Lebensdaten
gestorben 2. Hälfte 14./Anfang 15. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118610422 | OGND | VIAF: 247026621
Namensvarianten
  • Schöndoch
  • Schondoch
  • Schöndoch
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Zitierweise

Schondoch, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610422.html [19.04.2021].

CC0

  • Leben

    Außer der Namensnennung im Schlußvers der Mirakelerzählung „Der Litauer“ und in der Titelzeile des Märe „Die Königin von Frankreich“ in einem verschollenen Codex von 1402, wo er zudem als „varunder man“ bezeichnet wird, sind keine Daten zu S. bekannt. Sprachliche Kriterien legen die Nordostschweiz als Heimat nahe; die Überlieferung des „Litauers“ in einer Deutschordenshandschrift läßt Kontakte zu einem oberrhein. Deutschordenshaus (Beuggen, Mainau?) vermuten.

    Die nur in dieser Sammelhandschrift überlieferte Rede (324 Verse) von einem König der Litauer, der mit Hilfe von Tataren und Russen das Ordensland Preußen angreifen will, aus seinem Versteck Messe und Hostienwunder miterlebt und sich daraufhin taufen läßt, thematisiert wahrscheinlich die Taufe des litau. Großfürsten Butawt 1365. Als Entstehungszeit der Werke ist demnach das letzte Drittel des 14. Jh. anzunehmen. Die das seit dem 12. Jh. bearbeitete Thema der treuen Minne im femme-chaste-Typ variierende „Königin von Frankreich“ (690-704 Verse) ist mit 21 erhaltenen (und drei verschollenen) Handschriften das am breitesten überlieferte Märe überhaupt. Die von einem abgewiesenen Hofmarschall des Ehebruchs bezichtigte Titelheldin gebiert in der Verbannung bei einem Köhler einen Knaben und wird nach langer Suche vom reumütigen Gatten zurückgeholt. Die exponierte Vermittlerrolle eines „hertzog Lüpolt von Oesterich“ (wohl Leopold III., 1386) läßt österr. Adelskreise als Auftraggeber vermuten.

    Die anhaltende Attraktivität des Werks wird durch eine schles. Prosafassung, ein Meisterlied in Regenbogens Langem Ton (1498) und eine „Comedi“ des Hans Sachs (1549) ebenso bezeugt wie durch einen Freskenzyklus im Gerichtssaal von Coredo im Trentino (um 1460) und einen elsäß. Wandteppich (1480/90, Nürnberg, GNM).

  • Werke

    H. Heintz, S.s Gedichte, 1908;
    Der Litauer, hg. v. U. Arnold, in: SS rerum Prussicarum VI, 1968, S. 50-60;
    M. Caliebe, S.s „rede“ von d. Bekehrung d. Litauers, in: FS G. Cordes, I, 1973, S. 23-52;
    Die Kgn. v. Frankreich, in: J. Strippel, S.s „Kgn. v. Frankreich“, 1978.

  • Literatur

    ADB 32;
    W. Ziesemer, Die Lit. d. Dt. Rr.ordens, 1951, S. 146;
    H. Fischer, Stud. z. dt. Märendichtung, 2. Aufl. bearb. v. J. Janota, 1983, S. 168 f., 397-99, 515 f.;
    U. Arnold, Dt.ordenshistoriogr. im Dt. Reich, in: Die Rolle d. Rr.orden in d. ma. Kultur, hg. v. Z. Nowak, 1985, S. 69-71;
    Kreuz u. Schwert, Ausst.kat. Mainau 1991, S. 250-53;
    Vf.-Lex. d. MA2 (L);
    Kosch, Lit. -
    Lex.3 (L);
    Killy (L).

  • Autor/in

    Norbert H. Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Norbert H., "Schondoch" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610422.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schondoch: S. oder Schöndoch, epischer Dichter des ausgehenden 14. Jahrhunderts, war Zeitgenosse und wol auch Landsmann des Oesterreichers Peter Suchenwirt. Dafür spricht, daß nur eine jetzt verlorene Handschrift Suchenwirt'scher Dichtungen vom Jahre 1402 S. als Dichter der in vielen Hss. erhaltenen „Königin von Frankreich“ kennt und daß in diesem Gedichte die einzige bei Namen genannte Gestalt ein Herzog Leopold von Oesterreich ist, dessen Name in keiner der zahllosen übrigen Fassungen desselben Stoffs begegnet; es mag das ein Compliment für den durch seinen Heldentod bei Sempach bekannten Fürsten gewesen sein; die freilich mehr nachlässigen als dialektischen Reime der beiden Erzählungen Schondoch's zeugen wenigstens nicht gegen österreichische Herkunft des Dichters, der Fahrender gewesen sein wird. In der formell ungeschickteren, also wol ältern Dichtung, dem „Littauer“, den Laßberg irrig Hugo von Langenstein zuwies, nennt sich S. am Schluß selbst als Verfasser; Uebereinstimmungen im Reim- und Wortgebrauch (vgl. z. B. Litt. 297 f. mit Gesammtabent. 8, 525 f.) bestätigen, daß ihm auch die „Königin von Frankreich“ gehöre. Seine Quelle war wol beidemal mündliche Ueberlieferung, obgleich es an coquetten Hinweisen auf Bücher nicht ganz fehlt (Litt. 6; Kon. 124). Die Deutschordenssage von der wunderbaren Bekehrung eines heidnischen Littauerfürsten zu Thorn, der Christus in Riesengestalt in der Hostie sah, konnte S. etwa von Suchenwirt oder einem andern Theilnehmer der Preußenfahrt Herzog Albrecht's von Oesterreich 1377 gehört haben; die Legende, eine Doublette der Witukindsage, mag sich auf den freilich aus ganz andern Gründen getauften Großfürsten Mindowe von Littauen (1251) bezogen haben. Die „Königin von Frankreich“ erzählt die mit der Genovevalegende verwandte Sage von der verleumdeten Königin Sibilla (oder Blancheflor), der Gattin Karl's des Großen, und dem Verräther Macaire, der durch den Hund des Aubry entlarvt wird; Namen werden nicht genannt; von den französischen Chansons und Romanen, die den Stoff behandeln, unterscheidet sich Schondoch's Dichtung namentlich dadurch, daß die höchst umständlichen Irrfahrten Sibilla's mit dem treuen Holzhauer Varocher fehlen und das Wiederfinden der durch Macaire getrennten königlichen Gatten sich novellistisch einfach und ganz abweichend abspielt. So zweifellos Schondoch's abgekürzte Darstellung in der einheitlichen Wirkung den Vorzug vor den durch Episoden aufgeschwellten französischen Dichtungen verdient, so sicher wird diese Concentration doch nur zum kleinsten Theile sein Verdienst sein. Charakteristische Detailzüge, wie z. B. daß S. gleich einem spanischen Drama den Holzhauer zum Köhler macht, machen es doch wohl wahrscheinlich, daß Schondoch's Gedicht auf einer uns unbekannten französischen Quelle ruht, die ihm durch knappen mündlichen Bericht ohne Namen überkommen sein wird; daß nicht S. selbst die mit historischen Figuren ausgestattete Sage ins namenlose Märchen verwandelt hat, beweist eben die Einführung Leopold's von Oesterreich, der die sympathische Rolle spielt, die im Französischen meist dem Baiernherzog Naimes zufällt. Schondoch's Darstellung ist in beiden Dichtungen knapp und klar, aber freilich ganz kunstlos, und mit naiver Unbefangenheit ausschließlich auf das Stoffliche gerichtet.

    • Literatur

      Den „Littauer“ gab heraus Frhr. v. Laßberg: „Ein schoen und anmuetig Gedicht, wie ein heidescher Küng, genannt der Littower, wunderbarlich|bekert ... ward, vor mer den fünfhundert Jaren, durch Bruoder Hugen von Langenstein, also in Reimen gepracht, und jezt zum erstenmal .... ans Liecht gestellt, durch Maister Seppen von Eppishusen“ (Const. 1826). — Die „Königin von Frankreich“ in v. d. Hagen's „Gesammtabenteuern“ Nr. 8 u. ö.; vgl. ebda. Bd. 3, S. 778 fgg.; Suchenwirt, hrsg. von Primisser S. L; Macaire, chanson de geste, publ. par Guessard (Paris 1866) S. LXVII.

  • Autor/in

    Roethe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Roethe, Gustav, "Schondoch" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 284-285 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610422.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA