Lebensdaten
1800 bis 1840
Geburtsort
Frankfurt (Oder)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 104234431 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gaudy, Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von
  • Gaudy, Franz Freiherr von
  • Gaudy, Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von
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Zitierweise

Gaudy, Franz Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104234431.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich v. Gaudi (1765–1823), preuß. Gen.-Lt., Gouverneur d. Kronprinzen Frdr. Wilh., Gen.-Gouverneur v. Sachsen (s. ADB VIII; Priesdorff III, S. 466-69), S d. Karl Frdr. Ludw. (1734–84), preuß. GR, Dir. d. Kriegs- u. Domänenkammer in Bromberg, u. d. Luise Sophie Dor. v. Burgsdorff;
    M Constance (1772–1817), T d. Gottfried Gf. v. Schmettow, auf Pommerzig, u. d. Charl. Louise v. Tauentzien;
    Groß-Ov Frdr. Wilh. (1725–88), preuß. Gen.-Lt., Mil.-Historiker (s. ADB VIII; Priesdorff II, S. 139-41, P), Leopold Otto Frhr. v. G. (1728-89), preuß. Staats- u. Kriegsmin.;
    Groß-Om Bogislaw Gf. Tauentzien v. Wittenberg ( 1824), preuß. Gen.;
    Groß-Tante-m Joh. Catharina v. Tauentzien ( Christian Graf von Haugwitz, gestorben 1832, preuß. Staatsmin.); ledig;
    N Arthur (1842–1924), preuß. Gen.-Lt., Alice (1863–1929), Schriftstellerin (s. Wi. 1905–28; Kosch, Lit.-Lex.).

  • Leben

    Die Laufbahn des Vaters und die Kriegsereignisse verursachten in Kindheit und Jugend G.s häufige Ortswechsel und, bei einer sehr temperamentvollen, zum Leichtsinnigen|Trotzigen und Rebellischen geneigten Charakteranlage, Erziehungs- und Ausbildungsschwierigkeiten. G. erhielt Unterricht in Soldin (Neumark), auf Insel Usedom, in Ochelhermsdorf bei Grünberg, Breslau, Berlin (seit 1810 Französisches Gymnasium), zuletzt in Schulpforta (seit 1815). Die Tätigkeit des Vaters als Erzieher des Kronprinzen verhalf zu freundschaftlichen, später wiederholt für G. hilfreichen Beziehungen zu dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. Die Familientradition veranlaßte den Eintritt in preußische Militärdienste (1818, Leutnant im 1. Garde-Regiment zu Fuß 1819). Hohe Schulden und amoureuse Abenteuer lösten G.s Versetzung zur Linie nach Breslau 1821 aus. Damit leiteten sich jene Mißgeschicke einer ruhmlosen langjährigen Leutnantsexistenz ein, welche ihm sein Freiheits- und Widerstandsgeist, seine Spottlust, sein Überdruß an der militärischen Langeweile und seine oppositionellen literarischen Interessen zuzogen. Wiederholte Duelle trugen Festungsstrafen ein (1825 12 Jahre, durch kronprinzlichen Eingriff in 4 Monaten abgebüßt). Es folgten Garnisonsaufenthalte in Brieg, Glogau, Posen. Der vollständige Vermögensverlust nach dem Tode des Vaters verhinderte eine geplante Verehelichung. 1833 erreichte G. die längst ersehnte Entlassung aus dem Militärdienst; er unterstützte, durch eine kleine Pension des Kronprinzen gesichert, in Berlin Chamisso bei der mit G. Schwab geteilten Herausgabe des Deutschen Musenalmanachs (10. Jahrgang 1839). Chamisso führte ihn in den literarischen Kreis von Eichendorff, Fouqué, W. Alexis, J. E. Hitzig, A. Kopisch, F. Kugler und anderen ein (sogenannte Mittwochsgesellschaft). Die folgenden Jahre füllten eine überaus produktive literarische Tätigkeit, Reisen nach Schwaben (1837), die ihn mit J. Kerner, G. Schwab, N. Lenau und anderen zusammenbrachten, und vor allem zwei an schriftstellerischem Ertrag reiche Reisen nach Italien (1835, 1838/39); die letztere führte ihn bis nach Sizilien. - Der Lyriker G. wurde von Vorbildern, besonders Byron und H. Heine, nicht frei und leistete das relativ Beste im humoristischen und parodistischen Chanson, wie er denn auch vorzüglich zusammen mit Chamisso „Bérangers Lieder“ übersetzte (1838, 21845). Die vielgerühmten lyrisch-epischen „Kaiserlieder“ (1835) verdanken ihren Erfolg mehr der liberalen Zeitstimmung, der politischen Tendenz für Napoleon, als ihrer künstlerischen Qualität. Der Erzähler folgte mit wechselndem Niveau Anregungen Tiecks, Hoffmanns, Eichendorffs, Jean Pauls, Börnes, Heines und W. Irvings im Stil der biedermeierlichen belletristischen Almanach- und Journalliteratur (Historische Erzählungen, Reisenovellen, Novellen mit italienischem Lebenshintergrunde, Humoresken, Parodien). Unter diesen zahlreichen, locker gebauten und geplauderten Erzählungen und Skizzen ragt beträchtlich „Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen“ (1836) hervor - die Parodie einer italienischen Reiseerzählung im witzig-burschikosen Stil eines einfältigen Berliner Volksmannes und Pechvogels, ein Echo von Eichendorffs „Taugenichts“, aber in eigener Gestaltungsweise. Landschaft, Volksleben und Kunstwerke Italiens schildern in vorzüglichem Feuilletonstil und aus reichen, intensiven Beobachtungen neben „Mein Römerzug“ (1836) die umfangreichen, postum publizierten Skizzen „Portogalli“. G. verfügte über eine flüssige, vielseitige Sprachbegabung, die sich vor allem im Humoristischen, Parodistischen und in Übersetzungen bewährte. Dieser ironischheiter plaudernde Stil war allerdings zunehmend verbitternden Lebensenttäuschungen, die schroff und einsam machten, abgerungen. Soziologisch gehört G. zu jenen Adligen, die sich, im Widerstand gegen Reaktion und Bourgeoistum, dem jungdeutschen oppositionellen Liberalismus anschlossen und mit ihm für ein allerdings vages human-soziales Freiheitsideal kämpften. Einerseits durchaus Aristokrat mit grandseigneuralem Anflug, hat G. andererseits seine schriftstellerische Bürgerlichkeit stark betont.

  • Werke

    Weitere W u. a. Erato, 1829, 21836 (Gedichtslg.);
    Gedankensprünge eines d. Cholera Entronnenen, 1832, 21832;
    Schildsagen, 1834;
    Korallen, 1834 (versepische Erzz., Gedichte);
    Desengaño, 1834 (Novelle);
    Berlin. Bilderbuch, Gedichte nach alten u. neueren Gemälden, 1836;
    Noveletten, 1837;
    Lieder u. Romanzen, 1837;
    Venetian. Novellen, 1838;
    Novellen u. Skizzen, 1839. - Übers.: J. U. Niemcewicz, Geschichtl. Gesänge d. Polen, 1833;
    Wace's Roman v. Rollo u. d. Herzögen d. Normandie, Metrisch übers, u. bearb., 1835;
    Clotilde v. Vallon-Chalys, Dichterin d. 15. Jh., Auswahl, frei bearb., 1837 (literar. Fälschung d. franz. Hrsg. Vanderbourg, 1804). - Sämtl. Werke, hrsg. v. Arthur Mueller, 24 Bde., 1844 (P);
    Poet. u. prosaische Werke, Neue Ausg., 1853 f.;
    Ausgew. Erzz., hrsg. v. Constance v. Gaudy (N), 1886;
    Ausgew. Werke, hrsg. v. K. Siegen, 3 Bde., 1896;
    dass., hrsg. v. Alice v. Gaudy (N), 2 Bde., 1901;
    Karikaturenbuch, Faks., hrsg. v. F. v. Zobeltitz, 1906. - Hss. u. Briefe im Mus. Frankfurt/O. (f. weiteres s. Frels).

  • Literatur

    ADB VIII;
    K. Voretzsch, G.s Kaiserlieder u. d. Napoleondichtung, in: Preuß. Jb. 95, 1899;
    J. Reiske, G. als Dichter, 1911;
    Brümmer (W).

  • Autor/in

    Fritz Martini
  • Empfohlene Zitierweise

    Martini, Fritz, "Gaudy, Franz Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 95 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104234431.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gaudy: Franz Freiherr v. G., wurde am 19. April 1800 in Frankfurt a./O., wo der Vater (s. u.) als Major stand, geboren. Die Mutter war eine Gräfin v. Schmettau. Der Vater wurde etwa 1810 zum Gouverneur des Kronprinzen ernannt, und nun wurde G. oft zum Kronprinzen berufen; in Berlin besuchte er das französische Gymnasium, und als der Vater 1813 Generalgouverneur von Sachsen wurde, Schulpforta, das er 1818 mit dem Zeugniß der Reife verließ. Er sollte Jura studiren, trat aber auf des Vaters Wunsch in ein Garderegiment ein und wurde 1821 nach Breslau versetzt. 1823 starb der Vater, die Familie verlor ihr Vermögen und Gaudy's äußere Verhältnisse gestalteten sich ungünstiger. Durch des Kronprinzen Vermittelung erhielt er 1833 den mehrmals umsonst erbetenen Abschied, sein hoher Jugendfreund unterstützte ihn und so fand er Mittel, um seiner Muße und der Dichtung leben zu können. G. lebte in Berlin, verkehrte mit Chamisso, Wilibald Alexis und Kopisch und gehörte der sogenannten zweiten romantischen Schule an. Auch Heine wirkte vielfach auf ihn ein. Nachdem er mehrmals nach Italien gereist starb er am 5. Febr. 1846 in Berlin. Seine werthvolleren Werke sind 1853 in 8 Bändchen von Arthur Müller bei Hofmann in Berlin herausgegeben worden. Band 1 enthält Gedichte, großentheils humoristischer Natur, am bekanntesten ist die Lieutenantsklage „Fordere niemand mein Schicksal zu hören“, eine Parodie des Liedes von Holte; dann Romanzen, Terzinen und poetische Erzählungen, für die er, wie Chamisso in weit höherem Grade, besonders begabt war, die meisten in Nibelungenstrophen. Voll Witz und Laune ist das „Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen“, der nach Italien reist, aber es ist nicht wie Wagner's Conservations-Lexicon meint, eine Satyre auf Nicolai's Reise nach Italien. Im zweiten und dritten Bande steht „Mein Römerzug“, eine Reise nach Italien, wie die meisten seiner prosaischen Schriften im Feuilletonstil. Der vierte Band enthält die Kaiserlieder, erzählende Dichtungen und vermischte Gedichte. Der frühere preußische Officier begeisterte sich wie Zedlitz und Heine für Kaiser Napoleon, besingt Arcole, die Pyramidenschlacht, Marengo, Borodino, Dresden. die Rückkehr von Elba und andere Momente der Laufbahn des Kaisers. Einzelne dieser wie andere Gedichte zeigen ein hübsches Formtalent. Band 5 und 6 enthalten kleine Novellen und Erzählungen, meist von geringer Bedeutung, einzelne sind frisch und lebendig erzählt, die Humoresken etwas frostig und forcirt. In den zwei letzten Bändchen steht das Gedicht „Der Liebe Loos“, in Nibelungenstrophen, „Portogalli“ (Reise- und Lebensbilder aus der Schweiz und Italien) und venetianische Novellen. In seinen besten Gedichten erinnert G. an Chamisso, freilich ohne dessen tiefe und zarte Empfindung und ohne dessen Vorliebe für düstere Stoffe.

  • Autor/in

    v. Meerheimb.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meerheimb, von, "Gaudy, Franz Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104234431.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA