Lebensdaten
1849 bis 1907
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Dermatologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116002166 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lassar, Oskar
  • Lassar, Oscar
  • Lassar, Oskar
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Lassar, Oscar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116002166.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Diodor (1794–1855), Kaufm. in H., S d. Kaufm. Jacob Melchior Lazarus, dann L., u. d. Jeruchem N. N.;
    M Emma, T d. Philipp Beyfuß in Hameln u. d. Caroline Meyer;
    Berlin 1882 Emma Büding;
    S Gerhard (1888–1936), ao. Prof. d. Öffentl. Rechts in H. (s. L).

  • Leben

    L. studierte Medizin in Heidelberg, Göttingen, Straßburg und Berlin und wurde 1872 in Würzburg promoviert. Er bildete sich weiter in Physiologischer Chemie bei Hoppe-Seyler, in Physiologie bei Meißner in Göttingen und als Assistent bei Cohnheim am Pathologischen Institut in Breslau. Danach war er zur Vorbereitung auf sein Spezialfach bei Hebra in Wien und ging dann nach Berlin, wo er für kurze Zeit Assistent an der Hautklinik der Charité unter Lewin war. Bald machte er sich aber mit der Errichtung einer eigenen Privatklinik für Dermatologie und Syphilis selbständig. Er habilitierte sich 1880 (Professortitel 1892, Extraordinarius 1902).

    L. galt als einer der erfolgreichsten Ärzte im damaligen Berlin: Dank seiner Erfahrung wurde er zum international gesuchten Spezialisten, durch sein rhetorisches und didaktisches Talent zum beliebten akademischen Lehrer. Seine Veröffentlichungen betrafen außer zahlreichen kasuistischen und therapeutischen Mitteilungen experimentelle Untersuchungen zu aktuellen Problemen nicht nur seines engeren Fachgebietes. Er arbeitete über die Alkaleszenz des Blutes, über den Lymphstrom bei Stauung und Entzündung, er erkannte die infektiöse Verursachung mancher Haarerkrankungen. Eine Zeitlang arbeitete er nebenher als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Kaiserl. Gesundheitsamt unter Robert Koch, später stellte er in seiner Klinik einen eigenen bakteriologischen Assistenten ein. L. gehörte auch zu den ersten Ärzten, die das neue Mittel der Röntgenstrahlen therapeutisch zu nutzen suchten. Er versuchte in jener Phase der Dermatologie, in der die therapeutischen Möglichkeiten hinter den diagnostischen trotz vieler Bemühungen noch ziemlich zurückstanden, statt der überwiegend symptomatischen Therapie systematisch durchgearbeitete Behandlungsmethoden zu entwickeln. Sein Name bleibt verbunden mit der Einführung der Zink-Paste, die als „Lassarsche Paste“ und in mannigfachen Variationen – später von P. G. Unna weiterentwickelt – bis in unsere Zeit eines der gebräuchlichsten Mittel, speziell in der Therapie des Ekzems geblieben ist.

    Von allgemeinhygienischer Bedeutung waren L.s Arbeiten für die Einrichtung städtischer Desinfektionsanstalten und besonders seine Bestrebungen für den Bau sogenannter („Lassarscher“) Volksbrausebäder, um „den weitesten Kreisen des Volkes eine bequeme, wenig zeitraubende und billige Badeangelegenheit zu schaffen“. Modelle solcher Brausebäder wurden auf der Berliner Hygiene-Ausstellung 1883 demonstriert. Auch die Konstituierung der Berliner Dermatologischen Gesellschaft geht auf L.s Anregung zurück. L, gehört zu den Ärzten, die in hervorragender Weise die Entwicklung der sich damals formierenden Spezialfächer von der Basis der eigenen privaten Klinik aus gefördert und so zur Anerkennung und Konsolidierung des Fachgebietes wesentlich beigetragen haben.

  • Werke

    Über Salicyl-Pasten, in: Mhh. f. prakt. Dermatol. 2, 1883, S. 97-100;
    Über Volksbäder, 21888;
    Die Kulturaufgabe d. Volksbäder, 1889;
    Volksgesundheit u. menschl. Ges. in ihren Wechselbeziehungen, 1892;
    Die gesundheitschädl. Tragweite d. Prostitution, 1892;
    Das med. Studium d. Frau, 1897;
    Über Ästhetisches in d. Medizin, 1900;
    Über häusl. Gesundheitspflege, 1901;
    Die Verhütung u. Bekämpfung d. Kahlheit, in: Dt. med. Wschr. 32, 1906, S. 1065-69;
    Dermatology and its relations to general medicine, 1907. -
    Hrsg.: Mhh. f. prakt. Dermatol., 1882-84 (mit P. G. Unna u. H. Hebra);
    Dermatol. Zs., 1893 ff. -
    L.s Slg. v. Wachsnachbildungen dermatolog. Krankheitsbilder ist seit d. 2. Weltkrieg verschollen. -
    L. schrieb unter d. Ps. Edmund Olaß Geschichten f. Kinder u. einige Novellen.

  • Literatur

    E. Bäumer, Die Gesch. d. Badewesens, 1903, S. 69-75;
    I. Bloch, Gesch. d. Hautkrankheiten in d. neueren Zeit, in: Puschmanns Hdb. d. Gesch. d. Med. III. 1905, S. 461;
    W. Tamms, in: Dermatolog. Jber. 2/3, 1906/07, S. VII-XIV (W-Verz.);
    J. Heller, in: Dt. med. Wschr. 34, 1908, S. 70 f.;
    O. Rosenthal, Gedenkrede, in: Dermatolog. Zs. 15, 1908, S. 113-20;
    F. Genzmer, Bade- u. Schwimmanstalten, 21921, S. 132-35;
    G. A. Rost, in: Berliner Med. 16, 1965, S. 919-23;
    H. Goerke, Von L. bis Chaoul, Drei J.zehnte Strahlentherapie in Berlin, in: SRW-Nachrr. 1966, H. 29, S. 19-24;
    Pagel (P);
    Fischer (P);
    Enc. Jud. X (P). - Zu S Gerhard: Archiv d. öffentlichen Rechts NF 44, 1958 (W).

  • Portraits

    in: Die Gartenlaube 1908, S. 50 f.

  • Autor/in

    Otto Winkelmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Otto, "Lassar, Oscar" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 669-670 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116002166.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA