Lebensdaten
1879 bis 1945
Geburtsort
Marienhafe (Ostfriesland)
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
evangelischer Missions- und Religionswissenschaftler ; Indologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10427431X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schomerus, Hilko Wiardo

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Zitierweise

Schomerus, Hilko Wiardo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10427431X.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Cornelius Poppäus (1835–1920), Dr. med., Sanitätsrat in M.;
    M Friederike Sophie Ries (1842–1905), aus Aurich;
    B Christoph Bernhard (1871–1944), 1897 Pastor in Weene (Ostfriesland), 1919 Leiter d. Missionsseminars in Hermannsburg, als Nachf. v. Georg Haccius 1926 Missionsdir. d. Hermannsburger Mission (s. BBKL), Friedrich Riclef (1876–1963), Dr. sc. pol., Leiter d. Personalabt., dann Mitgl. d. Geschäftsltg. d. Fa. Carl Zeiss, Jena, Stadtrat in Jena, Vf. v. Aufss. üb. soz.pol. Fragen u. e. Gesch. d. Fa. Zeiss (s. Rhdb.; R. Springer, Biogr. Stud. z. Soz.reformer u. Pol. F. S., 2003);
    Chidambaram (Tamil Nadu) 1905 Anna Marie Mathilde Odefey (1880–1959), aus Ülverbüll;
    1 S Christoph Johann Gerhard (1906–85), Pastor, Mitarb. am Inst. f. neutestamentl. Forsch. d. Univ. Münster, Vf. e. Fam.gesch. (s. L), 3 T Annemarie Elisabeth (* 1907), Irmgard Renata Mathilde (* 1910), Elisabeth Magdalene (* 1911).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und Privatunterricht durch seinen Vater besuchte S. das Gymnasium in Emden (Primarreife 1897). 1897-1901 studierte er in Leipzig am Seminar der Ev.-luth. Mission und an der dortigen Universität. Nach dem Vikariatsjahr in Ebersdorf (Thür.) war er 1902-12 im Dienst der Leipziger Mission in Südindien als Missionar tätig, seit 1905 in Erode, wo er mit seinen Studien zur Tamil-Literatur und zum südindischen Śivaismus begann. Aufgrund seiner Arbeit zum Śaivasiddhānta (1912), die von Nathan Söderblom und Rudolf Otto positiv aufgenommen wurde, erhielt S. 1912 Urlaub und studierte in Kiel bei dem Indologen Paul Deussen (1845–1919) und dem Orientalisten und Religionsgeschichtler Hans Heinrich Schaeder (1896–1957) sowie in Leipzig bei dem Indologen Ernst Windisch (1844–1918), dem Theologen und Religionshistoriker Nathan Söderblom (1866–1931) und dem Philosophen Wilhelm Wundt (1832–1920); 1913/14 war S. an Söderbloms Lehrstuhl wissenschaftlicher Assistent (1913 lic. theol. h. c., Univ. Kiel). Bis kurz vor Kriegsausbruch unternahm er eine Studienreise nach England (Oxford u. Cambridge) und Schottland. Durch den Krieg an der Rückkehr nach Indien gehindert, übernahm S. 1914 das Pfarramt der Garnisonskirche in Rendsburg (bis 1920 Pfarrverweser). Seit 1918 Dozent an der Univ. Kiel, erhielt er nach der Habilitation (1923/24) 1925 eine Stelle als nichtbeamteter ao. Professor mit einem Lehrauftrag für Missions- und Religionsgeschichte. 1926 wurde er als Nachfolger von Gottlob Haußleiter (1857–1934) zum o. Professor für Missionswissenschaft und zum Direktor des missionswissenschaftlichen Seminars der Univ. Halle-Wittenberg ernannt. Mit finanzieller Unterstützung des preuß. Kultusministeriums unternahm S. 1929/30 eine ausgedehnte Studienreise nach Ceylon, Indien, Niederländisch-Indien, China und Japan.

    1923-25 fertigte S. mustergültige Übersetzungen wichtiger Quellentexte des Hinduismus aus dem Tamil an. In seiner Hallenser Zeit standen Bedingungen und Möglichkeiten der christl. Mission in einem Gebiet mit autochthoner Hochkultur und alten Religionen im Mittelpunkt seiner Arbeiten. Exaktes Quellenstudium, philologisch-historische Methode und kritische Würdigung der indischen Religionen im Vergleich mit dem Christentum zählen zu den Charakteristika seiner religionswissenschaftlichen Arbeiten.

    S. stand dem Nationalsozialismus und den „Dt. Christen“ ablehnend gegenüber; das völkischgerman. Gedankengut von Mathilde Ludendorff unterzog er einer eingehenden Kritik. Im April 1933 trat er für die Indologin und Jüdin Betty Heimann (1888–1961) ein, welche sich in einer Diskussion der scharfen Kritik von Friedrich Hertz an den „Rassetheorien der neueren dt. Rassenforschung“ anschloß, indem sie den Mythos von reinrassigen indischen Ariern ad absurdum führte. Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich S. für fälschlicherweise der Kollaboration verdächtigte Kollegen der Theol. Fakultät ein.

  • Auszeichnungen

    D. D. (Midland College, Atchison, Kansas, USA, 1914); D. theol. h. c. (Breslau 1923); Mitgl. d. Board|of Examiners für the Degree of Doctor of Philosophy (Univ. Madras 1935).

  • Werke

    u. a. Der Čaiva-Siddhānta, Eine Mystik Indiens, Nach d. Tamulischen Qu. bearb. u. dargest. 1912, engl. 2000;
    Indische Erlösungslehren, Ihre Bedeutung f. d. Verständnis d. Christentums u. f. d. Missionspredigt, 1919;
    Die indische theol. Spekulation u. d. christl. Trinitätslehre, 1919;
    Die Hymnen des Mānikka Vāšsaga (Tiruvāšaga), Aus dem Tamil übers., 1923;
    Šivaitische Heiligenlegenden (Periyapurāna u. Tiruvātavūrar-Purāna), Aus dem Tamil übers., 1925;
    Indien u. das Abendland, 1925;
    Pol. u. Rel. in Indien, 1928;
    (Übers.) Radhakrishnan, Sarvepalli, Die Lebensanschauung des Hindu, 1928;
    Buddha u. Christus, Ein Vgl. zweier gr. Weltreligionen, 1931;
    Indien u. d. Christentum, 3 T., 1931-32;
    Ist die Bibel v. Indien abhängig?, 1932;
    Parallelen z. Christentum als rel.geschichtl. u. theol. Problem, 1932;
    Missionswiss., 1935;
    Meister Eckehard u. Mānikka Vāšagar, Mystik auf dt. u. indischem Boden, 1936;
    Indische u. christl. Enderwartung u. Erlösungshoffnung, 1941;
    Arunantis Śivajānasiddhiyār, Die Erlangung d. Wissens um Šiva oder um d. Erlösung, Unter Beifügung e. Einl. u. Meyakantadevas Śivajānabodha aus d. Tamil übers, u. komm., hg. v. H. Berger, A. Dhamotharan u. D. B. Kapp 1981 (postum).

  • Literatur

    J. Schniedwind, H.-W. S. z. Gedächtnis, Rede, gehalten am 17. Nov. 1945 b. d. Trauerfeier in d. Laurentiuskirche, Halle, o. J. [1945];
    A. Lehmann, Die sivait. Frömmigkeit d. tamul. Erbauungslit., 1947;
    Johann Gerhard Schomerus, Gesch. d. Fam. S., 4 T., 1968-69;
    H.-W. Gensichen, H. W. S. (1879-1945), Missionar u. Indologe, in: Arunantis Śivajānasiddhiyār (s. o.), I, S. xi-xvi;
    K. Heinrich, in: Zs. f. Rel.wiss. 9, 2001, S. 217-34;
    BBKL;
    LThK; |

  • Quellen

    Qu Univ.archiv Halle, PA 14210 Schomerus, PA 7469 Heimann.

  • Autor/in

    Andreas Pohlus
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohlus, Andreas, "Schomerus, Hilko Wiardo" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 464-465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10427431X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA