Lebensdaten
1729 bis 1799
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
kurmainzischer Staats- und Konferenzminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10434976X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Groschlag zu Dieburg, Friedrich Carl Willibald Freiherr von
  • Groschlag von Diepurg, Friedrich Carl Willibald Freiherr von
  • Groschlag von Diepurg, Carl Friedrich Willibald Freiherr von
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Zitierweise

Groschlag zu Dieburg, Friedrich Carl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10434976X.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1692–1757), auf Messel usw., mainz. Konferenzmin., seit 1742 Präs. d. Reichskammerger. in Wetzlar (s. L), S d. Phil. Ernst (1650–1716), mainz. GR u. Oberamtmann zu Gernsheim, u. d. Anna Helena Freiin Wamboldt zu Umstadt;
    M Philippina (1701–72), Letzte d. Geschl., T d. Joh. Kaspar Frhr. v. Bicken (1662–1717), mainz. GR u. Oberamtmann zu Bischofsheim, u. d. Anna Freiin v. Dalberg;
    Schw Philippine (⚭ Joh. Anton Gf. v. Pergen, 1725–1814, k. k. Min., s. Wurzbach 22);
    - Höchst/Main 1774 Sophie Helene (1753–1828), T d. Hugo Gf. v. Stadion zu Thannhausen u. Warthausen (1720–85), mainz. GR, u. d. Marianne Schenk Freiin v. Stauffenberg;
    2 T (Letzte d. Fam.) Maria Anna Phil. Walburga (⚭ Maxim. Emanuel Gf. v. u. zu Lerchenfeld, 1772–1809, bayer. Gesandter am Reichstag u. in Dresden u. Kassel), Auguste (⚭ Ferdinand Gf. v. Colloredo-Mannsfeld, 1848, österr. Diplomat, s. NDB III);
    E Maximilian Gf. v. u. zu Lerchenfeld (1799–1859), bayer. Gesandter in St. Petersburg, Berlin u. Wien (s. Schärl).

  • Leben

    Nach juristischen Studien in Marburg und Göttingen und Tätigkeit in der Verwaltung des Amtes Dieburg und Gernsheim war G., dessen Aufstieg durch die Familienbeziehungen und die Protektion des kurmainzer Ministers Friedrich von Stadion gefördert wurde, 1758-63 Gesandter in Versailles. Unter der Regierung des Kurfürsten Emmerich Joseph von Mainz gelangte er als Vize-Groß-Hofmeister (seit 1765), vor allem aber nach dem Ausscheiden seines Lehrers und Gönners Stadion, in dessen Stelle er nachrückte, als Staats- und Konferenzminister zu entscheidendem Einfluß auf das politische, geistige und wirtschaftliche Leben des Kurstaats. Die Höchster Porzellanmanufaktur und zahlreiche andere Industriezweige wurden von ihm gefördert; an den Reformen im Finanz- und Schulwesen hat er großen Anteil. Als der „Mainzer Osterwald“ wirkte er an den von episkopalistisch-febronianischen Ideen getragenen kirchlichen Reformen Emmerich Josephs und an der Vorbereitung des Koblenzer Kongresses (1769) entscheidend mit. Die Stellung des sehr selbstbewußten Ministers in Mainz – er machte sich unter anderem, gestützt durch seinen Schwager Pergen, Hoffnungen auf den Posten des Reichsvizekanzlers – war schon gegen Ende der Regierung Emmerich Josephs gefährdet. Während der Sedisvakanz von 1774 wurde er vom Domkapitel in seinen Ämtern nicht bestätigt und von dem neugewählten Kurfürsten Friedrich Karl von Erthal entlassen. Versuche, G. in preußische Dienste zu ziehen, zerschlugen sich an Familienrücksichten. Seine Tätigkeit als französischer Gesandter am Oberrheinischen Kreis (seit 23.7.1777), bei den Verhandlungen zum Fürstenbund und der Koadjutorwahl Dalbergs ist noch nicht erforscht. Eine Biographie des glänzend begabten, literarisch und künstlerisch interessierten, in seinem Charakter umstrittenen Ministers, den Hardenberg zu den „größten in Deutschland“ zählt, dem Wieland seine Berufung nach Erfurt verdankt und dessen Goethe in Dichtung und Wahrheit anläßlich der Krönung Josephs II. gedenkt, fehlt.

  • Literatur

    ADB IX;
    Briefwechsel zw. Sr. izt regierenden Kurfürstl. Gnaden zu Mainz u. d. Herrn Baron v. G., in: P. A. Winkopp, Der dt. Zuschauer II, Zürich 1785, S. 29-36;
    H. C. Scriba, Btrr. z. Ortsgesch. Messel, in: Archiv f. hess. Gesch. u. Altertumskde. 5, 1846, Nr. XIX;
    W. Hertz, Bernh. Crespel, Goethes Jugendfreund, 1914;
    Neues Genealog. Hdb., 1775, S. 71 f.;
    K. Diel, Ein Parkvorbild d. Goethezeit, Der Lustgarten d. Freiherren v. Groschlag zu Dieburg, 1941 (P);
    W. Andreas, Ausklang d. Schweizerreise: Goethe u. Carl August an d. südwestdt. Höfen, in: ZGORh 100, 1952, S. 321-41;
    Recueil des instructions, XXVIII: Etats allemands, I, L'Electorat de Mayence v. G. Livet, Paris 1962;
    H. Raab, Das Mainzer Interregnum v. 1774, in: Archiv f. mittelrhein. KG 14, 1962, S. 168-93;
    Eigene Archivstudien. - Zu V Carl:
    Groschlag in Wetzlar, in: Festschr. z. 70. Geb.tag v. A. Frhr. v. Gemmingen-Hornberg, 1957, S. 54-62

  • Autor/in

    Heribert Raab
  • Empfohlene Zitierweise

    Raab, Heribert, "Groschlag zu Dieburg, Friedrich Carl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10434976X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Groschlag v. Diepurg: Carl Friedrich Willibald Freiherr v. G., hervorragend unter den aufgeklärten Staatsmännern des 18. Jahrhunderts, trat jung unter die kurmainzischen Hof- und Regierungsräthe und wurde von Kurfürst Emmerich Joseph bei seiner Thronbesteigung 1764 zum Conferenzminister und Vicegroßhofmeister, bald darauf zum Großhofmeister, später auch zum Vicedom zu Aschaffenburg gemacht. Er war die Seele der Politik des Kurfürsten während der ganzen Regierung desselben und verdient daher seinen vollen Antheil an dem Lobe, das die Verwaltung des Mainzer Staates in diesem Jahrzehnt bei der|unparteiischen Geschichte erworben hat. Als nach dem Tode Emmerich Joseph's die Gegner seiner Maßnahmen zur Herrschaft gelangten, da fiel G. sofort als Opfer ihrer Bestrebungen; er ging 1774 durch den Beschluß des Domcapitels, den der neue Kurfürst bestätigte, aller seiner Würden und Aemter verlustig. Da hat ihn die französische Regierung unterstützt und geradezu aus empfindlicher Noth gerettet, indem sie ihn als Gesandten in ihre Dienste nahm, ohne daß er darum Deutschland oder auch nur seine engere Heimath verlassen mußte. Wenigstens diese Andeutungen über Groschlag's späteres Leben ergeben sich aus einem Berichte des Herzogs Karl August von Weimar, der 1784 ihm vergeblich den Antrag stellte, in preußische Dienste zu treten. Er starb als der letzte Mann seines Stammes am 25. Mai 1799. Seine beiden Töchter vermählten sich mit Grafen Lerchenfeld und Colloredo.

    • Literatur

      Kneschke, Adelslexikon. Ranke, Die deutschen Mächte und der Fürstenbund II, 274. 275.

  • Autor/in

    Leser.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leser, Emanuel, "Groschlag zu Dieburg, Friedrich Carl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 741-742 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10434976X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA