Lebensdaten
1848 bis 1933
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker ; Kunstsammler ; Archäologe ; Denkmalpfleger
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 115103848 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lanckoroński-Brzezie, Karl Graf
  • Lanckoroński, Karl Graf (korrekte Schreibweise mit Sonderzeichen)
  • Lanckoronski, Karl Graf
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Zitierweise

Lanckoronski, Karl Graf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115103848.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Casimir (1802–74), Herr d. Herrschaften Wodzyslaw (Polen) u. Komarno u. Chodorov (Galizien), S d. Anton ( 1830), k. k. GR, Oberstlandhofrmeister in Galizien, u. d. Ludovica Gfn. Rzewuska;
    M Leonie (1821–93), T d. Léon Gf. Potocki (1788–1860), russ. GR u. Gesandter in Neapel, u. d. Elisabeth Gfn. Golowin;
    Ov Karl (s. Einl.);
    - 1) Wien 1878 (f. nichtig erklärt 1880) Marie Altgfn. zu Salm-Reifferscheidt (1859–97), 2) ebd. 1892 Franziska (1861–93), T d. Anton Gf. v. Attems u. d. Marie Gfn. Hardegg, 3) Grätz 1897 Margarete (1863–1954), T d. Karl Fürst Lichnowsky (1819–1901), Graf zu Werdenberg, preußisch General d. Kavallerie, erblich Mitglied d. preußisch Herrenhauses (s. BJ VI, Totenliste) u. d. Marie Prinzessin von Croy; Schwager Karl Max Fürst Lichnowsky (1860–1928), 1912-14 deutsch Botschafter in London, bis 1918 erblich Mitglied d. preußisch Herrenhauses (s. DBJ X, Totenliste);
    1 S aus 1), 2 T aus 2). Die 3 Kinder gründeten 1960/67 in d. Schweiz e. „Fonds d. Fam. L.“ zur Unterstützung poln. kultureller Organisationen im Ausland.

  • Leben

    L. war eine überragende Persönlichkeit und eine athletische Erscheinung. Die Neigung zur Antike war ihm von seinem Erzieher und Lehrer, dem Klassischen Philologen und späteren Unterrichtsminister Wilhelm v. Hartel vermittelt worden. Er studierte in Wien Jura (Dr. iur.) und Kunstgeschichte. Ein großes Vermögen ermöglichte ihm eine Existenz ohne dauernde berufliche Bindung. 1882 nahm L. an der 2. Expedition des Archäologen der Wiener Universität, Otto Benndorf, nach Lykien teil. 1885/86 unternahm er mit einem größeren Stab, darunter dem Graphiker G. Niemann und dem Archäologen E. Petersen, eine selbständige Forschungsreise durch die damals nahezu unbekannten Gegenden Pamphylien und Pisidien an der Südküste Kleinasiens und machte die dortigen Denkmäler bekannt. 1888/89 reiste er zusammen mit dem Maler L. H. Fischer um die Welt, zuerst nach Ceylon, Indien, China, Japan, dann nach Nordamerika und England. Bei einer Reise nach Spanien und Portugal war der Maler H. Makart sein Begleiter. In Wien und auf seinem poln. Gut Rozdöł umgab er sich gerne mit bedeutenden Künstlern und Dichtern, die er auch finanziell förderte. So waren unter anderen der Kunsthistoriker Max Dvorak, die Maler Böcklin, Rudolf v. Alt, Makart, die Bildhauer Rodin, Tilgner, Zumbusch, die Dichter Marie v. Ebner-Eschenbach, Max Mell, Rilke, Hofmannsthal und Sienkiewicz mit ihm befreundet. Für seine Sammlungen antiker Plastik und ital. Meister des 14., 15. und 17. Jh., die zu den umfassendsten in Wien zählten, ließ er 1894 von der Architektenfirma Fellner & Helmer angrenzend an den Botanischen Garten und das Belvedere ein kleines Palais im neubarocken Stil erbauen (1945 ausgebrannt).|Die während des 2. Weltkrieges in Sicherheit gebrachten Kunstschätze wurden von den Erben 1958-60 vorwiegend in die USA verkauft; die von seiner Pamphylienexpedition stammenden Gipsabgüsse figuraler und architektonischer Reliefs hat 1960 die Archäologische Sammlung der Univ. Wien übernommen. Noch zu seinen Lebzeiten hatte L. der Univ. Krakau eine Gipssammlung von antiken und Renaissanceplastiken gestiftet.

    Nach dem 1. Weltkrieg betätigte sich L. intensiv in der Denkmalpflege. So war er als Generalkonservator Galiziens Mitglied der Kommission für die Rückführung poln. Sammlungen und Archive, die sich in Österreich befanden. Er setzte sich für die Erhaltung der alten Königsburg in Krakau ein und verteidigte die unversehrte Erhaltung des Franziskaner- und Minoritenplatzes in Wien. Ihm sind das freie, unverbaute Areal vor der Karlskirche und vor allem die Erhaltung des romanischen Riesentores von St. Stephan zu verdanken, das nach mehrfachen Kommissionsbeschlüssen beinahe durch ein neugotisches Portal ersetzt worden wäre.|

  • Auszeichnungen

    Erbl. Mitgl. d. Herrenhauses d. österr. Reichsrates (1874); Ritter d. Ordens d. goldenen Vlieses (1903); 1915/16 Oberstkämmerer; Dr. phil. h. c. (Berlin); Mitgl. d. Poln. Ak. d. Wiss. (1891), korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1893), Ehrenmitgl. d. Ak. d. Bild. Künste Wien; Ehrenbürger v. Aquileia; Präs. d. Ges. f. Denkmalspflege; Kurator d. Österr. Mus. f. Kunst u. Industrie Wien.

  • Werke

    Ein Ritt durch Kilikien, 1886;
    Die Städte Pamphyliens u. Pisidiens, 2 Bde., 1890/92 (mit G. Niemann u. E. Petersen);
    Kund um d. Erde, 1891;
    Venezian. Tagebuch (Gedichte), in: Österr. Rdsch., April u. Mai 1905;
    Der Dom v. Aquileia, 1906 (mit G. Niemann u. H. Swoboda);
    einige Gedichte b. Twardowski, s. L, S. 13.

  • Literatur

    M. Dvorak, in: Festschr. K. L., 1918;
    C. Praschniker, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 84, 1934, S. 291-96;
    J. v. Twardowski, K. Gf. L., 1935 (P);
    ÖBL.

  • Portraits

    Ölgem. v. F. v. Lenbach (München, Städt. Gal.), Abb. b. S. Mehl, Franz v. Lenbach, 1980, S. 129.

  • Autor/in

    Hedwig Kenner
  • Empfohlene Zitierweise

    Kenner, Hedwig, "Lanckoronski, Karl Graf" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 475-476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115103848.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA