Lebensdaten
1884 bis 1964
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Philosoph ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 104196300 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haering, Theodor Lorenz
  • Häring, Theodor Lorenz
  • Häring, Theodor
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Zitierweise

Häring, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104196300.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor v. H. (württ. Personaladel, 1848–1928), Prof. d. ev. Theol. in Zürich, Göttingen u. T., Anhänger Ritschls (s. L), S d. Gottlob (1803–54), Inh. n. Manufakturwarengeschäfts (bes. Tuchhandlung) in St., aus Bauernfam. in Warmbronn b. Leonberg, u. d. Joh. Wilhelmine Aug. Beringer;
    M Emma (1856–1937), T d. Frdr. Chevalier (1810–89), aus Hugenottenfam., GKR, Inh. d. ehem. Haeringschen Manufakturwarengeschäfts, Mitgl. d. Reichstags (nat.-liberal), u. d. Wilhelmine Heinrich;
    B Hermann (* 1886), Staatsarchivdir. in St.; - ledig.

  • Leben

    H.s Studium in Halle und Tübingen galt in der Tradition seines Vaters der Theologie (1906 1. Examen in Tübingen). Es folgte ein kurzes Vikariat, dann 1907/08 ein Urlaub zum Philosophiestudium in Berlin. 1908-10 war H. Repetent am Seminar in Schöntal (1910 Promotion Tübingen bei E. Adickes, Dissertation: Der Duisburg'sche Nachlaß und Kants Kritizismus um 1775). Nach erneutem Studium in Bonn (1911–12), wo ihn besonders O. Külpe anzog, habilitierte er sich 1912 bei Adickes in Tübingen (Untersuchungen zur Psychologie der Wertung, 1912). Nach dem Tod seines Lehrers wurde er 1928 auf dessen Lehrstuhl für historische und systematische Philosophie in Tübingen berufen und lehrte hier bis zu seiner Emeritierung 1951. Neben der Berufung zur strengen Wissenschaft beseelte ihn eine starke Neigung zum Musischen, vor allem zur Musik, der er als guter Geiger lange Jahre kammermusikalisch huldigte; aber auch zum Literarischen ging der Hang und trieb ihn von Jugend auf zu Gelegenheitsdichtungen. Eine von Kindheit an fortschreitende starke Kurzsichtigkeit führte in vorgerücktem Alter fast zur Erblindung und behinderte sein äußeres Leben stark. Sie zwang ihn nicht nur zum Verzicht auf das Musizieren, sondern nötigte ihn auch, alle Vorlesungen und Vorträge ohne Manuskript und Notizen zu halten. Seine große Reiselust konnte sie allerdings nicht einschränken, die ihn viele Teile der Erde kennenlernen ließ.

    H.s philosophisches Werk vereinigt Untersuchungen zur Grundlegung und Methodik des Erkennens und Verstehens der Wirklichkeit mit Arbeiten aus der Philosophiegeschichte. Besonders dem philosophischen Verständnis der Naturwissenschaften, deren physikalisch-mathematischen Grundstrukturen, gellen seine Bemühungen. Aber auch mit den philosophischen Grundlagen anderer Einzelwissenschaften, so der Geschichte und der Psychologie, befaßt er sich vom Standpunkt eines Verfechters des teleologischen Erkenntnisprinzips aus. Eine Zusammenfassung seines erkenntniskritischen Schaffens bietet sein letztes Werk „Philosophie des Verstehens. Versuch einer systematisch-erkenntnistheoretischen Grundlegung alles Erkennens“ (1963). – H.s philosophiegeschichtliche Hauptwerke sind die zweibändige Darstellung und Deutung des Werkes Hegels (Hegel, sein Wollen und sein Werk, I, 1929, II, 1938), das für die Hegelforschung von epochemachender Bedeutung wurde, und eine Untersuchung der Philosophie Novalis' (Novalis als Philosoph, 1954). Durch sein gesamtes, von der positiven Auseinandersetzung mit dem deutschen Idealismus bestimmtes Philosophieren zieht sich der Gedanke der Überwindung von Einseitigkeiten und Extremen, der „Einheit der Gegensätze“ als Hauptmerkmal der großen deutschen Philosophieepochen.

    Neben seinen zahlreichen fachwissenschaftlichen Büchern und Schriften steht sein von liebenswürdigem Humor bestimmtes literarisches Schaffen, das sich überwiegend mit der schwäbischen Stammesart befaßt und H. den Ruhm eines Klassikers des Schwabentums bei einer großen Leserschaft im gesamten deutschen Sprachgebiet sicherte. In seiner „Rede auf Alt-Tübingen“ (1934) und dem Erfolgsbuch „Der Mond braust durch das Neckartal“ (1935) setzte er dem genius loci seiner Heimatstadt und -universität und dem alle Stände beherrschenden und zusammenführenden schwäbischen Geist ein Denkmal voll geistvollen Humors und tiefer psychologischer Deutung.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Materialisierung d. Geistes, 1919;
    Struktur d. Weltgesch., 1920;
    Schillers Philos. u. d. Lebensfragen d. Gegenwart, 1921;
    Philos. d. Naturwiss., 1923;
    Hauptprobleme d. Gesch.philos., 1925;
    Über Individualität in Natur- u. Geisteswelt, 1926;
    Naturphilos. d. Gegenwart, 1934;
    Rede f. d. Geist, 1935;
    Hegels Lehre vom Staat u. ihre Bedeutung f. d. Gegenwart, 1939;
    Schwabenspiegel, 1949;
    Haeringssalat, 1953.

  • Literatur

    E. Haag, in: Attempto 14, 1964, S. 39-41 (P);
    Schwäb. Tagbl. v. 19.6.1964 (P);
    Ziegenfuß. - Zu V Theodor: Herm. Haering, Th. H., 1963;
    RGG;
    F. Traub, in: DBJ X, S. 108-10 (u. Tl. 1928, W, L).

  • Portraits

    in: P. Swiridoff, Tübingen, 1961, S. 110.

  • Autor/in

    Walther Gebhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Gebhardt, Walther, "Häring, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 449 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104196300.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA