Lebensdaten
1849 bis 1908
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Genf-Grand Lancy
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11600987X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frapan, Ilse (Pseudonym)
  • Frapan-Akunian, Ilse (Pseudonym, seit 1901)
  • Levien, Elise Therese
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Zitierweise

Levien, Elise Therese, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11600987X.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Heinrich Eduard (1812–87), Instrumentenmacher, später Pianofortefabr., S d. Joh. Heinrich in Strasburg (Uckermark) u. d. Friederike Karow;
    M Maria Therese Antoinette (1826–1908), T d. Werkmeisters Joh. Gottlob Gentzsch aus Medewitzsch b. Leipzig u. d. Anna Elisabeth Hinrica Dreyer aus H.; ledig.

  • Leben

    L. ergriff zunächst den Beruf der Lehrerin und verfaßte nebenher Gedichte und kleinere Erzählungen, entschloß sich aber, von|Theodor Storm, Wilhelm Raabe und Friedrich Theodor Vischer zum Schreiben ermutigt, 34jährig, ihren Beruf aufzugeben und zusammen mit ihrer Freundin, der aus Rußland stammenden Malerin Emma (eigtl. Esther) Mandelbaum (1858–1908), in Stuttgart bei Vischer Vorlesungen zu hören. Währenddessen schrieb sie Rezensionen und übersetzte aus dem Englischen und Russischen. Nach Vischers Tod ging sie nach München zu Paul Heyse, der sie bei der Veröffentlichung ihrer Werke unterstützte. Als realistische Erzählerin schilderte sie das Leben der Hamburger Kleinbürger, in späteren Arbeiten – durch ihren langen Aufenthalt in Süddeutschland bedingt – auch das schwäb. und bayer. Bürger- und Bauernmilieu. Eine Wende in ihrem Leben und Werk brachte ihr Entschluß, nach 2jährigem Aufenthalt in Hamburg mit 43 Jahren ein naturwissenschaftliches Studium in Zürich zu beginnen. Dort kam sie in Kontakt zur Frauenbewegung, zum Naturalismus und zum Sozialismus. Zur Frauenfrage nahm sie in der Haltung einer sog. „Radikalen“ unter anderem in „Wir Frauen haben kein Vaterland“ (1899) Stellung. Sie lernte in Zürich die Schriftstellerin Käthe Schirmacher sowie die Juristin Emilie Kempin kennen, gründete mit dieser einen Frauenrechtsschutzverein und rief einen „Verein für Kinderschutz“ ins Leben. Im Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu Wilhelm Bölsche, den Brüdern Hart und Maurice v. Stern ist ihre Entwicklung zur politisch engagierten Sozialistin zu sehen, wodurch sie sich ihrem ursprünglichen Publikum entfremdete. Gegen einige ihrer Werke wurde sogar öffentlich protestiert. Ihr bedeutendstes Werk, der naturalistische Roman „Arbeit“ (1903), Ausdruck sowohl ihrer frauenrechtlerischen als auch ihrer sozialistischen Position, erregte in Zürich großes Aufsehen. Seit 1903 lebte sie in Genf mit Emma Mandelbaum und dem 20 Jahre jüngeren Armenier Iwan Akunoff (* 1869), Lehrer, Journalist und Schriftsteller, der unter dem Pseudonym Iwan Akunian bis 1907, als er nach Baku zurückkehrte, in der Schweiz lebte und mit dem verheiratet zu sein L. seit 1901 vorgab. In Genf widmete sich L. zunehmend der Armenischen Frage, zu der sie in mehreren öffentlichen Vorträgen Stellung nahm. Unheilbar an Magenkrebs erkrankt, ließ sie sich von ihrer Freundin erschießen, die anschließend ebenfalls den Freitod wählte. L. ist auch als Autorin von Kindergeschichten und als Übersetzerin aus dem Russischen (u. a. Tolstojs „Auferstehung“, 1899, und Gorkijs „Barbaren“, 1905) hervorgetreten.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hamburger Novellen, 1887;
    Bescheidene Liebesgeschichten, 1888;
    Zwischen Elbe u. Alster, 1890;
    Enge Welt, 1890;
    Bittersüß, 1891;
    Bekannte Gesichter, 1893;
    Zu Wasser u. zu Lande, 1894;
    Querköpfe, 1895;
    Flügel auf! 1895;
    Vom ewig Neuen, 1896;
    In d. Stille, 1897;
    Was d. Alltag dichtet, 1899;
    Wehrlose, 1900;
    Schreie, 1901;
    Wandlung, 1903;
    Jugendzeit, 1904;
    Auf d. Sonnenseite, 1906;
    Schönwettermärchen, 1908. -
    Romane: Die Betrogenen, 1898;
    Erich Hetebrink, 1907. -
    Dramen: Phitje Ohrtens Glück, Eine dt. Komödie, 1902;
    Die Retter d. Moral, 1905;
    - Gedichte, 1891;
    - Weitere Schr.: Vischer-Erinnerungen u. -
    Worte, Ein Btr. z. Biogr. F. Th. Vischers, 1889;
    Hamburger Bilder f. Hamburger Kinder, 1899.

  • Literatur

    C. Busse, in: Die Gegenwart 24, 1896, Nr. 36, S. 150-52;
    E. Brausewetter, Meisternovellen dt. Frauen, 1895, S. 135-44;
    ders., Dt. Dichterinnen d. Gegenwart, in: LIZ 55, 1898, S. 133, 136 (P);
    Protest v. Prof. Krönlein Zürich gegen Ilse Frapan's Tendenz-Roman, in: Hochschulnachrr., München 13, 1903, H. 9, S. 198-202;
    F. Marti, Belletrist. Spaziergänge, Ilse Frapan, in: Neue Züricher Ztg., 1903, Nr. 147;
    ders., in: Das Litterar. Echo 11, 1908/09, Sp. 493-95;
    H. Spiero, Hammonia literata, ebd. 7, 1904/05, Sp. 1383-93 (P);
    ders., in: Dt. Geister, 1910, S. 116-22 (P);
    K. Aram, in: Die Nation 20, 1903, S. 697-701;
    E. Mensch, in: Frauen-Rdsch., 1909, S. 35 f.;
    H. Schollenberger, Aus Ilse Frapans Werdezeit, in: Wissen u. Leben 6, 1913, S. 432-41;
    Ch. Kraft-Schwenk, Ilse Frapans Werk unter bes. Berücksichtigung d. Frauenfrage, 1981 (unveröff., Ex. in: Univ.-Bibl. Tübingen u. Dt. Bibl. Frankfurt/M.; W-Verz., L);
    Brümmer (Akunian);
    Lex. d. Frau, 1953;
    G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg. dt. Dichtung, 1967, S. 353 f.;
    Kosch, Lit.-Lex., 31978;
    E. Friedrichs, Die dt.sprachigen Schriftstellerinnen d. 18. u. 19. Jh., 1981.

  • Autor/in

    Christa Kraft-Schwenk
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraft-Schwenk, Christa, "Levien, Elise Therese" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 398 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11600987X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA