Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
baltische Familie
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119381710 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schirren

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schirren, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119381710.html [13.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Familie S. ist erstmals urkundlich für den Ratsherrn Hinrich in Hildesheim belegt. Im 17. Jh. wanderte die Familie ins Baltikum aus. Ob der um 1700 erwähnte Pastor Daniel aus Kreutzburg (Krustpils) zu ihr zählt, ist ungewiß. Conrad ist 1761 als Besitzer des Gutes Slutiski an der Düna erwähnt. Sein Sohn Georg Gotthard ( 1796) war Amtsverwalter des Gutes Linden in Kurland. Er war Vater von Gerhard Hieronymus (1761–1818), der in Friedrichstadt/Düna geboren wurde und 1792 nach Riga zog, wo er Kaufmann und Ältester der Gilde war. Von diesem stammen zwei Töchter und drei Söhne, u. a. der Kaufmann Heinrich Eberhard (1801–52) in Riga. Dessen Sohn Wilhelm Heinrich (1839–1902) zog mit seiner Familie nach Moskau und war dort als Arrendator tätig. Er hatte sieben Kinder, von denen Mary (1868–1917) mit Arkadij Potschiwalow verheiratet war; deren Enkel Leonid Potschiwalow (* 1926) ist als Journalist in Moskau tätig. Nachkommen des Wilhelm Heinrich wurden z. T. Opfer der stalinistischen Verfolgungen.

    Ein weiterer Sohn des Gerhard Hieronymus, Carl Hieronymus (1796–1862), studierte in Dorpat, Berlin und Heidelberg Theologie, war dann Hauslehrer in Kurland, seit 1822 Adjunkt des Rigaschen Stadtministeriums und Diakonus, seit 1846 Erster Pastor an St. Johannis. 1838 gründete er eine Schule für lett. Knaben, darüber hinaus war er Beisitzer des Rigaschen Stadt-Consistoriums und des Direktoriums der Hauptsektion der Bibelgesellschaft sowie seit 1835 Mitglied des Armen-Direktoriums, seit 1837 des Livländ.-Gouvernements-Comités. Sein Sohn Carl Christian Gerhard (1826–1910) wurde Historiker (s. u.). Von den sieben Kindern Carls blieben fünf Töchter unverheiratet, von den beiden Söhnen wurde Carl (1861–1921, s. W) Mediziner, Julius (1857–1917) Justizrat in Kiel. Carl war Schüler von Friedrich v. Esmarch (1823–1908), Oskar Lassar (1849–1907) und Abraham Buschke (1868–1943). Er lebte als Sanitätsrat und Hautfacharzt in Kiel und war der erste niedergelassene Hautarzt in Schleswig-Holstein. Von seinen vier Kindern wurde Richard (1896–1944) Diplom-Landwirt, Carl Georg (1890–1989, s. W) übernahm die väterliche Praxis in Kiel. Dessen sieben Kinder wurden alle mit Ausnahme des Theologen Carl Christian (1925–93), der als Pastor im Hzgt. Lauenburg tätig war, Ärzte oder waren mit Ärzten verheiratet. Dr. med. Carl (* 1922, s. W, L) habilitierte sich 1960 an der Univ. Hamburg für Dermatologie, Venerologie und Andrologie, wurde hier 1966 Direktor der Abteilung für Andrologie und 1971 des von ihm gegründeten Zentrums für Reproduktionsmedizin (bis 1987). Dank seiner Initiative wurde die Andrologie als medizinische Spezialdisziplin etabliert und die Dt. Gesellschaft für Andrologie eingerichtet (Präs. bzw. Ehrenpräs. 1975 bzw. 1991). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Martini-Preis (1961), das Bundesverdienstkreuz (1974), die Niels-Stensen-Medaille (1981) und die Goldmedaille der indones. Regierung (1994). 1969-90 war er Herausgeber der Zeitschrift „andrologia“. Von seinen vier Kindern setzte die älteste Tochter Ulrike (* 1953, Dr. med. et Dr. med. dent. Wilfried Kamp, * 1955) die dermatologische Familientradition als Hautärztin in Hamburg fort. Von Carl Georgs Söhnen übernahm Carl Hermann (* 1939) in dritter Generation die väterliche Dermatologenpraxis in Kiel; Carl Georg (1923–69) wurde 1968 Ordinarius für Dermatologie in Marburg; er war Mitherausgeber des „Ergänzungswerks“ von Josef Jadassohns „Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten“. Viele jüngere Angehörige führen heute die medizinische Tradition der Familie als Fachärzte, v. a. für Dermatologie, in ganz Deutschland fort.

  • Werke

    zu Carl ( 1921): Max Klinger – C. S., Briefwechsel 1910-1920, Mit e. Essay v. H.-G. Pfeifer, hg. v. Carl Schirren, 1988;
    - zu Carl Georg ( 1989):
    Hundert J. Kieler Ärztever., Erlesenes u. Erlebtes, in: Schleswig-Holstein. Ärztebl., 1958, S. 5;
    Rückschau e. alten Hautarztes auf d. Entwicklung d. Dermatol., in: Fortschritte d. Med. 59, 1961, S. 315 f.;
    Aus d. Stammbuch meines Ururgroßvaters, Zum 200. Geb.tag v. Hofrat Dr. med. Bernhard Meyer, in: Dt. Ärztebl. 64/41, 1967, S. 2173-77;
    „Eurer hochfürstl. Durchlaucht untertänigster Knecht“, Zum 240. Geb.tag meines Ururgroßvaters HR Dr. med. Jacob Meyer, ebd. 26, 1976, S. 1784.

  • Literatur

    Carl Schirren, Einhundert J. Dermatol. in e. Fam., Vier Generationen S., 1996.

  • Autor/in

    Carl Schirren, Stefan Jordan
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Schirren, Carl; Jordan, Stefan, "Schirren" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119381710.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA