig wiedergeben. 1888 fertigte P. direkt kopierende Chlorsilber-Emulsionsplatten für „Laternenbilder“. 1893 produzierte er Chlorbromsilber-Platten für kürzere Entwicklungszeiten. Bereits 1872 hatte Hermann Wilhelm Vogel (1834–98) entdeckt, daß Farbstoffzusätze auf einer Platte deren Farb-Lichtempfindlichkeit steigern können. Daraufhin entwickelte P. die Silbereosin-Trockenplatte nach Vogel/Obernetter, die seit 1887 bei den Photographen großen Anklang fand. Aufbauend auf Obernetters Photopapieren von 1883-85 stellte P. auch Planfilme her. 1897 kaufte der Unternehmer Friedrich Engelhorn (1866–1911) die Firma „Perutz“, und P. schied aus dem Unternehmen aus.

    Besondere Tragweite für die Photographie erhielt 1901 die „Perchromo-Platte“ nach Adolf Miethe (1862–1927) und Arthur Traube (1878–1948), die 1903 patentiert wurde (DRP 142 926). Die Fa. „Perutz“ verstand es, die neuesten Erfindungen zu nutzen. 1904 stellte Traube die ersten mit Äthylrot sensibilisierten panchromatischen Platten her. 1910 übernahm Ernst v. Oven (1872–1941) die Geschäftsleitung und modernisierte den Betrieb durch die Trennung von Fertigung und Entwicklung. 1914 entwickelte „Perutz“ feinkörnige Schichten auf den Platten und schuf damit die „Flieger-Platte“, den ersten echten Feinkornfilm als Spezialität für die Leica und verhalf dadurch der Kleinbild-Kamera und dem Rollfilm zum Durchbruch. 1919 wurde in München ein neues Werk eröffnet. 1924-54 war Curt G. Engelhorn (1888–1964) Mitinhaber und Leiter der Firma; die Unternehmerfamilie Engelhorn war u. a. Großgesellschafter der Fa. Boehringer-Mannheim, unter deren Dach die Fa. Perutz später kam. 1936 wurde in Zusammenarbeit mit Siemens & Halske in Berlin der erste deutsche Kino-Farbfilm aufgeführt.

  • Literatur

    G. Leimbach, Zur Gesch. d. Phot., in: Btrr. z. Gesch. d. Technik u. Ind., II, 1910, S. 294-329;
    H. Beck, Die orthochromat. Platte u. ihre Verwendung mit bes. Berücks. d. Perutz-Fabrikate. in: Perutz-Lit., H. 1.1917;
    G. Eisenecker, Die Aufnahme- u. Entwicklungstechnik in d. Röntgenographie, ebd., H. 2, 1917;
    J. M. Eder, Gesch d. Phot., 2 Bde., 1930/32;
    P. u. d. neue Farbfilm, in: Perutz-Mitt. 21, 1936, S. 99-109;
    E. Stenger, Denkschr. z. 75j. Perutz-Jubiläum 1880-1955, 1955;
    C. Gf. v. Klinckowstrom, Gesch. d. Technik, 1959, S. 378 ff.;
    W. Baier, Gesch. d. Phot., 21980;
    U. Tillmanns, Gesch. d. Phot., 1981.

  • Autor/in

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Perutz, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 208 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116092726.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA