Lebensdaten
1906 bis 1979
Geburtsort
Kronstadt (Siebenbürgen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Kabarettist ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115661018 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Czell, Karl (eigentlich)
  • Zeller, Karl (Pseudonym)
  • Merz, Karl
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Merz, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115661018.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Friedrich Czell (1874–1919) aus K., Brauereibes. in Bukarest, S d. Karl Gustav (* 1845) u. d. Rosalia Marie Leontine Nussbächer (1853–1937);
    M Elsa (1879–1918), T d. Ludwig Hintz (* 1849) u. d. Elisabeth Fabricius (1859–1915); ledig.

  • Leben

    M. verbrachte seine ersten Lebensjahre in Bukarest. Um den Wirren des 1. Weltkriegs zu entgehen, zog die Mutter mit M. und seiner älteren Schwester Elsi nach Wien, kehrte jedoch nach Kriegsende in das nunmehrige Rumänien zurück. 1919 kam M. nach dem Tod der Eltern zu Verwandten nach Kronstadt. Im Frühjahr 1924 ging er im Anschluß an das Abitur an die Hochschule für Welthandel nach Wien, wo er das Studium 1928 als Diplomkaufmann abschloß. In den folgenden Jahren belegte er juridische und volkswirtschaftliche Vorlesungen und besuchte die „Akademie für Musik und Darstellende Kunst“. Entscheidend für M.s künstlerische Entwicklung wurde seine Begegnung mit Karl Kraus. Bereits während der Studienjahre entstand eine Reihe von dramatischen Versuchen, danach machte sich M. als Interpret von Wedekind-Chansons einen Namen. Er ging zunächst als Eleve an das Staatstheater nach Kassel und gastierte später unter dem Namen Karl Zeller in Hamburg am Thaliatheater und am Deutschen Schauspielhaus. Seit 1931 war er Schauspieler, Spielleiter und Dramaturg am Deutschen Staatstheater in Hannover. Nach Ende der Saison 1932/33 kehrte er nach Wien zurück und trat im Eröffnungsprogramm der Kleinkunstbühne „Literatur am Naschmarkt“ seit 1933 unter dem Namen Carl Merz auf. Seither hatte er auch Engagements im „Kleinen Theater“ in der Praterstraße sowie im Kabarett „ABC“. Seit März 1938 und die Kriegsjahre hindurch arbeitete er als Schauspieler an Provinzbühnen. Nach Kriegsende 1945 hatte er in Wien zahlreiche Auftritte gemeinsam mit Fritz Eckhardt und Kurt Nachmann im von Stella Kadmon gegründeten Kabarett „Der liebe Augustin“, dessen kurzzeitiger Leiter er im Herbst 1946 wurde und an das er den jungen Helmut Qualtinger als Schauspieler verpflichtete. 1947 gründete M. die Kleinkunsttruppe „Die böse Sieben“, am 23.12.1950 startete im „Kleinen Theater im Konzerthaus“ die Szenenfolge „Blitzlichter“, welche die erste gemeinsame Arbeit des Autorentrios Michael Kehlmann, Helmut Qualtinger und M. wurde. Ein erster Erfolg der drei Autoren war die am 17.4.1951 uraufgeführte Schnitzler-Paraphrase „Reigen 51“, in der erstmals auch Gerhard Bronner mitwirkte. Am 12.11.1952 starteten Kehlmann, Qualtinger und M. im „Kleinen Theater im Konzerthaus“ die Revue „Brettl vor'm Kopf“ und leiteten damit eine neue Ära des Wiener Kabaretts ein. In diesen Jahren verfaßte M. auch gemeinsam mit Qualtinger die Sendefolge „Funk-Brettln“.

    Von Oktober 1958 bis Juni 1959 präsentierten M. und Qualtinger einmal monatlich im Fernsehen die Sendung „Spiegel vor'm G'sicht“, in der sie die Figur des legendären „Travnicek“ kreierten. Das von Qualtinger in einer dieser Sendungen vorgetragene Chanson „Der Papa wird's schon richten“ veranlaßte den damaligen Nationalratspräsidenten Felix Hurdes zu seinem Rücktritt. Seit September 1959 verfügte die Kabarettruppe wieder über ein eigenes Haus, das „Neue Theater am Kärntnertor“ in der Walfischgasse, das mit dem Programm „Dachl über'm Kopf“ eröffnet wurde. 1961 zerfiel, trotz großer Erfolge, die Gruppe, und M. zog sich von dieser Kleinkunstform, die er als Autor, Darsteller und mitunter auch als Finanzier begleitet hatte, endgültig zurück. Wenig später schufen dann M. und Qualtinger eine, wie Hilde Spiel attestierte, „dem Leben abgeschaute, modellhaft die Haltung des Wiener Mitläufers verkörpernde Figur“, den „Herrn Karl“. Die Reaktion auf die Ausstrahlung des „Herrn Karl“, dargestellt von Qualtinger, am 15.11.1961 im österr. Fernsehen, war ein einziger Aufschrei der Empörung. Hans Weigel notierte damals: „Der Herr Karl wollte einem Typus auf die Zehen treten, und ein ganzes Volk schreit Au!“

    1960-74 entstanden die meisten Romane und Erzählungen M.s. Gemeinsam mit Kehlmann verfaßte er eine Reihe von Fernsehspielen, darunter „Kurzer Prozeß“ mit Qualtinger in der Hauptrolle. In seinen späteren Lebensjahren war M. durch Krankheit körperlich und geistig behindert.

  • Werke

    Komödien u. Filmdrehbücher (mit K. Nachmann), u. a. Franz Schubert – e. Leben in zwei Sätzen. – Kabarett-Programme: Blattl vor'm Mund, 1956 (mit G. Bronner, H. Qualtinger u. G. Kreisler, seit 1953 bereits als Wochenend-Rubrik über 300mal im „Kurier“);
    Glasl vor'm Aug (darin: Unternehmen Kornmandl), 1957 (mit H. Qualtinger);
    Marx u. Moritz, 1958 (mit H. Qualtinger, H. Weigel u. G. Bronner). – Revue: Hackl vor'm Kreuz, 1960. – Romane: Eisrevue, 1959;
    Traumwagen aus zweiter Hand, 1961;
    Jenseits v. Gut u. Krankenkasse, 1968;
    Der Opernnarr, 1972. – Fernsehspiele: Kurzer Prozeß (mit M. Kehlmann);
    Alles gerettet, 1963 (mit H. Qualtinger);
    Die Hinrichtung, 1965 (mit H. Qualtinger), als Theaterstück am Volkstheater aufgeführt;
    Passion e. Politikers, 1970.

  • Literatur

    R. Weys, Cabaret u. Kabarett in Wien, 1970;
    K. Budzinski, Das Kabarett, 1985;
    S. Gleitsmann, C. M., Diss. Wien 1987.

  • Portraits

    V. Kühn, Die zehnte Muse, 1993, S. 153.

  • Autor/in

    Hans Veigl
  • Empfohlene Zitierweise

    Veigl, Hans, "Merz, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 202-203 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115661018.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA