Lebensdaten
1812 bis 1882
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
Photograph ; Bibliothekar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137361718 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Martin, Anton
  • Martin, A.
  • Martin, Anton Georg C.

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Martin, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137361718.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Wiener Beamtenfam.;
    V Ignaz, kaiserl. Hofballmeister;
    M Theresia Herbert;
    N. N.; 1 Adoptiv-T.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium der Piaristen in seiner Heimatstadt und studierte Physik am Wiener Polytechnischen Institut. 1836-39 war er Assistent bei seinem Lehrer Joh. Philipp Neumann; zu seinen Aufgaben gehörte es, sich um den Aufbau der Bibliothek zu kümmern. Als 1839 die Erfindung Daguerres bekannt wurde, begann M. auf Veranlassung von Andreas v. Ettinghausen und loh. Joseph Prechtl, dem Direktor des Polytechnischen Instituts, ähnliche Versuche anzustellen. Um ihn und Karl Schuh bildete sich die „Fürstenhofrunde“, ein Diskussionszirkel, dem u. a. Ettinghausen, Joseph Petzval, Joseph Berres, Franz Kratochwilla, Joh. und Josef Natterer, Frdr. Voigtländer und Erwin Waidele angehörten. Diese Diskussionsrunde, die bis 1848 bestand, bildete den Nährboden für den Aufschwung der Photographie in Österreich. Der Optiker Wenzel Prokesch konstruierte eine kleine Camera obscura (etwa in der Form der späteren Stereoskopkästen), mit der M. versuchte, Gebäude aufzunehmen. Im Sommer 1840 glückten ihm Porträts mit einem Objektiv, das auf Anregung Ettinghausens von Petzval berechnet und von Voigtländer hergestellt worden war. Mit einem Empfehlungsschreiben Metternichs begab er sich 1840/41 als fahrender Daguerreotypist auf eine Reise über Karlsbad nach Dresden, wo er u. a. Porträts des Königs Friedrich August II. anfertigte.

    Seit Herbst 1841 wieder in Wien, widmete sich M. bevorzugt der wissenschaftlichen Erforschung der Photographie und der Galvanoplastik, wobei er frühzeitig in der Photographie auf Papier (in der Nachfolge Talbots) die zukunftsweisende Lösung erkannte. 1842 wurde er Kustos der Bibliothek des Polytechnischen Instituts und Nachfolger Neumanns auf der Lehrkanzel für Physik. Im gleichen Jahr wurde er o. Mitglied des Niederösterr. Gewerbevereins, ein Jahr später Komiteemitglied und stellvertretender Sekretär der Abteilung für Physik. Nun trat M. auch in die Redaktion des „Allgemeinen Wiener polytechnischen Journals“ ein, das sein Freund Wilhelm Schwarz, der nachmalige Frhr. v. Schwarz-Senborn und Generaldirektor der Wiener Weltausstellung 1873, initiiert hatte. 1849-54 leitete er die Redaktion.

    M.s größtes Verdienst war es, erstmals im deutschen Sprachraum die damals bekannten Verfahren der Papier-Photographie in einem detaillierten Kompendium zusammengestellt und erklärt zu haben. 1846 erschien sein „Repertorium der Photographie, Vollständige Anleitung zur Photographie auf Papier“. M. führt 35 verschiedene Verfahren|auf und beschreibt seine eigenen Erfahrungen. Eine Kurzübersicht über die einzelnen Schritte soll die praktische Anwendung erleichtern.

    Da offensichtlich eine Nachfrage auch hinsichtlich der Daguerreotypieverfahren bestand, veröffentlichte M. 1848 eine „Literatur der Photographie auf Metall“ und eine „Vollständige Anleitung zur Photographie auf Metall nebst den neuesten Fortschritten der Photographie auf Papier“; in letzterer Publikation behandelt er vor allem die Methode Blanquart-Evrards ausführlich. Nachdem das „Repertorium“ außerordentlich großen Anklang gefunden hatte, erschien 1851 eine zweite, von 134 auf 370 Seiten erweiterte Auflage unter dem Titel „Handbuch der Photographie oder vollständige Anleitung zur Erzeugung von Lichtbildern auf Metall, Papier und auf Glas, Daguerreotypie, Talbotypie, Niepcetypie“. M. führt hier den Leser von den einzelnen Chemikalien über die Zubereitung bis zur Kolorierung der Bilder und referiert die verschiedenen Verfahren (meist in alphabetischer Reihenfolge der Erfinder). Außerdem geht er auf die Stellung der Photographie zwischen Wissenschaft, Kunst und Kommerz ein. In der 4. Auflage von 1854 (Handbuch der gesamten Photographie) widmet er dem neuen Kollodium-Verfahren große Aufmerksamkeit. In der 6. Auflage (1865) präsentiert M. auf über 500 Seiten vollends die Ergebnisse seiner Forschungen: „Handbuch der gesamten Photographie, mit bes. Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur Wissenschaft, zur Kunst und zum Gesetz. Sechste, vollständig neu bearb. Auflage, enthaltend: Die neuesten photographischen Methoden, die Email- und Porzellanbilder-Fabrikation, die Mikrotypie, die Vergrößerungs-Photographie, Stereoskopie, Phototypie, Photolithographie und die Uransalzbilder oder die Wothlytypie“. Nachdrücklich fordert M. eine gesetzliche Regelung, um die Photographie vor unberechtigter Vervielfältigung zu schützen; eine entsprechende Petition richtete er auch an das Parlament.

    Am 22.3.1861 kam es in den Räumen der Akademie der Wissenschaften zur Konstituierung der „Photographischen Gesellschaft in Wien“, der ersten dieser Art im deutschsprachigen Raum. M. wurde zum Präsidenten gewählt, Franz Lukas zum Sekretär. Vereinsorgan wurde die von Karl Kreutzer herausgegebene „Zeitschrift für Fotografie und Stereoskopie“ (8 Bde., 1860–64), 1864 die von Ludwig Schrank in Zusammenarbeit mit der Firma Oskar Kramer herausgegebene „Photographische Correspondenz“. Enormes Aufsehen und Interesse erregte die am 17.5.1864 von M. und Lukas im Dreherschen Palais am Opernring eröffnete erste photographische Ausstellung in Wien. – Nach Abschluß der Weltausstellung 1873, an der sich M. ebenfalls beteiligt hatte, wurde er mit dem Titel eines kaiserl. Rats ausgezeichnet, nach seiner Versetzung in den Ruhestand 1881 mit dem eines Regierungsrats. Ein nervöses Leiden und die Gicht schränkten M.s Forschungstätigkeit immer mehr ein. Er verstarb während eines Kuraufenthalts in Baden. Seinem Willen entsprechend wurde sein wissenschaftlicher Nachlaß nach seinem Tode vernichtet.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hdb. üb. Emailphot. u. Phototypie, 1867;
    zahlr. Aufsätze u. a. in: SB d. kaiserl. Ak. d. Wiss. 1, 1848, 4 u. 5, 1850;
    Zs. f. Fotografie u. Stereoskopie, 1860-64;
    Photograph. Correspondenz, 1864 ff.;
    Phot., in: W. Exner (Hrsg.), Btrr. z. Gesch. d. Gewerbe u. Erfindungen Österreichs v. d. Mitte d. 18. Jh. bis z. Gegenwart, 1873, S. 512-30.

  • Literatur

    F. Lukas, Erste photograph. Ausst. in Wien, 1864 (Katalog);
    ders., in: Photograph. Notizen, 1882;
    Alexander Bauer, A. M., Der Verf. d. ersten dt. Lehrbuches d. Phot., 1921;
    J. M. Eder, Der Fürstenhof in Wien u. s. Bedeutung f. d. älteste Gesch. d. Photographie, in: Photograph. Korr. v. März 1936. Beil.;
    J. Daimer, Österreichs Anteil an d. Entwicklung d. Lichtbildwesens, in: Bll. f. Gesch. d. Technik, H. 4, 1938;
    E. Stenger, Der Siegeszug d. Phot. in Kultur, Wissenschaft u. Technik, 1950;
    A. Grabner, Der Anteil Österreichs an d. Entwicklung d. Phot., in: Allg. Photograph. Ztg., Sonderbd. 1962;
    Festschr. 150 J. TH in Wien 1815-1965, 1965;
    J. Kriechbaum, Lex. d. Fotografen, 1981;
    Gesch. d. Fotografie in Österreich, 2 Bde., Ausst.kat Bad Ischl 1983;
    F. Hebestreit, in: Silber u. Salz, Zur Frühzeit d. Phot. im dt. Sprachraum 1839-1860, hrsg. v. B v. Dewitz u. R. Matz, 1989, S. 142-66 (P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Martin, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 283 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137361718.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA